Die Diskussionen und die Überlegungen der Unternehmen, dass die Kunden zumindest Teile der Kosten für Rücksendungen übernehmen sollen, werden in den vergangenen Wochen lauter und deutlicher. Die ersten Produzenten und Versandhändler steigen bereits ein. Doch die Bereitschaft der Verbraucher, sich im Hinblick auf die Nachhaltigkeit ebenfalls zu beteiligen, ist gering, wie eine Umfrage des BEVH zeigt. Nur in der Gruppe der 40- bis 49-Jährigen ist eine knappe Mehrheit dazu bereit. Insgesamt liegt der Durchschnittswert bei rund 45 Prozent. Bei den Über-50-Jährigen sind mehr als 32 Prozent nicht damit einverstanden. Es gibt noch viel Luft nach oben und viel zu tun.

///// HANDEL NATIONAL
#WeAreAllUkrainians übernimmt Jobaidukraine.com
Pünktlich zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni hat die gemeinnützige GmbH #WeAreAllUkrainians, die Wladimir Klitschko und Tatjana Kiel, CEO von Klitschko Ventures, gegründet haben, die Jobplattform Jobaidukraine übernommen. Auf Jobaidukarine.com finden Flüchtlinge aus der Ukraine deutsch- und englischsprachige Stellenausschreibungen. Nach Angaben der Jobbörse sei es gelungen, bislang rund 20.000 Jobs von 10.000 Unternehmen anzubieten, 2.000 Stellen wurden vermittelt. Das Jobportfolio umfasst Arbeitsplätze für Hilfskräfte in Reinigung, Gastronomie oder Krankenhäusern, dazu kommen Softwareentwickler, Einkaufsleiter oder technische Ingenieure.

HDE und PVD fürchten Ende des anonymen E-Gelds
Im Zuge des neuen Entwurfs zur Überarbeitung der EU-Anti-Geldwäschevorschriften warnen der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Prepaid Verband Deutschland e. V. (PVD) vor einem Ende des E-Gelds. Dabei geht es für die beiden Verbände um Gutscheine und Geschenkkarten, denn für sie müsste in Zukunft bei jedem Kauf die Identität des Kunden aufgenommen werden. Es gebe keinen Grund, den Verkauf dieser Gutscheine, der im Jahr ein Volumen von rund drei Milliarden Euro erreiche, wegen des Kampfs gegen die Geldwäsche einzuschränken. In Zukunft müssten die Kundendaten bei allen Käufen erfasst werden, bislang liege die Grenze bei 150 Euro, im Online-Handel bei 50 Euro. Hier gebe es aber kein ernsthaft begründbares Geldwäscherisiko, erklären die Verbände. In der Folge würden dann aber die Kunden auf diese Produkte verzichten.

Gorillas hat Zukunftsoptionen geprüft
Gorillas hat nach einem Bericht von Bloomberg in den vergangenen Wochen Gespräche mit einigen Mitbewerbern, darunter Gopuff und Jokr, geführt. Dabei gehe es um den Umbau der finanziellen Basis, dazu gehörten auch eine mögliche Fusion oder ein Verkauf. Es gebe auch Gespräche mit Beratern von JP Morgan. Es würden unterschiedliche Lösungen geprüft, feste Ziele wären aber nicht bekannt, es könne auch sein, dass es zu keiner Transaktion komme. Eine Stellungnahme der Unternehmen gebe es nicht. Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass Gorillas in Spanien den Betrieb einstellen werde, kurze Zeit zuvor kam die Nachricht, dass zwei Personal-Managerinnen das Unternehmen verlassen (das Morning Briefing berichtete).


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay schließt den türkischen Marktplatz
Die Tage des türkischen Marktplatzes Gitti Gidiyor von Ebay sind gezählt. Die Einstellung des Betriebs soll in Schritten erfolgen, teilt das Unternehmen mit. Ab sofort können Verkäufer keine Produkte mehr auf der Plattform anbieten, vom 18. Juli sind keine Einkäufe mehr möglich. Käufer und Verkäufer haben noch bis zum 5. September Zugriff auf ihre Konten. Der Konzern erwartet durch die Abschaltung der Plattform keine Auswirkungen auf Quartals- und Jahresergebnisse. Ebay hatte 2011 die Mehrheit von Gitti Gidiyor übernommen und spricht nun in Anbetracht des starken Wettbewerbs von einer schwierigen, aber strategischen Entscheidung.

Walmart und Roku starten Kooperation
In Zukunft können Kunden in den USA auf der TV-Streaming-Plattform Roku direkt bei Walmart einkaufen. Sie erhalten nach einer Mitteilung der beiden Partner über die Fernsehwerbung direkten Zugang für den Online-Einkauf bei Walmart. Dadurch werde ein Schritt eingespart, die Nutzung von Smartphone oder Computer entfalle, und die Kunden hätten die Möglichkeit für einen nahtlosen Einkauf. Ein zweimaliges Klicken von "OK" auf der Fernbedienung reiche aus, um die Bezahlung über Roku Pay, die Zahlungsplattform von Roku, abzuschließen und die Versandinformationen zu erhalten. Walmart habe nun die Möglichkeit, die Werbekampagnen genau anzupassen und zu optimieren.

JD.com mit geringen Zuwächsen beim "618 Shopping Festival"
Das chinesische "618 Shopping Festival" war für JD.com nur ein eingeschränktes Festival. Die Verkaufszahlen stiegen während der 18 Tage, die am Sonntag endeten, um 10,3 Prozent, eine deutliche Verschlechterung gegenüber den Zahlen von 2021 mit einem Plus von 27,7 Prozent, meldet Reuters. Dies seien die niedrigsten Wachstumsraten, die JD.com jemals in einem "618" verzeichnet habe, und ein Zeichen für die Auswirkungen der Lockdowns in einigen Regionen Chinas in den vergangenen Wochen. Das Verkaufsvolumen habe nach Angaben des Konzerns bei rund 56,48 Milliarden US-Dollar gelegen. Das Unternehmen lege nun einen Schwerpunkt auf den Ausbau der Lieferdienste. Von Alibaba Group und Pinduoduo gebe es keine Zahlen, aber die Beratungsfirma Syntun gehe von einem Niveau in etwa gleicher Höhe wie 2021 aus.

Amazon kommt nach Belgien
Amazon hat neue Länder für den Aufbau von Plattformen ins Auge gefasst. In Europa ist nach einem Bericht von Internet World Belgien der nächste Markt, der Start ist für den September geplant. Im kommenden Jahr stünden dann Chile und Kolumbien auf dem Plan, in Afrika seien es Nigeria und Südafrika. In Belgien läuft bereits der Bau eines Verteilzentrums in der Nähe von Antwerpen. In Südamerika ist Amazon in Brasilien und in Mittelamerika in Mexiko aktiv, auf dem Kontinent erwartet den Konzern besonders mit Mercado Libre ein starker Mitbewerber.


///// TRENDS & TECH

Digitale Barrierefreiheit umsetzen
Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln rät die Privatwirtschaft zu einer Vorbereitung der kompletten Umsetzung der digitalen Barrierefreiheit. Das Wirtschaftsforschungsinstitut hat bei einer Untersuchung der Webseiten der öffentlichen Verwaltung große Defizite bei der digitalen Barrierefreiheit festgestellt. Aber hier sei auch die Wirtschaft gefordert, auch wenn die gesetzlichen Regelungen und die Anordnungen erst 2025 in Kraft treten. In Teilbereichen müssten die Anforderungen früher umgesetzt werden, hier seien besonders die Banken gefordert, doch es entwickle sich zu einem wichtigen Thema für alle Unternehmen, die im Online-Handel aktiv seien. Eine geplante Marktüberwachungsbehörde könne bei Nichteinhaltung der Bestimmungen den Verkauf von Produkten untersagen. Unternehmen, die mit einem frühen Umsetzen der Regelungen begännen, hätten einen größeren zeitlichen Rahmen und einen Wettbewerbsvorteil.

Start-up Conversion Maker: Gute Produkttexte auf Knopfdruck
Im Onlinehandel ersetzen Produktbeschreibungen den Verkäufer. Dennoch betrachten viele Unternehmen die Texterstellung vor allem als notwendiges und ressourcenintensives Übel. Das Offenburger Start-up Conversion Maker setzt hier an: Seine KI-basierte Software soll verkaufsfördernde Produkttexte auf Basis weniger Stichwörter automatisiert erstellen - und Onlinehändler dabei unterstützen, mehr Interessenten zu Käufern zu machen. Etailment stellt das Start-up vor.

Ankorstore nimmt den Betrieb von Ankorstart auf
Der B2B-Marktplatz Ankorstore will sein Angebotsspektrum erweitern und Neugründungen im Einzelhandel unterstützen. Der kostenlose Service Ankorstart soll die Jungunternehmer vor, während und nach der Eröffnung ihrer Geschäfte unterstützen, heißt es von Unternehmensseite. Die Zielmarke bis Ende des Jahres liegt bei 5.000 neu gegründeten Einzelhändlern in Deutschland. Ankostore wolle den Einzelhandel wieder aufleben lassen, die Unterstützung umfasse laut Nicolas D'Audiffret, Mitbegründer und Co-CEO, die Definition des Geschäftsmodells, die Standortwahl oder die Zusammenstellung des Sortiments.


///// NACHHALTIGKEIT

Umwelthilfe fordert Ende der Papierwerbung
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Bundesregierung erneut aufgefordert, gegen die Werbeprospekte, die in die Briefkästen geworfen werden, vorzugehen. Nach einer Umfrage der DUH will die Mehrheit der Handelsunternehmen diese Werbeform nicht beenden. Bundesumweltministerium Steffi Lemke müsse eine Opt-in-Regelung, bei der die Endkunden die Werbung ausdrücklich wünschten, einführen. Damit könne bis zu einer halben Million CO2 pro Jahr eingespart werden. Für die Umweltorganisation reicht eine Nutzung von Recyclingmaterial für die Prospekte nicht aus, sie empfiehlt die Nutzung von Online-Werbung. Viele Händler nutzten zwar die Online-Medien, aber nur als Ergänzung, nicht als Ersatz für die Papierprospekte.