Eine Frist von 15 Tagen bekommt Wirtschaftsminister Peter Altmaier von den Wirtschaftsvertretern beim Krisengipfel in Berlin letztmalig eingeräumt. Am 3. März soll er einen berechenbaren Öffnungsfahrplan vorlegen. Kann er liefern, und wenn ja, wird er damit dann Gehör im Corona-Krisen-Kabinett finden? Nach dem Treffen gestern bezweifeln das die Kommentatoren aller führenden Wirtschaftsmedien. Der Online-Handel brummt unterdessen ungebremst weiter. 

///// HANDEL NATIONAL
Verleger und Werbewirtschaft protestieren gegen geplantes Werbeverbot im Saarland
Bei Redaktionsschluss gab es keine neuen Nachrichten aus dem saarländischen Ministerrat, der gestern ein Werbeverbot für Produkte, die nicht dem täglichen Bedarf oder der Grundversorgung dienen, verhängen wollte. Kritik kommt von Verlegern und Werbewirtschaft, die darin ein Kommunikationsverbot für die geöffneten Geschäfte sehen. Kraft und Energie gehören doch in kluge Öffnungskonzepte und nicht in Werbeverbote“, zitiert die DPA den Hauptgeschäftsführer des VDZ Stephan Scherzer

Amazon droht wieder Ärger mit dem Kartellamt nach Sperrung von Händlerkonten
Im Januar war das Urteil gegen Amazon am Landgericht München schon einmal Thema bei etailment, nun ist das Bundeskartellamt aufmerksam geworden. Laut eines Berichts des Handelsblatts zeigen sich die Wettbewerbshüter durch das Urteil alarmiert, da die eigenen Ermittlungen gegen die Sperrung von Händlerkonten erst kürzlich auf Drängen von Amazon eingestellt wurden. Der Richter in München ordnete an, dass der Online-Riese ein gesperrtes Verkäuferkonto wieder öffnen und dem Händler Zugriff auf sein Guthaben gewähren muss. Es geht um 250.000 Euro. Die Stellung von Amazon sei marktbeherrschend, heißt es in der Urteilsbegründung. 

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Logistiklösungen für saisonale Schwankungen im Handel
Lagerhäuser müssen während Spitzenzeiten Ihr Personal mit Zeitarbeitskräften fast verdoppeln. Diese müssen mit voller Produktivität und minimaler Schulung starten, was jedoch zu kostspieligen Kommissionierfehler führt. Erfahren Sie, wie Ihr Stammpersonal produktiver arbeiten kann, damit Sie auf Zeitarbeitskräfte verzichten und Pickfehler vermeiden können.

Menschenunwürdig - Lieferando und Wolt bei Fahrer:innen weiterhin in der Kritik
Die Minusgrade der vergangenen Wochen haben ihnen zusätzlich zugesetzt, den Fahrer:innen der Lieferserviceanbieter Wolt und Lieferando in Berlin. Als menschenunwürdig beschreiben sie bei einer kleinen Kundgebung ihren Job gegenüber der Tageszeitung taz und fordern die Ausstattung mit Winterkleidung, einen Kältebonus sowie klare Vorschriften zu den Arbeitszeiten bei schwierigen Witterungsbedingungen. 


///// HANDEL INTERNATIONAL


Online-Supermarkt Coop.ch holt auf
Ein solides Wachstum von 14,3 Prozent auf einen Jahresumsatz von über 30,2 Milliarden CHF erzielte Coop im Coronajahr 2020. Nach Unternehmensangaben ist dies vor allem auf die Supermärkte zurückzuführen, der Bereich Großhandel/Produktion litt hingegen unter dem Lockdown. Ebenfalls gut gewachsen ist der Umsatz mit Bioprodukten von 210 Mio. im Jahr 2019 auf zwei Milliarden CHF im Jahr 2020. Auf Wachstumskurs ist auch der Online-Handel auf Coop.ch, zumindest prozentual: Ein Wachstum um 45,5% bedeutet einen Umsatz von immerhin 232 Mio. Franken.  

Verkauf von Ebay-Kleinanzeigen an Adevinta - britische Wettbewerbshüter melden Bedenken an
Das Bundeskartellamt gab im November 2020 grünes Licht für den Verkauf von Ebay-Kleinanzeigen an den Betreiber der Konkurrenzplattform Shpock, da letztere nur geringe Marktanteile in Deutschland hat. In Großbritannien sieht es ganz anders aus: Durch den Zusammenschluss bliebe als einzige Konkurrenzplattform Facebook Marketplace übrig, heißt es von Seiten der britischen Wettbewerbsbehörde CMA, die außerdem höhere Preise und weniger Auswahl für die Verbraucher befürchtet. Ebay nimmt dazu auf einem Unternehmensblog Stellung.   

Britisches Finanzministerium prüft Steuer für den Online-Handel
Eine Idee, die auch in Deutschland schon im Raum steht, nimmt in Großbritannien konkrete Formen an: Dort prüft das Finanzministerium die Einführung einer Steuer auf den Online-Handel, um damit die Innenstädte im Königreich zu retten. Wie die Tageszeitung The Guardian berichtet, wolle man das Gleichgewicht zwischen online und stationären Geschäften wiederherstellen. Mehrere große Einzelhändler geben dem Finanzministerium Rückenwind. Eine Einführung könnte im Herbst erfolgen. 

///// TRENDS & TECH

Warum IT-Sicherheit nicht nur ein technisches Thema ist
Eine Forsa-Umfrage zeigt: Über 70 Prozent der Unternehmen sehen sich nicht durch Cyberkriminelle gefährdet. Dabei nimmt die Netzkriminalität drastisch zu, gerade im Bereich E-Commerce. Wie Sorglosigkeit beim Thema Sicherheit ganze Geschäftsmodelle gefährden kann, zeigen die Gastautoren Steven Bailey und Steffen Ritter auf. 

Kundenfeedbacks unter Kontrolle mit etrusted
Für Online-Händler sind Kundenfeedbacks fast so wichtig wie -Daten. Um diese professionell und schnell zu managen, ggf. über mehrere Bewertungstools hinweg, hat Trusted Shops nun das Kontrollzentrum eTrusted freigeschaltet. Die Plattform macht es möglich, Feedbacks über einzelne Shops oder ganze Filialnetze aus der Vogelperspektive zu analysieren und auszuwerten. Bewertungen lassen sich über zusätzliche Widgets prominent auf der Webseite platzieren. Auch verfügt die Plattform über ein eigenes Reputations-Management, mit dem Bewertungseinladungen an Kunden auf wichtige Online-Profile wie Trusted Shops oder Google My Business verteilt werden können. 

Lokale Onlinemarktplätze werden beliebter
Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich in den vergangenen Monaten geändert: Sie legen mehr Wert auf lokalen Einkauf und Nachhaltigkeit - online wie offline - heißt es im Corona-Consumer-Check des IFH KÖLN. Insbesondere junge Leute im Alter von 18 bis 29 Jahren zeigen großes Interesse an lokalen Onlinemarktplätzen (68%). Dazu passt, dass auch der tatsächliche Einkauf auf diesen während der Pandemie von 15% auf 23% gestiegen ist.