Können Tauben den E-Commerce stören? Sieht so aus: Die Starlink-Satelliten von Elon Musk sollen das Internet dorthin bringen, wohin es auf dem Landweg noch nicht kommt. Wie T3N.de berichtet, stellen die Empfangs-Satellitenschüsseln nicht nur bei etwa 40 Grad Celsius den Betrieb ein. Tauben halten die Schüsseln offenbar auch für Vogelbäder, hocken sich hinein und stören den Empfang. Eine neue Generation von Schüsseln soll beides beheben. Es bleibt schwierig.

///// HANDEL NATIONAL
Lieferdienste I: Wuplo hat in Berlin losgelegt und will expandieren
Uuuuund noch ein Lebensmittel-Lieferdienst, diesmal mit russischen Wurzeln: In Berlin hat gestern Wuplo seine Website freigeschaltet. Von einem Lager mit 5.000 Produkten in Charlottenburg aus gelten die üblichen knackigen Lieferzeiten: 10 Minuten innerhalb Charlottenburgs, 30 bis 60 Minuten für das übrige Liefergebiet ("ganz Berlin"), wobei auch hier 10 Minuten angekündigt werden. Alternativ kann die Kundschaft 15-Minuten-Zeitfenster festlegen. Hinter Wuplo steht laut Impressum die First Mile Delivery Solutions GmbH. Als Gründer nennt die Pressemitteilung Ivan Vorontsov und Sergey Schetinin -- beide seien seit 2016 in Moskau mit dem Lieferdienst Family Friend unterwegs. Sie kündigen variable Lieferentgelte (ein bis 2,60 Euro), eine Zero-Waste-Lieferung sowie die Expansion in weitere Städte an. Langsam wird das Lieferdienst-Angebot allerdings unübersichtlich, wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit bis zur ersten Lieferdienst-Metasuchmaschine.

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Mehr Flexibilität mit den „Später Bezahlen“-Angeboten von PayPal

Der Online-Handel ist relevanter denn je und setzt seinen Erfolgskurs fort. Auch auf Händlerseite vergrößert sich der Markt. PayPal ermöglicht beiden Seiten beim Shopping nun noch flexibler zu sein. Die Umsätze des Online-Handels steigen konstant, doch auch die Bedürfnisse der Kunden bezüglich des Einkaufserlebnisses verändern sich. Je einfacher, sicherer und flexibler sich dieser gestaltet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Kunden ihren Einkauf abschließen. Einen entscheidenden Beitrag hierzu können Händler mit den „Später Bezahlen“-Angeboten von PayPal leisten. Mehr dazu lesen Sie hier.

Lieferdienste II: Prosus erhöht Anteil an Delivery Hero
Um 2,5 Prozent will die niederländische Holding-Gesellschaft Prosus ihre Anteil am Berliner Essens-Lieferdienst Delivery Hero aufstocken. Der Anteil von Prosus wachse so von 24,97 auf 27,47 Prozent, rechnet DPA vor, man bleibe größter Einzelaktionär. Mehr als 29,99 Prozent sollen es aber nicht werden, da sonst ein Übernahmeangebot an die Aktionäre fällig würde.

Amazon will in Deutschland Tausende neue Jobs schaffen
Während die Gewerkschaft Verdi gestern in Erfurt gegen die Arbeitsbedingungen bei Amazon protestierte (und das Unternehmen die Vorwürfe zurückwies, beides laut DPA/Zeit.de), kündigt Amazon "Tausende Neueinstellungen in Deutschland" an: Mit dem "Career Day" am 16. September sollen Bewerberinnen und Bewerber für die Bereiche Logistik, Marketing, Finanzwesen, Rechenzentren und Forschung geworben werden. "Wir bieten eine branchenführende Vergütung sowie ein sicheres und modernes Arbeitsumfeld", sagt Country Manager Ralf Kleber. In den USA läuft der "Amazon Career Day" am 15. September -- hier geht es um 40.000 Stellen.

Berlin Brands Group wechselt Investor und wird Einhorn
Die Berlin Brands Group, Online-Direktanbieter von 3.700 Produkten unter 34 eigenen Marken, verändert seine Eigentümerstruktur: Wie das Unternehmen schreibt, übernimmt Bain Capital 40 Prozent Anteile von Ardian und sorgt für eine Bewertung von mehr als einer Mrd. Euro. Damit gilt BBG als Einhorn. Zusätzlich erhalte das Unternehmen 700 Mio. US-Dollar an Eigen- und Fremdkapitalfinanzierung. Die Mehrheit der Anteile liegen weiterhin beim Gründer und CEO Peter Chaljawski und dem Führungsteam.

Live-Shopping I: HSE steigert Umsatz -- vor allem online
Der Live-Shopping-Sender HSE meldet "das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte": 2020 stieg der Umsatz um 4,4 Prozent auf 809 Mio. Euro, die bereinigten EBITDA auf 160,3 Mio. Euro ("ein Vielfaches"). 34 Prozent des Umsatzes kamen dabei aus dem E-Commerce, er legte um 19 Prozent auf 273 Mio. Euro zu. Denn: 64 Prozent der (nicht näher bezifferten) Neukund:innen bestellten über Webshop und App. Interessante Funktion: Wer eine Sendung auf dem Smartphone verfolgt und das Gerät schüttelt, kommt direkt zum gezeigten Produkt.

Live-Shopping II: Live-Streaming-Plattform Sosho verspricht "echtes Infotainment"
Dem Countdown auf der Website zufolge geht am 7. September um 21 Uhr Sosho auf Sendung, laut Pressemitteilung "die erste Livestream-Shopping-Plattform in Deutschland". Hinter dem Betreiber Brands Live Social Club UG stehen die Agenturen Noga und Buzzbirds. Versprochen werden 45-minütige Live-Sendungen mit Influencern, "echtes Infotainment und originell inszenierte Shows", "gesellschaftlich relevante Themen" wie Nachhaltigkeit und eine Online-Community. Die Plattform verlinkt nicht auf die Websites der Marken: Sosho kauft die Produkte nach der jeweiligen Sendung als Händler ein. Die Bewerbung der Sendungen übernehmen die dort auftretenden Influencer, die noch nicht genannt werden.

Autodoc: Auch Autoteile wachsen online
Der Berliner Onliner Autodoc, nach eigenen Worten "Europas führender Online-Händler für Autoersatzteile" und in 27 Ländern unterwegs, hat den Gruppenumsatz 2020 um 37,6 Prozent auf 842 Mio. Euro gesteigert, wie Internetworld.de berichtet. Der Konzernjahresüberschuss habe 54,9 Mio. Euro erreicht, ein Plus von 74,2 Prozent. Zu den 5,5 Mio. aktiven Kunden gehören außer Endverbrauchern auch unabhängige Werkstätten und Flottenanbieter, so das Blatt.

Zwei Personalien

  • Der deutsche Outdoor-Spezialist Jack Wolfskin hat die Position des Vice President Digital eingerichtet und mit Patrick Berresheim besetzt. Wie Textilwirtschaft.de schreibt, kommt er von Birkenstock und soll künftig die Digitalstrategie und den einheitlichen E-Commerce-Auftritt in Europa, Russland, China und den USA verantworten.
  • Freenet, laut Selbstbeschreibung Digital-Lifestyle-Provider und damit irgendwie auch E-Commerce, hat ein neues Werbegesicht: Dieter Bohlen. Er heißt dort "Chief Entertainment Officer (CEO) ohne Vorstandsmandat". Nun, ja, Modern Talking hieß ja auch "Band".

///// HANDEL INTERNATIONAL

Schweiz: Vier Unternehmen versammeln ihre Onliner in neuem Joint Venture
In der Schweiz entsteht ein Online-Superriese: TX Group (Verlag und Digitalplattform), Ringier (Verlag), Mobiliar (Versicherung) und General Atlantic (Investor) gründen ein Joint Venture, das mehrere Marktplätze in sich vereint. Dazu gehören Ricardo, Tutti.ch, Homegate und Car For You (von TX Group) sowie ImmoScout24, AutoScout24, MotoScout24, FinanceScout24 und Anibis.ch (von Ringier/Mobiliar). Der Fokus liegt also auf Fahrzeugen, Immobilien, Finanzen und Kleinanzeigen. Zusammen entstehe "eines der grössten Digitalunternehmen der Schweiz", wie die vier Unternehmen mitteilen, es soll mittelfristig an die Börse. Bis dahin halten die Beteiligten jeweils 25 Prozent der Stimmrechte. Einen Namen hat das Joint Venture laut NZZ.ch noch nicht.

Türkei: Trendyol erhält 1,5 Mrd. Dollar Kapital und wird zum Zehnhorn
Die türkische E-Commerce-Plattform Trendyol, deren Startseite Mode, Möbel und Elektronik in den Mittelpunkt stellt, hat Investorenzusagen über 1,5 Mrd. US-Dollar erhalten. Wie es mitteilt, wird es jetzt mit 16,5 Milliarden US-Dollar bewertet und ist damit kein Unicorn (Einhorn) mehr, sondern "das erste Decacorn in der Türkei", was sich mit "Zehnhorn" übersetzen ließe. Ein Ziel: "ein führender Akteur in der EMEA-Region zu werden und neue Exportkanäle für türkische Händler und Hersteller zu schaffen". (Vielleicht mit einem Lieferdienst in Berlin?)

USA: Walmart liefert in New York über Instacart aus
Vor einigen Tagen kündigte Walmart an, die eigenen Liefersysteme für andere Anbieter zu öffnen (das "Morning Briefing" berichtete). In New York City allerdings läuft es andersherum: Da Walmart in der Stadt keine Märkte betreibt, übernimmt Instacart die Lebensmittel-Lieferung in die Stadtteile Queens, Brooklyn und Bronx. Der Lieferer kauft dafür außerhalb der Stadt bei Walmart ein, so Businessinsider.com und Fastcompany.com. Klingt umständlich, aber Ziel ist natürlich, den Amazon-Märkten in der Stadt Paroli zu bieten.

Zwei Shop-Aufkäufer sammeln Geld ein
  • Das deutsch-britische Startup Heroes (Sitz in London, betrieben von drei Hamburger Brüdern) erhält 170 Mio. Euro Kapital für sein Geschäftsmodell, erfolgreiche Amazon-Shops zu kaufen und zu betreiben. (Businessinsider.de).
  • Olsam, ebenfalls aus London und ebenfalls auf den Kauf von Onlinern aus dem Amazon-Umfeld spezialisiert, erhält 165 Mio. US-Dollar (etwa 139 Mio. Euro) Kapital. (Tech.eu)



///// TRENDS & TECH

Taxdoo kooperiert mit Mirakl und Prestashop
Das Mehrwertsteuer-Digitalpaket, das seit dem 1. Juli gilt, macht das Handeln innerhalb der EU einfacher, manchmal aber auch kompliziert. Spezialisierte Anbieter versprechen daher die automatisierte Umsatzsteuererklärung und -zahlung, zum Beispiel Taxdoo aus Hamburg. Taxdoo kooperiert jetzt mit Mirakl, einem französischen Anbieter von Marktplatz-Plattformen. Durch die Plug-&-Play-Lösung der Kooperation "minimieren Marktplätze ihr Risiko, für nicht oder falsch abgeführte Umsatzsteuer haftbar gemacht zu werden", sagen die Unternehmen. Eine vergleichbare Zusammenarbeit kündigt Taxdoo mit der (ebenfalls französischen) Open-Source-E-Commerce-Plattform Prestashop an.

Spitch und BSS bauen Bot für die Bezahlung per Messenger
Messengerdienste entwickeln sich zu E-Commerce-Kanälen, da gibt es Optimierungspotenzial fürs Bezahlen: Softwareanbieter BSS und der Schweizer Chatbot-Entwickler Spitch melden einen Chatbot, der Zahlungen über den Messengerdienst Telegram abwickeln kann: Er erkennt Rechnungen, füllt sie automatisch aus und veranlasst den Transfer, sobald der Kunde einen per SMS übermittelten Code eingibt. Nach eigenen Angaben sind BSS und Spitch damit weltweite Pioniere. Erster Nutzer ist die staatliche PSB Bank in Indien, die weitere Messenger einbinden will.

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///// NACHHALTIGKEIT

Mud Jeans verzichten auf Kollektions-Wechsel
Ob Online-Händler zu den Kunden gehören, steht nicht in der Meldung, aber die Idee überzeugt: Die niederländische Jeansmarke Mud Jeans bietet zu 95 Prozent zeitlose Modelle, die sich nicht verändern (so genannte Never-out-of-Stock-Produkte). Die 90 Herren- und Damen-Modelle in zehn bis 15 Größen werden rund ums Jahr und dauerhaft angeboten, Aus- oder Schlussverkäufe gibt es mangels Kollektions-Wechseln nicht, so Fashionunited.com. Fünf verschiedene Stoffe von zwei Lieferanten halten zudem die Produktion schlank. Das Ganze heißt völlig zu Recht "Slow Fashion".