Liebe Leserin, lieber Leser, Amazon ist mächtig. Keine Frage. Wie mächtig könnte der Gigant sein, wenn beispielsweise das Interface, das Menu nicht so ein modulares Chaos wäre: Mein Konto. Meine Bestellungen. Mein Dash. Mein Prime. Mein Drive - aber Ihre Haustiere - Mein Kindle. Mein. Mein. Mein. Und so weiter. Aber vielleicht ist das auch Absicht. Und das triggert den kleinen Narzissten in uns. Amazon triggert aber auch die, die gar nicht dort shoppen.

///// HANDEL NATIONAL
Zalando macht die Nachbarn zur Paketstation
Holen Sie ihre Pakete auch meist beim Nachbarn ab, weil der immer Home Office macht? Dann kann der sich vielleicht bald ein paar Euro dazuverdienen. In Dänemark geht es nämlich los mit privatisierten Abhol- und Abgabestellen. In Aarhus und Kopenhagen testet Zalando gemeinsam mit dem skandinavischen Logistikunternehmen PostNord einen neuen Service, bei dem Privatpersonen ihr Zuhause als Abhol- und Abgabestelle für Pakete registrieren können. Die erhalten dafür eine stückbasierte monatliche Vergütung. Zalando-Kunden können den "Nachbarn" beim Bezahlvorgang als ihren bevorzugten Ort für die Zustellung oder Rücksendung ihrer Bestellung auswählen. Womöglich ein cleverer Weg, um die Stop-Kosten durch Bündelung zumindest ein wenig einzupferchen.

Asos bringt Catwalk per AR nach Hause
Nutzer der Asos-App können sich per Augmented Reality eine kleine Anzahl an Produkten am lebensgroßen Model in den heimischen vier Wänden oder sonstwo anschauen. Technikpartner ist dabei HoloMe in London. Die TextilWirtschaft hat das Feature ausprobiert. Unser Test sagt: Sehr leicht zu bedienen. Sehr cool. Sehr lebensecht. Hat Zukunft. Leider im Moment nur bei einigen Produkten der Eigenmarke Asos Design machbar. Hier der Link für unseren Testlook für die iOS-App.

eBay testet personalisierbare Produkte
Gemeinsam mit den Unternehmen beyounic (Merchandising und Massenartikel) und MYCS (Möbel) hat eBay nun zwei Pilotprojekte gestartet, um Kunden personalisierbare Produkte und konfigurierbare Möbel auf dem eBay-Marktplatz anzubieten. Wer mal erfolglos auf Amazon nach personalisierbaren Grußkarten gesucht hat, weiß das derlei auf einem Marktplatz nicht ganz untrivial ist. 

 

///// INTERNATIONAL


Google-
KI sagt Retoure vor dem Kauf voraus
Künstliche Intelligenz hilft bekanntlich, die Customer Journey zu analysieren. Noch brauchbarer ist die KI natürlich, wenn sie Dinge vorhersagen kann. Retouren beispielsweise. Genau das kann eine KI, die von einem Team von Google und dem indischen Marktplatz Myntra Designs angelernt wurde. Trefferquote bei der Vorhersage der Rückgabewahrscheinlichkeit: Über 80%. Die Methodik erklärt das Studienpapier (pdf). Etliche Faktoren liegen aber auf der Hand. Vorlieben des Kunden, Retourenhäufigkeit dieses und ähnlicher Artikel, Menge der Artikel im Warenkorb (je mehr desto eher Retouren), Produktalter, Bestelltag, Lieferzeit, Bestellanzahl, Zahlungsmodus und Kaufhäufigkeit. Alles kein Hexenwerk. Die Kernfrage ist ja: Was macht man mit dem Wissen?

///// TRENDS & TECH


Adidas-Kampagne bei Twitter antisemitisch missbraucht
Eine Twitter-Kampagne von Adidas für das neue Trikot des Erstligisten Arsenal ist ziemlich nach hinten losgegangen. Adidas ermunterte die Nutzer, den Hashtag #DareToCreate zu twittern, der dann, Künstliche Intelligenz sei Dank, über den Adidas-Account ein Foto des neuen Trikots zeigte, samt Twitter-Namen der Nutzer. Das aber missbrauchten Nutzer mit Namen wie @GasAllJewss" oder "Unschuldiger Hitler". Adidas entschuldigte sich und stoppte die Aktion.

MyTaxi heißt Free Now  - und das ist eine gute Idee
Anfang des Jahres wurden die beiden bisherigen Carsharing-Plattformen Car2Go (BMW) und Drive Now (Daimler) miteinander verschmolzen. Die zur Daimler-Tochter Moovel gehörende App MyTaxi schlüpft unter das Dach des neuen Mobilitätsdienstleisters. Damit verbunden ist eine Umbenennung des Dienstes in Free Now. Das findet unter anderem das Handelsblatt "merkwürdig", t3n "nichtsagend". Und natürlich ist es auf den ersten Blick eher ein albernes Umparken im Kopf, eine gut eingeführte Marke zu verbrennen. Auf lange Sicht aber wäre der Name Mytaxi für eine Plattformstrategie rund um Connectivity und Mobility kaum noch zu gebrauchen. Free Now kann eines Tages wie ein Versprechen klingen. Mytaxi aber klingt immer wie Droschke 2.0.

Favorit der Leser
Selbst in den eher zögerlichen Verbundgruppen ist inzwischen klar, dass es an Amazon keinen Weg vorbei gibt. Also helfen sie ihren Händlern, bei Amazon anzudocken. Das damit noch mehr Macht gewinnt. Die ist schon jetzt gewaltig. Im Markt und vor allem in den Köpfen der Kunden. Wie massiv der Online-Titan die deutsche Handelslandschaft prägt und auch stationäre Käufe antriggert, zeigt die aktuelle IFH-Studie „Gatekeeper Amazon“.

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