Der vergangene Sonntag war für die Online-Industrie ein bemerkenswerter Jahrestag. Am 15.August 1996 präsentierte Nokia mit dem "Nokia 9000 Communicator" das erste Smartphone. Mit dem High-Tech-Gerät war das Faxen über einen Drucker möglich, es gab einen Kalender und einen Taschenrechner. Aber das Anschauen von Videos, die Bezahlung mit dem Handy, Videospiele oder der Einkauf während der Fahrt mit dem ICE oder der Straßenbahn konnte sich damals kaum jemand vorstellen. Es waren Zukunftsgedanken, die nach Science Fiction klangen. Auch an Apps für Wörterbücher, Nachrichten, Impfpass oder Navigationssysteme dachte damals noch niemand, der Touchscreen war noch weit entfernt. Der kam 2007 mit dem iPhone, eine Handynutzung ohne Wischen und Ziehen kann sich kaum noch jemand vorstellen.

///// HANDEL NATIONAL
Kaufangebot für Zooplus
Der Online-Händler für Tierbedarf Zooplus steht vor dem Verkauf. Der Finanzinvestor Hellmann & Friedmann hat den Aktionären 390 Euro je Aktie geboten, damit läge der Unternehmenswert bei 2,8 Milliarden Euro, berichtet das Handelsblatt. Nach dem Abschluss der Übernahme soll Zooplus dann von der Börse verschwinden, die Zustimmung des Zooplus-Vorstands liege vor. Mit der Zwischengesellschaft Zorro Bidco, die Hellmann & Friedmann eingesetzt habe, gebe es eine Investorenvereinbarung. Der Investor kündige ein höheres Investitionstempo und eine Beschleunigung der "Umsetzung wichtiger langfristiger Maßnahmen" an. Zooplus wird mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro als umsatzstärkster Online-Händler für Tierbedarf in Europa eingeschätzt, im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz um 18 Prozent.

Coolblue setzt nächste Schritte in Deutschland
Im vergangenen Jahr öffnete der niederländische Online-Elektronikhändler Coolblue die ersten Filialen am Niederrhein. Die nächsten Schritte sollen nun in Nordrhein-Westfalen folgen, ins Auge gefasst hat Coolblue die Regionen Ruhrgebiet, Köln, Leverkusen und der Rhein-Erft-Kreis, heißt es in der Lebensmittelzeitung. Nach dem ersten Geschäft, das noch in diesem Jahr in Düsseldorf öffnen soll, sei die Suche nach weiteren Läden, in denen dann auch die Online-Bestellungen abgeholt werden können, bereits im Gange. Für Großgeräte verfüge der Elektrospezialist über einen eigenen Lieferdienst, Kleingeräte würden in Großstädten auch von den Fahrradkurierdienst "Coolblue radelt" transportiert. Coolblue ist bislang in den Niederlanden, Belgien und Deutschland präsent, der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei zwei Milliarden Euro.

Bike 24 plant die internationale Expansion
Nach einem kräftigen Umsatzplus in den ersten sechs Monaten von 44 Prozent auf 127,4 Millionen Euro will der Online-Fahrradhändler Bike 24 nun auch im europäischen Ausland antreten. Dabei hat sich die Geschwindigkeit bei den Umsatzzahlenim zweiten Quartal verringert. Als Grund nennt Firmenchef Andrés Martin-Birner gegenüber dem Handelsblatt die Teileknappheit. Nach dem Start der Online-Plattform mit dem Verkauf von Ersatzteilen und Zubehör nehme der Verkauf von Rädern stark zu. Bei den Kunden hat es nach einer Mitteilung des Unternehmens einen Zuwachs um 41,8 Prozent auf 792.000 gegeben. Nach dem Börsengang im vergangenen Juni sei nun die Expansion in Europa geplant, als ersten Markt hat sich das Unternehmen Spanien ausgesucht. Dort gebe es mittlerweile eine Tochtergesellschaft, in der Nähe von Barcelona stehe der Bau eines Logistikzentrums bevor. Der Online-Verkauf soll auf Frankreich und Italien ausgedehnt werden. In Deutschland soll nach Unternehmensangaben im Herbst der neugestaltete Online-Shop starten.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba richtet wegen Missbrauchsvorwürfen ein Komitee ein
Der chinesische Online-Konzern Alibaba ergreift mit deutlicher Verspätung interne Maßnahmen wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen einen Manager. Erst hat es Tage gedauert, bis der Manager, gegen den die Mitarbeiterin die Vorwürfe wegen erzwungener Alkoholisierung und Vergewaltigung im Intranet vorgebracht hatte, entlassen wurde, nun reagiert das Unternehmen nach einer mehrtägigen Pause mit der Bildung eines internen Komitees. Dieser Schritt sei ein Teil des von ihr angekündigten grundlegenden Wandels, erklärt die Konzernspitze. Das ausschließlich aus Frauen bestehende Gremium soll sich um die Untersuchung solcher Vorfälle kümmern. Leiterin ist die Personalchefin der Alibaba Group Jane Jiang, außerdem Finanzchefin Maggie Wu und Personalleiterin Judy Tong. In der Zukunft sollen Arbeitnehmervertreter eingeladen werden. Dazu kommt die Einrichtung einer Hotline zur Meldung der Vorfälle. Die Untersuchung erfolge durch Spezialisten bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen. Die Konzernleitung spricht davon, dass sie viele Vorschläge von Kollegen bekommen habe und sehen könne, dass es großes Vertrauen zu Alibaba gebe.

Gopuff entdeckt Europa
Der nächste Lebensmittellieferdienst aus den USA wagt nach dem Start in Großbritannien nun auch den Schritt auf das europäische Festland. Das Start-up Gopuff, das sich mit kurzen Lieferzeiten durchsetzen will, hat nach eigenen Angaben eine Vereinbarung zur Übernahme des britischen Konkurrenten Dija unterzeichnet, wodurch der Einstieg in den spanischen und den französischen Markt möglich sei. Als weiteres Ziel wird eine Stärkung der Infrastruktur in Großbritannien genannt. Zwischen Gopuff und Dija gebe es einige Parallelen, so verfügten beide über vertikal strukturierte Betriebsmodelle. Erst im Mai hatte Gopuff den ebenfalls auf den Britischen Inseln beheimateten Lieferdienst Fancy übernommen. Ende Juli steckten diverse Investoren eine Milliarde US-Dollar in das Unternehmen, das nun eine schnelle Expansion ankündigt.


///// TRENDS & TECH

Smartphone als Einkaufshilfe
Das Smartphone wird von Verbrauchern beim Lebensmitteleinkauf verstärkt als Informationsmedium genutzt. Dabei wollen die Kunden wissen, was sie kaufen und ob es ihren Vorstellungen und Wünschen entspricht. Nach einer repräsentativen Befragung von Bitkom wünschen sich 73 Prozent der Kunden genaue Informationen über die Inhaltsstoffe der Waren. Für 48 Prozent ist es wichtig, wie die Produkte hergestellt werden und woher sie stammen. Das wichtigste Kriterium ist für 92 Prozent der Befragten die gesunde Ernährung, 85 Prozent legen Wert auf Informationen über das Wohl der Tiere, direkt dahinter folgt die Nachhaltigkeit (83 Prozent). Dabei gewinnt die digitale Technologie einen immer höheren Stellenwert, um die Informationen zu erhalten. Den Barcode-Scanner nutzen 24 Prozent direkt im Laden, vor zwei Jahren lag die Quote bei 20 Prozent. Der Anteil derjenigen, die den QR-Code einscannen, ist von 19 und 22 Prozent gestiegen. Nach den Ergebnissen der Untersuchung von Bitkom könnten die Anteile auf 41 Prozent beim Barcode und 35 Prozent beim QR-Code ansteigen.

Pattern: Amazon führt bei Elementen der Kundenbindung
In einer Sonderauswertung des German Shopper Report 2021 von Pattern haben die Autoren wichtige Faktoren der Kundenbindung untersucht. Am besten hat dabei Amazon abgeschnitten, eine Rolle habe dabei gespielt, dass die Kunden die Möglichkeit hätten, sich über die Produkte zu informieren. Für 57 Prozent der Befragten sei Amazon eine Hilfe bei der Suche nach Produkten, die in Geschäften nicht verfügbar seien, 38 Prozent nutzten die Plattform als Informationsmedium über Preise. 64 Prozent der befragten Personen hätten angegeben, dass das Online-Shopping bei Amazon einfach sei, für 58 Prozent sei die schnelle Lieferung ein positives Element. Auch die Nutzung als Marktplatz bringe Amazon Pluspunkte, denn für 40 Prozent könnten die Händler den Kunden dadurch bequemere Einkaufsmöglichkeiten bieten. Amazon sei "zum wichtigsten Schaufenster in Deutschland geworden", lautet das Fazit von Torsten Schäfer, Country Manager Germany bei Pattern. 

Emirates startet Online-Duty-Free-Shop
Passagiere von Emirates können ihre Duty-Free-Produkte nun auch im Vorfeld der Reise online kaufen. Die Bestellung ist ab 21 Tage vor Abreise möglich, die Frist läuft 40 Stunden vor Abflug ab. Die bestellten Produkte werden den Kunden dann an ihre Sitzplätze geliefert. Die Airline hat angekündigt, dass das Angebot im Laufe der Zeit ausgebaut werde. Nutzbar ist der Service von Passagieren aller Flugklassen, anfangs allerdings nur für Flüge ab Dubai.

///// NACHHALTIGKEIT

Google Nest Hub informiert über Luftverschmutzung
Google stattet Nest Hub mit einer Funktion für Informationen über Luftverschmutzung aus. Das smarte Display soll die Nutzer über die Gefahren durch Rauch oder Luftverschmutzung in der jeweiligen Region auf dem Laufenden halten. Nach Angaben von The Verge soll die neue Anwendung in den nächsten Wochen in den USA verfügbar sein. Sie soll auf dem Display angezeigt werden, könne aber jederzeit abgeschaltet werden. Datenlieferant sei die Environmental Protection Agency, die für die Luftqualität die Werte von Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Smog und Feinstaub misst und innerhalb einer Skala bewertet. Nutzer von Nest Hub würden dann mit Hilfe einer Warnmeldung informiert, sobald ein Grenzwert erreicht oder überschritten werde.