Vielleicht wurde es der Unternehmensführung von Gorillas einfach zu bunt in Berlin. Seit Monaten gibt es Stress mit den Mitarbeitern und eine schlechte Presse. Gestern nun wurde bekannt, dass der Lieferschnelldienst eine Verlegung seines Satzungssitzes nach Amsterdam beantragt hat. Sowohl steuerlich als auch in Sachen Mitbestimmungsrecht der Belegschaft dürfte das klare Vorteile für Gorillas bringen. Der operative Betrieb wurde zudem in eine neue Gesellschaft ausgegliedert. Gorillas spricht von einer effizienteren Holdingstruktur, die keine Auswirkungen auf die Mitarbeiter der Berliner Zentrale haben werde.  

///// HANDEL NATIONAL
Bieterwettbewerb für Zooplus beendet
Kurz vor Torschluss haben sich in der Nacht vom dritten auf den vierten November die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und EQT die Mehrheit am Tierspezialisten Zooplus für 3,4 Mrd. Euro gesichert. Die Wirtschaftswoche nimmt den Deal zum Anlass, den Boom der Finanzinvestoren zu hinterfragen. Die Branche sei mit Krediten aufgepumpt und könne ihre Versprechen bei wachsenden Risiken kaum halten, heißt es in einem Kommentar.  

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Deutsche Post erwartet 2021 Rekordergebnis
Es ist noch nicht lange her, da sah die Zukunft für die Deutsche Post gar nicht rosig aus, doch nun boomt der Versandhandel durch die Corona-Krise und das Unternehmen hebt zum vierten Mal in Folge die Geschäftsprognose an. Zum Ende dieses Jahres soll der Gewinn vor Steuern und Zinsen auf 7,7 Mrd. Euro klettern, zehn Prozent mehr als bisher erwartet. Satte 30.000 Menschen wurden neu eingestellt. Aktuell beläuft sich die Mitarbeiterzahl weltweit auf 580-Tausend. 

Zalando kündigt viertes Logistikzentrum in Deutschland an
Im hessischen Gießen ist wohl noch in diesem Jahr Baubeginn für das vierte Logistikzentrum von Zalando. Bereits ab 2023 wird dort der manuelle Betrieb mit rund 1.700 Mitarbeitern geplant. Man werde zunächst Teile des sogenannten Pick-Towers zur Lagerung der Artikel errichten, um eine schnelle Inbetriebnahme zu gewährleisten, heißt es in der Pressemitteilung. Von Gießen aus sollen künftig Kunden:innen in Deutschland sowie in angrenzenden Ländern Mittel- und Westeuropas beliefert werden.

Otto ereilt Shitstorm auf Twitter
Bereits im Jahr 2019 begann man beim Versandhändler Otto mit dem Gendern. Nicht allen Kunden scheint das zu gefallen. In dieser Woche nun erntete Otto sogar einen Shitstorm auf Twitter, weil das Unternehmen einem Nutzer auf Anfrage mitgeteilt hatte, dass man gendere und der Nutzer ja nicht bei Otto bestellen müsse. Dieser kündigte daraufhin sein Kundenkonto und löste eine Woge der Entrüstung aus. Der Hamburger Versandriese will an seinem Bestreben nach einer fairen Sprache, die die Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt, festhalten. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Frachtschiff-Riese Maersk will Amazon-FBA Konkurrenz machen
Der dänische Frachtschiff-Riese Maersk, der fast ein Fünftel des weltweiten Seefrachtverkehrs abwickelt, hat kürzlich das Logistikunternehmen Visible gekauft. Dieses betreibt in den USA neun E-Commerce-Fulfillment-Zentren, in denen Bestellungen für Einzelhändler gelagert und verpackt werden. Durch die Übernahme ist Maersk nach eigenen Angaben in der Lage, Bestellungen zu erfüllen und sie innerhalb von zwei Tagen an die Haustür von 95 Prozent aller US-Haushalte zu bringen. Die Strategie des Unternehmens: Es nutzt seine Flotte von 700 Containerschiffen, um eine Lieferkette aufzubauen, die einen Service von Hafen zu Hafen bietet. Im Visier von Maersk sind Kunden, die über ihre eigenen Plattformen verkaufen und Hilfe bei der Auftragsabwicklung benötigen. Somit fischen die Dänen künftig fleißig in Amazons FBA-Becken. 

Alibaba macht das Teilen von Warenkörben über Social Media möglich
Zur Information und Inspiration dienen neue Funktionen, die Alibaba kurz vor dem 11.11 Global Shopping-Festivals für Kunden in China freischaltet: Diese können nun ihre Einkäufe und Warenkörbe mit anderen Nutzern teilen und sich so gegenseitig inspirieren und über gute Angebote informieren. Ebenfalls neu ist die „New Discovery"-Funktion, mit der Tmall Global es internationalen Marken ermöglicht, kurze Videoinhalte zu präsentieren. 

Wolford AG entwickelt Omni-Channel-Strategie
Wer dieser Tage auf die neue Webseite der Wolford AG geht, bekommt ein riesiges Angebot zu sehen, wird aber beim Bestellen frustriert: „Demnächst erhältlich - benachrichtigen Sie mich" steht bei fast allen Größen. Dazu passt nun die mediale Ankündigung einer Omni-Channel-Strategie bis Juli 2022. „Traditionelles taktiles, physisches Erleben und hypermoderne IT-Lösungen werden kombiniert, um eine nahtlose Erfahrung mit den Vorteilen beider Welten zu bieten“, heißt es bei Wolford. Bleibt zu hoffen, dass die Bestellung vor Juli freigeschaltet wird. 

///// TRENDS & TECH

Warum Gefühlsvisionen im Onlinehandel so wichtig sind
Sogenannte Personas haben sich im Marketing als Hilfsmittel für eine soziodemografische Kundenansprache etabliert. Doch selten berühren sie die Ebene, die beim Kauf am wichtigsten ist: die Emotionen. Etailment-Experte Stefan Luther erklärt, warum Kundenzentrierung mehr ist als Demografie und Touchpoints, und erläutert, wie sich Sinneseindrücke digital übermitteln lassen.

Shopify will beim Gründen unterstützen
Wie kann man Menschen dazu motivieren, Unternehmer zu werden? Der Shop-Software-Anbieter Shopify hat dafür die Videokampagne „gründen4happiness" gestartet und den Happiness-Index ermittelt. Fazit: Selbständigkeit führt zu einer höheren Zufriedenheit im Berufsleben. 77 Prozent der Selbständigen würden sich sofort wieder selbständig machen. Sie lieben das kreative Arbeiten (73 Prozent), die flexible Zeiteinteilung (85 Prozent) und den individuell wählbaren Arbeitsort (46 Prozent). Die Shopify Happiness-Studie 2021 wurde in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Kantar auf der Basis einer Online-Umfrage erstellt.  

Commerce-Report Schweiz 2021 zeigt: Vernetzte Angebotswelt löst stationäre ab
Die Autoren des gerade erschienenen Commerce-Report Schweiz 2021 sprechen von einem Epochenwechsel: Die vernetzte Angebotswelt sei mittlerweile bestimmend für die Einkaufsmöglichkeiten der Bürger und ermögliche diesen eine nie gekannte Vielfalt von Leistungen. Im Zuge dessen setzten immer mehr Marken auf den Direktvertrieb, so dass Händler und Marken ihre Zusammenarbeit neu ausloten müssten. Mehr als 40 Prozent der Befragten sehen außerdem Social-Media-Kanäle als wichtige Bestellorte der Zukunft. 

///// NACHHALTIGKEIT

Berliner Community und ihre "The Fair Cottage"-Plattform
Ein paar Leute in Berlin gründeten im Jahr 2016 einen Community-Blog, der sich auf nachhaltiges Surfen, Outdoor-Sport, Ausrüstung und Lebensstil konzentrierte. Sie nennen ihn "The Fair Cottage" und machen ihn im Jahr 2019 zum Marktplatz für nachhaltige Sportbekleidung. Das Angebot ist bei vielen Produkten noch eher dünn, die Anzahl umweltfreundlicher und transparenter Marken mit 50 übersichtlich. Plattform-Gründer Eloy Padilla sieht auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Welt nicht nur die Händler, sondern auch die Verbraucher in der Pflicht. Sein transparenten Marktplatz solle diesen helfen, Entscheidungen mit ihren persönlichen Werten in Einklang zu bringen, heißt es in einer Pressemitteilung.