Suchen, bestellen und verschicken: Was den Online-Handel im Kern ausmacht, sorgt auch für Probleme. Zum Beispiel den wachsenden Verpackungsmüll. Dafür soll es nun eine neue Lösung für Amazon-Händler geben. Wichtige Signale gab es aus der Schweiz: Die Bürger haben sich für Offenheit zur EU hin ausgesprochen, und die Migros will zur Plattform wachsen.

///// HANDEL NATIONAL

Schneller finden
Plattformbetreiber Visable hat sein Business-to-Business-Angebot "Wer liefert was" in neuem Design und mit neuen Features relauncht. Die Datenbank mit rund 590.000 Lieferanten, Herstellern, Händlern und Dienstleistern soll es Einkäufern weiterhin erleichtern, eine optimale Entscheidung zu treffen. Statt über ein Kategoriensystem sollen die Nutzer aber künftig vor allem mit einer durch künstliche Intelligent (KI) unterstützte Volltextsuche zum Ziel kommen. Bei der Gelegenheit des Relaunchs hat Visable den Namen des Auftritts offiziell auf die Kurzform wlw reduziert. "Es ist nur konsequent, dass wir künftig die bereits durch die URLs wlw.de, wlw.at und wlw.ch bekannte Abkürzung nun auch als Namen verwenden", erklärt dazu Peter F. Schmid, Geschäftsführer von Visable. Neu ist der Service wlw Connect, bei dem Einkäufer ihren Bedarf in ein Online-Formular eingeben und eine qualifizierte Auswahl von Anbietern erhalten. Der Zeitaufwand für eine Recherche soll sich so um 30 bis 50 Prozent reduzieren lassen.

Online-Lösung für Online-Händler auf Amazon
Das Recycling von Verpackungsmüll aus dem Online-Handel ist ein Problem. Künftig können sich Händler auf der Plattform Amazon.de nun online für die Teilnahme am Dualen System mit seinem "Grünen Punkt" lizenzieren lassen. Das Portal haben die Unternehmen des Grünen Punkts und die Agentur Mitou gemeinsam aufgebaut. Mitou erstellt Technologien und Dienstleistungen für die Online-Händler großer Marktplätze, das Unternehmen sieht sich insbesondere als Full-Service-Dienstleister für die Performance von Händlern auf Amazon und eBay. Die Unternehmen des Grünen Punkts sind auf die Rücknahme von Kunststoffverpackungen sowie die Entwicklung und Vermarktung von Rezyklaten spezialisiert.

Breuninger mit Präsenz und Premium
Breuninger setzt einen Akzent gegen die Tendenz zum E-Commerce und startet in Stuttgart mit seiner überarbeiteten Premium Accessoires Welt im stationären Handel. Rechtzeitig zur Herbst- und Wintersaison hat das Mode- und Lifestyle-Unternehmen den über 1.200 Quadratmeter großen Bereich mit Designershops und Luxusmarken im Erdgeschoss des Stuttgarter Flagshipstores wiedereröffnet. Dazu gehören Accessoires-Shops von Designermarken wie Alexander McQueen, Dolce & Gabbana, Gucci, Saint Laurent und Valentino sowie eine neue Abteilung für Design-Schmuck, in der Kollektionen von Marken wie. Elhanati, Eéra, Tilly Sveaas und Charlotte Chesnais geführt werden. "Wir möchten unsere Kunden stilvoll inspirieren und Lust auf Fashion und Trends machen", sagt Joachim Aisenbrey, Geschäftsführer Breuninger Stuttgart, zu der Neugestaltung. 

///// HANDEL INTERNATIONAL

Die Schweiz will offen bleiben
Bei der Volksabstimmung am gestrigen Sonntag haben sich die Schweizer dafür ausgesprochen, die Personenfreizügigkeit zu den EU-Ländern beizubehalten. Das Schreckgespenst vom "Schwexit" ist damit erst einmal vom Tisch. Wichtig ist das auch für die Wirtschaftsbeziehungen. Denn 2019 gingen fast 50 Prozent der Schweizer Ausfuhren in die EU und die Schweiz hat sogar über 60 Prozent ihrer Einfuhren aus der EU bezogen. Daher sei der Ausgang des Referendums von "ökonomischer Vernunft und dem Willen zur Kooperation" geprägt gewesen, schreibt das Handelsblatt. 

Migros will Plattform werden
Eine weitere Meldung aus der Schweiz betrifft den Handelskonzern Migros, der nun zur E-Commerce-Plattform werden möchte. Dazu will Migros sein erfolgreiches Angebot "Le Shop", einen Vorreiter des Online-Handels in der Schweiz, auflösen. Stattdessen soll Migros.ch zur Drehscheibe des Online-Geschäfts werden. Der Übergang werde fließend gestaltet, wird Fabrice Zumbrunnen zitiert, der Chef von Migros. Die neue Plattform soll es ein breiteres Angebot als Le Shop umfassen.

Corona als "Brandbeschleuniger"
Im österreichischen Online-Handel haben seit Ausbruch der Corona-Pandemie die Bereiche IT und Elektronik (plus 18 Prozent), Kosmetik (plus 17 Prozent) und Sportartikel (plus elf Prozent) zugelegt, wie Medianet.at berichtet. Der Online-Einkauf von Lebensmitteln ist in der Coronakrise sogar um 26 Prozent gewachsen. Zwar macht der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) weniger als zwei Prozent der Konsumausgaben im Distanzhandel (E-Commerce plus Versandhandel) in der Alpenrepublik aus. Aber Experten erwarten ein weiter starkes Wachstum. Auch Billa hat während der von Corona geprägten Zeit viele neue Kunden auf billa.at gewonnen und treibt nun die Expansion von Click&Collect voran. Bis Ende 2020 werden 400 Filialen diesen Service anbieten, bei dem Bestellungen online aufgegeben und am stationären Standort abgeholt werden. Rainer Will (österreichischer Handelsverband) wird mit dem Vergleich zitiert, Corona sei ein "Brandbeschleuniger" für die Entwicklung des E-Commerce im Land.

///// TRENDS & TECH

Postboxen für Norwegen
Die norwegische Post wird 3.000 Paketstationen von Swipbox in Betrieb nehmen, schreibt Tamebay. Sie sollen an Orten mit hoher Frequenz aufgestellt werden, beispielsweise in Einkaufszentren und Wohnvierteln. Die Nutzer können die in den Boxen hinterlegten Pakete über ihr Smartphone in Empfang nehmen. "Zusammen mit Swipbox werden wir ein einzigartiges Netzwerk von app-bedienten Paketstationen in ganz Norwegen etablieren", wird dazu Post-Manager Per Öhagen zitiert.

Amazon fliegt
Spott, bittere Häme und ernsthafte Warnungen waren nach der Präsentation vom Amazons Indoor-Drohne "Ring Always Home Camera" im Internet zu lesen: Wer wolle schon diesen fliegenden Spion in sein eigenes Heim lassen? Womöglich sei die Innovation aber gar nicht so übel, überlegt nun Stan Horaczek in "Popular Science": Immerhin habe die Drohne kein Mikrofon an Board und Amazon habe sich "mit einer Menge der Vorbehalte beschäftigt, die einem sofort einfallen, wenn man den Begriff Heim-Sicherheits-Drohne hört". Wirklich überzeugen mag diese relativierende Einschätzung aber nicht.

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Mehr kluge Ideen für weniger Verpackungsmüll


Die Migros garantiert bei dem Konzept online die Preise der Filiale Migros Shoppyland. Dort wird auch die Ware zusammengestellt und per Fahrradkurier innerhalb eines Einstundenzeitfensters zugestellt.
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Testlauf my Migros: Der personalisierte Supermarkt für treue Kunden