In Frankreich gibt es jetzt einen Verband der Marktplätze: Back Market, Ebay, Etsy, Mano Mano und Rakuten haben im Oktober die Alliance française des places de marché gegründet. Ziel sei es erstens, vor dem Hintergrund des Digital Services Act der Politik gegenüber aufzutreten. Und zweitens die Vorteile dieses Vertriebsmodells sowohl der Verbraucherschaft als auch kleinen Unternehmen näherzubringen.

///// HANDEL NATIONAL
Galeria Karstadt Kaufhof geht unter den Schutzschirm
Galeria Karstadt Kaufhof hat erneut das Schutzschirmverfahren beantragt. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren will der Kaufhauskonzern so sein Überleben sichern. Die Schulden haben in den vergangenen Monaten eine Höhe erreicht, dass sie durch die normale Betriebstätigkeit nicht mehr ausgeglichen werden können. Von den 131 Geschäften droht rund einem Drittel die Schließung, dazu kommen auch betriebsbedingte Kündigungen, berichten unterschiedliche Medien. Bereits im ersten Verfahren 2020 wurden in rund 40 Filialen die Türen endgültig geschlossen. Anfang dieses Jahres beantragte der Konzern zum zweiten Mal nach 2021 staatliche Unterstützung, insgesamt erreichte sie eine Höhe von rund 680 Millionen Euro. Unternehmens-Chef Miguel Müllenbach hatte Mitte Oktober angekündigt, dass Galeria Karstadt Kaufhof weitere Hilfsgelder benötige, über eine Bewilligung wurde aber noch nicht entschieden.


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Leichtes Plus für den Einzelhandel im September
Der Einzelhandel in Deutschland hat im September gegenüber dem August umsatzseitig um 0,9 Prozent zugelegt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts dagegen ein Minus in Höhe von 0,9 Prozent. Im Lebensmittelhandel ging der Umsatz um 2,6 Prozent nach oben, im Handel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen um 9,9 Prozent. Der Internet- und Versandhandel verbuchte ein Umsatzplus von 5,8 Prozent, gegenüber September 2021 ein Minus von 1,0 Prozent. Den Jahres-Höchstwert hatte der Einzelhandel in diesem Jahr im März erzielt, gegenüber diesem Wert lag das Minus im September bei 3,8 Prozent.

Shop Apotheke sieht sich auf Kurs
Shop Apotheke meldet für das dritte Quartal ein Umsatzplus des Konzerns um 20 Prozent auf 285 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate dieses Jahres habe der Zuwachs bei 14 Prozent auf 877 Millionen Euro gelegen. Das Ebitda liege im dritten Quartal bei minus 29 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum waren es minus 3,6 Millionen Euro. Die Geschäftsleitung der Online-Apotheke sieht das Unternehmen damit "voll auf Kurs mit der Prognose". Die Zahl der Kunden liege in den sieben europäischen Ländern, in denen Shop Apotheke vertreten ist, bei 8,9 Millionen, 0,3 Millionen mehr als in der ersten Jahreshälfte 2022. Der Anteil der bereinigten Vertriebskosten erreiche ein Volumen von 24 Millionen Euro, 3,2 Prozent des Gesamtumsatzes. Vor einem Jahr lag der Anteil bei 3,1 Prozent.

Uber Eats und Mc Donald's weiten die Zusammenarbeit aus
Bislang haben die Fahrer von Uber Eats die Big Macs und Hamburger von Mc Donald's im Rahmen eines Testbetriebs in Berlin und München ausgeliefert, nun wird der Service in 23 Städten in Deutschland angeboten. Dabei setzt Mc Donald's auch die bisherige Zusammenarbeit mit Lieferando fort, die Lieferdienste sind dann auf beiden Plattformen buchbar, meldet die Lebensmittelzeitung. Insgesamt sollen mehr als 110 Restaurants der Fast-Food-Kette angeschlossen werden. Uber Eats wolle die Zahl der Restaurants 2023 verdoppeln, es solle eine Verknüpfung der Plattform von Uber Eats mit dem Online-Auftritt von Mc Donald's geben.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Rekordwert der Inflation in Europa
Die Inflation in Euroraum hat wieder einen neuen Höchstwert erreicht. Im Oktober lag die Quote bei 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, meldet die Europäische Statistikbehörde Eurostat. Im September waren die Preise in den Euro-Ländern um 9,9 Prozent gestiegen. Haupttreiber ist nach den Berechnungen der Statistiker die Energie mit 41,9 Prozent, der Handel mit Lebensmitteln, Alkohol und Tabak weist 13,1 Prozent auf. Für Deutschland melden sie eine Rate von 11,6 Prozent, das Statistische Bundesamt hatte vergangene Woche für Deutschland 10,4 Prozent berechnet. Die beiden Behörden erklären die Abweichungen mit unterschiedlichen Berechnungsmethoden.

Hohes Wachstumspotenzial für den europäischen Online-Handel
Der E-Commerce in Europa kann in den kommenden Jahren deutlich wachsen. Das Potenzial liegt bei einem jährlichen Wachstum von 14,96 Prozent, für dieses Jahr sind nach der Prognose von Research and Markets, über die Fashion United berichtet, 1,01 Milliarden US-Dollar möglich. Bis 2026 könne das Volumen dann 1,565 Milliarden US-Dollar erreichen. Einer der Wachstumsmotoren sei die Bekleidungsbranche, dazu kämen noch der Lebensmittelhandel und der Handel mit Drogerieartikeln. Ein großes Wachstum weise Deutschland auf, insgesamt liege der Anteil des französischen, britischen und deutschen Online-Handels bei 60 Prozent für Gesamteuropa. Deutschland könne mit internationalen Investitionen in Millionenhöhe rechnen.

Italienisches Gericht setzt Verfahren über Amazon aus
Ein italienisches Verwaltungsgericht hat das Verfahren über eine Milliardenstrafe gegen Amazon ausgesetzt. Der Online-Konzern war von der italienischen Wettbewerbsbehörde wegen des Vorwurfs des Marktmissbrauchs mit einer Strafe in Höhe von 1,13 Milliarden Euro belegt worden und hat dagegen geklagt. Nun hat das Gericht nach einem Bericht von Reuters das Verfahren bis zur Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs ausgesetzt. Es könne bis nächsten Sommer zu einer Entscheidung des EuGH kommen. Amazon wird vorgeworfen, seine Marktposition auszunutzen, damit die Händler die Logistikdienste des Online-Riesen nutzten. Amazon lehne die Entscheidung des Kartellamts ab und wolle seine Position in den Gerichtsverfahren durchsetzen.



///// TRENDS & TECH

BVDW fordert ideologiefreie Betrachtung des Online-Werbemarkts
Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. reagiert auf die Sektoruntersuchung des Online-Werbemarktes durch das Bundeskartellamt und fordert eine ideologiefreie Betrachtung. Nach Einschätzung des Verbands wird in der Untersuchung die wettbewerbliche Situation des Marktes eingeordnet, aber es gebe auch grundlegende Aussagen zu diesem Sektor, die nur ein unzureichendes Bild zeigten. Das Kartellamt habe die komplexen Zusammenhänge zutreffend dargestellt, doch es gebe eine Stigmatisierung der Datenverarbeitung zu Werbezwecken. Der Verband fordert eine Analyse der europäischen und deutschen Gesetze und Verordnungen und ihre Effekte und Veränderungen auf den Markt. Mögliche gesamtwirtschaftliche und beschäftigungspolitische Folgeeffekte durch einen Eingriff mittels struktureller Maßnahmen würden deutlich unterschätzt.

Gefangen im Innovationsdilemma: Was Karstadt und Amazon gemeinsam haben
Wie nah Aufstieg und Fall im Einzelhandel beieinander liegen können, zeigt das Beispiel Galeria Karstadt Kaufhof. Einst gefragte Konsumtempel, gehen die Warenhäuser aktuell zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Jahren unter den Schutzschirm. Wenn Amazon nicht aufpasst, könnte dem Online-Platzhirsch ein ähnliches Schicksal drohen, sagt Alexander Graf. Wie er zu dieser auf den ersten Blick recht gewagten These kommt, warum Einkaufen bei Amazon keinen Spaß mehr macht und warum der Online-Riese vom Disruptor zum Disruptierten werden könnte, erklärt der E-Commerce-Unternehmer und Spryker-CEO in einem Expertenbeitrag für Etailment.


///// NACHHALTIGKEIT

Marks & Spencer erweitert die Kooperation mit Hirestreet
Kunden von Marks & Spencer können die Kleidung, die sie leihen möchten, nun auch selbst zusammenstellen. In Zusammenarbeit mit der Plattform für die Miete von Kleidung, Hirestreet, bietet der Modehändlern den Kunden die Wahl aus insgesamt 78 Kleidungsstücken, schreibt The Guardian. Ein Leihpaket könne bis zu sieben Artikel umfassen, dazu gehörten auch Jeans, Schuhe und Accessoires. Die mögliche Leihfrist liege zwischen fünf und 30 Tagen, die Miete beginne bei 39 Britischen Pfund. Die beiden Anbieter haben ihre Partnerschaft vergangenes Jahr begonnen und bieten 150 Produkte an.

Wirtschaftsprofessor: Auch KMU brauchen professionelles Nachhaltigkeits-Assessment
Auch mittelständische Unternehmen (auch aus dem E-Commerce) brauchen ein professionelles Nachhaltigkeits-Assessment, um "bankable" zu bleiben, also weiterhin Kredite zu bekommen. Das sagt Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management, im Interview mit Agrarzeitung.de. Und: "Viele Unternehmen verschicken heute schon Nachhaltigkeitsfragebögen an ihre Abnehmer und Zulieferer. […] Wenn ein Lieferant darüber keine Auskunft geben kann, dann brechen auch mal langjährige Vertragsbeziehungen ab."