Zwei Folgen des Todes von Elizabeth II., die es im republikanischen Deutschland nicht gibt: 1) 875 Marken, darunter Heinz, müssen sich neu als "Hoflieferanten" bewerben, dürfen aber noch zwei Jahre das königliche Wappen tragen, so der Fachverband Royal Warrant Holders Association. 2) Nicht nur Tesco, Lidl, Asda und Marks & Spencer schließen laut TheSun.co.uk am Begräbnistag, auch Ebay UK behandelt den 19. September wie einen Feiertag, schreibt ChannelX.world: Es wird nichts geliefert, und Bestellungen verzögern sich um diesen Tag.

///// HANDEL NATIONAL
Kampagne, Messeauftritte: Alibaba.com buhlt um deutsche KMUs
Unter dem Slogan "Es gibt immer Raum für Wachstum" hat die chinesische E-Commerce-Plattform Alibaba.com eine Marketing-Kampagne in Deutschland aufgelegt. Sie sei auf Social Media und Youtube, über Programmatic Advertising, online und in ausgewählten Printmedien zu sehen. Dazu kommen zwei große deutsche Messen. So ist Alibaba.com erstmals auf der Automechanika (die noch bis zum 17. September läuft) mit einem Stand vertreten, um die "Beschaffung aus einer Hand" für Autoteile zu demonstrieren, heißt es in einer Pressemitteilung. Zuvor hatte die Plattform auf der IFA Berlin "direkten Zugang zu Produkten und Anbietern der Unterhaltungselektronik" ermöglicht, wie sie schrieb. Kampagne und Messeauftritte sind offenbar Teil der globalen Aktion "Super September" mit dem Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen "zu helfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern".

About You senkt Umsatz- und Ergebnisprognose
Statt mit 25 bis 35 Prozent Umsatzplus rechnet der Hamburger Online-Modehändler About You jetzt mit zehn bis 20 Prozent Plus für das Geschäftsjahr 2022/2023. Das würde einen Umsatz zwischen 1,9 und 2,1 Mrd. Euro bedeuten, teilt das Unternehmen mit. Für die bereinigten Ebitda gilt jetzt 140 Mio. bis 120 Mio. Euro (bisher 70 Mio. bis 50 Mio. Euro). Als Gründe nennt About You die "[s]inkende Verbraucherstimmung und eine Verschlechterung makroökonomischer Faktoren". Es gelte aber weiter das Ziel, "den Break-even auf Basis des bereinigten EBITDA auf Konzernebene im Geschäftsjahr 2023/2024 zu erreichen".

TW-Studie: Zalando verliert an Mitarbeiter-Zustimmung
About You auf Platz 13 (Neueinstieg), Zalando auf Platz 16 (Vorjahr 7), Amazon auf Platz 26 (Vorjahr 24): Drei Onliner sind in der Studie "Working in Fashion 2022" der Zeitschrift "Textilwirtschaft" unter die Top 40 des Gesamt-Rankings gekommen. 6855 Studenten, Auszubildende und Angestellte haben sich im Juni an der "branchenweit größten Mitarbeiter-Befragung" beteiligt, schreibt Textilwirtschaft.de. Der Handel stellt 56 Prozent der Top 40, Gesamtsieger ist Adidas. Zalando habe mit neun Plätzen Abstieg "am meisten verloren [...] in den Augen der Mitarbeiter".

Gestern Streik bei Amazon in Winsen
Am gestrigen Mittwoch (14. September) um 5:30 Uhr hat NDR.de zufolge ein Warnstreik im Amazon-Logistikzentrum in Winsen (Luhe) begonnen, der bis 23:30 Uhr dauern sollte. Die jüngste Lohnerhöhung von drei Prozent sei angesichts der Inflation "viel zu niedrig", zitiert der Sender eine Vertreterin der Gewerkschaft Verdi. Amazon habe darauf hingewiesen, dass seit Anfang September alle Amazon-Beschäftigten in Deutschland mehr Lohn erhielten, in Winsen liege der Brutto-Einstieg jetzt bei 12,59 Euro/Stunde (inklusive Bonus 13,17 Euro).


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon meldet lauter Plus aus Österreich
Amazon hat einige Zahlen für den österreichischen Markt veröffentlicht, und zwar für kleine und mittelgroße Händler (KMU). Erstaunlicherweise steht das Exportvolumen ganz vorne: 500 Mio. Euro bedeuteten 2021 ein Plus von 25 Prozent im Vergleich zu 2020. Insgesamt seien 2.500 österreichische KMUs auf dem Amazon Marketplace vertreten, die meisten aus Wien (600), Graz (150) und Salzburg (140). Sie verkauften 2021 mehr als 20 Mio. Produkte, ein Plus von 15 Prozent  den Wert dieser Produkte nennt Amazon in der Pressemitteilung nicht. Mehr als die Hälfte der österreichischen KMU sei auch Fulfillment-Kunde (FBA).

Procter & Gamble will Tampon-Verkäufe über JD.com verzehnfachen
Der US-amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble hat für seine Tampon-Marke "Tampax" das Ziel ausgerufen, "das Transaktionsvolumen der Marke auf JD.com innerhalb der nächsten fünf Jahre zu verzehnfachen". Das teilt aber nicht P & G mit, sondern JD.com. "Tampax" werde seit 2017 in China verkauft und habe 2021 rund 25 Millionen RMB erlöst (ca. 3,6 Mio. Euro). Der chinesische Tamponmarkt sei noch klein, JD nennt eine Durchdringungsrate von zwei Prozent. Daher seien gemeinsame Marketing-Kampagnen geplant.

Auch in GB macht Ebay einen auf dicke Reifen
Nicht nur in Deutschland wirbt Ebay mit dem Youtube-Kanal "Ebay Motors DE" um Menschen mit Öl in den Adern (das "Morning Briefing" berichtete): In Großbritannien legt die E-Commerce-Plattform die Aufmotz-Sendung "Pimp My Ride" neu auf. Der Pressemitteilung zufolge werden darin ausschließlich über Ebay erworbene Teile verbaut. Die sechs Folgen à 15 Minuten entstehen in Zusammenarbeit mit dem Sender MTV, auf dessen Youtube-Kanal sie laufen. Die ersten Folgen sind online.

Shein setzt Pop-up-Tour durch Europa fort
Die chinesische Fast-Fashion-Plattform Shein tourt weiter durch Europa: Nach Pop-up-Showrooms in London, Mailand und Berlin (das "Morning Briefing" berichtete) folgt Amsterdam, wie Fashionunited.de herausgefunden hat. Wie an den Stationen zuvor werden die Waren ausschließlich gezeigt, gekauft werden soll online. Die Fläche sei vom 23. bis zum 25. September auf der Rückseite des Amsterdamer Hauptbahnhofs geöffnet. "Es gibt viele tolle Dinge zum kleinen Preis", schrieb Fashionunited.de zum Berliner Store, außerdem am Eingang einen Gutschein für einen Kaffee oder ein Eis in der ladeneigenen Bar.

Walmart.com mit neuen Funktionen
Der US-Handelsriese kündigt eine Reihe neuer Funktionen für Website und App an. So sei es jetzt oder bald möglich, Geschenkelisten über Bestseller-Listen zu bestücken (die einfallslose Variante) oder durch den Scan von Produkten im Laden (die intelligente Variante). Ein Tool von Stylitics ermögliche es, begleitende Kleidungsstücke und Accessoires beispielsweise zu einem Kleid auszuprobieren. Und die Funktion "Choose Your Own Model" sei eine Art Online-Anprobe mit einer Auswahl verschieden proportionierter Avatare.


///// TRENDS & TECH

Shopify bietet Automaten für sprachüberschreitenden Verkauf
Shopify, Anbieter von E-Commerce-Shopsystemen, bringt eine App zur automatischen Übersetzung von Shop-Inhalten heraus: "Translate and Adapt" kommt als Teil von "Shopify Markets", teilt das Unternehmen mit, und arbeite mit einer Mischung aus automatisierter und manueller Textbearbeitung. Auch die Inhalte ließen sich pro Land verwalten, beispielsweise durch Fortlassen oder Hinzufügen einzelner Produktinformationen oder verschiedene FAQ- und Kontaktseiten. Außerdem sei ab sofort eine einfache internationale Preisgestaltung allgemein verfügbar.

Das September-Heft von "Der Handel" ist da
Am heutigen 15. September erscheint Heft 4/22 von "Der Handel", das E-Paper steht zum kostenfreien Download bereit. Die Titelgeschichte sucht unter der Überschrift "Ein Schuss Studium für die Ausbildung" nach möglichen Lösungen für den Nachwuchsmangel im Handel. Zwei Artikel beschäftigen sich mit der Versorgung ländlicher Gegenden  und der Frage, was Lieferdienste dazu beitragen können. Und ein ausführliches Special zeigt, wie einfache erste Schritte hin zum unternehmerischen Klimaschutz aussehen. 

///// NACHHALTIGKEIT

Otto verschickt jetzt mit künftigem Kompost
"In Kürze" soll der bundesweite Pilottest losgehen: Otto kündigt an, "ausgewählte Online-Bestellungen" in vollständig kompostierbaren, biologisch abbaubaren Versandtüten zur Kundschaft zu schicken. Sie seien aus Graspapier gefertigt sowie aus einem Plastikersatz, der aus Pflanzenabfall hergestellt werde und innerhalb von zwei Wochen vollständig verrotte. Die Tüten stammen vom Start-up Traceless, das Anfang der Woche mit dem Deutschen Gründerpreis 2022 ausgezeichnet wurde. Otto setze Versandtüten hauptsächlich für Textilien und Kleinartikel wie Staubsaugerbeutel und Rasierklingen ein.

"Vogue" kritisiert Greenwashing von Fast-Fashion-Onlinern
Vogue.co.uk geht hart mit dem britischen Fast-Fashion-Onliner Boohoo ins Gericht: Dass Kourtney Kardashian neue Nachhaltigkeits-Botschafterin sei und ihre 45-teilige Kollektion recycelte Baumwoll- und Polyesterfasern enthalte, könne nur "als ein weiterer eklatanter Versuch von Greenwashing in der Modebranche gesehen werden". Die Website verkaufe nicht 45, sondern 40.000 verschiedene Produkte pro Jahr, auch recyceltes Polyester gebe Mikroplastik an die Umwelt ab, und es sei fraglich, wie oft die Stücke getragen würden, bevor sie in den Müll wandern. Zudem sei zumindest beim günstigsten Stück der Kollektion der Preis von fünf Pfund kein Hinweis auf faire Produktionsbedingungen. Auch Shein bekommt im Artikel ordentlich Fett weg.