Beim Umsatz spielt Galeria Karstadt Kaufhof keine große Rolle mehr im deutschen Handel, auch schon vor der Coronakrise. Die Warenhäuser sind vielmehr ein Symbol für den guten, alten deutschen Einzelhandel. Sie stehen für eine Tradition, die zu den deutschen Innenstädten gehört. Nur: "Tradition ist kein Geschäftsmodell", hat einmal der norddeutsche Textilhändler Marc Ramelow gesagt. Die großen Zeiten der deutschen Warenhäuser sind vorbei, jetzt muss gerettet werden, was durch die Coronakrise ganz schwer zu retten ist. Und was das bedeutet, werden viele Innenstädte vermutlich bald merken.

//// HANDEL NATIONAL

Schluss mit dem Irrsinn im Modehandel
Es fällt ja schwer, dieser Krise noch etwas Gutes abzugewinnen. Versuchen wir es und lesen bei Fashionunited, was Jürgen Loite, Geschäftsführer des Textilunternehmens Hauber Holding über seine Branche sagt. "Meine Hoffnung ist, dass diese Krise die irren Modezyklen durchbricht, die die Auslieferung von Winterware mitten im Sommer fordert." Oh ja. Wer erinnert sich nicht an die Herbst- und Winterware in den Schaufenstern, als es in Deutschland noch im September so heiß wie war wie auf Hawaii? Wer noch nicht gemerkt hat, was der Klimawandel anrichtet mit der Branche, der könnte jetzt endlich alles überdenken.Daniel Terberger, Chef der Verbundgruppe Katag, hatte dazu bei etailment schon vor einiger Zeit aufgefordert.

Superga zieht ins Bikini ein
Da schau her: Es gibt noch ein bisschen Bewegung in der Modebranche, genauer bei den Schuhen. Dass Superga letztens in Berlin den ersten deutschen Flagshipstore eröffnet hat, wie Fashionunited informiert, ist, nun ja, eine Sensation. Überall weiß man nicht mehr, wie es weitergeht - aber die Italiener machen einfach mal so im Bikini Berlin einen Laden auf. Bikini? Genau, das ist die Concept Mall am Bahnhof Zoo, wo nichts so ist wie in den normalen Centern. Hier hat der Mainstream Hausverbot, stattdessen logieren hier viele kleine Designer und ausgefallene Shops.

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Nicht ohne das Fieberthermometer
Erst Schlangestehen, dann Fiebermessen, dann eintreten. So sind die Regeln für Kunden, die jetzt in den wiedereröffneten Apple-Stores einkaufen wollen. Seit Montag sind die Läden offen, allerdings erst einmal nicht so lange wie sonst, schreibt Telecom Handel.

Entlassungswelle in Deutschland
Wenn das ein Trost ist: Es gibt Branchen, die deutlich schlimmer leiden als der Einzelhandel. Gastronomie und Hotellerie sind von der Coronakrise derart brutal getroffen worden, dass hier heftige Entlassungswellen bevorstehen, lautet eine Prognose des ifo-Instituts, über die Onlinehändler-News berichtet. Für die Handelsbranche lesen sich die entsprechenden Vorhersagen vergleichsweise moderat - 17% der Betriebe wollen demnach Personal abbauen. Das ist das kleinere Elend. 

Bei Karstadt Kaufhof kommt das Unvermeidliche
Für die Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) ist aber kein Trost. Hier schlägt der Sanierungshammer bald gnadenlos zu. In einem Brief an die Mitarbeiter, aus dem die Textilwirtschaft zitiert, werden alle auf das Schlimmste vorbereitet: Filialen müssen geschlossen, Personal muss entlassen werden. Überraschend ist das nicht. Die Frage wird nur sein, wie viele und welche Häuser vom Netz genommen werden. Und was dann mit den Immobilien werden soll. Seit 1. April läuft bei GKK das Schutzschirmverfahren, der sanften Variante des Insolvenzverfahrens. Ende Juni muss beim Amtsgericht Essen ein Sanierungsplan vorgelegt werden. Mittlerweile schätzt das Unternehmen den Umsatzverlust wegen des Lockdowns und der folgenden Kaufzurückhaltung auf bis zu 1 Milliarde Euro.

Masken online
Gesichtsmasken sind das neue Gold, die Nachfrage ist notgedrungen immens. Der Modeverband German fashion hat eine Onlineplattform eingerichtet, auf der Markenhersteller privaten und gewerblichen Kunden solche Masken anbieten. 

Douglas vorerst ohne Tina Müller 
Schwerer Schlag für Tina Müller. Die Chefin des Kosmetikfilialisten Douglas befindet sich nach einer Notoperation in medizinischer Rehabilitation, teilt das Unternehmen mit. Wann sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wird, sei unklar. Der Aufsichtsrat von Douglas hat Vanessa Stützle mit sofortiger Wirkung als Chief Digital Officer zur dritten Geschäftsführerin neben Müller und Finanzchef Matthias Born bestellt. Vanessa Stützle war bisher fürs stetig wachsende Onlinegeschäft von Douglas zuständig. Sie und Born übernehmen gemeinsam die Aufgaben von Tina Müller interimistisch, heißt es.


//// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon auf der schwarzen Liste
Produktfälschungen sind ein ewiges Ärgernis für Händler, Hersteller und Verbraucher. Wer ein nachgemachtes Produkt kauft, kann schlimme Schäden erleiden, man erinnert sich nur an gefälschte Arzneimittel oder T-Shirts, die unsachgemäß gefärbt worden sind und die Haut der Kunden verätzte. Das Internet ist bevorzugter Vertriebskanal der Fälscherbanden - und hier spielt Amazon keine gute Rolle. Zumindest für das Büro des Handelsbevollmächtigten der Vereinigten Staaten (USTR). Denn auf den Amazon-Marktplätzen verschiedener Länder sei der Verkauf illegaler Ware in jüngster Zeit erleichtert worden, heißt es im jährlichen Bericht des USTR, über den Internetworld schreibt. Welche Länder sind das? Frankreich, Großbritannien, Kanada, Indien - und Deutschland. 

Corona-Krise zeigt der Logistik neue Wege
Die Corona-Krise stellt die Logistik vor große Herausforderungen. Im Lager und auf der Straße zeigt die Branche Flexibilität und testet neue Lösungen. Doch es gibt immer noch Bremsklötze. Welche Probleme stehen bevor? Welche Lösungen sind jetzt und in Zukunft gefragt. Der Business Guide „Neue Wege der Logistik“ zeigt branchenübergreifend auf über 50 Seiten, was die Branche und Business-Kunden tun können, um die Supply Chain in Krisenzeiten zu sichern – und künftig flotter zu machen.

Bonbon für FBA-Händler
FBA heißt Fulfillment by Amazon, abgekürzt FBA. Und viele FBA-Händler hatten in den schwersten Coronakrisenzeiten kein leichtes Leben, weil Amazon damals beim Wareneingang krisenrelevante Produkte priorisierte. Buchhändler etwa mussten sich erst einmal hinten anstellen. Das sorge für schlechte Stimmung und schlechte Geschäfte. Nun gibts einen kleinen Ausgleich von Amazon. Für den Abrechnungszyklus am 15. Mai wird auf Gebühren für die Langzeiteinlagerung von Produkten verzichtet, teilt Amazon mit, wie Tamebay schreibt. Es geht demnach um die Länder Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Tschechische Republik.

Die Angst in der Umkleidekabine
Wer derzeit in einem stationären Geschäft einkaufen möchte, muss sich anstrengen, um fasziniert zu werden. Zu viele Hygieneregeln drücken auf die Kauflust - aber auch die Unsicherheit, vom Virus infiziert zu werden. "Das Coronavirus hat die Branche von der High-Touch- zur Low-Touch-Branche gebracht", sagt Greg Petro, Chief Executive Officer des US-amerikanischen Analyse- und Beratungsunternehmens First Insight. In einer Studie unter amerikanischen Verbraucherinnen gaben 65% der Frauen an, dass sie sich in Umkleidekabinen nicht sicher fühlen, 78% sind sich unsicher beim Testen von Schönheitsprodukten, 66% beim Umgang mit einem Verkaufsmitarbeiter.


//// TECH & TRENDS

Der Virenkiller-Roboter von Amazon

Vielleicht ist das die Lösung gegen das Coronavirus - ein Roboter. Amazon entwickelt derzeit so ein Gerät, das durch Lebensmittelgeschäfte und Verteilungszentren rollt und mithilfe von UV-Lichtbänken Viren auf Oberflächen abtötet, heißt es bei Geekwire. Es gibt sogar schon einen Prototypen. 

Favorit der Leser:
Sein Onlinegeschäft zu internationalisieren, bietet gute Umsatzchancen. Doch das Auslandsgeschäft ist auch komplizierter als der Heimatmarkt: Fremde Sprache, fremde Gesetze, fremde Kaufgewohnheiten machen das Handeln schwierig. Die Plattform Fruugo will alles vereinfachen, besonders für den Markt in Großbritannien. Aber nicht nur dort.