Die Coronakrise kennt fast nur Verlierer im Einzelhandel, aber heftig gebeutelt hat es die Textilbranche. Da spielt es auch keine Rolle, dass die stationären Händler aufgrund der geschlossenen Läden nichts mehr verkaufen konnten - online lief es ja ebenfalls nur bescheiden. Corona hat das Kaufverhalten der Deutschen massiv beeinflusst und die Prozesse von Unternehmen weltweit zerschossen, wie selbst Amazon feststellen muss. Nun soll Deutschland bald zum normalen Leben zurückkehren. Aber was ist in diesen Tagen schon normal?

//// HANDEL NATIONAL

Desastermonat für Textilhändler
"Die Katastrophe in Zahlen."So bezeichnet ein norddeutscher Textilhändler die April-Umsätze in seiner Branche. Minus 76% im Vergleich zum Vorjahresmonat wurden in der regelmäßigen Marktuntersuchung der Textilwirtschaft ermittelt - eine desaströse Bilanz für den Lockdownmonat. Das Onlineangebot der Läden hat es eben nicht herausgerissen, auch, weil einige Shops hastig gebaut worden sind und mangels Suchmaschinenmarketing im Netz kaum sichtbar waren. Aber zur Entschuldigung muss man auch sagen: Den Kunden ist in diesen Coronatagen generell die Lust aufs Einkaufen vergangen, die Krise belastet die Gemüter. Und wer kurzarbeitet, spart sowieso sein Geld, anstatt es für neue Jacken auszugeben. Online wie offline.

Hugo Boss baut stationär ab und online weiter auf
Wenn eine komplette Branche in die Knie geht, dann trifft es manche besonders hart. Zum Beispiel: Hugo Boss. Der Schneider von feinem Herrentextil ist ja Lieferant und Händler, da brennt es von beiden Seiten. Das bedeutet fürs erste Quartal einen währungsbereinigten Umsatzsabsturz um 17% auf 555 Millionen Euro. Der operative Gewinn (Ebit) rauschte von plus 57 Millionen auf minus 14 Millionen Euro. Die Aussichten? Desaströs, wie Vorstandschef Mark Langer in einer Telefonkonferenz mitteilte, über die das Handelsblatt schreibt. Die Lösung: Kosten senken. Am stationären Geschäft wird drastisch gespart. Online hingegen wird ausgebaut. Kein Wunder, hier brummt es nicht erst seit der Krise. Im ersten Quartal betrug das Umsatzplus hier gar fast 40%. 

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 Gerry Weber ist in der nächsten Krise
Der nächste Kandidat ist Gerry Weber. Ohnehin schon auf wackeligen Beinen gehend, ist die Coronakrise für die einst expansionsbesessenen Westfalen nicht gerade ein Stabilisator. Da wurde Ende 2019 das Insolvenzverfahren in Eigenregie gestemmt, und nun das Virus. 200 Mitarbeiter müssen daher gehen, mit den Lieferanten wird über neue Konditionen verhandelt, die Investoren schießen frisches Geld ins Unternehmen, informieren die Textilwirtschaft und Fashionunited. Die Krise ist tot, es lebe die Krise.

Planet Sports wird für seine Indifferenz bestraft
Noch einer, der sich nicht nur stationär verhoben hat und nun dafür bezahlen muss: Planet Sports. Mit hipper Mode für urbane Skateborder und lief es dann doch nicht so gut für den Münchner Multichannelhändler, die Coronakrise sorgt nun für den Rest. Die Mieten in den Innenstädten waren zu teuer und standen in keinem Verhältnis zu den mauen Umsätzen mit den kleinen Insidermarken. Planet Sports war weder richtiges Sportgeschäft, noch ein wirklicher Lifestyle-Laden. Wer von allem ein bisschen will, macht nichts richtig. Nun übernimmt ein bisher unbekanntes Konsortium das Unternehmen und rettet immerhin das Onlinegeschäft sowie die Filiale in Köln. Die restlichen neun Läden werden geschlossen, schreibt Fashionunited

Hellofresh stillt den Hunger in den Heimbüros
Und jetzt zum großen Gewinner der Coronakrise: Hellofresh. Die Umsätze explodieren, der Aktienkurs ist im Daueraufstieg. Kein Wunder, sitzen doch Millionen Menschen daheim in ihren Heimbüros und sind froh, wenn ihnen beim Mittagessen jemand zur Seite steht. Für das laufende Jahr wird das Umsatzziel kernig nach oben korrigiert - um 1 Milliarde Euro. Die Wachstumsstory des Kochboxenversenders erzählt Excitingcommerce. "Restaurants sehen wir nicht in erster Linie als direkte Konkurrenten", sagte Firmengründer Dominik Richter dem Handelsblatt.

Jetzt gehts (wieder) los
An diesem Mittwoch beraten die Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Kanzlerin Angela Merkel wie es weitergehen soll in der Coronakrise. Geplant ist demnach, dass die Länder entscheiden sollen, wie es jetzt weitergehen soll, berichtet Spiegel Online mit Berufung auf dpa. Das könnte weiter für ein Durcheinander in der Republik sorgen, weil jeder macht, was er will. Die Handelsbranche darf trotzdem vor Freude jauchzen, denn der Bund schlägt vor, dass alle Geschäfte wieder geöffnet werden sollen - ohne Quadratmeterbegrenzung, aber mit Hygieneauflagen. In Bayern, wo Ministerpräsident Markus Söder sich seit Wochen clever als First Mover inszeniert, gilt jedenfalls ab kommenden Montag: Ladentüren auf für alle, wie unter anderem der Bayerische Rundfunk berichtet.

//// HANDEL INTERNATIONAL

Todesfall im JFK8
Bitterer Tag für Amazon in den Vereinigten Staaten. Ein Lagerarbeiter im Fulfillment-Center in New York City, genannt JFK8, ist an den Folgen der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, berichtet The Verge. Laut Amazon war der Mitarbeiter am 5. April zuletzt im Dienst und wurde unter Quarantäne gestellt, am 11. April wurde im die Diagnose Covid-19 mitgeteilt. Mitarbeiter des Centers hatten zuvor immer wieder gegen die Hygienebedingungen vor Ort protestiert, Amazon hatte daraufhin seine Prozesse angepasst, etwa durch Abstandshaltung und Fiebermessen der Mitarbeiter. 

Corona-Krise zeigt der Logistik neue Wege
Die Corona-Krise stellt die Logistik vor große Herausforderungen. Im Lager und auf der Straße zeigt die Branche Flexibilität und testet neue Lösungen. Doch es gibt immer noch Bremsklötze. Welche Probleme stehen bevor? Welche Lösungen sind jetzt und in Zukunft gefragt. Der Business Guide „Neue Wege der Logistik“ zeigt branchenübergreifend auf über 50 Seiten, was die Branche und Business-Kunden tun können, um die Supply Chain in Krisenzeiten zu sichern – und künftig flotter zu machen.


Wayfair-Aktien auf Rekordhoch
Es gibt im Schatten von Amazon noch ein paar Onlinehändler, die in der Krise gut unterwegs sind. Wer nicht mehr ausgehen darf, macht es sich daheim schön. Der Online-Möbelhänder Wayfair deswegen steigerte seine Umsätze im ersten Quartal um 20% - doch weil die auch die Ausgaben stiegen, wuchs auch der Verlust. Doch die Zukunft leuchtet goldfarben: "Wir machen erhebliche Fortschritte in Richtung Rentabilität, indem wir die Bruttomarge verbessern, die Marketingeffizienz steigern und eine Hebelwirkung auf die Betriebsausgaben erzielen", sagt CEO Niraj Shah. So etwas hören sie an der Börse gerne, der Aktienkurs schoss auf einen neuen Höchststand, berichtet CNBC.

//// TECH & TRENDS

Vorsicht vor Amazon-Hackern
Amazon bestimmt das weltweite Onlinegeschäft, maue Quartalszahlen hin oder her. Und da verwundert es nicht, wenn so ein Gigant auch Gefallen bei Hackern findet. Tamebay berichtet, dass Amazon in diesem Monat schon zweimal Händler entsprechend gewarnt hat. Es geht demnach um nicht angeforderte Einmal-Passwörter, und wie man nach Erhalt vorgehen soll. 

© imago images / MiS
Business Guide

63 Seiten Roadmap für die „neue Normalität“

 

Mehr Service für Amazon-Händler
Gute Nachrichten für alle, die auf Amazon verkaufen. Denn deren Bearbeitungszeit für Rücksendungen im Mai wird drastisch verlängert - von zwei auf 14 Tage. Mehr zu dieser Serviceoffensive steht bei Tamebay.

Zahl des Tages
Eine der Prognose für die Zeit nach der Coronakrise lautet: Die Konsumenten werden anders einkaufen: Bewusster, weniger, genussfreudiger. Eine neue Studie der Marktforscher von Yougov deckt diese These. Für 56% der Befragten hat Nachhaltigkeit viel oder wenigstens einen gewissen Einfluss auf den regelmäßigen Lebensmitteleinkauf. Wenn es um frisches Obst und Gemüse geht, dann sind sogar drei Viertel dafür. Am wenigsten (35%) interessiert Nachhaltigkeit bei Süß- und Knabberwaren. 

Favorit der Leser:
Plötzlich weiß auch Oma, wie Skype funktioniert. Die Coronakrise ändert vieles, nicht nur das Kommunikationsverhalten. Was auch auf den Einzelhandel zukommt, schildert Wolfgang Kirsch, der ehemalige Chef von MediaMarkt-Saturn.