Viele Bürgermeister und City-Manager müssen sich mit ihrem Innenstadthandel beschäftigen. Wenn 80 Häuser von Karstadt Kaufhof geschlossen werden sollen, 20 von Karstadt Sports, jetzt noch 73 Filialen von Runners Point, dann ist die Lage ernst. Immer weniger Läden heißt, immer weniger Kundenfrequenz, und das werden dann die Händler merken, die noch geöffnet haben. Die nächste Frage: Wer soll in die vielen frei stehenden Läden eigentlich einziehen? Es drohen lange Leerstände, Abwertung der Quartiere, noch mehr Leerstände, noch mehr Abwertung - aber vielleicht mehr Digitalisierung.

//// HANDEL NATIONAL

Runners Point macht dicht
Wer seit Jahren zu kämpfen hatte, dem setzt die Coronakrise umso härter zu. Das gilt auch für Runners Point. Die teuren Innenstadtlagen sorgten für hohe Kosten, die wiederum hohe Umsätze erfordern. Doch als wegen des Lockdowns die Kunden wegblieben, wurde es eben eng. Da half offenbar auch nach Ladenwiederöffnung nicht, dass Laufen eine der wenigen Sportarten war, die man ausüben konnte. Alle 81 Filialen von Runners Point in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden geschlossen. Die meisten in Deutschland (73), wie unter anderem T-Online meldet. Die Gründe? Hat der US-amerikanische Foot-Locker-Konzern, zu dem Runners Point seit 2013 gehört, noch nicht genannt. 

Thomann: Ein Laden als Teil der Identität
Und einmal im Jahr kommen die Kapellen und Orchester sogar in den eigenen Laden in Treppendorf, um neue Musikinstrumente einzukaufen. So romantisch geht es zu bei Thomann, dem Onlinehändler der Stunde. Wieder einmal wurde der Musikalienhänder aus der fränkischen Provinz zum besten deutschen Onlinehändler gekürt, und im Kassenzone-Podcast erklärt Sven Schoderböck, Vice President E-Commerce, was so eigen ist an diesem Unternehmen. Ja, Thomann ist ein Onlinehändler. Aber: "Der Laden ist auch Teil unserer Identität", sagt Schoderböck. "Wenn viele Leute an Thomann denken, denken sie daran, obwohl sie nie dort waren; er ist auch der Mittelpunkt für unsere Social-Media-Aktivitäten." Und welche Wucht diese Aktivitäten hat, lässt sich am aktuellen Social-Media-Ranking von Storyclash ablesen. Auch hier ist Thomann Spitze. 

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Modebranche will die langsamer werden
Wir sind immer mehr. So lässt sich die Bewegung beschreiben, die sich derzeit in der Modebranche formiert. Es geht um die radikale Veränderung eines irrsinnigen, Ressourcen und Margen fressenden Systems. Es geht um Verlangsamung der Modezyklen. Angefangen hat alles mit einem Aufruf des italienischen Modegroßmeisters Giogrio Armani, es folgte ein offener Brief, dem sich immer mehr Unternehmen anschließen. Neu dabei sind jetzt die deutschen Vertreter von: Mytheresa, KaDeWe, Jil Sander, Bungalow sowie eine Reihe von Boutiquen wie Hayashi, Uebervart und Fifty Eight.s aus Frankfurt, Schwittenberg und München. Die komplette Liste führt Fashionunited. Etailment sagt: Nicht nur unterschreiben, sondern auch handeln.


//// HANDEL INTERNATIONAL

US-Handel droht ein Debakel
Es gibt immer mehr Zahlen, die die schwere Krise des US-amerikanischen Einzelhandels beschreiben. Die nächste liefert der globale Markforscher Euromonitor. Demnach könnten der amerikanische Einzelhandel in diesem Jahr 6,5% Umsatz einbüßen, meldet CNBC. Wie heftig dieser Einbruch wäre, zeigt ein Vergleich mit 2009, dem Jahr der sogenannten Finanzkrise: Damals betrug das Minus "nur" 2,2%. Euromonitor schreibt aber erst einmal nur von einer Prognose, vielleicht werde es für die Branche nicht so hart. Wer aber allein von den täglich steigenden Arbeitslosenzahlen in der USA liest, muss vermuten, dass es genau so hart kommen wird.

Amazon lockt den Luxus
Das ist auch eine Kooperation, die man vor einer Weile nicht vermutet hätte. Amazon und das Modemagazin Vogue? Ja, das soll neuerdings passen, informiert unter anderem der Amazon-Watchblog. Vogue hat zuletzt eine Initiative für schwer gebeutelte High-Fashion-Designer ins Leben gerufen, Amazon war mit 500.000 Dollar Spende dabei - und half beim Onlineverkauf der Luxusmode. Die Coronakrise sorgt halt für Veränderungen auf allen Ebenen.

Afrikas Modeschöpfer nutzen die sozialen Medien

Die von Corona ausgelösten Turbulenzen in der Modebranche haben auch Händler und Designer in Afrika erfasst. Fashionunited blickt auf in eine für viele Europäer immer noch fremde Handelswelt. Auch dort setzen die Marktteilnehmer jetzt verstärkt auf den Onlinehandel, und sogar auf den deutschen Logistiker DHL, weil der ja weltweit verschickt. Instagram, Facebook, Youtube und TikTok sind die neuen, starken Vertriebskanäle. Die lokalen Modeschöpfer treten mit Erfindungsreichtum gegen die globalen Marken an, die alles erdrücken. In Afrika wird der Lockdown mit zuweilen brutaler Härte gegen die Bevölkerung durchgesetzt, um die Ausbreitung des Virus' zu verhindern. Die Not in Ländern wie Uganda oder Kenia ist groß, weil die Erwerbsmöglichkeiten der Menschen dadurch stark eingeschränkt sind.

Asos mit digitalen Models
Technik, Technik, Technik. Hier immer mehr Künstliche Intelligenz, dort Augmented Reality. Und diese erweiterte Realität nutzt der Onlinemodehändler Asos. Die Briten haben unter dem Lockdown auf der Insel zu leiden, weil Lieferungen nach Regeln des Abstandshaltens erfolgen muss. Auch die üblichen Fotoshootings für Produkte sind derzeit nicht möglich. Die Lösung hier: Zumindest für das letzte Problem hat Asos eine Lösung gefunden. Der Händler präsentiert mit "digital passenden" neue Kleidungsstücke. Die Technologie simuliert das Bild eines echten Models. Asos plant, auf diese Weise jede Woche sechs Models digital mit bis zu 500 Produkten einzukleiden, schreibt Store-shops.de.

Facebook klickt sich Giphy
Facebook erweitert sein Ökosystem. 400 Millionen Doller oder umgerechnet rund 370 Millionen Euro legt Mark Zuckerbergs soziales Netzwerk für Giphy auf den Tisch, wie Axios erfahren hat. Giphy ist eine rasant wachsende Plattform für Graphics Interchange Formats (GIF). Trotz der Übernahme durch Facebook soll Giphy eine eigene Marke bleiben, heißt es, allerdings soll sie in Instagram integriert werden. Die Plattform wurde 2013 in New York City gegründet.


//// TECH & TRENDS

Eine deutsche Cloud gegen Amazon
Die Versäumnisse des deutschen Mittelstands bei der Digitalisierung werden in der Coronakrise offenkundig. Aber jetzt wird mächtig aufs Tempo gedrückt. Und vielleicht ist Lidl die Lösung. Genauer gesagt, die Mutter Schwarz Gruppe. Dort wird eine eigene Cloud-Plattform entwickelt – Mittelständler sollen als Kunden gewonnen werden. "Wir hören immer wieder von Mittelständlern aus der Region, dass sie großes Interesse haben, für ihre IT eine Cloud-Lösung zu nutzen, dass sie aber Berührungsängste mit den großen amerikanischen Anbietern haben", sagte Schwarz-Manager Walter Wolf dem Handelsblatt. Wolf leitet als Vorstand bei Schwarz die Entwicklung der eigenen Cloud unter dem Namen "Stackit". 

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Business Guide

63 Seiten Roadmap für die „neue Normalität“

Eine gemeinsame deutsche Paymentlösung
Gemeinsam sind wir stark. Oder können stark sein. Zumindest denken die deutschen Banken und Sparkassen daran und reden über eine Verschmelzung der Onlinebezahlverfahren Paydirekt und Giropay. Das Handelsblatt schreibt von einem Projekt "#DK", bei dem es auch Anbindung von Handy-zu-Handy-Zahlungen (Kwitt) und der Girocard gehe.

Favorit der Leser:
Zalando ist der Aufsteiger im Monat April im Social-Media-Ranking der deutschen E-Commerce-Unternehmen. Aber der Überflieger ist - auch hier wieder einmal Thomann. Die ganze Monatsübersicht finden Sie hier.