Amazon und Streiks, eine Dauerbeziehung. In Deutschland ist gerade Ruhe, jetzt geht es mal wieder in Großbritannien weiter. Vergangene Woche haben die Mitarbeiter In Tilbury die Arbeit wegen eines zu niedrigen Angebots niedergelegt, ein neues Angebot kam nicht und Amazon will nicht mit Gewerkschaften verhandeln. Nun verringern die Beschäftigten an fünf Standorten die Arbeit, aber an 19 Standorten läuft die Arbeit weiter. Die Gewerkschaften brauchen einen langen Atem. Dass es geht, hat in den USA Christian Smalls bewiesen. Er hat in den USA auf Staten Island fast zwei Jahre um die Gründung einer Gewerkschaft gekämpft und es geschafft. Nun will er an weiteren Zentren aktiv werden. Doch dafür muss der Atem noch länger werden.

///// HANDEL NATIONAL
Wachsende Verkaufszahlen für gefälschte Autoteile
Der Online-Verkauf von gefälschten Autoteilen ist in den vergangenen Jahren, besonders seit dem Ausbruch der Pandemie, deutlich gewachsen. So meldet Mercedes Benz für das Jahr 2021 rund 1,86 Millionen Fälschungen, heißt es bei Onlinehändler News. Der Großteil des Verkaufs laufe über Plattformen und soziale Medien. Eine Rolle spiele hier, dass die Produktion der Fälschungen in kurzer Zeit möglich sei, aber die Fälscher könnten auch schnell abtauchen. Mercedes Benz verfüge über ein eigenes Markenschutzteam, das sich auf die Untersuchung von Bremsscheiben, Räder, Karosserie und Lenkung konzentriere. Das Team empfiehlt den Kunden eine größere Vorsicht, besonders bei extrem günstigen Angeboten.

Manufactum verabschiedet sich vom Hauptkatalog
Nach 34 Jahren ist Schluss für den Hauptkatalog von Manufactum. Die Handelskette für hochwertige Produkte aus Warengruppen wie Küche, Garten oder Bekleidung setzt in der Zukunft auf die Online-Schiene als Verkaufs- und Kommunikationskanal. Nach Aussage von Geschäftsführer Kai Steffan reagiert Manufactum auf die Veränderungen in den vergangenen drei bis vier Jahren, die Bedürfnisse der Kunden stünden im Mittelpunkt. Neukunden informierten und kauften häufig rein digital, doch die im Print erarbeitete Signatur werde auch online erlebbar gemacht. Das Manufactum Journal mit Ratgebern und Herstellerproträts werde weiter ausgebaut. Sortimentskataloge soll es aber weiterhin ein- bis zweimal im Jahr geben.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon erweitert den AWS Impact Accelerator um Unterstützungsprogramme für Gründerinnen
Der Fonds des AWS Impact Accelerator unterstützt in den USA nun auch Unternehmensgründerinnen. Nach Angaben von Amazon gingen in der Wirtschaft rund 18 Prozent der Unterstützungen an Teams mit Frauen und Männern, Teams, die ausschließlich aus Frauen bestünden, erhielten aber nur maximal 2,8 Prozent. Diese Unterschiede setzten sich auch in den weiteren Prozessen nach den Auszahlungen der Finanzmittel fort. Nach dem Start der Auszahlungen an Schwarze, Latinos oder LGBTQIA+ im April gehörten zu den Empfängern des 30 Millionen US-Dollar umfassenden AWS Impact Accelerator nun auch ausschließlich von Frauen geleitete Unternehmen. Sie erhielten Zugriff auf Schulungen, technische Unterstützung, weitere Hilfsmittel oder Workshops und Gesprächsrunden mit Experten aus dem Start-up-Bereich.

Starke Wachstumsprognosen für den US-Online-Handel
Nach den neuesten Zahlen des Forrester Reports kann der Online-Handel in den USA bis 2027 ein Volumen von mehr als 1,6 Billionen US-Dollar erreichen. Die Prognose für den Gesamthandel liegt bei 5,5 Billionen US-Dollar. Bereits in diesem Jahr kann der digitale Handel die Ein-Billionen-Grenze übertreffen, berichtet Retail Dive. Das diesjährige Wachstum des Online-Handels beruhe auf niedrigeren Preisen, einem umfassenderen Angebot, kürzeren Lieferzeiten und verbesserten technischen Prozessen.

Walmart übernimmt den Omnichannel-Spezialisten Volt Systems
Walmart will mit der Übernahme von Volt Systems die Umstellung des Omnichannel-Ansatzes verstärken und fortsetzen. Der Technologieanbieter hat sich auf Software für Verkaufsmanagment und Systeme für die Produktnachverfolgung spezialisiert, schreibt Retail Dive. Walmart sehe sich auf einem guten Weg, Corona habe die Umsetzung der neuen Digitalstrategie forciert, starke Zuwächse habe es im Bereich Click&Collect gegeben. Walmart befinde sich gegenüber Amazon im Bereich des Omnichannel durch das dichte Netz an stationären Geschäften im Vorteil. Der Kauf von Volt Systems sei ein wichtiger Schritt, um diese Entwicklung fortzusetzen, denn hier stehe der Umgang mit komplexen Omnichannel-Modellen im Mittelpunkt. Es gehe für die Kunden um einen nahtlosen Einkauf über alle Verkaufswege.

Shopifys Kundenwachstum lässt nach
Die steigenden Kosten und die nachlassenden Ausgaben der Kunden haben das Wachstum der Kundenzahlen von Shopify gebremst, ein Abwandern der Kunden ist nach einer Untersuchung von Yipit Data möglich, meldet Reuters. Im ersten Halbjahr habe Shopify nur 71.000 Händler weltweit als Kunden gewonnen, in den Jahren 2020 und 2021 hätten die Zahlen bei 680.000 respektive 314.000 gelegen. Erst im Juli hatte das kanadische Unternehmen einen Jobabbau mitgeteilt (das Morning Briefing berichtete). Nach der Einschätzung der Analysten müsse Shopify in der zweiten Jahreshälfte mindestens doppelt so viele Neukunden gewinnen. Sollte dies nicht gelingen, wäre dies der geringste Zuwachs seit 2018. Besonders stark sei der Rückgang bei kleineren Anbietern, die nicht Nutzer des Plus-Programms seien, Auswirkungen auf Plus seien aber nicht auszuschließen.



///// TRENDS & TECH

Rent the Runway steigt auf Google Cloud um
Der Bekleidungsverleihdienst Rent the Runway steigt mit seiner Online-Plattform und der kompletten IT auf die Google Cloud um. Laut eines Berichts von Fashion United geht es mit diesem Schritt um eine höhere Verlässlichkeit der Plattform. Durch eine Anpassung der Infrastruktur seien in Zukunft schnellere Reaktionen während der stärksten Handelszeiten möglich. Die IT verfüge nun über eine größere Flexibilität, mit dem traditionellen Hosting sei dies langfristig nicht möglich. Durch die Umstellung auf Google Cloud könne Rent the Runway seine Verfügbarkeit steigern.

Wie Onlinehändler Kundenvertrauen systematisch aufbauen
Die Bildung von Kundenvertrauen ist gerade für Onlinehändler, bei denen der persönliche Kontakt meist entfällt, eine Herausforderung. Die gute Nachricht: Vertrauen entsteht nicht zufällig, sondern lässt sich systematisch aufbauen. Mit psychologischem Wissen über die Determinanten von Vertrauen und einer sinnvollen methodischen Vorgehensweise lässt sich viel ungenutztes Potenzial ausschöpfen, sagt Dr. Eric Eller, Senior Managing Consultant bei Elaboratum. In einem Gastbeitrag für etailment.de erläutert er das Konzept der Vertrauensarchitektur.

Tiktok startet das Order Center
Tiktok unternimmt einen weiteren Schritt, um sich im Social Commerce besser und prominenter zu positionieren. Mit dem neu eingerichteten Order Center erhalten die Nutzer Informationen über Bestellungen, es zeigt aber auch Angebote und Produkt-Tipps an, schreibt Social Media Today. Sichtbar seien auch Wunschlisten, Informationen zu den Zahlungsmethoden, Produktbewertungen oder der Versandstatus von Bestellungen. Zum Start habe aber nur eine begrenzte Nutzerzahl Zugriff auf das Order Center. Tiktok wolle offensichtlich ähnliche Verkaufszahlen erreichen wie die chinesische Parallel-Plattform Douyin, wobei der Social Commerce in Asien eine deutliche höhere Popularität aufweise. Meta dagegen bewegt sich in die andere Richtung, Facebook stellt das Liveshopping im Oktober ein.

Der Eigenvertrieb gewinnt stark an Bedeutung
In der Bekleidungsbranche kaufen die Verbraucher verstärkt in den Online-Shops der Produzenten. Dies ist eines der Ergebnisse der Studie "E-Commerce im Fashion-Business" der Textilwirtschaft. Dabei wurden 100 Personen aus dem Management der Bekleidungsproduzenten befragt, rund 90 Prozent verfügten über einen eigenen Online-Shop. Geringe Quoten erreichten der Vertrieb über Plattformen, Marktplätze oder über die sozialen Medien, 95 Prozent der Befragten planten aber einen Ausbau ihres digitalen Handels. Die größte Bedeutung bei den Vertriebswegen habe für 66 Prozent der eigene Webshop. Die größte Rolle für den Ausbau des Direktverkaufs spiele für 95 Prozent die Kontrolle über die eigene Marke. Die Nähe zum Kunden sei wesentlich, es gebe keinen Preiswettbewerb. Als Minuspunkte zählten die Frage der Finanzierung und der Aufbau der Bekanntheit der Marke.

///// NACHHALTIGKEIT

Drohnen bieten eine nachhaltige Liefervariante
Nach einer Untersuchung der Carnegie Mellon University bieten die Drohnen eine nachhaltige Variante für die letzte Meile der Auslieferung. Die Forscher untersuchten und verglichen die Werte beim Transport einzelner Pakete mit Drohnen, mittelgroßen Diesel- und Lieferfahrzeugen, kleinen Fahrzeugen und elektrischen Lastenrädern, schreibt The Next Web. Dabei seien die Treibhausgasemissionen von Drohnen um 84 Prozent niedriger gewesen als die Werte der Dieselfahrzeuge, der Energieverbrauch sei um 94 Prozent geringer gewesen. Die effizientesten Transportfahrzeuge beim Energieverbrauch seien kleine Drohnen und E-Lastenräder. Die Höhe der Treibhausgasemissionen der Drohnen sei aber abhängig von der insgesamt benötigten Strommenge und den Emissionen des regionalen Stromnetzes. Weiterhin müssten die regionalen Regeln für den Luftverkehr und die Größe der Drohnen mit ihrem maximalen Transportgewicht beachtet werden.