"Ob es wirklich dazu kommt, ist [...] noch offen", kommentiert Spiegel.de die Pläne der Bundesregierung zur Cannabis-Legalisierung. Kein Grund, sich nicht schon einmal zu positionieren. Erich Comor, Geschäftsführer des Online-Supermarkts Knuspr, tut es per Tweet: Knuspr wird Cannabis verkaufen. Zumindest sei man offen. Jedenfalls grundsätzlich. Sofern die Legalisierung auf sichere Weise und mit Jugendschutz passiere. Mit anderen Worten: Ob es wirklich dazu kommt, ist noch offen.

///// HANDEL NATIONAL
Baur-Onlinegeschäft schrumpft im ersten Halbjahr
Die Baur-Gruppe, die sich auf Online-Handel und Dienstleistungen drumherum konzentriert, kleidet ihre Halbjahreszahlen (März bis August) in den Euphemismus "Wachstumspause". Im Online-Handel hätten Baur (Deutschland) und Unito (Österreich) "einen Teil der außerordentlichen hohen Zuwächse aus dem Corona-Umsatzeffekt wieder abgeben" müssen, heißt es in der Pressemitteilung. Das Geschäftsfeld Dienstleistungen habe dagegen "erfreuliche Einzelentwicklungen" gezeigt. Insgesamt sank der Netto-Außenumsatz um 10,5 Prozent auf 442 Mio. Euro. Am 1. Juni 2022 seien Teile der Baur-Logistik auf die neue Logistikgesellschaft Baur Hermes Fulfilment (BHF) übergegangen.

Global Savings Group kauft in den USA zu
Die Global Savings Group (GSG), eine Plattform für Einkaufsempfehlungen und Shopping Rewards mit Sitz in München, will Coupons.com aus den USA kaufen. Eine Vereinbarung zur vollständigen Übernahme bis Ende 2023 sei unterzeichnet worden, berichtet das Unternehmen. Coupons.com biete digitale und Offline-Coupons sowie Cashback-Angebote und "ist für seine Omnichannel-Produkte im Markenaufbau und der Verkaufsförderung bekannt", so GSG. Man wolle die "Position als stark wachsender Anbieter im Bereich der Shopping Rewards in den USA weiter ausbauen".

Knuspr will Teil des Fußball-WM-Umsatzes spenden
10.000 Euro Spende an Amnesty International garantiert der Lebensmittel-Lieferdienst Knuspr – als Ausweg aus der "echten Zwickmühle", in der sich das Unternehmen laut Pressemitteilung sieht: Knuspr distanziere sich wegen der Menschenrechtslage vom Fußball-WM-Austragungsort Katar, will seiner Kundschaft aber alles zum Zuschauen verkaufen. Denn eine eigene Umfrage unter 500 Deutschen habe ergeben, dass für 65 Prozent Knabbereien beim Fußballabend nicht fehlen dürfen. Auch das Spendenziel Amnesty International sei per (Social-Media-) Umfrage bestimmt worden.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Großbritannien: Made.com nimmt keine Bestellungen mehr an
"Sorry, Made is not currently taking any new orders", steht auf der Website von Made.com (auch auf Deutsch). Telegraph.co.uk zufolge steckt der an der Londoner Börse notierte britische Möbelhändler in Schwierigkeiten, Gespräche mit möglichen Investoren seien gescheitert. Das Zusperren diene der Sicherung der bestehenden Werte. Thedrum.com nennt Made.com "wohl eines der ersten Opfer der Rezession in Großbritannien" und verweist auf ähnliche Fälle im britischen E-Commerce (Eve Sleep, Missguided, The Vegan Kind), die alle gerettet worden seien. Der Made.com-Börsenwert sei von 775 Mio. Pfund nach dem Börsengang 2021 auf jetzt 30 Mio. Pfund gesunken.

China: Alibaba lobt Verzicht auf Preisnachlässe
Analysten erwarteten, dass Alibaba während des diesjährigen "11.11 Global Shopping Festival" geringere Zuwächse erziele, hat das "Morning Briefing" in dieser Woche Reuters zitiert. Jetzt das: "Der Verzicht auf Preisnachlässe, um eine treue Fangemeinde aufzubauen, ist eine besonders kluge Strategie, wenn man bedenkt, wie viele andere Werbeaktionen in den letzten Jahren den Einzelhandelskalender in China überschwemmt haben", schreibt die Alibaba Group unter Berufung auf eine Analyse von Bain & Co. Statt Wachstum stünden für Händler jetzt Rentabilität und die Gewinnung loyaler Kunden im Vordergrund. Das sei "eine neue Ära" für den chinesischen Einzelhandel. Zumindest sind es ganz neue Töne.

USA: Amazon akzeptiert Zahlungen via Venmo
In den USA kooperiert Amazon mit dem (nur dort verfügbaren) Mobile-Payment-Dienstleister Venmo, einem Dienst von Paypal. Wie Paypal schreibt, gilt das für Käufe auf Amazon.com und in der Amazon-App. Der Rollout habe in dieser Woche mit ausgewählten Kunden begonnen und solle bis zum Black Friday gegen Ende November abgeschlossen sein. Venmo zähle fast 90 Mio. aktive Nutzer.

USA: Walmart zieht Fulfillment-Geschäft auf sich
Marketplacepulse.com macht eine Rechnung für den Marktplatz von Walmart auf: Eine Suche zum Beispiel nach "kabellosen Kopfhörern" bringe 50 Ergebnisse auf der ersten Seite. 33 davon führten zu Drittanbietern, die anderen 17 zu Walmart selbst. 28 der 33 Händler nutzten die Walmart Fulfillment Services (WFS) für die Abwicklung. Daraus folge: Lediglich zehn Prozent der 50 Angebote kämen aus Lagern der Verkäufer. Die anderen 90 Prozent liefen über Walmart oder über Händler, die WFS nutzen. WFS habe Walmart einen Boom an Service-Geschäft gebracht, insbesondere 2022 seit Öffnung für internationale Händler vor allem aus China.

Amazon lehrt seine Beschäftigten Gebärdensprache
Der Oktober ist in den USA der "National Disability Employment Awareness Month". Amazon nutzt das, um darauf hinzuweisen, dass rund 200 Standorte in bisher acht Ländern (USA, Kanada, Frankreich, Polen, Spanien und Großbritannien) der Belegschaft über Videostationen Grundlagen der Gebärdensprache vermitteln. Weitere Länder sollen folgen, Namen nennt Amazon nicht.

Schweizer Blatt mit Spitze gegen Galaxus.ch
Handelszeitung.ch wirft einen spitzzüngigen Blick (wenn das schiefe Bild erlaubt ist) auf Galaxus.ch: Das Unternehmen habe schon vor dem Start verlauten lassen, es wolle langfristig einen Platz in den Top 5 des deutschen E-Commerce. Die aktuelle Liste des EHI Retail Institute aber setze Galaxus.ch mit einem geschätzten Umsatz von 102,2 Mio. Euro auf Platz 111. "Vom angestrebten Ziel sind die Schweizer immer noch meilenweit entfernt", ätzt das Blatt. Die Umsatzzahl bedeute aber eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr, daher "stimmt immerhin das Tempo der Umsatzentwicklung".


///// TRENDS & TECH

Echtzeit-Überweisungen sollen in Europa Standard werden
Boomer, die per Vorkasse durch Banküberweisung im Online-Shop bestellen, wissen diesen Vorstoß sicher zu schätzen: In der Europäischen Union sollen Echtzeit-Überweisungen in Euro zum Standard werden. Das hat sich den Berichten verschiedener Medien zufolge die EU-Kommission auf den Zettel geschrieben. Unter anderem sollen die Transaktionen zu jeder Zeit verfügbar sein und nicht mehr kosten als Standardüberweisungen. Technisch gebe es diese Instant Payments bereits seit 2017.

EHI: Händler wissen, was sie im Metaverse wollen
Vorsichtig mit ihren Erwartungen sind Händler schon: 80 Prozent geben an, eine Metaverse-Präsenz sei gut fürs Marketing, aber nur etwa zwei Drittel glauben auch an ökonomische Ziele. Das schreibt das EHI Retail Institute nach einer Umfrage unter 433 Entscheiderinnen und Entscheidern aus 284 deutschsprachigen Handelsunternehmen. Aber: Der Handel "hat eindeutige Präferenzen, welche Anwendungen er später nutzen möchte", nämlich (Top 3) virtuelle Beratung (77 Prozent), dreidimensionale Produktvorführung (75 Prozent) und klassische Werbung im virtuellen Raum (69 Prozent).

///// WEIHNACHTEN

Sechs Meldungen zu den Festtagen
Wir haben die Rubrik "Nachhaltigkeit" für heute durch "Weihnachten" ersetzt, weil das Thema gerade mächtig trendet. Im Schnelldurchlauf:
  • Die vorletzte und die letzte Novemberwoche sind die beste Zeit für den Online-Geschenkekauf, folgert Guenstiger.de aus den Preisdaten von 2021: Elf von zwölf untersuchten Kategorien seien da am günstigsten gewesen, sieben Kategorien waren in der Zeit von Mitte Dezember bis Heiligabend am teuersten. (Preisentwicklung von 600 Produkten aus zwölf Kategorien, November/Dezember 2021.)
  • Denn: Deutsche Verbraucher werden ihre Ausgaben in der Vorweihnachtszeit voraussichtlich um 9,4 Prozent (1,9 Mrd. Euro) reduzieren, vor allem wegen Inflation und wirtschaftlicher Unsicherheit. Das sei immer noch weniger Rückgang als in Großbritannien (22) und Spanien (14 Prozent). ("Trends im Weihnachtsgeschäft" von Retail Economics, Metapack und Packlink, 8.000 Befragte in acht Ländern, also wohl ca. 1000 in Deutschland.)
  • 82 Prozent der Leute wollen in diesem Jahr Geschenke bei Online-Händlern bestellen, hauptsächlich wegen Zeitersparnis, Produktverfügbarkeit und der Hoffnung auf Deals. Für die Inspiration liegen Suchmaschinen (49 Prozent) vor stationärem Handel (38 Prozent). ("Consumer Sentiment Index" von Criteo, 7.202 Befragte, auch aus Deutschland – Criteo nennt deren Anteil allerdings nicht.)
  • Buybay sieht den Re-Commerce als Ausweg aus der schwierigen Lage im Weihnachtsgeschäft 2022: "Zusammenfassend kann man sagen, dass Re-Commerce die Lösung für Herausforderungen wie fehlende Kaufkraft, Lieferschwierigkeiten und den Wunsch nach Nachhaltigkeit bietet, die Händler in dieser Weihnachtssaison zu bewältigen haben." (Pressemitteilung, nicht online.)
  • Twitter wird am heutigen Donnerstag eine Pressemitteilung dazu herausgeben, welche Geschenke über die Plattform recherchiert werden. Ganz vorne stünden Technik-Produkte wie Haushaltsgeräte, Wearables und PCs/Laptops, außerdem Gaming-Geschenke. Twitter will damit mögliche Werbekunden umgarnen.  
  • Schon vor einigen Tagen hat der Unternehmensbereich Post & Paket Deutschland der Deutschen Post DHL Group seine Prognose des Paketvolumens veröffentlicht: im November und Dezember 70 Prozent mehr Pakete als im September, an einzelnen Tagen vor Heiligabend bis zu elf Millionen Stück. Die Sortierkapazität für "warentragende Sendungen" (schöner Begriff!) sei 2022 um 22 Prozent erhöht worden (gegenüber 2019).