Das ist mal eine Begründung. Laut GeekWire.com und Pressemitteilung kauft der US-amerikanische Gesundheits-IT-Dienstleister Dexcare einen Spezialisten für schnelle mobile Webseiten mit Namen Womp Mobile. "Wir nehmen Tools, Technik und Strategien des E-Commerce und wenden sie direkt auf den Zugang zur Gesundheitsversorgung an", wird Dexcare zitiert. Und warum? Dazu Womp ganz unverblümt: "Den Websites der Gesundheitsbranche fehlen die Leistung, die Raffinesse und die Personalisierung, die Verbraucher inzwischen erwarten." Na, dann: Auf gute Zusammenarbeit!

///// HANDEL NATIONAL
Conrad sucht Händler für seinen B2B-Marktplatz
Elektronikhändler Conrad sucht per Pressemitteilung und Whitepaper Händler, die "den professionellen Kauf und Verkauf von Waren vermehrt über digitale Marktplätze abwickeln wollen". Gemeint ist (der Verdacht liegt nahe) der von Conrad, 2017 aus der Taufe gehoben und mit 650 Herstellern und Händlern sowie sieben Mio. Angeboten Teil der "Conrad Sourcing Platform". Das insgesamt eher neutral gehaltene Whitepaper hebt die "Smart-Procure-Lösungen" und die intuitiv bedienbare Plattform von Conrad hervor. Auch in Österreich und den Niederlanden betreibt Conrad Marktplätze, weitere Länder sollen folgen, "um Cross-Border-Beschaffung über Landesgrenzen hinweg zu ermöglichen".

Ebay umwirbt deutsche Händler für internationale Verkäufe
Ebay geht eine Nuance direkter vor als Conrad. 20 Prozent der Ebay-Transaktionen seien international, schreibt das Unternehmen und putzt sich mit einem überhaupt nicht neutral gehaltenen, ins Deutsche übersetzten Online-Handbuch heraus als "großartige Möglichkeit, internationalen Handel zu betreiben". Weltweit gebe es rund 138 Mio. aktive Käufer.

Knuspr erhöht die Entgelte
Das Supermarktblog hat herausgefunden, dass der Lebensmittel-Lieferdienst Knuspr Lieferentgelte, Mindestbestellwert und die Grenze für Gratis-Lieferungen erhöht hat. Das gelte für München und Frankfurt am Main. Bisher hätten Lieferungen ab 39 Euro Mindestbestellwert 4,90 Euro gekostet, ab 79 Euro nichts. Jetzt verlangt Knuspr 6,90 bis 4,90 Euro, der Mindestbestellwert wurde für Frankfurt um zehn Euro gehoben, die Gratisgrenze für München um zehn, für Frankfurt um 20 Euro. Trockener Kommentar des Blogs: Die Wachstumsziele zu erreichen "könnte schwieriger werden als gedacht". Gopuff in den USA hat das monatliche Entgelt für das Abonnement "Fam" zum ersten Mal seit Einführung im Jahr 2018 erhöht: von 5,95 auf 7,99 US-Dollar (Retaildive.com).

About-You-Zahlen sind "kein Untergang des Online-Handels"
"Es gibt keinen Anlass, vom Untergang des Online-Handels zu sprechen, auch wenn die Euphorie für Fashion-E-Commerce an der Börse längst verflogen ist", schreibt Textilwirtschaft.de zu den schlechten Zahlen unter anderem von About You (das "Morning Briefing" berichtete). Die Abkühlung liege nicht an den Unternehmen, sondern an der Normalisierung nach dem Online-Boom der Pandemie. "Sicherlich schneller als gedacht, getrieben von Krieg, Krise, Inflation." Daher rücke jetzt Profitabilität vor Wachstum. Dieser Shift allerdings "war überfällig", so die TW.

Timocom sieht Transportmarkt-Entspannung – mit großem Aber
Die Situation auf dem europäischen Transportmarkt beginne trotz aller negativer Vorzeichen, sich zu entspannen. Zu diesem Schluss kommt der Logistik-System-Anbieter Timocom. Wie er mitteilt, ließen sich die deutlichen Frachtüberhänge des zweiten Quartals im zu Ende gehenden dritten nicht ausmachen, die saisonal bedingte Abkühlung der Sommermonate sei besonders ausgeprägt. Die Gründe: Lieferkettenstörungen, Krieg, hohe Preise für Sprit und Lkw. Und: In Deutschland werde viel weniger Laderaum angeboten als in den Jahren zuvor, in den ersten neun Monaten 24 Prozent weniger als im Vorjahr. Ineffizienzen wie Leerfahrten und Wartezeiten an Be- und Entladestellen müssten dringend abgebaut werden.

Berlin bereitet Maskenpflicht für Läden vor
Mit dem Winter kommen die Déjà-vus: Berlin plant dreistufige Covid-19-Maßnahmen für Herbst und Winter, wie der Senat verlautbart, darunter als Stufe 2 "Einführen einer Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen". Lebensmittelzeitung.net zufolge steuert Berlin damit als erstes Bundesland wieder auf Maskenpflicht in Einzelhandelsgeschäften zu. Wie Berliner-Zeitung.de schreibt, habe sich das Infektionsgeschehen der Senatsverwaltung zufolge „dramatisch verschärft“, sie rechne mit einer Verdopplung der Covid-19-Patienten-Zahl in den Berliner Krankenhäusern in den kommenden 16 Tagen. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Farfetch erweitert Concierge-Kundenkreis (ein bisschen)
Wer zum Treueprogramm "Private Client" des US-Mode-Onliners Farfetch gehören möchte, muss dort mindestens 12.000 Euro im Jahr ausgeben, so Fashionnetwork.com. Noch eingeschränkter war bisher der Kreis derer, die den "Fashion Concierge" nutzen konnten: Das ging nur per Einladung. Jetzt aber sei dieser Dienst auf alle "Private Clients" ausgedehnt worden, berichtet die Website. Er ermögliche es, seltene Dinge zu kaufen, die es auf dem regulären Farfetch Marketplace (noch) nicht gebe, etwa Handtaschen-Einzelstücke, Uhren mit begrenzter Auflage oder Juwelen.

Australien: My Sale geht wohl an Frasers Group
Der Verwaltungsrat des australischen E-Commerce-Unternehmens My Sale Group empfiehlt seinen Aktionären, das Übernahmeangebot der britischen Frasers Group anzunehmen. Das berichtet Fashionunited.de. Frasers habe eh schon 49 Prozent der Anteile und damit praktisch die Kontrolle, da habe es wenig Sinn, auf bessere Verkaufs-Gelegenheiten zu warten – auch wenn der Verwaltungsrat das Angebot (zwei Pence pro Aktie) für unterbewertet halte. Das nennt man wohl Zwickmühle.

Italien: Lieferdienst Glovo feuert toten Fahrer
Automatisierung gut und schön, aber nicht so: Einem Bericht auf BusinessInsider.com zufolge sei ein 26-jähriger Fahrer des spanischstämmigen Lieferdienstes Glovo während einer Moped-Lieferfahrt in Florenz mit einem SUV zusammengestoßen und gestorben. Am nächsten Tag habe er eine automatische Kündigung von Glovo erhalten, da er sein Lieferziel nicht erreicht habe. Glovo habe großes Bedauern über diese E-Mail zum Ausdruck gebracht und die Hinterbliebenen persönlich um Entschuldigung gebeten.


///// TRENDS & TECH

Shopify will europäische ERP-Systeme anbinden
Shopsystem-Anbieter Shopify will mehr Kunden und baut daher neue Schnittstellen, nämlich zu Anbietern für Enterprise Resource Planning (ERP). Genauer: Das 2021 eingeführte weltweite ERP-Programm von Shopify wird um ein Angebot für Europa ergänzt. Laut Pressemitteilung arbeitet Shopify gegenwärtig mit Actindo, Afterbuy, JTL, Pickware, Plentymarkets und Xentral in Deutschland, mit Itsperfect in den Niederlanden sowie mit EV4 und Holded in Spanien zusammen. Weitere sollen folgen. Ermöglicht würden unter anderem Shopify-konforme Apps.

Klarna: Deutsche Online-Präferenz momentan auf Platz 4
Zahlungsdienstleister Klarna fragt alle Quartale 13.500 Leute in 13 Ländern nach ihren Shopping-Gewohnheiten. Im zweiten Quartal 2022 lag Deutschland, was die Präferenz für das Online-Shopping angeht, mit einem Wert von 97 auf Platz 4 der untersuchten Länder, hinter Großbritannien (103), Schweden (102) und den USA (98), schreibt Klarna. Ein Wert von 100 bedeutet ausgeglichenes Interesse an Online- und Offline-Shopping, 97 eine leichte Präferenz für stationäre Geschäfte. Deutschland zeige wieder eine Tendenz Richtung Laden.

Bain und Meta: Südostasien bleibt E-Commerce-Treiber
370 Millionen onlineaffine Konsumenten werde es Ende 2022 in Südostasien geben, 402 Millionen Ende 2027. Das erwarten die Unternehmensberatung Bain und Facebook-Betreiber Meta, wie sie mitteilen, nachdem sie 16.000 Verbraucher und Führungskräfte in Indonesien, Malaysia, auf den Philippinen, in Singapur, Thailand und Vietnam befragt haben. Das jährliche Bruttomarktvolumen werde in dieser Zeit von 210 Mrd. auf 280 Mrd. US-Dollar zunehmen. Fast die Hälfte der Produktrecherchen laufe über Soziale Medien. Daher bleibe Südostasien Vorreiter im E-Commerce. (Via Internetworld.de.)

Tiktok soll fast 70 Prozent bestimmter Online-Spenden einbehalten
Spiegel.de berichtet über eine Recherche des britischen Senders BBC: Demnach sei es seit Anfang des Jahres üblich, dass syrische Familien in Flüchtlingslagern über Tiktok um digitale Spenden mit Geldwert bitten – und Tiktok behalte bis zu fast 70 Prozent des Geldes für sich. Ein Test der BBC habe ergeben, dass von 106 gespendeten US-Dollar 73 von Tiktok einbehalten worden und durch weitere Provisionen nur 19 Dollar übrig geblieben seien. Tiktok habe erklärt, stärker gegen "ausbeuterisches Betteln" vorgehen zu wollen.

FAZ.net verspottet Sendungsverfolgung
Falls sich zum Schluss noch jemand aufregen möchte: FAZ.net macht sich nach einer Online-Bestellung 2.741 Anschläge lang über die automatische Sendungsverfolgung von DHL lustig. Feuilleton-Redakteur Edo Reents will Ruhe "vor dieser Informations- und Wissensgesellschaft". Andere nennen das Service.