Die Deutsche Post DHL Group meldete am gestrigen 9. März Rekordumsätze (plus 15,5 Prozent) und eine EBIT-Bestmarke (plus fünf Prozent). Ebenfalls gestern verkündete Verdi, fast 86 Prozent der Mitglieder bei der Post hätten sich für unbefristete Streiks ausgesprochen, um höhere Löhne durchzusetzen. Hat Verdi gute Karten? Wohl nicht ohne Grund weist der Post-Konzern darauf hin, die EBIT von Post & Paket Deutschland hätten 2022 mit 1,3 Mrd. Euro etwa 500 Mio. Euro unter Vorjahr gelegen. Heute gehen die Tarifverhandlungen weiter. Heiße Zeiten für den E-Commerce könnten folgen.

/////HANDEL NATIONAL
Deutsche Post spürt Normalisierung des E-Commerce
Die Deutsche Post DHL Group meldet einen neuen Rekordumsatz von 94,4 Mrd. Euro (plus 15,5 Prozent)  der kommt aber nicht aus dem E-Commerce: "Der Umsatzsprung resultierte vollständig aus dem internationalen Geschäft der DHL-Divisionen", heißt es in der Pressemitteilung. Der Welt- und Onlinehandel habe sich 2022 "wie erwartet normalisiert" und im Schlussquartal eine nur noch schwach ausgeprägte Dynamik gezeigt. 

  • Für Post & Paket Deutschland nennt der Konzern 16,8 Mrd. Euro Umsatz (2021: 17,4 Mrd. Euro), "vor allem aufgrund der erwarteten Normalisierung der Paketmengen bei begrenzten Möglichkeiten zu Preisanpassungen im Briefgeschäft". Die Zahl der Pakete habe 8,3 Prozent unter Vorjahr gelegen. Die EBIT hätten 1,3 Mrd. Euro erreicht, rund 500 Mio. Euro weniger als 2021.
  • DHL E-Commerce Solutions habe leicht zugelegt, von 5,9 Mrd. auf 6,1 Mrd. Euro Umsatz, "maßgeblich getrieben durch Preismaßnahmen". Die Zahl der Pakete sei um 6,3 Prozent zurückgegangen. Der Konzern nennt Indien als erfreuliche Ausnahme mit wachsenden Sendungsmengen.  


Moebel.de zählt jetzt 500 Partner-Shops und -Händler
Die Möbel-Suchmaschine Moebel.de hat  so berichtet Moebelmarkt.de  die Zahl der Shop-Partner im Jahr 2022 um etwa zehn Prozent gesteigert, jetzt seien mehr als 500 Online-Shops und lokale Händler angeschlossen. Neu dabei seien stationäre Geschäfte wie Porta und Roller, die Moebel.de als Online-Kanal nutzten, vor allem aber Onliner wie Heute-Wohnen.de, Pickawood, Westwingnow und Galaxus. Dem Bericht zufolge zählt das Portal 50 Mio. Suchanfragen pro Jahr. (Moebel.de selbst spricht von 250 angeschlossenen Online-Shops mit drei Mio. Nutzern pro Monat, an anderer Stelle von 300 Online-Shops und bis zu fünf Mio. Besuchern pro Monat  vermutlich veraltet.)

Knuspr meldet die millionste Bestellung
Dennis heißt der Kunde des Lebensmittel-Lieferdienstes Knuspr, der nach anderthalb Jahren Lieferbetrieb die millionste Bestellung aufgegeben hat. Wie Knuspr mitteilt, liege die Gesamt-Kundenzahl in den Regionen Rhein/Main und München bei 115.000, der durchschnittliche Bestellwert bei mehr als 100 Euro.

Lidl- und Kaufland-Mutter gibt IT-Tochter mehr Gewicht
Lebensmittelzeitung.net zufolge will der Einzelhandelskonzern Schwarz seine IT-Sparte stark ausbauen: Die Schwarz IT KG könne neben Lidl, Kaufland, Prezero und der Schwarz Produktion zur fünften Sparte des Konzerns werden, ihr Kommanditkapital sei von 100.000 Euro auf 380 Mio. Euro aufgestockt worden. Dem Bericht zufolge gehe es vor allem darum, "den europäischen Cloud-Markt nachhaltig mitzugestalten", sich also für externe Kunden zu öffnen. Lidl Online und der Kaufland-Marktplatz gehörten formal nicht zu Schwarz IT.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Auch Schweizerische Post mit weniger Paketen
Die Schweizerische Post zeichnet vom Geschäftsjahr 2022 ein ähnliches Bild wie die Deutsche Post DHL Group: Die Zahl der Pakete sei im Vergleich zum Vorjahr um rund vier Prozent gesunken. Das Unternehmen führt das vor allem auf die gedrückte Konsumstimmung durch den Krieg gegen die Ukraine und auf Lieferschwierigkeiten zurück. Im Vergleich zu 2019 habe die Post aber 30 Prozent mehr Pakete befördert: "Die Menschen haben sich daran gewöhnt, online einzukaufen." Umsatzzahlen werden nicht genannt, das Betriebsergebnis (EBIT) der Schweizerischen Post habe 2022 bei 358 Mio. Franken gelegen (minus 157 Mio.).

Amazon und Twitter im Clinch
Stoff für eine Serie auf Amazon Prime: Weil Twitter die Cloud-Rechnung von Amazon Web Services (AWS) nicht bezahlt habe, weigere sich Amazon nun, Anzeigenrechnungen von Twitter zu begleichen. So schreiben TheInformation.com und Datacenterdynamics.com. Amazon halte mindestens eine Mio. US-Dollar fürs erste Quartal zurück, was Wirkung gezeigt habe: Twitter habe zehn Mio. Dollar an AWS überwiesen, es stünden aber noch 70 Mio. Dollar aus. Amazon sei nicht bereit, den langfristigen Vertrag neu zu verhandeln, den Twitter kaum ausschöpfe. (Via Amazon-Watchblog.de.)

///// TRENDS & TECH

GDV: Handelsunternehmen reden IT-Schwachstellen klein
"Mittelständische Handels- und Logistikunternehmen sind häufig Ziel von Cyberkriminellen, aber auf diese Angriffe nicht ausreichend vorbereitet"  das ist das Fazit des GDV (Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft) nach mehreren Studien. 22 Prozent von 300 befragten Handels- und Transportunternehmen seien Opfer von Cyberattacken gewesen, bei der Hälfte von ihnen habe der Betrieb still gestanden. Ein Sicherheits-Check bei 19 Mittelständlern habe zu 95 Prozent IT-Schwachstellen ergeben. Gleichzeitig hielten 63 Prozent der Befragten ihr Risiko für gering. Fazit des GDV: Die Selbsteinschätzung halte der Realität nicht stand.

Wing will in zwei Jahren im Lieferdrohnen-Regelbetrieb arbeiten
Das zur Google-Mutter Alphabet gehörende Lieferdrohnen-Unternehmen Wing geht mit seinem "Wing Delivery Service" offenbar neue Wege: Herz des Dienstes sind laut Fastcompany.com einfach zu bedienende Abgabeboxen für zu versendende Güter. Sie würden von den Drohnen automatisch geleert. Ein Netz von Ladestationen liefere die Energie. In den USA gebe es den Service bisher in zwei Städten, in den nächsten ein bis zwei Jahren solle aus dem Probe- ein Regelbetrieb mit wachsendem Netz werden. Die bisherigen 300.000 Auslieferungen seien hauptsächlich an Privatadressen gegangen.

Neue Software "tindert" die Produktsuche in Shops
Konsider.ch stellt das Start-up Innofind aus Thun in der Schweiz vor, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Online-Kunden über Methoden der Künstlichen Intelligenz durch das breite Angebot der Shops und Marktplätze zu führen. Am Beginn des Prozesses werde  ähnlich wie in der Dating-App Tinder  eine Art Geschmacksfilter erstellt. Der reduziere dann die Zahl der angebotenen Produkte. Ein Testlauf mit Otto Österreich habe die Conversion-Rate um 2,2 Prozent gesteigert, den durchschnittlichen Bestellwert um 1,5 Prozent, was zusammen 3,5 Prozent mehr Umsatz bedeute.

Newsletter-Einwilligung kann erlöschen
Wer einen Newsletter länger als vier Jahre NICHT verschickt, kann die Einwilligung der Empfänger verlieren, sofern weitere Umstände gegen die Einwilligung sprechen. Auf dieses Urteil des Amtsgerichts München (14. Februar 2023, Az. 161 C 12736/22) weist Shopbetreiber-Blog.de hin. Anders gesagt: Reiner Zeitablauf genüge nicht zur Unwirksamkeit der Einwilligung, es brauche "weitere Umstände". Und die bestanden in dem verhandelten Fall darin, dass der Newsletter-Empfänger in den vier Jahren Pause aus dem Golfclub ausgetreten war, womit der Grund für den Newsletter entfalle. 

///// NACHHALTIGKEIT

USA: Verteilzentren-Konglomerate sind "Opferzonen"
Die große Zahl von Lagerhäusern und Verteilzentren in Südkalifornien, insbesondere in der Region Inland Empire, wird mit Umwelt- und Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Wie DW.com schreibt (also die Deutsche Welle), zählte die Region 2021 mehr als 4.000 Verteilzentren mit insgesamt 93 Mio. Quadratmetern Fläche. Über sie liefen 40 Prozent des US-Warenverkehrs, was zu 600.000 Lastwagenfahrten pro Tag mit den entsprechenden Emissionen führe. Wegen der überdurchschnittlich hohen Zahlen an Krebs, Asthma und anderen Krankheiten werde die Gegend "Opferzone" genannt. Eine Reihe von Organisationen fordere die Ausrufung eines Notstands und ein Zwei-Jahres-Moratorium gegen neue Lager.