Das trifft den E-Commerce und seine Kunden: Verdi ruft "die Beschäftigten in allen Brief- und Paketzentren (Verteilzentren) bundesweit" zum Streik auf, und zwar bereits seit gestern und für den ganzen heutigen Freitag. "In den folgenden Tagen werden weitere Streiks folgen", kündigt die Gewerkschaft zudem an. Die Gewerkschaft DPVKOM plant für Freitag und Samstag Streiks "in der Niederlassung Betrieb Karlsruhe sowie erstmals auch in der Niederlassung Betrieb Mannheim". Sie rechnet damit, dass allein durch sie 120.000 Paketzustellungen betroffen sein werden. Kommen Sie gut durch.

///// HANDEL NATIONAL
Every Foods führt Abos ein
Every Foods, Berliner Lieferdienst für vegane Tiefkühlgerichte, hat einen "Lieferplan" eingeführt  und damit nichts anderes als ein Abonnement. Wöchentlich, zwei- oder vierwöchentlich werde ein mindestens sechs Produkte umfassendes Paket geliefert, laut Website jederzeit kündbar und ohne Mindestlaufzeit. In einer Pressemitteilung nennt Every Foods Knuspr, Alfies, Mjam Market, Gurkerl, Getir, Alpakas und Amazon Fresh als Vertriebspartner für Teile des Sortiments, Uber Eats, Wolt, Zero Percent, Westwing, Kreutzers, Local Life und Lieferando als Lieferpartner. 

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Wolt dockt an Klarna an

Beide Unternehmen sitzen in Skandinavien, die Neuerung betrifft aber auch Deutschland: Vom 23. Januar an bietet Wolt seiner deutschen Kundschaft Klarna als Zahlungsmethode mit monatlicher Abbuchung an, wie der Zahlungsdienstleister mitteilt. "Bei der Zahlung [...] werden alle Wolt-Bestellungen in einer einzigen, zinsfreien Zahlung gebündelt, die monatlich automatisch abgebucht wird", heißt es. Das gelte außer in Deutschland auch in Finnland, Schweden und Norwegen.

Deutschland-Geschäft zieht Zur Rose ins Minus
Die Schweizer Versandapotheke Zur Rose hat 2022 mit 1,84 Mrd. Schweizer Franken 9,7 Prozent weniger umgesetzt als im Jahr zuvor, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. Zur Rose habe ein Minus dieser Größenordnung angekündigt, unter anderem wegen Verzögerungen bei der Einführung des elektronischen Rezepts in Deutschland, wo der Umsatz 2022 um 18 Prozent auf 1,09 Mrd. Franken gesunken sei. Das Plus von 9,5 Prozent in der Schweiz (auf 687 Mio. Franken) reiche angesichts des deutlich kleineren Umsatzanteils nicht, das Minus in Deutschland wettzumachen. Die Apotheke wolle sich vorerst auf die Profitabilität konzentrieren. 

Sheego mit neuem Chef
Der Frankfurter Modeversender Sheego, Teil der Otto Group, hat mit Wirkung zum 1. März Michael Derse, bisher Bereichsleiter Finanzen und Controlling, zum zweiten Geschäftsführer neben Beatrice Grünwald ernannt. Der bisherige Co-Chef Torge Doser verlasse Sheego auf eigenen Wunsch, teilt Otto mit.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Royal Mail: Betrieb läuft langsam wieder an
Während die Deutsche Post bestreikt wird (siehe oben), hat die britische Royal Mail mit den Folgen eines Ransomware-Angriffs zu kämpfen (das "Morning Briefing" berichtete), der die Dokumentation internationaler Sendungen betreffe. Wie FT.comChannelX.world und Royal Mail selbst schreiben, laufe die Beförderung auch für Pakete wieder an. Allerdings fordert das Unternehmen die Kundschaft auf, bis auf weiteres keine neuen Pakete aufzugeben.

XXXLutz kauft Conforama in der Schweiz
Nach der Übernahme des deutschen Möbel-Onliners Home 24 (das "Morning Briefing" berichtete) kauft XXXLutz weiter zu: Wie Handelzeitung.ch berichtet, übernimmt der österreichische Möbelhändler den Schweizer Wettbewerber Conforama. Das Unternehmen, zu dem 20 stationäre Filialen und ein Online-Shop gehören, sei erst Mitte 2020 von der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe an den Unternehmer Dan Mamane gegangen, der es nun an XXXLutz veräußere.

Boohoo erwartet zwölf Prozent Minus
Nach einem schwachen Weihnachtsgeschäft mit einem Umsatzminus von elf Prozent erwartet der britische Online-Modehändler Boohoo ein Umsatzminus von zwölf Prozent für das laufende Geschäftsjahr, das am 28. Februar endet. Das berichtet Textilwirtschaft.de auf Basis einer Unternehmensmitteilung. Im Statement spricht Vorstandschef John Lyttle von "der Normalisierung der Vertriebskanal-Verschiebung Richtung online in den vergangenen zwölf Monaten". Um die Ergebnisse zu sichern, seien die Lagerbestände um 27 Prozent gesenkt worden.

Amazon stellt Charity-Programm "Smile" ein
Im Mai 2022 hatte Amazon sein Wohltätigkeitsprogramm noch per Pressemitteilung beworben, jetzt ist Schluss: "Amazon Smile" werde zum 20. Februar 2023 eingestellt, teilt das Unternehmen mit. Seit der Gründung 2013 und bis Dezember 2022 seien über die Amazon-Version Smile.Amazon.com, wo das Unternehmen 0,5 Prozent der Verkaufspreise spendete, insgesamt rund 449 Mio. US-Dollar zusammengekommen. Dennoch habe das Programm nicht die ursprünglichen Ziele erreicht, daher konzentriere man sich jetzt unter anderem auf die Förderung günstigen Wohnens. Mashable.com nennt die Einstellung "das jüngste Opfer der Kostensenkungsbemühungen des Unternehmens", TheVerge.com spottet über die wolkige Wortwahl.

Amazon ist wertvollste Marke der Welt  mit Aber
Dem Beratungsunternehmen Brand Finance zufolge ist Amazon die wertvollste Marke der Welt. Allerdings sei der Wert um 50 Mrd. US-Dollar oder 15 Prozent auf 299,3 Mrd. Dollar gefallen, das Rating von AAA+ auf AAA. "Die Verbraucher beurteilen das Unternehmen in der postpandemischen Welt härter", schreibt Brand Finance. Der Kundenservice komme schlechter weg, die Lieferzeiten seien länger  insgesamt sei "die Wahrscheinlichkeit gesunken, dass die Verbraucher Amazon weiterempfehlen". (Via "Amazon Watchblog".)

Zwei Finanzierungsrunden in Asien
  • Mode-Onliner Shein soll Techinasia.com zufolge in Verhandlungen über 1,5 Mrd. bis drei Mrd. US-Dollar an frischem Kapital stehen, bezeichne allerdings entsprechende Berichte als "inkorrekt".
  • Der Online-Luxusuhrenhändler Wristcheck aus Hongkong habe in einer Seed-Runde acht Mio. US-Dollar Kapital erhalten, wolle damit in andere asiatische Märkte expandieren und eine App herausbringen, schreibt Fashionunited.com.


///// TRENDS & TECH

Neues Gesetz kann für private Verkäufe Steuerpflicht bedeuten
Seit dem 1. Januar 2023 müssen Internetplattformen bestimmte Geschäfte an die Finanzbehörden melden („Plattformen-Steuertransparenzgesetz“), Wiwo.de nennt als Beispiele Ebay, Uber und Airbnb und betrachtet die Chose aus der Kundenperspektive: "Viele Menschen wissen womöglich gar nicht, dass das, was sie machen, steuerpflichtig ist", zitiert das Blatt eine Rechtsanwältin. Die Steuerregeln an sich blieben unverändert. "Das Gesetz [...] zielt nur darauf ab, dass die Behörden Daten erhalten, die sie bisher nicht hatten, um die Steuerehrlichkeit zu erhöhen." Anders gesagt: um versteckte Steuerpflicht aufzuspüren.

Commercetools jetzt mit "Frontend"
Das E-Commerce-Softwarehaus Commercetools hat sein Produkt "Composable Commerce" um eine IT-Lösung zur Entwicklung und Bereitstellung von digitalen Websites und Anwendungen erweitert. Sie hört auf den schlichten wie treffenden Namen "Frontend" und ermögliche es, "neue Seiten in wenigen Minuten zu erstellen, neue Funktionen binnen Stunden freizuschalten, und innerhalb weniger Tage in neuen Regionen in den Markt einzutreten", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Lösung werde bereits von Flaconi, Lakrids by Bülow, Tom Tailor und Chronext genutzt und basiere auf Software des 2021 übernommenen Unternehmens Frontastic.

Riskified erlaubt strengere Regeln für verdächtige Online-Kunden
Riskified, Plattform für Betrugsbekämpfung im E-Commerce, hat seine Produktreihe "Policy Protect" zur Erkennung von Verkaufsrichtlinien-Missbrauch um "Identity Explore" erweitert. Wie das Unternehmen mitteilt, erlaube es die Erweiterung, über die Visualisierung von Kundenverhalten zwischen einwandfreien Abläufen und betrügerischen Absichten zu unterscheiden. Die Richtlinien könnten dann jeweils kundenindividuell angepasst werden, sodass verdächtige Online-Kunden weniger Handlungsmöglichkeiten bekommen. 

Revoic: Neues FBA-Bieterverfahren ist Wette auf Verkauf
Amazon-Händler können vom 1. März an zusätzlichen Fulfillment-by-Amazon-Lagerplatz über ein Bieterverfahren ersteigern (siehe "Morning Briefing" vom Mittwoch). Händler gingen dabei letztlich eine Wette ein, folgert Revoic, Beratungsagentur für Amazon-Händler: Wer die Fläche gut einsetze und die Ware verkaufe, erhalte bis zu 100 Prozent der Reservierungsentgelte zurück, schreibt das Unternehmen. "Nutzen Sie die Kapazität nicht effizient genug, wird am Ende die Gebühr höher als die Gutschrift ausfallen und Ihnen berechnet." Fazit: Mit den neuen Regeln "schützt sich [Amazon] einmal mehr vor dem Überlaufen der Lager und übergibt gleichzeitig mehr Verantwortung bei der genauen Planung der Lagerfläche an die Seller".