Wer möchte kommentieren? Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik bittet "das interessierte Fachpublikum" per Pressemitteilung genau darum: Der Entwurf eines Mindeststandards für Webbrowser stehe in der Version 2.1.4 als so genannter Community Draft zur Kommentierung bereit. Wichtigste Neuerung: Die überarbeitete Fassung soll auch für Webbrowser auf mobilen Plattformen gelten. Kommentare aus Behörden und der IT-Wirtschaft sind bis zum 19. August möglich.

///// HANDEL NATIONAL
HDE sieht Cybersicherheit als Gesellschaftsaufgabe
Die "Cybersicherheitsagenda" des Bundesinnenministeriums (siehe "Morning Briefing" vom Mittwoch) stößt im Handel auf Zustimmung: Der HDE spricht in seinem Statement von einem "wichtigen Schritt". Die Investitionsstudie des Verbands zeige, dass kleine und mittelgroße Handelsunternehmen zwar in Digitalisierung, aber kaum in Cybersicherheit investieren: "Häufig sind sie hierzu finanziell nicht in der Lage. Daher ist es wichtig, die notwendigen Investitionen zu fördern und für die Infrastruktur zu sorgen." Schließlich sei der deutsche Handel dabei, sich zu einer Tech-Branche zu wandeln.

IFH + Faire: 40 Prozent des Handels sind nicht digitalisiert
Rund 40 Prozent der Einzelhändler in Deutschland haben sich noch nicht mit digitalen Lösungen beschäftigt, so eine Umfrage des IFH Köln unter 213 unabhängigen Händlern im Auftrag des Online-Großhändlers Faire. Als Gründe würden Überforderung oder mangelnder Bedarf genannt, so der Großhändler, der für diese Händler schlechte Überlebenschancen sieht. Digitalisierung bedeute nicht unbedingt einen Online-Shop, sondern digitale Prozesse für Kundenkontakte via Social Media oder für den Einkauf – zum Beispiel eben über Online-Großhändler. 20 Prozent der Händler nutzten solche Plattformen bereits. Wie viele davon Faire-Kunden sind, sagt das Unternehmen nicht. Seine Plattform zählt nach eigenen Angaben 80.000 Händler und 2.500 Marken aus Deutschland.


///// HANDEL INTERNATIONAL

"Amazon Prime Day" war wohl tatsächlich der "biggest ever"
Der "Prime Day" war "unser bisher größter mit mehr als 300 Mio. verkauften Produkten und 1,7 Mrd. US-Dollar Vergünstigungen", twitterte Amazon-Chef Andy Jassy gestern. Dem "Adobe Digital Economy Index" zufolge seien am 12./13. Juli rund zwölf Mrd. US-Dollar umgesetzt worden, eine Mrd. mehr als im Vorjahr, fügt CNET.com hinzu. Geekwire.com fühlt dem auf den Zahn, schließlich sei der "Prime Day" für Amazon jedes Jahr irgendwie der "biggest ever". Mit 6,25 Mio. Waren pro Stunde zeige sich aber tatsächlich seit 2015 (1,43 Mio./h) eine kontinuierliche Steigerung. Allerdings liege der Wert zwar 20 Prozent über Vorjahr, 2019 seien aber 31 Prozent erreicht worden, das Wachstum flache also ab.

Zalando ist die Nummer eins in der Schweiz
Großer Gewinner des starken Online-Handels in der Schweiz 2021 war Zalando. Der Modehändler steht mit Vorsprung an der Spitze einer Rangliste der Zürcher E-Commerce-Agentur Carpathia, schreibt Handelszeitung.ch. Der Umsatz habe nach Angaben im Geschäftsbericht von Zalando und einer Berechnung von Carpathia bei rund 1,4 Mrd. Schweizer Franken gelegen, auf den nächsten Plätzen folgten Digitec.ch und Amazon.de. Die Umsatzzahlen von acht Unternehmen in den Top Ten beruhen allerdings auf Schätzungen von Carpathia. Den größten Zuwachs habe im vergangenen Jahr Ikea erreicht und liege nun auf Platz zehn. Die Analysten gingen davon aus, dass der Online-Handel auch in diesem Jahr weiter wachsen werde.

Lieferbeziehungen mit Russland: Wenn Force Majeure greift
Der Krieg in der Ukraine beeinflusst auch die Lieferbeziehungen im Einzelhandel. Im Geschäft mit russischen Unternehmen gibt es einiges zu beachten, das auch als Blaupause für andere Handelsbeziehungen gelten kann. Was Einzelhändler wissen müssen, erklärt Tobias von Tucher, Rechtsanwalt und Partner bei PwC Legal, im Interview auf Etailment.de.

Amazon gibt im Kartellstreit gegenüber der EU-Kommission nach
Amazon hat gegenüber der EU-Kommission im seit November 2020 andauernden Verfahren wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht in einigen Punkten nachgegeben. So verpflichtet sich der Online-Riese dazu, eigene Daten über Verkäufer auf seiner Plattform nicht mehr zu verwenden, heißt es von Seiten der EU-Kommission. Amazon hatte nach Einschätzung der Kommission Daten der externen Anbieter genutzt, um die eigenen Produkte besser zu platzieren. Verkäufer sollen in Zukunft in der "Buy Box" gleich behandelt werden, schreibt Wirtschaftswoche.de. Im Rahmen des Prime-Programms verpflichtet sich Amazon, dass die Verkäufer freie Wahl ihrer Logistik-und Lieferdienste haben und es nicht zu einer Bevorzugung von Unternehmen komme, die die Dienste von Amazon nutzten. Mitbewerber von Amazon haben nun bis zum 9. November Zeit für ihre Stellungnahmen.

Aliexpress baut das Paketstationen-Netz aus
Gegenwärtig betreibt der zu Alibaba gehörende Streckengeschäft-Logistiker Aliexpress in Europa rund 36.000 Paketstationen ("pick-up points"). Das schreibt Channelx.world und fügt hinzu, bis Ende des Jahres sollen es 47.500 sein: 16.000 in Polen (Partnerschaft mit Inpost), 15.980 in Frankreich (Partnerschaft mit Mondial Relay) und 11.600 in Spanien (Partnerschaften mit Celeritas und Puntomox). Die Summe ergibt allerdings 43.580 (plus 7.580 oder 21 Prozent), nicht 47.500. Von Deutschland ist in der Meldung nicht die Rede.

Pakistan: Airlift gibt nach missglückter Finanzierungsrunde auf
Das pakistanische Quick-Commerce-Startup Airlift hat nach einer fehlgeschlagenen Finanzierungsrunde am 12. Juli den Betrieb eingestellt. Techinasia.com verweist auf einen Linkedin-Post des Unternehmens. "Die weltweite Rezession und der jüngste Abschwung auf den Kapitalmärkten haben die Wirtschaftstätigkeit insgesamt beeinträchtigt und verheerende Auswirkungen auf Airlift", heißt es dort – die Investoren hatten nicht genug Geld für den Kapitalbedarf in der Series-C1-Runde.


///// TRENDS & TECH

Zahl der gefälschten Moonswatches im Online-Handel ist rapide gestiegen
Die digitalen Uhrenhändler und ihre Käufer müssen sich verstärkt mit gefälschten Moonswatches auseinandersetzen. Nach einem Bericht von Handelszeitung.ch ist die Nachfrage nach dem Verkaufsstart im März stark gestiegen, die Preise wuchsen auf bis zu 10.000 Schweizer Franken, der reguläre Preis lag bei 250 Franken. Innerhalb kurzer Zeit sei auch die Zahl der gefälschten Modelle gewachsen, verfügbar auf unterschiedlichen Portalen. Dabei habe es Fälschungen mit Preisen von 30 bis 100 Schweizer Franken gegeben, Käufer hätten auch nicht die bestellten Produkte erhalten. Abweichungen an den Uhren habe es zum Teil an unterschiedlichen Elementen der Modelle gegeben und sie seien in vielen Fällen klar zu erkennen gewesen.

Etsy ersetzt "Sell on Etsy" durch "Etsy Seller"
Der Online-Marktplatz Etsy bietet Verkäufern die neue App "Etsy Seller" an. Zu den "oft geforderten Funktionen" gehören laut Pressemitteilung die Möglichkeit, Fotos und Videos direkt aus dem Smartphone hochzuladen, der Zugang zu Bestellinformationen während eines Messenger-Austauschs, die Einrichtung vorgefertigter Antworten für häufige Fragen sowie das Erkennen wiederkehrender Kunden. Vielleicht die wichtigste Neuerung: Die Technologie erlaube die schnelle Reaktion auf Verkäuferwünsche. Die bisherige App "Sell on Etsy" soll bis Ende des Jahres online bleiben.

Tiktok: Filterfunktion für "For-You"-Feed
Tiktok erlaubt es seinen Nutzern künftig, den "For-You"-Feed zu filtern, um keine unerwünschte Inhalte zu sehen. Tiktok begründet das in seinem Blog mit Komfort, Sicherheit und Jugendschutz – lässt aber durchblicken, dass auch Produktvideos geblockt werden können, "zum Beispiel wenn jemand gerade die Wohnung renoviert hat und keine weiteren DIY-Tutorials mehr sehen möchte". Die Funktion werde in den kommenden Wochen allgemein ausgerollt.

///// NACHHALTIGKEIT

Amazon investiert stärker in grüne Technologien
Amazon will die Maßnahmen und Initiativen in Fragen der Nachhaltigkeit verstärken und steigt in einige Unternehmen aus dem Bereich grüner Technologien ein. Mit dem Climate Plegde Fund, den der Konzern gestartet hat und der insgesamt über ein Volumen von zwei Milliarden Euro verfügt, geht es in dieser Runde primär um grünen Wasserstoff, zu den neuen Partnern gehört das Start-up Sunfire aus Dresden. Sunfire hat sich auf die Entwicklung von Elektrolyseuren spezialisiert, Anlagen für die Erzeugung von grünem Wasserstoff. Zu den bisherigen Investoren von Sunfire gehören Copenhagen Infrastructure Partners, Blue Earth Capital, Planet First Partners und Lightrock. Die genaue Investitionssumme des Klimafonds ist nicht bekannt, berichtet Gründerszene. In den USA fließt Kapital an Electric Hydrogen.