Auf was können wir verzichten? Das fragen sich immer mehr Menschen angesichts der täglichen Hiobsbotschaften. Der ein oder andere fühlt sich bereits von Wirtschaftsminister Habeck ertappt, wenn er zu heiß und ausgiebig duscht. Oder er hadert mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Kretschmann, wenn er zum Waschlappen greift. Noch warnt kein Politiker vor der Online-Bestellung oder vor dem Einkaufen generell. Noch.

///// HANDEL NATIONAL
HDE-Präsident fordert Rettungsschirm für den Einzelhandel 
Oftmals ist es die Zusammenschau der Nachrichten, die das wahre Ausmaß der  aktuellen Entwicklungen deutlich macht: Eine Edeka-Händlerin berichtet dem Handelsblatt, dass sich der Strompreis für sie verzehnfacht, weil ihr lokaler Stromversorger ihr gekündigt hat. In Osnabrück sollen die Stadtwerke laut Medienberichten über 1000 Firmenkunden gekündigt haben, ebenfalls ohne Anschlussverträge anzubieten. Heute trifft sich HDE-Präsident Josef Sanktjohanser mit Bundeskanzler Olaf Scholz im Kanzleramt. Der Handel müsse die Bürgerinnen und Bürger mit erschwinglichen Lebensmitteln versorgen, macht Sanktjhanser vorab deutlich. Dies müsse man gemeinsam sicherstellen. 

Mittelstandsverbund empfiehlt Küchen- und Möbelhändlern den "Green-Monday"
Viele Restaurants bleiben aktuell schon aufgrund von Personalmangel montags und dienstags geschlossen, nun denken auch andere Branchen über Schließungen zum Wochenanfang nach. Gerade hat der Mittelstandsverbund, dem 15 Verbundgruppen mit fast 12.000 Möbel- und Küchenfachgeschäfte angehören, diesen vorgeschlagen, von November 2022 bis März 2023 nach dem Wochenende erst wieder am Dienstagmorgen zu öffnen. Der "Green Monday" sei eine Empfehlung, die große Einsparungspotenziale heben könne. Das klingt wie eine Abwägung zwischen Pest und Cholera, denn die Schließungen könnten den Online-Handel noch mehr beflügeln, die Öffnungen hingegen zu teuer werden.  

Delivery Hero-Vorstände verkaufen Unternehmensaktien in großem Stil
Elon Musk tut es gefühlt einmal im Monat und doch macht es stutzig, wenn die Vorstände von Delivery Hero Niklas Östberg und Vorstandskollege Pieter-Jan Vandepitte Aktienpakete von je fast zehn Mio. Euro verkaufen. Diese Transaktionen gebe es regelmäßig, heißt es im Bericht von Gründerszene.de. Börsianer sehen darin allerdings ein negatives Signal für das Unternehmen, berichtet die Tagesschau.  

Medizin-Lieferdienst Cure bekommt 15 Mio. Euro 
Das Berliner Startup Cure gilt unter Marktbeobachtern als Nachzügler bei den Medikamenten-Lieferdiensten. Der aktuellen Marktkonsolidierung trotzend, holte sich Cure nun in einer Series-A-Finanzierungsrunde 15 Mio. Euro für den weiteren Geschäftsausbau. Grund für das Vertrauen der Investoren in das Start-up könnte die Erweiterung des Geschäftsmodells bei Cure um Marktplatzfunktionen sein. Ferner will man Online-Sprechstunden und Telemedizin anbieten. 


///// HANDEL INTERNATIONAL

Kalifornien verklagt Amazon wegen mutmaßlicher kartellrechtlicher Verstöße
Wieder einmal knöpft sich ein Gericht den Online-Riesen Amazon vor, diesmal ist es der US-Bundesstaat Kalifornien mit seinem Generalstaatsanwalt Rob Bonta in San Francisco. Auch die Vorwürfe sind nichts neues: Verstöße gegen das Kartellrecht, Preistreiberei, wettbewerbsschädliches Verhalten, Benachteiligung von Drittanbietern etc. Man wolle Amazon die Durchsetzung solcher Verträge bzw. Vertragsbestandteile verbieten, so das erklärte Ziel der Justiz. Amazon soll laut Amazon Watchblog in einer Stellungnahme argumentiert haben, dass die Preise gerade dann steigen werden, wenn die Klage Erfolg hätte. Bereits im Vorfeld habe das Unternehmen erfolglos versucht, die Klage mit entgegenkommenden Vorschlägen zu verhindern.   

DHL macht Indien zur Drehscheibe
Die DHL Group hat gestern den DHL Trade Growth Atlas vorgestellt, eine Trendstudie zum internationalen Warenhandel, die in Zusammenarbeit mit der Stern School of Business der New York University regelmäßig erstellt wird. Wichtige Botschaften: Die Covid-19-Pandemie war für den Welthandel kein großer Rückschlag. Trotz Lieferengpässen ist der internationale Warenhandel um zehn Prozent über das Vorpandemie-Niveau gewachsen. Bei den Handelszentren bilden sich neue Pole aus, Vietnam, die Philippinen und Indien rücken in den Fokus. In Indien will sich DHL besonders engagieren und die Mitarbeiterzahl in der Sparte Supply-Chain in drei Jahren auf dann 25.000 verdoppeln. Im Expressgeschäft ist man bereits mit über 30.000 Mitarbeitern auf dem Subkontinent vertreten. 


///// TRENDS & TECH

Nach dem Aus der Third-Party-Cookies: So bauen Shopbetreiber ihre eigene Mini-CDP
Viele Marketingverantwortliche fürchten, dass sie ohne Cookies und Drittanbieter zu wenige Kundendaten zur Verfügung haben, um sinnvoll Personalisierung betreiben zu können. Doch das stimmt nicht, sagt Etailment-Experte Felix Schirl von der Trbo GmbH, denn wenn Nutzer sich im Onlineshop bewegen, sich zum Newsletter anmelden oder im stationären Laden ihre Kundenkarte nutzen, geben sie viele Informationen preis, die Händler zur Erstellung von Kundenprofilen nutzen können. Er verrät sieben Schritte, um eine eigene "Mini-Customer-Data-Plattform" aufzubauen.

Finanzierungsplattform Wayflyer will in Deutschland durchstarten
Mit den Großbanken J.P. Morgan und der Credit Suisse im Hintergrund will die irische Finanzierungsplattform Wayflyer deutschen E-Commerce-Start-ups unter die Arme greifen. Dafür stehen in den kommenden Jahren mindestens 100 Mio. Euro bereit, heißt es in einer Pressemeldung. Gründerinnen und Gründer zahlen keine Zinsen, sondern eine prozentuale Gebühr des Umsatzes. Versprochen werden schnelle Anträge und wenige Auflagen für die Genehmigung auf der Basis eines automatisierten Checks des Geschäftsmodells. Wayflyer ist bereits in den USA und Großbritannien aktiv. Erste Kunden gibt es mit der Sportartikelfirma Stryve und der Wellnessmarke MyClarella auch in Deutschland. 

Amazon will Marketing-Tool für Drittverkäufer zur Kundenansprache freischalten
Vielleicht beugt sich der Online-Riese bereits jetzt dem Druck der Justiz (siehe oben): So berichtet Thedrum.com, dass Amazon plane, Drittverkäufern eine Reihe neuer Marketing-Tools zur Verfügung zu stellen, darunter die Möglichkeit, E-Mails an Kunden zu senden, die wiederholt oder kürzlich eingekauft oder im Laufe der Zeit große Beträge bei bestimmten Verkäufern ausgegeben haben. Bisher konnten Verkäufer nur Marketing-E-Mails über das Amazon-System an Kunden senden, die sich entschieden haben, ihren Marken auf der E-Commerce-Webseite zu folgen. 

Schmuckbranche strauchelt trotz starkem Online-Geschäft
Während der stationäre Handel mit Schmuck in der Corona-Pandemie ausgebremst wurde und auch aktuell nicht wieder zu Vor-Pandemie-Niveau zurückgekehrt ist, hat der E-Commerce in der Schmuckbranche überproportional zugelegt. Für die kommenden Jahre wird ein weiteres, starkes Wachstum im Online-Handel mit Schmuck prognostiziert, berichtet Ibusiness.de. 


///// NACHHALTIGKEIT

Patagonia: Ein Vermögen für den Umweltschutz
Was wohl seine potenziellen Erben dazu sagen, dass Yvon Chouinard, Gründer und Eigentümer der Outdoorfirma Patagonia, das Unternehmen an gemeinnützige Stiftungen überträgt? Ziel dieses Schritts sei es, vor allem Maßnahmen gegen den Klimawandel voranzubringen, erklärt der 83-Jährige in einer Stellungnahme auf der Unternehmenswebseite. Auch hofft Chouinard damit einer neuen Art von Kapitalismus den Weg zu bereiten. Seit Gründung gehört Patagonia zu den großen Spendern für Umweltschutzprojekte weltweit. 

Flaschenpost schon bald mit E-Transportern unterwegs
Der Lieferdienst von Getränken und Essen aus dem Hause Oetker will künftig die Auslieferung auf E-Transporter umstellen, berichtet die Lebensmittelzeitung. Die ersten E-Vans sind bereits in der Stadt Münster im Einsatz.