In der Pressemitteilung zu den aktuellen Quartalszahlen stichelt Kochboxen-Versender Hellofresh gegen Supermärkte. Das eigene sehr widerstandsfähige Geschäftsmodell habe es erlaubt, das Preis-Leistungs-Verhältnis trotz Inflation zu verbessern. "Während wir in der Lage sind, jede Woche für jedes Gericht einen zuverlässigen Preis anzubieten, können die Preise im Supermarkt von Woche zu Woche erheblich schwanken", heißt es. Eine konkrete Rechnung macht Hellofresh allerdings nicht auf. Schon ein etwas schiefer Vergleich, oder?

///// HANDEL NATIONAL
Saturn.de/Mediamarkt.de bald mit demselben Produktkatalog
Mit Beginn des Jahres 2023 werden Mediamarkt und Saturn gemeinsam werben, Kunden in allen 400 Märkten in Deutschland und in den Webshops haben dann "Zugriff auf das gesamte Produktsortiment und zahlreiche Services", meldete das Unternehmen am FreitagDas bedeutet einen Produktkatalog mit zwei Webshops, wie Mediamarkt Saturn auf Etailment.de-Anfrage bestätigte: "Ist beispielsweise ein Produkt in einem Webshop nicht verfügbar, wird nun neu die Verfügbarkeit im zweiten Webshop angezeigt, und der Kunde hat die Möglichkeit, darauf zuzugreifen." Das gelte auch für das Omnichannel-Geschäft: Mitarbeiter der Läden könnten beide Webshops nutzen, alle Läden stünden in Zukunft für Click & Collect aus beiden Shops zur Verfügung. Aus der "Saturn Card" werde "My Saturn", für sie und "My Media Markt" seien gemeinsame Aktionen geplant.

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WEBINAR: Intelligente Prozessautomatisierung in Handel und Fertigung
Bei der Automatisierung von Geschäftsprozessen in Ihrem Unternehmen ist noch viel Luft nach oben? Und Sie fragen sich vielleicht: Welche Tätigkeiten haben überhaupt Automatisierungspotential? Für welche Problemstellungen oder Herausforderungen bietet Prozessautomatisierung eine geeignete Lösung? Diese und weitere Fragen beantworten wir im Comarch Webinar am 17. November um 10 Uhr. Jetzt kostenfrei anmelden

Medien: Windeln.de will Insolvenz anmelden
Wie unter anderem Reuters und Lebensmittelzeitung.net berichten, will Windeln.de einen Insolvenzantrag stellen. Dass noch ein Investor gefunden werden könne, sei nicht hinreichend wahrscheinlich, eine positive Fortführungsprognose bestehe nicht mehr, wird das Unternehmen zitiert. Im März hatte Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender Matthias Peuckert sein Amt niedergelegt (das "Morning Briefing" berichtete), Nachfolger Bastian Salewsky, der von Babymarkt.de kam, sei erst seit April im Amt. Die Website zeigte am gestrigen Sonntagabend eine "Bad-Gateway"-Fehlermeldung.

Bike 24 hat Service-Point in Berlin aufgemacht
Der börsennotierte Dresdner Fahrrad-Online-Händler Bike 24 hat in Berlin einen physischen Service-Laden eröffnet (im September am Humboldthafen). Dort könne man Fahrräder reparieren lassen, ein Kernsortiment ausprobieren und bestellte Räder abholen, schreibt Kassenzone.de (zu Minute 43:25 des Podcasts). Der Laden solle die Hemmschwelle senken, ein komplettes Fahrrad online zu kaufen. Für die Expansion nach Spanien, Portugal und Frankreich baue Bike 24 zurzeit ein Lager in Barcelona.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon warnt vor schwachem viertem Quartal
Die Quartalzahlen von Amazon haben zum Ende der vorigen Woche einige Aufregung mit sich gebracht:
  • Für das letzte (und gerade laufende) Quartal des Jahres 2022 erwartet Amazon Netto-Umsätze von 140 Mrd. bis 148 Mrd. US-Dollar, was einem Plus von zwei bis acht Prozent entspräche, so die Pressemittteilung zum dritten Quartal. Das operative Ergebnis könnte sogar Null betragen, jedenfalls gibt Amazon die Spanne mit "0 bis 4,0 Mrd. Dollar" an, nach 3,5 Mrd. Dollar im Vorjahresquartal. "Analysten hatten mit deutlich mehr gerechnet", so Handelsblatt.de, der Aktienkurs sei zweitweise um mehr als 20 Prozent eingebrochen.
  • Geekwire.com zeichnet die Verlangsamung des Mitarbeiterwachstums nach: Im dritten Quartal 2022 seien 21.000 Leute eingestellt worden -- nach 133.000 (3/2021) und 248.500 (3/2020). Saldiert sei die Zahl der Mitarbeiter vom ersten zum zweiten Quartal um 99.000 gesunken. "Wir werden bei der Einstellung von Mitarbeitern sehr vorsichtig sein", habe Amazon-CFO Brian Olsavsky im Gespräch mit der Presse gesagt. 

Alibaba Group schickt Lastwagen von China nach Belgien
Cainiao Network, Logistiker der Alibaba Group, hat eine täglich bediente Lkw-Verbindung von der südchinesischen Industriestadt Dongguan zum eigenen Logistik-Drehkreuz im belgischen Lüttich angekündigt. Dem Unternehmensbericht zufolge sollen die Laster vor allem kleine Elektronikartikel, Batterien und Kosmetika befördern, außerdem "Pulver und flüssige Produkte, die sonst nur eingeschränkt per Luftfracht oder Schiff transportiert werden können". Die Fahrt zum Cainiao-Lager in Lüttich werde etwa zwei Wochen dauern. Von dort aus soll die Ware in bis zu 20 europäische Länder verschickt werden.

Alibaba.com setzt Werbetour in Großbritannien fort
Im September hatte die B-to-B-Plattform Alibaba.com einige Messen in Deutschland besucht, um sich Unternehmen als Bezugsquelle vorzustellen (das "Morning Briefing" berichtete). Jetzt passiert Ähnliches in Großbritannien: Laut Channelx.world mache das Unternehmen während der landesweiten "International Trade Week" (31. Oktober bis 4. November) Station in Manchester, Birmingham und Cambridge. Vorzeigepartner für die Tour ist The Edinburgh Natural Skincare Company, die vor kurzem zur Plattform gestoßen sei.

USA: Walmart stellt sich für seine Kunden in die Schlange
US-Einzelhandels-Riese Walmart stellt neue Funktionen für seinen Webshop vor: Unter anderem sichert eine neue Funktion der Kundschaft den Platz in der virtuellen Warteschlange für besonders stark nachgefragte Produkte, zum Beispiel am "Black Friday". Derweil sei zwangloses Weitershoppen möglich. Die Funktion nenne die voraussichtliche Wartezeit und wie schnell bezahlt werden müsse, damit das gewünschte Produkt auch wirklich ergattert werde. Auch das gleichzeitige Anstehen in mehreren solcher Schlangen sei möglich. Weitere Neuheit: Virtuelles Testaufstellen von 200 Fernsehern im eigenen Wohnzimmer durch die App-Funktion "View In Your Home".

USA: DHL managt Logistikstandort von Boohoo
Der britische Fast-Fashion-Anbieter Boohoo hat DHL beauftragt, das erste Versandzentrum des Unternehmens in den USA zu managen, schreibt Fashionunited.com. Das 102.000 Quadratmeter große Haus in Elizabethtown (Pennsylvania) solle voraussichtlich Anfang 2023 in Betrieb gehen und für den Großraum New York City die Zustellung am nächsten Tag ermöglichen. DHL Supply Chain werde im ersten Betriebsjahr 1.000 Mitarbeiter, über die nächsten drei Jahre voraussichtlich fast 2.500 Mitarbeiter einstellten.

US-Blatt hebt Kanye-West-Produkte bei Farfetch hervor
Businessinsider.com meldet, die US-amerikanische Mode-Onliner Farfetch verkaufe unverändert rund 200 Produkte von Kanye West. Der Rapper hatte jüngst wegen antisemitischer Aussagen die Zusammenarbeit mit Adidas und anderen verloren. Bei Farfetch habe "Business Insider" den "Season 7 Desert Boot" und die Sneaker "Adidas Yeezy Boost 700 Hired" entdeckt. Farfetch "muss sich noch dazu äußern, ob es weiter Yeezy-Produkte verkaufen wird", fordert das Blatt, auf eine Anfrage habe das Unternehmen nicht reagiert. Vielleicht ist die Verfügbarkeit bereits die Antwort.


///// TRENDS & TECH

Post ersetzt "Nachträgliche Postverzollung" durch "Wertermittlung"
Die Deutsche Post übernimmt für Warensendungen aus dem Nicht-EU-Ausland die vorgeschriebene Anmeldung beim deutschen Zoll. Für Sendungen ohne Wertangabe beginnt (verkürzt gesagt) ein Hin und Her zwischen Post, Zoll und Empfänger. Der neue Service "Wertermittlung" optimiere das, schreibt die Post: Die Empfänger würden früh benachrichtigt, könnten also früh die Zollabwicklung in Auftrag geben, was (ebenfalls verkürzt gesagt) zu weniger Hin und Her führe. Der Service koste 14,50 Euro (kostenlos bis 14. November). Der bisherige Dienst "Nachträgliche Postverzollung" laufe schon im November sukzessive aus.

Seven Senders vernetzt mit Out-Of-Home-Lieferung
Seven Senders erweitert seine Delivery-Plattform für den Paketversand um eine Option für Out-Of-Home-Lieferungen (OOH), also zum Beispiel in eine Packstation. Laut Pressemitteilung ist der "Pudo-Locator" in die API der Plattform integriert und ermögliche E-Commerce-Anbietern den Zugriff "auf eine Vielzahl von europäischen OOH-Carrier-Services".

///// NACHHALTIGKEIT

Schwerin: DHL nimmt Lieferung per Straßenbahn auf
Offenbar ist die Zeit der Pilotversuche vorbei: Am vergangenen Freitag (28. Oktober) um 11:17 Uhr hat die Deutsche Post DHL Group in Schwerin "offiziell den Pakettransport via Paketbahn gestartet", wie sie schreibt. Es gebe eine neue Sonderlinie, die jeden Werktag einmal fahre und etwa 450 DHL-Pakete transportieren solle. An drei Haltestellen mit Packstationen (Kieler Straße, Platz der Freiheit, Hegelstraße) werde gehalten, um die Sendungen umzuladen. Das Ganze ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Schwerin und dem Nahverkehr Schwerin (NVS). Fahrgäste nimmt die Bahn nicht mit.