Snack-Hersteller Kellogg hat für seine Chips-Marke "Pringles" das Augmented-Reality-Spielchen "AR You Ready" entwickeln lassen (von Acne und Demodern). Wer den Code auf der Dose scannt, kann die Dose per Smartphone-App ins Visier nehmen und mit einem Ball Stück für Stück virtuell zerschießen, bis eine "freigespielte" Figur aus dem Inneren heraussteigt. Diese Figuren können dann als 3D-Druck gewonnen werden. Laut Horizont.net ist das "eine der größten Pringles-Kampagnen in der Geschichte der Marke". Und zweifellos auch eine Art der Verknüpfung von Online und Offline.

///// HANDEL NATIONAL
Momox blättert nach Spanien und Italien um
Das Online-Buchantiquariat Momox meldet, außer in Österreich, Belgien und Frankreich ab sofort auch in Spanien und Italien gebrauchte Bücher und Medien zu kaufen und zu verkaufen. Auf Momox.es und Momox.it gälten dieselben Abläufe wie in Deutschland, also unter anderem die Angebotspreis-Ermittlung per App und kostenloser Versand Richtung Momox. Auch der An- und Verkauf von Mode, bisher in Deutschland und Österreich im Angebot, soll "in Zukunft [...] in weiteren europäischen Märkten starten". Momox zähle an vier Standorten 2.200 Beschäftigte und habe seit 2004 315 Mio. Artikel verkauft.

Brands4friends erreicht schwarze Zahlen
Der Online-Shopping-Club Brands4friends hat erstmals Gewinne geschrieben. Wie Textilwirtschaft.de berichtet, erwirtschaftete das Berliner Unternehmen 2021 ein Ergebnis nach Steuern von 1,21 Mio. Euro. Der Club, der Markenware reduziert an registrierte Nutzer verkauft, hatte der TW zufolge 2020 ein Minus von 5,2 Mio. Euro in den Büchern. Die Verbesserung sei Folge der Konzentration auf profitables Geschäft, weshalb der Umsatz um 6,1 Prozent auf 63,4 Mio. Euro gesunken sei. Ausgaben seien vor allem im Wareneinkauf und in der Werbung eingeschränkt worden, für Software und Logistik dagegen gestiegen.

DHL kauft niederländischen E-Commerce-Spezialisten Monta
DHL Supply Chain hat sich mit dem niederländischen E-Commerce-Dienstleister Monta über den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung geeinigt. "Beide Unternehmen streben eine starke Partnerschaft an, um kleine und mittlere Online-Shops im Bereich E-Fulfillment und Online-Vertrieb zu unterstützen", heißt es in der Pressemitteilung. Insbesondere sei die Internationalisierung der Logistikservices von Monta geplant. Monta biete mit rund 1.000 Mitarbeitern E-Commerce- und E-Fulfillment-Dienste an 14 Standorten und für 1.500 Online-Shops. DHL hebt die Stärkung seines logistischen Kerngeschäfts hervor.

Amazon I: Neues Shopping-Event auch in Deutschland
"Prime Day" genügt nicht: Amazon legt am 11. und 12. Oktober 2022 erstmals das Shopping-Event "Prime Exklusive Angebote" auf, und zwar in 15 Ländern, darunter Deutschland. Wie es in der Ankündigung heißt, geht es um "einen frühzeitigen Zugang zu tausenden exklusiven Deals von Top-Marken" und um "Angebote aus allen Kategorien". "Frühzeitig" heißt: früher als andere Weihnachts-Angebote. Im Angebot ist auch eine 30-tägige kostenlose "Prime"-Mitgliedschaft samt Event-Freischaltung.

Amazon II: Deutsche KMU verkaufen 15 Prozent mehr Produkte
Neulich für Österreich, jetzt für Deutschland: Amazon hebt per Pressemitteilung seine segensreiche Arbeit für kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU) hervor. Gegenwärtig gebe es 45.000 deutsche Händler auf dem "Amazon Marketplace", die meisten KMU, und rund 75 Prozent von ihnen bedienten Kunden jenseits der Grenzen. Das Exportvolumen habe 2021 bei 4,25 Mrd. Euro gelegen (plus zehn Prozent). Insgesamt hätten diese Unternehmen 750 Mio. Produkte verkauft (plus 15 Prozent). Für ihr Online-Geschäft beschäftigten die Marktplatz-Händler 160.000 Leute (plus 10.000). Amazon selbst werde Ende 2022 in Deutschland rund 36.000 Angestellte zählen (plus 6.000).

Studentischer Auslieferer erzählt: "80 bis 200 Pakete am Tag"
"Ein guter Lohn" und "ziemlich gut mit dem Studium vereinbar": Das sind zwei Argumente, die der 22-jährige Maximilian Marquardt für seinen Job als Paketzusteller nennt. Spiegel.de hat in seiner Reihe "Nebenjobs, die sich lohnen" mit dem jungen Mann gesprochen, der als Springer und als "Entlaster" im Fahrerteam von DHL arbeitet. Seine Tour umfasse 80 bis 200 Pakete, erzählt er, und weil er nicht mehr als acht Stunden am Tag arbeiten dürfe, komme es "ganz selten [...] vor, dass ich deshalb Pakete wieder mit zur Zustellbasis nehme". Er lerne im Job fürs Leben, zum Beispiel "wie man Kunden beruhigt". Kleiner, insgesamt positiver Einblick in die Arbeit am Ende der E-Commerce-Prozesse.


///// HANDEL INTERNATIONAL

USA: "Deal Days" von Target kommen noch vor Amazon
Das neue Amazon-Event "Prime Exklusive Angebote" (siehe oben) hat in den USA wache Konkurrenz: Target kündigt an, fünf Tage früher ein 24 Stunden längeres Shopping-Event aufzulegen, nämlich die dreitägigen "Target Deal Days" vom 6. bis zum 8. Oktober. Versprochen werden "Hunderttausende von Sonderangeboten aus unserem gesamten Sortiment" und "die bisher größten Deal Days". Die "Holiday Price Match Guarantee" starte ebenfalls am 6. Oktober, früher als sonst, und dauere wie üblich bis zum 24. Dezember.

Medien: Boohoo storniert Aufträge mangels Nachfrage
Der britische Fast-Fashion-Spezialist Boohoo habe angesichts stark rückläufiger Nachfrage Aufträge von Lieferanten storniert und verschoben, schreiben TheTimes.co.uk und Fashionunited.com. Der britische Einzelhandel gerate durch sinkende Umsätze und steigende Kosten unter Druck. Der Kommentar von Boohoo, der zitiert wird, ist kein Dementi: "Wie der gesamte Einzelhandels, der derzeit mit unsicherer Nachfrage zu kämpfen hat, überprüfen wir ständig unsere Anforderungen."

Website: Shopee entlässt Mitarbeiter
Die Online-Shopping-Plattform Shopee, vor allem in Asien und Südamerika präsent, hat nach einem Bericht von Businessinsider.com einen "niedrigen einstelligen Prozentsatz" der 67.000 Mitarbeiter entlassen. Das geschehe fast genau ein Jahr, nachdem durch den Verkauf von Aktien und Anleihen sechs Mrd. US-Dollar eingenommen worden seien. Der Website zufolge seien die Umsätze zwar von Jahr zu Jahr gestiegen, die Verluste aber auch. Hinzu komme, dass Zinserhöhungen der US-Notenbank es Shopee schwer machten, sich Geld zu beschaffen. Daher verlagere sich das Unternehmen "vom Wachstum auf die Erhaltung der Barmittel".


///// TRENDS & TECH

Analyse-Spezialist Emnos ins Btelligent-Umfeld verkauft
Emnos, insolventer Anbieter von Datenanalyse-Software für Einzelhandel und E-Commerce, wurde an die Beteiligungsgesellschaft AB Invest verkauft und heißt künftig Emnos Analytics. Das teilen die Insolvenzverwalter von Pluta mit. "Die besondere Herausforderung bestand darin, dass sich die deutsche Muttergesellschaft in einem Regelinsolvenzverfahren befand und das französische Tochterunternehmen in einem Insolvenzverfahren nach französischem Recht", heißt es dort. Und: "Wir erhalten das Know-how der Gesellschaft und die Arbeitsplätze." AB Invest ist mit dem Datenberatungsunternehmen Btelligent verknüpft.

Qualtrics erkennt jetzt gerunzelte Stirnen
Qualtrics, US-amerikanischer Anbieter einer Plattform für Experience Management, bietet eine neue Video-Feedback-Funktion für die Online-Interaktion mit Fokusgruppen und Testpersonen. Der Pressemitteilung zufolge fährt sie alle Versprechen (oder Drohungen) der KI auf: Sie übersetze und transkribiere das Gesagte, hebe darin das Wichtigste hervor und berücksichtige auch Körpersprache und Tonfall. Über einen Early-Access-Zugang gebe es derzeit 50 Kunden für die Funktion.

Zwei Datenauswertungen in Kürze
  • In den ersten 90 Tagen des Jahres 2022 waren Login-Versuche durch Hacker ("Credential Stuffing") weltweit für 34 Prozent (zehn Mrd.) der versuchten Logins auf der Authentifizierungs-Plattform "Auth0" verantwortlich, meldet Betreiber Okta. Einzelhandel und E-Commerce seien mit 80 Prozent Anteil am stärksten betroffen. In Deutschland bewege sich das Credential Stuffing auf niedrigem Niveau, unterbrochen von punktuellen Angriffswellen. ("State of Secure Identity Report" von Okta, Auswertung von "Milliarden von Authentifizierungen".)
  • Ebay Ads hat nachgesehen, welche Energie-Produkte gut laufen – ein Auszug: Smart-Home-Lichter (+600 Prozent Nachfrage), Fensterdichtungen (+100), Zugluftstopper (+70), Wattmeter (+200), Leistungsmesser (+180), Stromzähler (+160), Photovoltaik (+400), Solarthermie (+130), kleine Windkraftanlagen (+70 Prozent). ("Energie-Report 2022", August-Verkäufe auf Ebay.de 2022 vs. 2021.)

///// NACHHALTIGKEIT

Nachhaltige Lieferoptionen: Zufriedene Kunden, weniger Kosten für Händler
Besonders jüngere Verbraucher treffen Kaufentscheidungen zunehmend anhand ihrer Umweltauswirkungen – und viele sind sogar bereit, für nachhaltige Dienstleistungen einen Aufpreis zu zahlen. Dass Händler, die umweltfreundliche Lieferoptionen anbieten, gleich einen doppelten Wettbewerbsvorteil haben, belegt eine aktuelle Studie des Logistiktechnologieanbieters Descartes, über die Etailment.de berichtet. Demnach sind viele Verbraucher zum Beispiel bereit, längere Lieferzeiten durch das Kombinieren und Sammeln von Bestellungen zu akzeptieren – während der Handel durch die erhöhte Lieferdichte von Kostenvorteilen profitiert.