Nun hat Großbritannien den dritten Premierminister in knapp zwei Monaten. Die ersten Reaktionen, nachdem klar war, dass es Rishi Sunak wird, waren auf den Finanz- und Währungsmärkten in Ansätzen positiv. Das Britische Pfund bewegte sich gegenüber dem US-Dollar um 0,4 Prozent auf 1,13 US-Dollar nach oben, das Plus gegenüber dem Euro lag bei 0,6 Prozent auf 1,15 Euro. Der britische Aktienindex FTSE 100 legte um 0,6 Prozent zu. Die Zinsen für die 30-jährigen Staatsanleihen dagegen sanken. Sunak hatte die Pläne von Liz Truss für Steuersenkungen abgelehnt und befürchtet, dass sie die Inflation antreiben und Chaos auf die Märkte bringen würden.

///// HANDEL NATIONAL
Camplify übernimmt Paulcamper
Das Wohnmobilportal Paulcamper hat einen neuen Eigentümer. Der australische Anbieter Camplify, der sich wie das Berliner Start-up auf die Vermietung von Fahrzeugen von Privatpersonen spezialisiert hat, zahlt 31 Millionen Euro an die bisherigen Anteilseigner der Gesellschaft aus, schreibt Gründerszene. Die Transaktion soll in Cash und in Aktienanteilen erfolgen. Von den australischen Aktionären seien weitere Investitionen in Höhe von 5,5 Millionen Euro in das Unternehmen geplant. Bislang gehörten 39 Prozent der Firmenanteile dem Firmengründer Dirk Fehse, weitere zehn Prozent hielt Mitgründerin Franziska Schulz. Der Unternehmensname bleibe erhalten, die Geschäftsführung für Europa liege in Zukunft bei Fehse. Paulcamper war bislang in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Großbritannien vertreten, Camplify hat sein Angebot in Australien, Neuseeland, Spanien und Großbritannien auf dem Markt.


Wolt liefert auch für Partner außerhalb der Gastronomie
Wolt beendet seine Begrenzung auf Partner aus der Gastronomie und bietet die Lieferdienste auch anderen Branchen an. Der neue Service hat den Namen "Wolt Drive" und verspricht den Kunden die Lieferung innerhalb von 35 Minuten, so Internet World. Die Läden und Händler müssten nicht auf der Plattform von Wolt verzeichnet und in der App integriert sein, wenn sie den Dienst nutzen möchten. Wolt habe eine Live-Verfolgung eingerichtet, mit der Käufer und Verkäufer den aktuellen Stand und Standort der Bestellung sehen könnten. Der Anschluss könne mit einer API-Integration oder über eine Plattform erfolgen.

Schrankwerk.de erhält Herkunftsnachweis
Der Möbelproduzent Schrankwerk.de darf seine Produkte in Zukunft mit dem RAL-Herkunftsnachweis "Möbel Made in Germany" auszeichnen, meldet Möbelmarkt.de. Das Zertifikat wird vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) verliehen, es garantiere die Qualität und Herkunft der Möbel. Schrankwerk produziere Maßmöbel, für den Verband sei es wichtig, dass nun ein Spezialist für das Möbel-Onlinegeschäft zu den zertifizierten Anbietern gehöre. Schrankwerk.de ermögliche den Kunden mit einem Online-Möbelkonfigurator die digitale Planung der Möbelstücke.

Zunehmend Probleme bei der Kreditbeschaffung
Die Kreditbeschaffung wird für Unternehmen immer schwieriger. Banken verhalten sich zunehmend abwartend, meldet das Ifo Institut nach einer neuen Umfrage. Beim Blick auf die Gesamtwirtschaft sprächen 24,3 Prozent der Unternehmen, die derzeit verhandelten, von Zurückhaltung der Banken. Einen so niedrigen Wert habe es seit 2017 nicht mehr gegeben. Das wirtschaftliche Überleben könne für Unternehmen ohne neue Kredite schwierig werden, so die Einschätzung der Wirtschaftsforscher. Der höchste Wert sei mit 28,8 Prozent bei den Dienstleistern festzustellen, im Handel liege der Anteil mit 15 Prozent deutlich niedriger.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba muss beim Livestream-Shopping auf die Stars verzichten
Diese Woche hat Alibaba das 11.11 Global Shopping Festival eröffnet. Das Pre-Sale hat bereits begonnen, am 31. Oktober und am 10. November folgen zwei so genannte Check-out-Fenster. In diesem Jahr muss der chinesische Online-Riese der Pandemie Tribut zollen und beim Livestream-Shopping auf die Stars Li Jiaqi and Viya verzichten, die sonst zu den Werbemagneten der Veranstaltung gehörten. In den vergangenen Jahren waren sie zwei der Motoren für den Verkauf via Livestreaming auf Taobao. Nach Angaben von Reuters lag der Warenwert der von ihnen am Eröffnungstag verkauften Produkte bei rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Viya werde mit Steuerhinterziehung, Li mit Problemen mit der Zensurbehörde in Verbindung gebracht, er war drei Monate nicht zu sehen, sei aber mittlerweile wieder aktiv. Wegen der eingetrübten chinesischen Wirtschaft und der strikten Corona-Politik erwarteten einige Analysten in diesem Jahr geringere Zuwächse.

Instacart verschiebt den Börsengang
Instacart wird nicht wie ursprünglich geplant, noch in diesem Jahr an die Börse gehen. Grund sei die Unsicherheit der möglichen Investoren in Folge der instabilen Lage im Aktienmarkt, meldet Reuters nach Informationen von Personen aus dem Umfeld. Eine Quelle habe erklärt, dass die Pläne des Lieferdienstes noch nicht vollständig ausgeschlossen seien, aber doch unwahrscheinlich. Ursprünglich sei der Börsengang für die nächsten Tage geplant gewesen. Von Instacart habe es keine Reaktion gegeben.

Google erweitert das Shopping um Bilder
Google will in den USA die Produktsuche für den nächsten Einkauf in Zukunft mit Bildern unterstützen. Nach der Eingabe des Begriffs "Shop" und eines Produkttyps werden nicht mehr nur Links angezeigt, daneben sind dann auch Fotos zu sehen, berichtet Online-Marketing.de. Die Ordnung von Ergebnissen und Bildern erfolge durch den Shopping Graph. Für die Nutzer stünden auch dynamische Filter wie Marken, Händler oder Angebote für eine zielgenauere Suche bereit. Nach dem Anklicken der Produkte werde die Seite mit den Suchergebnissen nicht verlassen. Einen Starttermin des neuen Programms für Deutschland sei noch nicht bekannt.



///// TRENDS & TECH

Vielseitiges Marketing erforderlich
In Anbetracht der schwierigen Situation für den Handel durch die diversen externen Effekte fordert Smarketer die Online-Händler zu einem vielseitigen und an die Lage der Kunden angepasstes Marketing auf. Die Verfügbarkeit der Produkte und ihre Preise müssten klar kommuniziert werden, der Verkauf solle die Werbebudgets maximal ausschöpfen, rät der Google-Ads-Spezialist. Auch müsse das datenbasierte Marketing ausgenutzt werden. Die Kunden würden sich in diesem Jahr früher auf ihre Weihnachtseinkäufe begeben, besondere Verkaufstage spielten eine größere Rolle als in der Vergangenheit. Werkzeuge seien eine angepasste Werbung in den Suchmaschinen und ein frühzeitiger Einsatz von Angeboten, Rabatten und Gutscheinen. Ein möglicher Weg seien auch Video Action Campaigns.

Für die Kunden nimmt die Bedeutung der Cybersicherheit
Unternehmen sind beim Ausbau der Sicherheit ihrer Netzwerke und IT-Systeme stärker gefordert, denn für die Kunden spielt die Sicherheit ihrer Daten nach einem Ergebnis der neuen Studie von Akamai zu Cybersicherheit im E-Commerce eine immer wichtigere Rolle. So käme es bei rund 80 Prozent der Verbraucher zum Abbruch ihres Einkaufs, wenn sie das System als unsicher einschätzten. Dabei liege die Quote derer, die ihrem Online-Shop bezüglich der Datensicherheit vertrauten, nur bei 51 Prozent. Für 58 Prozent der Kunden sei dieser Schutz aber wichtiger als personalisierte Einkaufsmöglichkeiten. Nach den Zahlen von Akamai sind die Webanwendungs- und API-Angriffe im Einzelhandel zwischen Juli 2021 und Juli 2022 um 301 Prozent gestiegen.

Die KI-Tage von Ibi stehen vor der Tür
Am 9. und 10. November veranstaltet Ibi Research an der Universität Regensburg die diesjährigen KI-Tage. Das Thema der virtuellen Veranstaltung sind Fragen zum Einsatz der Künstlichen Intelligenz im Handel und bei Finanzdienstleistungen. Im Mittelpunkt stehen Szenarien von der Interaktion mit Käufern bis hin zur Automatisierung von Backoffice-Prozessen. Die Referenten an den beiden Tagen der kostenlosen Veranstaltung sind Anbieter von KI-Lösungen.


///// NACHHALTIGKEIT

GS1 Germany zeichnet nachhaltige Unternehmen aus
Die Reduzierung von CO₂-Emissionen sind das entscheidende Kriterium für eine Auszeichnung im Rahmen der Initiative "Lean and Green" von GS1 Germany. In diesem Jahr prämierte der Spezialist für Logistik- und Lagertechnik Henkel, Loxxess und Quick Service Logistics. Maßstab sind für den Preisverleiher die Maßnahmen der Unternehmen zur Reduzierung der Emissionen. Den drei Preisträgern ist es nach Angaben von GS1 Germany gelungen, die Emissionen in den vergangen fünf Jahren um 20 Prozent zu senken. Die Maßnahmen umfassten bei Henkel die Lager und die Vermeidung von Leerfahrten, bei Loxess den Aufbau einer Photovoltaikanlage und eines Blockheizkraftwerk sowie den Austausch der Fahrzeugflotte bei Quick Service Logistics.