Backofen vs. Lichterkette: Der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland wehrt sich gegen Forderungen, auf Weihnachtsbeleuchtung zu verzichten. Schließlich drohe vor allem eine Gas-, weniger eine Stromknappheit. Und sowieso sei Licht nichts im Vergleich zum Backen: Eine LED-Lichterkette verbrauche, wenn sie zwei Monate lang jeden Tag acht Stunden leuchte, etwa 1,7 kWh, ein neuer Backofen ähnlich viel in zwei Stunden. Gute Argumente auch für Online-Shops.

///// HANDEL NATIONAL
Rewe-Lieferservice sieht sich bei 90 Prozent Abdeckung
Wie gibt sich die Rewe zum zehnten Geburtstag ihres Lieferdienstes? Demonstrativ bescheiden: "Wir befinden uns weiterhin mitten im Aufbau", sagt Drasko Lazovic, Geschäftsführer Rewe Digital Fulfillmentservices, in einem Interview mit seinem Arbeitgeber. So seien in den vergangenen 18 Monaten sieben Lagerstandorte und 1.000 Abholservice-Märkte eröffnet worden, aber erst einzelne Lieferservice-Standorte arbeiteten profitabel. Neue Logistikzentren seien für Bochum und Leipzig geplant. Und trotz Aufbauphase: "Wir sind der einzige Händler, der online eine 90-prozentige Abdeckung hat", sagt Lazovic. "Das kann sonst keiner."

Thalia: Jeder vierte bestellt online und kommt ins Geschäft
Buchhändler Thalia sieht sich in seiner Omnichannel-Strategie bestätigt. Das Online-Geschäft in Deutschland sei im Geschäftsjahr 2021/2022 um 13 Prozent auf 382 Mio. Euro gewachsen, das Plus im Vergleich zu 2018/2019 betrage 137 Prozent, heißt es in Pressemitteilung und Grafik. Der Online-Marktanteil sei damit um neun Punkte auf 20 Prozent gestiegen. Jeder vierte Kunde bestelle online und hole die Ware im Laden ab, "zugleich verweist Thalia durch QR-Codes in den Buchhandlungen auf speziell kuratierte Seiten im Online-Shop". Stationär wuchs Thalia in Deutschland um 33 Prozent auf 699 Mio. Euro, insgesamt um 25 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro.

Amazon und Tegut: Bamberg ist zehnte Kooperation
Lebensmittel-Händler Tegut und Online-Händler Amazon haben ihre zehnte gemeinsame Region aufgemacht: Im Raum Bamberg (genauer: "in ausgewählten Postleitzahlgebieten") können Mitglieder des Programms "Amazon Prime" jetzt Tegut-Waren über Amazon bestellen, wie Tegut mitteilt. Das laufe über die App wie über eine Website und umfasse "bis zu 10.000 Artikel". Zuletzt hatte Tegut für die Kooperation neue Postleitzahlengebiete in Frankfurt am Main, Offenbach und Hanau (Anfang Oktober) sowie in Nürnberg, Fürth und Erlangen (Ende September) gemeldet.

Neue Rücksende-Regeln für Amazon.de-Händler
Onlinehaendler-News.de übersetzt eine umständlich formulierte Mitteilung von Amazon an seine Marktplatz-Seller wie folgt: Händler in Deutschland müssen vom 31. Oktober an für Rücksendungen entweder vorfrankierte Etiketten samt Sendungsverfolgung anbieten oder Erstattungen ohne Warenrücksendung. Das Programm für vorfrankierte Rücksendeetiketten werde für alle Händler mit deutscher Rücksendeadresse aktiviert, Ausnahme: Ein Händler entscheidet sich für Erstattung ohne Rücksendung.

Gorillas: Gericht bricht Betriebsratswahl in Warenlager ab
Weil die Zusammensetzung des Wahlvorstandes nicht den gesetzlichen Vorschriften entspreche, habe das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg die für den gestrigen Mittwoch (19. Oktober) geplante Betriebsratswahlen im Warenlager Schöneberg gestoppt, berichten "Legal Tribune Online" und "Gründerszene". Geklagt hatte Gorillas, das Unternehmen argumentiere unter anderem, dass es schon einen zentralen Betriebsrat gebe und für ein Unternehmen nicht mehrere Räte zuständig sein könnten. Die Belegschaft halte dagegen, einzelne Warenlager seien zu Franchise-Standorten gemacht worden, was eigene Räte erfordere.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ikea hat online zehn Prozent verloren
"Exciting Commerce" legt den Finger auf ein wichtiges Detail in den Zahlen des Möbelhändlers Ikea für das Geschäftsjahr 2022, das am 31. August endete: Die Inter Ikea Group registrierte 8,95 Mrd. Euro Online-Umsätze und damit genau zehn Prozent weniger als 2021 (9,95 Mrd. Euro). Sie hätten sich aber im Frühjahr auf einem höheren Level stabilisiert, so Ikea. Die Online-Kanäle hätten 4,3 Mrd. Besucher gezählt (Vor-Geschäftsjahr: fünf Mrd.). Insgesamt meldet Inter Ikea ein Umsatzplus von 6,5 Prozent auf 44,6 Mrd. Euro, Ingka Group (größter Franchisenehmer) ein Plus von 5,6 Prozent auf 39,5 Mrd. Euro.

Just Eat Takeaway erreicht operativen Quartals-Gewinn
Die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway meldet operativ schwarze Zahlen (bereinigte Ebitda) für das dritte Quartal, ohne allerdings tatsächlich Ebitda-Zahlen zu nennen. Dahinter stünden Verbesserungen des Umsatzes pro Bestellung, niedrigere Kosten pro Bestellung und niedrigere Overhead-Kosten. Es gelte das Ziel, im Gesamtjahr 2023 profitabel zu arbeiten. Deutschland bleibe in Nordeuropa "der wichtigste Wachstumsmarkt mit wachsender Zahl an Bestellungen in den ersten drei Quartalen" – in Nordeuropa insgesamt sank die Zahl der Bestellungen aber um ein Prozent, insgesamt um acht Prozent. Über den Verkauf rund eines Drittels der Anteile am Joint-venture Ifood soll am 18. November eine außerordentliche Hauptversammlung entscheiden.

"Business Insider" kritisiert US-amerikanische Warehouses
Die US-amerikanische Nachrichtenseite Businessinsider.com hat am gestrigen 19. Oktober offensichtlich gleichzeitig mehrere ausführliche Berichte über die negativen Auswirkungen von E-Commerce-Lagern und -Verteilzentren veröffentlicht:
  • "Die neuen Jobs für Arbeiter verändern Amerika, im Guten wie im Schlechten" – Überblicksartikel mit Satellitenbild-Timelines (Quelle).
  • Darkstores in New York City "machen die lebendigen, begehbaren Viertel der Stadt kaputt und bedrohen die Existenz von Bodegas und kleinen Supermärkten" (Quelle).
  • Im Lehigh Valley (Pennsylvania) mobilisierten sich Anwohner gegen geplante Verteilzentren (Quelle). 
  • Ein "Warehouse Boom" in Columbus (Ohio) bringe "stickigen Staub und Dieselabgase", aber auch Jobchancen für Flüchtlinge (Quelle). 
  • "Monat für Monat, und das seit seit Jahren, saugen die Lagerhäuser die Arbeitskräfte auf wie ein Industriestaubsauger und dringen in jeden Winkel des Niedriglohnsektors ein, um weitere Körper einzusaugen" – der Artikel stellt die Arbeitsbedingungen der Lagerhäuser den relativ guten Löhnen gegenüber (Quelle).

Fünf kurze internationale Amazon-Meldungen
  • Ende Juli konnten sich Händler für den belgischen Amazon-Auftritt Amazon.com.be registrieren lassen (das "Morning Briefing" berichtete). Jetzt hat der Shop offiziell aufgemacht, wie Amazon meldet. Mit 180 Mio. Produkten in 30 Kategorien, App, "Prime" und "Brands of Belgium".
  • In Großbritannien ist der "Amazon Insurance Store" in die Versicherungs-Vermittlung eingestiegen, zunächst für ausgewählte Kunden, meldet Channelx.world.
  • In Columbus (US-Bundesstaat Ohio) hat das zweite Modegeschäft der Marke "Amazon Style" eröffnet, das erste steht in Los Angeles. Zu den angebotenen Marken gehörten Calvin Klein, Lacoste, Levi’s, BB Dakota and Dolce Vita sowie Amazon-Eigenmarken, so Retaildive.com.
  • Amazon kündigt an, in Europa über die nächsten fünf Jahre mehr als eine Mrd. Euro für E-Fahrzeuge auszugeben, aus gegenwärtig rund 3.000 E-Vans sollen bis 2025 rund 10.000 werden, dazu sollen 1.500 elektrisch betriebene Schwerlastwagen kommen.
  • Die hohe Mitarbeiterfluktuation kostet Amazon jährlich acht Mrd. US-Dollar, so Engadget.com (via Amazon-Watchblog.de).


///// TRENDS & TECH

About You meldet Neukunden für die Plattform "Scayle"
Seit 2018 vermarktet Mode-Onliner About You die eigene E-Commerce-Plattform "Scayle" und registriert für das laufende Kalenderjahr "große Zuwächse" im Kundenportfolio. Wie das Unternehmen schreibt, seien unter anderem die Online-Shops von Deichmann, Fielmann, S. Oliver, DefShop und FC Bayern München auf das Software-as-a-Service-Angebot umgezogen. About You nennt sogar offen die abgelösten Systeme: SAP, Salesforce, Shopify und Eigenentwicklungen. Die Lizenz- und Serviceverträge stünden für rund 100 Mio. Euro.

Checkout.com mit neuem Produkt zur Betrugserkennung
Checkout.com, Anbieter einer Zahlungsplattform unter anderem für den E-Commerce, weist auf sein neues Produkt "Fraud Detection Pro" zur Betrugserkennung hin: Wie das Unternehmen schreibt, sei es Händlern damit möglich, "eindeutige Kundensegmente zu erstellen, um Transaktionen detaillierter zu bewerten" und mögliche Betrugsversuche zu erkennen. Dabei greife die Software auf den Machine-Learning-gestützten Abgleich mit Milliarden analysierter Transaktionen aus dem Kundenkreis zurück. Zu den Kunden des Systems gehöre unter anderem Delivery Hero.

Nächstes Seller-Barcamp von Fulfin und Dragonflip in Berlin
Das nächste Seller-Barcamp von Fulfin und Dragonflip ist für den 25. November 2022 in Berlin angekündigt. Auch die neunte Auflage richtet sich vor allem an E-Commerce-Händler, insbesondere Amazon-Seller. Sie sind aufgefordert, die Themen (wie bei Barcamps üblich) selbst zu setzen und die Sessions selbst zu moderieren. Konferenzsprache ist Englisch, um internationale Händler anzusprechen. Der Anteil teilnehmender Investoren, Aggregatoren und Dienstleister sei auf 25 Prozent begrenzt, heißt es von den Veranstaltern. Die Teilnahme kostet für Händler 249 Euro.

///// NACHHALTIGKEIT

Otto Group kündigt neue Nachhaltigkeits-Strategie an
Am 3. November will die Otto Group eine neue Nachhaltigkeits-Strategie vorstellen. Das geht aus einer Einladung zum "Otto-Nachhaltigkeitstag" hervor. Im Mittelpunkt stünden "konkrete und ambitionierte Kurz- und Langfristziele" in Handlungsfeldern "von Verpackung und Kreislaufwirtschaft bis Klimaschutz und Lieferkette". Unter anderem soll es um die Nachhaltigkeit von Marktplätzen gehen.