Der Chef von Universal Music, Lucian Grainge, ist schon lange kein Freund der Streamingdienste. Er hält sich auch jetzt nicht zurück. Die Nutzer kämen in vielen Fällen nicht zu der qualitativ hochwertigen Musik, für die sie das Abo ausgesucht hätten, sondern zu nach seiner Einschätzung schlechteren Musikstücken. Für diese müssten die Streamingdienste aber geringere Lizenzgebühren zahlen. Das bestehende Modell gefällt Grainge nicht. Nun will Universal ein neues Modell entwickeln.

///// HANDEL NATIONAL
Anteil der Überschuldeten mit Schulden bei Online-Händlern gewachsen
Der Anteil der Überschuldeten, die Schulden bei Online-Händlern haben, ist 2021 auf 28 Prozent gewachsen. Nach den Angaben des Statistischen Bundesamts bedeutet dies einen Anstieg um drei Prozentpunkte in den vergangenen fünf Jahren. Die Gesamtzahl der Überschuldeten liege bei rund 575.000. Als Grundlage nennen die Statistiker die Zahl der Personen, die Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle suchten. Der durchschnittliche Schuldenbetrag bei Online-Händlern liege bei 587 Euro, betrage damit aber nur zwei Prozent der durchschnittlichen Gesamtschulden in Höhe von 31.087 Euro. Der Anteil der Frauen, die häufiger und höhere Schulden beim Online-Handel hätten, liege bei 35 Prozent, bei Männern bei 23 Prozent. 38 Prozent der 20- bis 24-Jährigen gehörten zu dieser Gruppe, 21 Prozent der 55- bis 64-Jährigen.

Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen nehmen zu
Die Kreditverhandlungen für Unternehmen werden schwieriger. Im September erklärten 24,3 Prozent der Unternehmen, dass es bei den Gesprächen mehr Hürden gebe als in der Vergangenheit, im Dezember stieg der Anteil nach den Zahlen des Ifo Instituts auf 29,9 Prozent. Die Wirtschaftsforscher sehen ein Ende der Phase der Niedrigzinsen und einen Anstieg bei den Kreditzinsen als Gründe. Eine große Zahl der Unternehmen sei gefordert, ihre Finanzierungsstrukturen anzupassen. Im Handel berichteten knapp 21 Prozent der Unternehmen von Schwierigkeiten, bei den Dienstleistern dagegen 34,6 Prozent.

Durchführung der Betriebsratswahl bei Hellofresh weiter offen
Die Durchführung einer Betriebsratswahl am Berliner Unternehmenssitz von Hellofresh bleibt ein Streitpunkt zwischen Unternehmensleitung und Verdi. Die Geschäftsführung hat Beschwerde gegen eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Berlin von November 2022 zur Bildung eines Wahlvorstands eingereicht, meldet die Wirtschaftswoche. Auf Anfrage habe Hellofresh angegeben, dass das Arbeitsgericht Berlin "nicht alle rechtlichen Aspekte ausreichend und zutreffend gewürdigt" habe. Im Juni hatte Verdi die Vorbereitungen zur Bildung eines Wahlvorstands gestartet, die Geschäftsführung war mit einer Rundmail dagegen vorgegangen. Hellofresh habe gegenüber der Wirtschaftswoche nun erklärt, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat gründen könnten, stufe aber "eine zeitgemäßere Form der Zusammenarbeit" als zielführender ein.

Online-Strategien: Warum Salewa spät dran und gleichzeitig First Mover ist
Bergausrüstung und Outdoor-Kleidung werden zum weit überwiegenden Teil im stationären Fachhandel gekauft. Doch auch in der Outdoor-Branche ändern sich die Vertriebsstrategien langsam, aber sicher. Im Interview mit Der Handel spricht Thomas Aichner, Marketing Director von Salewa, über die Besonderheiten seiner Branche und die Onlinestrategie von Salewa.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Walmart und Salesforce starten Kooperation
Walmart hat sich mit dem Entwickler einer CRM-Plattform Salesforce auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Der Handelskonzern will mit diesem Schritt seine eigene Technologie anderen Händlern anbieten, schreibt CNBC. Im Mittelpunkt stehe eine Erhöhung der Nutzerzahl des als White-Label-Lösung konzipierten Lieferdienstes Go Local. Mit Store Assist erhielte der Handel technische Lösungen für die Mitarbeiter bei der Bearbeitung der Bestellungen für Click & Collect und er könne seine Geschäfte als Fulfillment Center nutzen. Diese Dienste sollen dem Handel im Frühjahr durch die App von Salesforce zur Verfügung stehen.

Rent the Runway startet Zusammenarbeit mit Amazon Fashion
Rent the Runway hat einen Online-Shop bei Amazon Fashion eröffnet und bietet dort neben den Exklusivprodukten bei Rent the Runway auch gebrauchte Ware, die aus dem Mietservice herausgenommen wurden. Dies ist der nächste Schritt nach dem Abschluss weiterer Kooperationen und einer Erleichterung der Bedingungen für den Kauf von Second-Hand-Ware, meldet Retail Dive. Mit diesen strategischen Partnerschaften wolle das Unternehmen dem Wachstum einen neuen Schub verschaffen.

Asos mit schwachen Zahlen Ende 2022
Der Online-Modehändler Asos hat das Jahr 2022 schwach abgeschlossen, in den letzten vier Monaten fiel der Konzernumsatz wechselkursbereinigt um drei Prozent auf 1,34 Milliarden Britische Pfund. Die Ursachen für die Entwicklung sieht das Unternehmen im schwierigen Marktumfeld und Lieferstörungen in Großbritannien. Für Großbritannien meldet der Konzern wegen der schlechten Konsumstimmung ein Minus von acht Prozent, für Europa ein Plus von sechs Prozent und für die USA ein Plus von 15 Prozent. In Großbritannien sollten nun drei Lagerhäuser geschlossen werden, aus dem Online-Shop sei die Entfernung von 35 Marken geplant. Die Einsparmöglichkeiten lägen bei rund 300 Millionen Britischen Pfund.

Die US-Inflation sinkt weiter
Die Inflation in den USA hat im Dezember einen deutlichen Fall erlebt und den niedrigsten Stand seit Oktober 2021 erreicht. Im Vergleich zum Dezember 2021 hat die Quote im vergangenen Monat bei 6,5 Prozent gelegen, im November hatte der Wert 7,1 Prozent betragen. In den USA gibt es nun Erwartungen, dass die Notenbank den Leitzins, der momentan in einer Spanne zwischen 4,25 und 4,5 Prozent liegt, in größeren zeitlichen Abständen und weniger stark anhebt, schreibt das Handelsblatt. Experten sähen immer noch einen hohen Inflationsdruck, doch bis Juni sei ein Wert unter drei Prozent möglich. Das Ende des Inflationsproblem sei aber noch nicht erreicht.



///// TRENDS & TECH

Marks & Spencer testet Virtual Try-On in Geschäften
Kurz nachdem die Technologieanbieter Zyler und Raydiant ihre Zusammenarbeit für den Aufbau virtueller Anproben in Ladengeschäften ankündigten (das "Morning Briefing" berichtete“), läuft bei Marks & Spencer die erste Testphase mit der Technologie von Zyler. In zwei Geschäften von M&S ist der Service für die Kleidung von Jaeger verfügbar, berichtet Channel X. Wenn die Kunden ein Foto von Kopf und Schultern sowie ihre Maße vorlegten, könnten sie auf ihrem Smartphone sehen, wie ihnen das Kleidungsstück passt. Mitarbeiter stünden aber für Fragen und Beratung bereit.

Otto baut die Datennutzung für die Werbung um
Otto setzt im Werbegeschäft auf eine neue Datenstrategie. Die selbst erhobenen Daten, die First-Party-Daten, stehen in Zukunft exklusiv Otto Advertising zur Verfügung. Mit Daten wie Demografie, Kaufinteresse und Nutzerverhalten könnten die Werbekampagnen zielgruppengerecht ausgestaltet und gesteuert werden, daher verblieben sie nun im Konzern, teilt der Versandhandelskonzern mit. Damit sei es möglich, Kampagnen anzupassen. Die Aktualität der Daten sei der Schlüssel für den Erfolg.

Shein ist die Nummer eins der Shopping-Apps
Shein liegt weltweit bei den Downloadzahlen der Shopping-Apps an der Spitze. Nach Angaben von Apptopia wurde die App des chinesischen Fast-Fashion-Konzerns im vergangenen Jahr 229 Millionen Mal heruntergeladen. Dann folgten Meesho mit 210 Millionen und Shopee mit 203 Millionen. Amazon liege auf Platz mit einem Wert von 195 Millionen. Shein habe nach den Angaben von Apptopia 2020 noch auf Platz vier und 2021 auf Platz zwei gelegen. Bei den Downloads aller Apps habe es weltweit kein Online-Shop unter die ersten Zehn geschafft. Die Top Drei bildeten Tiktok, Instagram und Whats App.