Auch Zalando kann sich vor der Coronakrise nicht wegducken, aber das war für das erste Quartal ja schon angekündigt worden. Doch mag die Modebranche schlimmen Zeiten entgegensehen, ist der Onlinehändler aus Berlin fürs laufende Jahr kraftvoll optimistisch. Das hat gute Gründe. Denn mögen die Geschäfte in Deutschland demnächst wieder alle öffnen dürfen - dem Kunden vergeht vorerst die Lust auf den Stadtbummel. Anstehen, Maske tragen, Abstand halten - das macht beim Einkauf keinen Spaß. Dann lieber online zuschlagen.

//// HANDEL NATIONAL

Zalando will sich vom Markt absetzen
So macht man das, wenn man den Markt überraschen will: Einfach ein bisschen früher an die Öffentlichkeit gehen. Daher hat Zalando schon am Mittwochabend seine Quartalszahlen verkündet, entgegen des alten Planes, sich an diesem Donnerstagmorgen mitzuteilen. Und so sieht es aus: Die Coronakrise hat sich wie erwartet negativ aufs Betriebsergebnis (EBIT) ausgewirkt, hier gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von 98,6 Millionen Euro. Aber: Das Bruttowarenvolumen stieg um 13,9%, der Umsatzwachstum um 10,6%. Daher ist kein Krisengejammer zu vernehmen. In einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey wird dem eh schon schwachen Modemarkt wegen der Coronakrise ein steiler Abstieg vorhergesagt - Zalando will diesem Trend trotzen und 2020 gar zweistellig wachsen. Um 10% bis gar 20% sollen Bruttowarenvolumen wie Umsatz zulegen - und dabei will der Modehändler profitabel sein. Die Plattformgeschäft ist dabei Zalandos Kraftwerk, im ersten Quartal stieg der Anteil am Bruttowarenumsatz um 4,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. "Auch in einem herausfordernden Marktumfeld können unsere Partner mit uns wachsen und ihre Marktanteile vergrößern, indem sie ihr Geschäft bei Zalando ausbauen. Viele von ihnen haben in den letzten Wochen ihre Aktivitäten auf unserer Plattform deutlich intensiviert. Ihnen wollen wir es zukünftig noch einfacher machen, Kunden in Europa zu erreichen", sagt Co-Chef Rubin Ritter. 

Auf gehts
Das Aufatmen in der Handelsbranche hört sich an, als bläst ein Orkan durchs Land. Seit Mittwoch darf alles wieder so werden, wie es einmal war, naja, so langsam. Immerhin beschlossen Bundeskanzlerin Angela Merkel und sämtliche Ministerpräsidenten der Bundesländer, dass Deutschlands Läden wieder öffnen dürfen. Alle, ohne Flächenbegrenzung. Eigentlich nur logisch, denn das Limit auf 800 Quadratmeter war unlogisch. Und die juristischen Streitereien nahmen in einer Frequenz zu, die immer mehr Gerichte unnötig ins Schwitzen brachte. "Wir haben die erste Phase der Pandemie hinter uns", sagte Merkel und lobte die Deutschen für ihre Disziplin in der Krise, wie Spiegel Online schreibt. Hoffentlich gibt es nach der Phase des Fortschritts keine Phase des Rückschritts - sprich: zweite Infektionswelle.

Corona-Krise zeigt der Logistik neue Wege
Die Corona-Krise stellt die Logistik vor große Herausforderungen. Im Lager und auf der Straße zeigt die Branche Flexibilität und testet neue Lösungen. Doch es gibt immer noch Bremsklötze. Welche Probleme stehen bevor? Welche Lösungen sind jetzt und in Zukunft gefragt. Der Business Guide „Neue Wege der Logistik“ zeigt branchenübergreifend auf über 50 Seiten, was die Branche und Business-Kunden tun können, um die Supply Chain in Krisenzeiten zu sichern – und künftig flotter zu machen.

Coronaschecks für die Kauflaune
Wiederöffnen klingt gut, am besten schon kommendes Wochenende, wie es Axel Augustin fordert, Sprecher des Textilhandelsverbandes. "Gerade in den Modegeschäften stapeln sich die Waren, da zählt jetzt wirklich jeder Verkaufstag", sagte er in einem dpa-Gespräch, aus dem Fashionunited zitiert. Aber: Um die Kauflaune der Deutschen ist es derzeit nicht gut bestellt. Zu sehr belastet die Coronakrise das Land. Der Handelsverband Deutschland (HDE) erneuert daher seine alte Forderung, nach Finanzhilfen. "Die Handelsunternehmen brauchen dringend zusätzliche finanzielle Hilfe, um diese kunden- und umsatzarme Phase bewältigen zu können. Der Handel braucht einen staatlichen Rettungsfonds", sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Und noch einmal bringt der Verband die Ausgabe von Coronaschecks in Höhe von 500 Euro für jeden Einwohner ins Spiel. Für jeden Einwohner hieße das beispielsweise bei einer Familie mit zwei Kindern 2.000 Euro. Hochgerechnet aufs Land mit seinen etwa 81,5 Millionen Einwohner käme ein Milliardenbetrag zusammen - und der HDE muss in einen intensiven Fördermittelwettbewerb mit den Lobbyisten der Automobilbranche treten.

Wunderland Irland
Europas Einzelhandel durchlebt eine Jahrtausendkrise - so pathetisch muss man es sagen. Denn die Umsätze der Unternehmen im Euroraum sanken im März um 11,2% im Vergleich zum Februar, wie die Statistikbehörde Eurostat errechnet hat. Einen heftigeren Rückgang hat es seit 1999 nicht gegeben, damals wurde mit einer regelmäßigen kontinentalen Erhebung begonnen. Im Februar 2020 war das Einzelhandelsvolumen im Euroraum um 0,6% gestiegen. Die größeren Verlierer der EU-Mitgliedstaaten sind Bulgarien (-18,1%), Frankreich (-17,4%) und Luxemburg (-16,4%). Wie Irland +0,1% schaffen konnte, ist angesichts so der restlichen Bilanzen eine Sensation und lohnt, hinterfragt zu werden. 

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 Die Elektronikhändler sind wieder am Netz
Seit Montag öffnen nach und nach die Märkte von MediaMarkt-Saturn, seit Mittwoch sperren auch die Kollegen von Euronics auf. Fast 85% der Mitgliedsunternehmen der Verbundgruppe für Elektronikhandel sind wieder im Verkaufsmodus, schreibt Channelpartner. Damit es auch alle merken, gibt es eine Werbekampagne für die Stammkunden. 


//// HANDEL INTERNATIONAL

Alibaba ködert den Luxusnachwuchs
Alibaba hat eine neue Plattform live geschaltet: Luxury Soho heißt sie und soll Ergänzung sein zum Tmall Luxury Pavilion, sich an jüngere Verbraucher richten und solche, die sich abnabeln von Billigramsch und sich in die feine Welt vortasten wollen. Sozusagen der Luxusnachwuchs. "Die Läden des Luxuspavillons bringen das exklusive Erlebnis des Einkaufens in einer Umgebung aus Stein und Mörtel online", sagt Christina Fontana, Chefin von Tmall Fashion and Luxury in Europa. Luxus-Soho soll mehr sein als ein Verkaufskanal. Es geht vielmehr um eine Vollkettenlösung, die Marken bei der effektiven Verwaltung ihrer Lagerbestände unterstützen soll. 

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Business Guide

63 Seiten Roadmap für die „neue Normalität“

 JD Sports scheitert
Wer groß ist, der hat es zuweilen schwer, noch größer zu werden. In Großbritannien ist JD Sports als Sportartikelhändler ein Gigant. Seine Stärken sind ein famoses Schuhsortiment, auch mit modischen Modellen, verbunden mit einem großen Textilangebot. JD Sports ist einer der Lieblingshändler der Industrieriesen Nike und Adidas, bekommt deswegen viele exklusive Produkte - und kann damit immer weiter wachsen. Doch jetzt hat die britische Wettbewerbsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) gesagt: Stopp - und die Übernahme des Konkurrenten Footasylum untersagt. Bisher hatte JD Sports eine Minderheitsbeteiligung an Footasylum und wollte nun den Rest. Vergeblich. JD-Chef Peter Cowgill schnaubt vor Wut und vermutet seinen Konkurrenten Mike Ashley (Eigentümer von Sports Direct) als den Mann, der CMA beeinflusst haben soll, wie Fashionunited schreibt

//// TECH & TRENDS

Noch mehr Geld für Back Market
Mit zusätzlich 110 Millionen Euro lässt sich gut expandieren. So viel Geld hat gerade Back Market von seinen Investoren erhalten mit dem Ziel, in der DACH-Region die führende Onlineplattform für gebrauchte und wiederaufbereitete Elektronikprodukte zu werden. In Deutschland fischt im selben Teich wie der Konkurrent Rebuy. Back Market ist ein französisches Fairtech-Start-up, wurde vor fünf Jahren von Thibaud Hug de Larauze mitgegründet, der heute sagt: "Die Investoren haben den aktuell stattfindenden Wandel zum ‚ethischen Konsum‘ und die einzigartige Position von Back Market auf dem Markt erkannt. Unsere Mission ist es, einen grundlegenden Mentalitätswandel unter den Verbrauchern zu erreichen und dem Trend zum ständigen Neukauf von Elektronikprodukten entgegenzuwirken." Erst jüngst hatten die Geldgeber Goldman Sachs, Aglaé Ventures und Eurazeo Growth 48 Millionen Euro in diese französische Wiederaufarbeitungsanlage gesteckt.

AR wird Mainstream. Irgendwann.
Ein feuriges Plädoyer für Augmented Reality (AR, erweiterte Realität) hat Tony Mohammed verfasst, der den schönen Titel Head of Growth führt und in dieser Funktion bei der Kreativagentur OMM arbeitet. Das ist kein Klitsche, sondern Dienstleister unter anderem für Nike, Samsung - und den europäischen Fußballverband Uefa. "Die erweiterte Realität steht seit einiger Zeit an der Schwelle zum Mainstream-Appeal", schreibt Wachstumsmeister Mohammed für The Drum. "Die erweiterte Realität bietet uns die Chance, die reale Welt mit einer Reihe von Möglichkeiten zu bereichern, die gleich oder größer als die der Virtuellen Realität sind, sowohl bei der Arbeit als auch beim Spielen." Klingt ja ganz gut, aber in der einfachen Realität hat ein Händler erst einmal andere Sorgen.

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