Auch am gestrigen zweiten Tag überboten sich die Medien mit Hinweisen auf "Prime-Day"-Angebote. Allen voran Businessinsider.com (zum Beispiel zu Textmarkern) und CNET.com (unter anderem zu tragbaren Öfen). Der "Amazon-Blog" des Händlerbunds sammelte die schönsten Witzchen ("Primeday ... pff! Windelaufrüsttag"), und Heise.de wurde ernst: Der IT-Spezialist Atlas VPN habe fast 900 Phishing-Seiten gezählt, die versuchen, wie Amazon-Seiten auszusehen. Der "Prime Day" ist eine Kirmes: Es gibt Anpreiser, Spaßvögel – und Taschendiebe.

///// HANDEL NATIONAL
DACH-Chef Florian Jodl hat Zalando verlassen
Florian Jodl, General Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz, hat nach einem Bericht von Handelszeitung.ch das Unternehmen zum 1. Juli "Knall auf Fall" verlassen. Zalando habe den Abgang bestätigt und angekündigt, für die Position des General Managers DACH werde "im Herbst 2022 ein Zalando-Urgestein eingesetzt". Jodl selbst war mit zehn Jahren Zugehörigkeit zum 2008 gegründeten Unternehmen ebenfalls ein Urgestein, in der Position des DACH-Chefs allerdings erst seit April 2021 tätig. Zu den Gründen hätten sich weder Zalando noch Jodl geäußert.

Frischepost stellt nach München auch Betrieb in Berlin ein
Das Supermarktblog hat herausgefunden, dass die Frischepost-Gesellschaft in München endgültig liquidiert wurde und der Betrieb in Berlin Ende dieser Woche (15. Juli) eingestellt werden soll. Berlin habe bereits seit Mitte Mai in einem vorläufigen Insolvenzverfahren gearbeitet.

Ebay bringt Handtaschen-Echtheitsprüfung nach Deutschland
Seit Mai prüft Ebay in Großbritannien Handtaschen mit einem Wert von mehr als 500 Britischen Pfund auf ihre Echtheit (das "Morning Briefing" berichtete), jetzt gibt es diesen Service auch für Festpreis- und Auktionsangebote in Deutschland, wie Ebay mitteilt. Die Grenze liege bei 500 Euro. Die in Frage kommenden Taschen von 19 Marken seien gekennzeichnet, geprüft werde, sobald ein Kauf zu Stande komme. Dazu werde der Verkäufer angewiesen, die Tasche an ein Prüfzentrum zu senden.


///// HANDEL INTERNATIONAL

Blog: Hello Fresh bietet in den USA Fleisch-Abo
Eine Pressemitteilung ist auf der Hello-Fresh-Website nicht zu finden, aber die Produkt-Website gibt es schon: Excitingcommerce.de weist darauf hin, dass Hello Fresh in den USA unter der Label "Good Chop" jetzt auch Fleisch und Fisch im Abonnement anbietet. Was "good" bedeutet, lässt sich unter anderem aus der Produktseite ableiten: "Alles aus den USA / keine Antibiotika und keine Hormonzusätze, niemals / verantwortungsvolle Aufzucht". Geliefert werde alle vier Wochen.

USA: Lieferdienst Gopuff will sich rentabel schrumpfen

Der US-Express-Lieferdienst Gopuff will weltweit rund 1.500 Mitarbeitern kündigen und 76 Darkstores (etwa zwölf Prozent) in den USA schließen. Das berichten Lebensmittelzeitung.net (unter Berufung auf Bloomberg) und Retaildive.com. Außerdem solle das Geschäft in Spanien und Frankreich neu bewertet werden, um sich eventuell auf Großbritannien zu konzentrieren. Ziel sei Rentabilität bis 2024. LZ.net zufolge waren erst im März drei Prozent der Stellen gestrichen worden.

Libanesisch-irakischer Lieferdienst Toters erhält Geld aus der Schweiz
Auch im Irak und im Libanon gibt es Lieferdienste, zum Beispiel Toters, der außer in Beirut und Bagdad auch in Washington, DC, sitzt. Nach Angaben von Handelszeitung.ch erhält das Unternehmen in einer Series-B-Finanzierung von insgesamt 18 Mio. US-Dollar auch eine ungenannte Summe aus der Schweiz: Dominique Locher, früher Chef von Leshop und heute Investor von Farmy.ch, investiert offenbar genug, um einen Platz im Advisory Board zu erhalten. "Goldgräberstimmung pur", sei sein Kommentar. Toters, gegründet 2017, zähle 4.000 Partner und 500.000 Kunden im Libanon und im Irak.

Vinted Group startet Versand-Dienstleister
Der litauische Secondhand-Marktplatz Vinted (in Deutschland bekannt durch den mittlerweile eingestellten Dienst Kleiderkreisel) kündigt eine neue Versandplattform an: "Vinted Go" bündele und optimiere die Infrastruktur von Drittanbietern für den Vinted-Marktplatz und für zukünftige Geschäftskunden. Sie ermögliche internationale Lieferungen in ganz Europa, und zwar nach dem Pudo-Prinzip ("pick-up, drop-off"), also über Paketstationen. Das Netz umfasse 220.000 Pudo-Stationen von 40 Logistikpartnern in 14 Ländern. Die ersten dezidierten "Vinted-Go"-Stationen soll es in Paris geben.


///// TRENDS & TECH

FAZ: Klarna-Absturz "ist kein Drama"
Der finnischstämmige, auch in Deutschland sehr aktive Zahlungsdienstleister Klarna hat stark an Bewertung nachgelassen, von 85 Prozent ist die Rede (das "Morning Briefing" berichtete). FAZ.net ist das einen Beruhigungsartikel wert: Klarna habe immerhin erneut 800 Mio. US-Dollar erhalten, geändert habe sich mit der Bewertung lediglich eine virtuelle Zahl, sonst aber nichts. "Das Geschäftsmodell 'Buy now, pay later' ist immer noch die Grundlage. Und allen Unkenrufen zum Trotz wächst das Geschäftsfeld immer noch – nur eben nicht so schnell wie erwartet." Kurz: Der Absturz sei "kein Drama".

Solita bringt App zur Einkaufsanalyse nach Deutschland
Das finnische Unternehmen Solita bietet eine App, mit der Kundinnen und Kunden von Handelsunternehmen auf Basis ihrer Einkaufsdaten ihr eigenes Einkaufsverhalten analysieren können. "My Purchase" wird jetzt auch in Deutschland angeboten, wie das Unternehmen mitteilt. "Einkäufe sind in der App Zeile für Zeile aufgelistet, lassen sich kategorisieren, können vom Händler mit Produktinformationen angereichert und visualisiert werden", heißt es dort. Entwickelt wurde "My Purchase" ursprünglich für das das finnischen Einzelhandels-Unternehmen S Group, genauer: für dessen Bonusprogramm.

So gewinnen Unternehmen IT-Quereinsteiger
E-Commerce ist zu erheblichen Teilen IT. IT-Fachkräfte aber sind rar. Wer es mit Quereinsteigern versuchen möchte, hat gute Chancen, die passenden Leute zu finden. Etailment.de bringt acht Leitlinien für Suche und Einarbeitung von fachfremden IT-Kräften.

Körperanalyse I: Douglas verspricht digitale Hauttyp-Bestimmung
Douglas trägt das Digitale inzwischen schon in der Selbstbeschreibung ("Premium-Beauty- & Health-Plattform") und zahlt mit der jüngsten Pressemitteilung darauf ein: Über die Douglas-App sei es jetzt möglich, das Gesicht per Smartphone-Kamera zu scannen und so Hauttyp und Hauteigenschaften bestimmen zu lassen. Mit zusätzlichen manuell eingegebenen Informationen zum Beispiel zu Allergien schlage die App dann Produkte vor. Die gemeinsam mit Perfect Corp entwickelte Funktion sei Teil des neuen "Douglas-Beauty-Profils", in dem die Kundschaft persönliche Informationen und Präferenzen hinterlegen könne. Ziel: mehr Conversion in der App, weniger Retouren. Nebeneffekt: mehr sensible Kundendaten.

Körperanalyse II: Motesque verspricht digitales Probeliegen
Wer Matratzen kauft, möchte probeliegen. Das Berliner IT-Unternehmen Motesque verspricht, dass das auch elektronisch funktioniert, für stationäre Geschäfte wie für Online-Shops: Gemeinsam mit dem Matratzenhändler Swiss Sense kündigt Motesque in einer Pressemitteilung das Empfehlungstool "Sleep Lab Bodycan" an. Aus zwei Fotos sowie Angaben zu Alter, Größe, Gewicht und Schlafgewohnheiten errechne das System einen 3-D-Avatar, der sich virtuell auf alle Matratzen aus der Datenbank des Geschäfts lege und innerhalb von Sekunden eine Empfehlung liefere. Nebeneffekt auch hier: sensible Kundendaten.

///// NACHHALTIGKEIT

Ecovadis übernimmt Ecotrek
Ecovadis, Anbieter von Nachhaltigkeits-Rankings für Unternehmen, kauft zu – ein Überwachungsunternehmen. Diesen Schluss lässt die Pressemitteilung zu. Sie bezeichnet Ecotrek aus Berlin als Start-up, "das die Nachhaltigkeitsüberwachung von Lieferanten durch Sustainability-Data-Mining-Technologie ermöglicht". Ecotrek erfasse, prüfe und analysiere Nachhaltigkeitsdaten, besitze derzeit 5 Mio. Unternehmensprofile und ermögliche die automatische Integration dieser Daten in Geschäftsprozesse. Ziel sei es, vor dem Hintergrund des Lieferketten-Sorgfaltspflichten-Gesetzes "ökologische, soziale und ethische Risiken und Chancen zu verstehen".