Die Zahl der Unternehmen aus allen Branchen, die sich nach Kriegsbeginn aus Russland zurückgezogen haben und dem Boykott gefolgt sind, ist groß, wenn auch immer noch zu viele dort tätig sind. Doch nun hat es die russische Wirtschaft und die Verbraucher von unerwarteter Seite getroffen. In Moskau sind die Türen des Geschäfts des chinesischen Technologiekonzerns Huawei geschlossen. Auch die Online-Verkäufe sind eingestellt, wobei aber nicht klar ist, ob dies der endgültige Abschied ist. Dies kann eine hochpolitische Entscheidung werden, denn Russland kann es sich nicht leisten, wenn Huawei sich zurückzieht, China hat nun aber nicht nur im Hinblick auf die Situation in Taiwan ein starkes Druckmittel in der Hand.

///// HANDEL NATIONAL
Zalando kämpft mit Umsatzminus
Im zweiten Quartal musste Zalando einen Umsatzrückgang von vier Prozent auf 2,6 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen, das Bruttowarenvolumen (GMV) blieb im zweiten Quartal auf dem gleichen Niveau stehen. Nun sieht sich der Online-Modehändler wieder auf dem Weg nach oben und erwartet für die zweite Jahreshälfte einen Anstieg des Umsatzes zwischen null und drei Prozent auf 10,4 bis 10,7 Milliarden Euro. Das GMV soll zwischen drei und sieben Prozent auf 14,8 bis 15,3 Milliarden Euro wachsen. Es sei gelungen, die Kundenzahl im Jahresvergleich um elf Prozent auf 49 Millionen zu steigern, heißt es von der Vorstandsseite. Für das Mitgliederprogramm Zalando Plus meldet der Konzern ein Plus von 164 Prozent auf mehr als 1,5 Millionen Mitglieder. Zu den Faktoren gehörten hier die Expansion nach Rumänien und Ungarn sowie ein starkes Wachstum in der Schweiz. Ein Wachstum auf der Produktseite gab es im Bereich Beauty mit einem Plus von 30 Prozent. Der seit Anfang Juni existierende Mindestbestellwert gilt nun in 25 Märkten.

Scout24 sieht gute Wachstumschancen
Die Halbjahreszahlen erscheinen erst nächste Woche, doch Scout24 hat die Prognose für dieses Geschäftsjahr bereits jetzt verändert. Der Immobilienspezialist schätzt das Umsatzwachstum zwischen 13 und 15 Prozent ein, bislang lagen die im Dezember 2021 angegebenen Werte zwischen elf und zwölf Prozent. Auch die Erwartungen für das Editba aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit gehen von sechs bis acht Prozent auf zehn bis zwölf Prozent nach oben. Bei beiden Konzernzahlen hatte es im Mai eine Eingrenzung auf die obere Werte gegeben. Als Grund für die positiven Erwartungen nennt Scout24 die "aktuellen Entwicklungen im deutschen Immobilienmarkt". Auch sei die Relevanz der Plattform ImmoScout gewachsen.

Galaxus meldet hohe Zahlen für Energiegeräte
Die Nachfrage nach Geräten wie Stromgeneratoren, Solarpanels, Powerstationen oder Heizkörper wächst schnell und stark. Dies berichtet die Schweizer Online-Plattform Galaxus. Die Kunden bereiteten sich auf mögliche Ausfälle der Strom- und Wärmeversorgung vor, an der Spitze stünden Heizkörper, hier seien die Verkaufszahlen im Juli um 398 Prozent nach oben gesprungen. Stark nachgefragt seien auch Powerstationen für den mobilen Einsatz, im Juli liege das Plus bei 353 Prozent. Dagegen gestaltet sich das Wachstum bei Solarpanels mit 85 Prozent bescheiden.

Abschied für Hellofresh aus dem Dax möglich
Für Hellofresh könnte der August der letzte Monat im Dax sein. Im September ist der Produzent und Lieferdienst für Kochboxen ein Jahr im Aktienindex, Anfang September legt die Deutsche Börse fest, wer drin bleibt, raus fliegt oder wer neu dazu kommt. Nach einem Kursabsturz im vergangenen Jahr um 65 Prozent könnte Hellofresh raus genommen werden, berichtet das Handelsblatt. Nun komme es auf die Entwicklung in den nächsten vier Wochen an. Nach der Einschätzung einiger Aktienexperten sei das Ende der Dax-Teilnahme "nicht zu vernachlässigen".


///// HANDEL INTERNATIONAL

Ebay mit Umsatzeinbruch
Für Ebay ging es im zweiten Quartal deutlich nach unten. Der Umsatz brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf ein Volumen von 2,4 Milliarden US-Dollar ein, das Bruttowarenvolumen verlor 18 Prozent auf 18,5 Milliarden US-Dollar. Abwärts ging es auch bei den Nutzerzahlen um knapp zwölf Prozent auf 138 Millionen. CEO Jamie Iannone spricht dennoch von einem starken Quartal, denn die Zahlen seien besser als erwartet. Die Umsetzung der Strategie der Konzentration auf wichtige Kategorien sei erfolgreich und die Planzahlen für 2022 würden erreicht. Das Einkaufsniveau liege bei mehr über 3.000 US-Dollar pro Person im Jahr. Ebay befinde sich in einer besseren Position im Vergleich zum Ausbruch der Pandemie.

Amazon bietet niedrige Gehaltserhöhung in Großbritannien
In Großbritannien hat es Proteste der Mitarbeiter gegen eine geringe Gehaltserhöhung gegeben. Nach einer Meldung von Reuters haben Hunderte von Beschäftigten in einem Warenlager in Tilbury im Südosten Englands ihren Arbeitsplatz aus Protest verlassen. Nach Angaben der Gewerkschaft GMB habe der Online-Riese eine Erhöhung des Stundenlohns um 0,35 Britische Pfund vorgeschlagen. Die Gewerkschaft fordere wegen der ansteigenden Lebenshaltungskosten eine Anhebung um zwei Britische Pfund. GMB werfe Amazon vor, Gespräche mit den Gewerkschaften über bessere Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung abzulehnen. Amazon habe in einer E-Mail eine Steigerung des Mindestlohns auf eine Spanne zwischen 10,50 und 11,45 Britischen Pfund angekündigt.

Shop Back startet in Hongkong
Die Einkaufs- und Gutscheinplattform Shop Back ist nun auch in Hongkong verfügbar. Das Compensation Voucher Scheme der Stadt Hongkong, mit dem Kunden Voucher kaufen können und dann einen Cashback erhalten, wird um 10.000 Hongkong Dollar erweitert, meldet Tech in Asia. Diese Voucher könnten die Kunden dann bei Shop Back einsetzen, dort bestehe eine Verfügbarkeit auf mehr als 250 Händler in der Stadt. Shop Back habe im gleichen Zug die Marke mit einem neuen Auftritt versehen, in Singapur und Malaysia gebe es nun die Option von Buy Now, Pay Later.



///// TRENDS & TECH

Facebook stellt das Live-Shopping ein
Am 1. Oktober fällt der Vorhang für das Live-Shopping bei Facebook. Nach dem internationalen Start 2018 in Thailand ist nun Schluss für die Technik, mit der Händler ihre Produkte in Livestreams anbieten konnten. Potenzielle Kunden hatten die Einkaufsmöglichkeit, die Bezahlung erfolgte über Messenger. Nutzer von Instagram haben aber weiter Zugriff, schreibt The Verge. Nun solle die Konzentration auf Reels erfolgen, die Plattform für Kurzvideos. Das Verhalten der Verbraucher habe sich zu Kurzvideos hin entwickelt, habe Facebook mitgeteilt. Erst vor einem Monat war Tiktok aus dem Live-Shopping ausgestiegen.

Penny verkauft Eintrittskarten
Penny steigt in den Verkauf von Eintrittskarten ein. Durch eine Kooperation mit dem Ticket-Anbieter CTS Eventim und dem Zahlungsanbieter Epay können Kunden nun beim Lebensmittel-Discounter Penny auch Tickets für unterschiedliche Events kaufen. Das Angebot ist in den Ladengeschäften verfügbar, hier können die Kunden am Servicepoint-Automaten buchen und erhalten einen Bon, die Bezahlung erfolgt an der Kasse. Online ist der Kauf im Webshop, der Penny Kartenwelt und dem neuen Penny Ticketshop möglich. Als erste buchbare Veranstaltung ist die Show "A new Day" von Holiday on Ice im Programm.

Nur stationär reicht nicht mehr
Stationäre Händler stehen vor der großen Herausforderung, ihr Ladengeschäft um Points of Sale auf der heimischen Couch oder unterwegs zu ergänzen. Das Ideal lautet Omnichannel-Vertrieb und bedeutet, Ladengestaltung, Order- und Lagerlogistik aufs Off- und Online-Geschäft auszurichten und die IT-Systeme entsprechend zu verknüpfen. Etailment.de und "Der Handel" zeigen mögliche Wege zu diesem Ziel.

Deutsche wünschen kostenfreie Rücksendungen
Die Diskussionen über die Einführung von Gebühren für die Rücksendung von Produkten und schließlich der Schritt dorthin stoßen in Deutschland auf wenig Gegenliebe. Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage von Yougov für die Otto Group im Juli will die Mehrheit der Deutschen ihre Waren weiterhin kostenfrei zurückschicken können. Nur 14 Prozent der Kunden sind bereit, die Kosten zu übernehmen, 45 Prozent sagen, sie sind generell nicht dazu bereit. Für 33 Prozent ist die Kostenübernahme nur eine Möglichkeit, wenn zuvor keine Versandkosten anfielen. Sollten die Gebühren in Klimaschutzprojekte fließen, steigt die Zustimmungsquote nur auf 35 Prozent. Die Otto Group plant in der Folge für die Zukunft umfangreichere Produktinformationen für die Kunden mit Produktbildern und personalisierten Größenfindern oder Beratungsgespräche im Rahmen von Live-Shopping.


///// NACHHALTIGKEIT

Die Liganova Group übernimmt das Nachhaltigkeits-Start-up Spenoki
Die Liganova Group übernimmt eine Mehrheitsbeteiligung des Münchner Start-ups Spenoki. Die Unternehmensgruppe will mit diesem Schritt das Angebot im Bereich des Sustainable Marketing weiter ausbauen. Spenoki hat mit einer cloudbasierten Lösung neue Varianten und Möglichkeiten für ein Nachhaltigkeitsmanagement entwickelt. Im Mittelpunkt steht dafür eine digitale Impactplattform, die den Impact des Unternehmens sichtbar machen soll. In einem nächsten Schritt wird Spenoki als Marke Code Gaia in die Liganova Group, die sich auf die Entwicklung und Umsetzung physischer und digitaler Marken-, Produkt- und Serviceerlebnisse spezialisiert hat, integriert.