Ob Einkauf, Vertrieb, Marketing oder Personal - in Unternehmen hat jede Abteilung ihre eigenen Prozesse, für die meist teure und unflexible Einzellösungen benötigt werden. Genau hier setzt das Tech-Start-up Seatable aus Mainz an. Es hat eine Lösung entwickelt, mit der Prozesse, die vorher manuell erfasst oder auf verschiedene Speziallösungen verteilt wurden, in nur einer Anwendung abgebildet werden können - und das ohne Programmierkenntnisse. Etailment stellt den Neuling unter den No-Code-Plattformen vor.

Auf den ersten Blick ähnelt Seatable Excel oder Google Sheets. Doch die Lösung kann Tabellen nicht nur erstellen, sondern sie mit anderen Informationsquellen verknüpfen, Daten sortieren, filtern und gruppieren. Das Ziel: Alle benötigten Informationen übersichtlich an einem Ort zu organisieren.

Als Kollaborationstool unterstützt Seatable zudem den Austausch innerhalb von Teams und mit Dritten. Dabei können technisch interessierte Mitarbeiter ohne Programmierkenntnisse eigenständig Prozesse digitalisieren, was Entwicklungszyklen verkürzt und IT-Abteilungen entlastet. 
Die Brüder Ralf (l.) und Christoph Dyllick-Brenzinger haben Seatable gegründet.
© Seatable
Die Brüder Ralf (l.) und Christoph Dyllick-Brenzinger haben Seatable gegründet.
Seatable-Gründer Christoph Dyllick-Brenzinger erklärt, wie die No-Code-Plattform funktioniert und wo sie im Handel schon eingesetzt wird.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Zunächst stellt man sich eine Kiste mit Lego-Bausteinen vor. Jeder Baustein steht dabei für einen bestimmten Teil eines IT-Prozesses. Der blaue Stein verschickt eine E-Mail, der rote Stein speichert ein Bild und der weiße Stein legt fest, wer was in dieser Software darf. Seatable ist die Software-Version von Lego. Wenn man Seatable das erste Mal im Browser aufruft, hat es Ähnlichkeit mit Excel oder Google Sheets. Das Besondere sind jedoch die Funktionen, die über die einer klassischen Tabellenkalkulation hinausgehen. Damit können Menschen ohne jede Programmiererfahrung leistungsfähige Lösungen und Prozesse entwickeln und gleichzeitig jede Art von Information speichern.
Das mag sich erst mal unspektakulär anhören, bietet aber ein riesiges Potenzial. In jedem Unternehmen gibt es ineffiziente Abläufe, bei denen irgendeine Excel-Liste per E-Mail herumgeschickt wird. Normalerweise würde man die IT-Abteilung damit beauftragen, eine bessere Lösung zu finden. Mit Seatable können sich die Mitarbeiter in wenigen Stunden einfach eine eigene Lösung bauen, mit der dann sofort der Prozess viel effizienter abgebildet werden kann. Im IT-Umfeld nennt man das eine No-Code-Plattform. Ein Werkzeugkasten, um die tägliche Arbeit effizienter zu machen. 
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?

Gartner zufolge werden bis 2024 über 65 % aller Applikationen mithilfe einer No-Code-Plattform entwickelt werden. Seatable ist bereits heute die perfekte Lösung. Mit SeaTable arbeiten Unternehmen effizienter und können schneller auf neue Anforderungen reagieren.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Unsere Kunden wie z.B. Wikimedia Deutschland, Möbel Inhofer oder der Tourismusverband von Katar, kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Möbel Inhofer z.B. setzt Seatable im Vertrieb ein, um fragmentierte Verkaufsprozesse zu strukturieren und zu digitalisieren. Der Möbelhändler verfolgt dabei eine zweifache Zielsetzung: Zum einen soll die neue Plattform die Verkäufer in ihrer Arbeit unterstützen, zum anderen soll eine einheitliche Datenbasis geschaffen werden, die in Echtzeit über den aktuellen Stand der Leads und Kundengespräche Auskunft gibt. Über die integrierten Kalender können die Verkäufer ihre Arbeitszeiten planen und Termine versenden, Kunden und Verkäufer haben die Möglichkeit, über einfach bedienbare Formulare Feedback zu geben und Automationen nehmen mühsame, ehemals manuelle Arbeitsvorgänge ab (z.B. Erinnerungen an Kunden und Verkäufer). Über ein Dashboard haben Verkaufsleiter und Geschäftsführung alle relevanten Zahlen im Blick. All dies wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es das Ergebnis eines aufwändigen IT-Projekts wäre. Tatsächlich wurde die Anwendung aber durch die Marketing-Abteilung in Zusammenarbeit mit den Verkäufern erarbeitet. Die IT-Abteilung war in den Prozess nicht involviert.

Auch andere Unternehmen und Organisationen testen Seatable derzeit, so etwa eine Abteilung der United Nations, eine Innovationsabteilung der Lufthansa, die Verwaltung zweier deutscher Großstädte und ein brasilianischer Bundesstaat. 

Mithilfe der Seatable-Lösung können Anwender Daten und Formate wie Bilder, Dokumente, E-Mails oder Auswahllisten sortieren, filtern und gruppieren und so alle wichtigen Informationen an einem Ort organisieren.
© Seatable
Mithilfe der Seatable-Lösung können Anwender Daten und Formate wie Bilder, Dokumente, E-Mails oder Auswahllisten sortieren, filtern und gruppieren und so alle wichtigen Informationen an einem Ort organisieren.
Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Wir sind nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Seatable wirklich jedem Team und jeder Organisation einen Mehrwert bieten kann. Trotzdem hat man natürlich immer gewisse Traumkunden. In meinem Fall wären das Tesla, die Vereinten Nationen (UN) oder Walt Disney.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Eine wichtige Erkenntnis war mit Sicherheit, dass wir anfangs viel zu eingeschränkt in unserer Denkweise waren. Wir hatten uns auf bestimmte Branchen und Prozesse festlegt, die wir verbessern wollten. Doch mit jedem neuen Kunden wurden wir aufs Neue überrascht, was man mit Seatable alles machen kann. Ein Landwirt überwacht damit die Medikamentenabgabe an seine Tiere. Ein Tierliebhaber tüftelt gerade an einer App für entlaufene Tiere und ein Designlabel nutzt Seatable für die weltweite Koordination der Designer und der Produktionsstätten.
Mittlerweile haben wir unsere Denkweise in Branchen und Einzellösungen komplett aufgegeben und freuen uns einfach nur noch über jeden neuen Anwendungsfall, mit dem uns unsere Kunden überraschen.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Besonders stolz sind wir auf die bisher erreichten Nutzerzahlen. Mehr als 100.000 Downloads und mehr als 100.000 Cloud-Nutzer unserer Software sprechen dafür, dass das Potenzial unserer Lösung erkannt wird.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Walt Disney stellt seinen Mitarbeitern Seatable für die Entwicklung neuer Softwarelösungen zur Verfügung."

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.



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