Das Züricher Start-up Kooky hat ein digitales Becher-Rückgabesystem entwickelt - und damit im Heimatmarkt bereits große Unternehmen, Universitäten und Stadtverwaltungen überzeugt. Kooky soll aber keine Insellösung sein, auch bestehende Rücknahmesysteme können integriert werden. Vor wenigen Wochen ist Kooky in München als erstem deutschen Standort an den Start gegangen. Etailment stellt das Start-up vor.

Nachhaltigkeit und Convenience müssen Hand in Hand gehen, davon sind Torge Barkholtz, Maximilian Zott und Dmytro Boguslavskyy überzeugt. Die drei haben das plattformbasierte Mehrwegbecher-System Kooky entwickelt.

Es funktioniert so: Kunden bekommen den wiederverwendbaren Kunstoffbecher bei der Getränkebestellung gegen Zahlung eines Pfands bei einem der Partnerbetriebe. Anschließend scannen sie den QR-Code auf dem Becher und hinterlegen einmalig ihre Telefonnummer. Die Rückgabe des Bechers erfolgt dann über spezielle Rückgabestationen, und das Pfand wird dem Kunden elektronisch gutgeschrieben, per Überweisung ausgezahlt oder kann wahlweise direkt an den WWF gespendet werden.

Mit intuitiver Nutzung und einer rund um die Uhr verfügbaren und engmaschigen Rückgabe-Infrastruktur will das Züricher Start-up Hindernisse für den Erfolg von Mehrweg aus dem Weg räumen.
Die Kooky-Gründer Dmytro Boguslavskyy, Torge Barkholtz und Max Zott (v.l.)
© Kooky
Die Kooky-Gründer Dmytro Boguslavskyy, Torge Barkholtz und Max Zott (v.l.)
Um Insellösungen in Zukunft zu vermeiden, stellt Kooky seine Infrastruktur auch bereits bestehenden Systemen zu Verfügung. Partner in der Gastronomie sollen so den Mehrweganbieter wählen können, der am besten zu ihnen und den Bedürfnissen ihren Kunden passt. Alle bereits bestehenden Mehrwegsysteme sowie große Filialisten, die ihre eigenen Becher verwenden, können in die plattformbasierte Rückgabe-Infrastruktur integriert werden.

In der Schweiz ist das erst 2021 gestartete System bereits vielfach erprobt, u.a. in strategischen Partnerschaften mit den Schweizer Bundesbahnen (SBB), aber auch in Universitäten oder Krankenhäusern sowie Städte-Kooperationen mit Zürich, Basel oder Bern. Seit November können auch Kunden in München das Kooky-System nutzen. In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Becher bislang überwiegend im Szeneviertel Glockenbach zu finden, wo es rund 40 Partner-Standorte gibt, u.a des Systemgastronomieanbieters Yorma's.

Kooky-Mitgründer und CEO Torge Barkholtz spricht im Etailment-Interview über das bislang Erreichte und die Deutschland-Pläne des Start-ups.
Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Kooky ist wie der Flaschen-Pfandautomat beim Laden um die Ecke, nur eben für Becher und dass es überall
verfügbar ist. Zudem werden die Becher nicht recycelt, sondern von Kooky abgeholt, gewaschen und wieder
in den Umlauf gebracht. Kooky bietet somit die Infrastruktur für eine super einfache Mehrweg-Rückgabe.

Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?
Kooky ist das erste intelligente Mehrwegsystem mit eigener digitaler Rückgabe-Infrastruktur, welches sich nach den heutigen Bedürfnissen von Konsumenten und Gastronomie richtet. Es erleichtert den Alltag unserer Partner enorm, indem wir ihnen den Rückgabe- und Waschprozess abnehmen. 

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Zu unseren Kunden zählen unter anderem die SBB, ÖBB und die HSG, SV-Group, ZFV, Migros, Coop, Valora, Selecta, Yorma’s, Roche und viele mehr. Zudem haben wir Städte-Kooperationen mit der Stadt Bern, in der wir unsere Kooky-Boxen auf öffentlichem Bereich aufstellen können.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen? 
Nach den erfolgreichen Kooperationen mit den öffentlichen Personenverkehrsanbietern in der Schweiz und in Österreich streben wir auch in Deutschland eine entsprechende wegweisende Kooperation an.
Kooky-Rückgabestation: 24/7-Verfügbarkeit und flächendeckende Verteilung sollen die Nutzung von Mehrwegbechern für Verbraucher so bequem wie möglich machen.
© Kooky
Kooky-Rückgabestation: 24/7-Verfügbarkeit und flächendeckende Verteilung sollen die Nutzung von Mehrwegbechern für Verbraucher so bequem wie möglich machen.
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Dass wir von Anfang an bereits große Partner für unser System gewinnen konnten. Partner, die bisher noch kein Mehrwegsystem eingesetzt hatten. In unseren Augen haben wir mit unserer Infrastruktur eine kundenfreundliche Lösung für ein Mehrweg schaffen können, die bereits mehrere hunderttausend Mal genutzt wurde. Allerdings ist noch sehr viel mehr Aufklärungsarbeit nötig. Hier braucht es noch etwas Zeit, jedoch sind wir auf dem richtigen Weg.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Zum einen sind es die hunderttausenden Nutzungen unserer Lösung, zum anderen jeder einzelne unserer großartigen Partner. Gemeinsam konnten wir bereits einen riesigen Berg an Müll vermeiden und eine große Menge CO2 einsparen.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Kooky gelingt die Mehrwegtransformation" /  "Flächendeckende Rückgabe-Infrastruktur konnte die Mehrwegquote bei Lebensmittelverpackungen um 75% erhöhen"

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.

MEHR ZUM THEMA: 


Nachhaltige Lieferung als doppelter Wettbewerbsvorteil: Besonders jüngere Verbraucher treffen Kaufentscheidungen zunehmend anhand ihrer Umweltauswirkungen - und viele sind sogar bereit, für nachhaltige Dienstleistungen einen Aufpreis zu zahlen.
© IMAGO / agefotostock
Nachhaltigkeit

Wie Händler mit umweltfreundlicher Lieferung sogar Geld sparen


Die Everdrop-Gründer Chris Becker (li.) und David Löwe bringen frischen Wind in die traditionelle WPR-Branche.
© Everdrop
Start-ups

Everdrop: Mit Tabs und Pulvern gegen die Plastikflut


Hendrik zu Knyphausen ist Country-Manager Deutschland bei Budbee.
© Budbee
Start-ups

So will Budbee die Lieferung bequemer und nachhaltiger machen