Ob Ukrainekrieg oder neue pandemiebedingte Betriebsstillstände in China - globale Lieferketten sind mehr Risiken denn je ausgesetzt. Die KI-basierte Supply-Chain-Intellligence-Plattform Prewave findet, versteht und kategorisiert Risiken, die Lieferanten und Rohstoffe betreffen. Sie soll Unternehmen helfen, schnell auf Probleme in der Lieferkette zu reagieren und so Beschaffungsprobleme und Reputationsschäden zu vermeiden. Etailment stellt das Start-up aus Wien vor. 

Das Start-up Prewave will Unternehmen dabei helfen, Risiken ihrer Lieferanten und Rohstoffe auf jeder Stufe der Lieferkette vorherzusagen, zu finden, zu verstehen und zu kategorisieren. Dazu nutzt die Supply-Chain-Intelligence-Plattform öffentlich zugängliche Daten aus lokalen Nachrichten, sozialen Medien und anderen Datenbanken.

Die Plattform deckt eine Vielzahl von Risiken bei Lieferanten ab, darunter auch Menschenrechts- und Nachhaltigkeitsrisiken sowie die Einhaltung von Gesetzen in der Lieferkette. Risikowarnungen werden in Echtzeit direkt an die Unternehmen gesendet, die sich mit ihren Lieferanten in Verbindung setzen können, um Probleme zu lösen und Störungen abzumildern, was nicht nur angesichts der strengeren Gesetzgebung für die Lieferkette in ganz Europa immer wichtiger wird.
Die Prewave-Gründer Harald Nitschinger und Dr. Lisa Smith
© Prewave
Die Prewave-Gründer Harald Nitschinger und Dr. Lisa Smith

Mehr als 100 Risikokategorien

Prewave nutzt seine KI-gestützte Plattform zur Analyse von Millionen von Online-Quellen in mehr als fünfzig Sprachen und über 100 Risikokategorien. Das Start-up ist ein Spin-off der Technischen Universität Wien und wurde 2017 von Dr. Lisa Smith und Harald Nitschinger gegründet. Die studierte Informatikerin Smith interessierte sich bereits früh für Technologie, programmierte mit zwölf die ersten Websiten. Im Zuge ihrer Promotion entstand schließlich die Idee zu Prewave. 

Im September hat Prewave eine Serie-A-Finanzierung in Höhe von 11 Millionen Euro erhalten. Die Runde wurde von Kompas und Ventech angeführt, die ihre Unterstützung nach der Seed-Runde des Unternehmens erneuert haben, und wurde von den Frühphaseninvestoren aws Gründerfonds, IST cube, seed + speed, Segnalita, Speedinvest und Working Capital Fund unterstützt.

Im Etailment-Kurzinterview stellt Mitgründerin Dr. Lisa Smith das Start-up vor.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Alle Produkte, die wir täglich nutzen – seien es Lebensmittel, Laptops oder Autos –, werden typischerweise nicht von einem einzelnen Unternehmen, sondern von einem Netzwerk aus vielen Lieferanten produziert, die über die ganze Welt verteilt sind. Prewave hilft Unternehmen dabei, herauszufinden, wo in diesem Netzwerk Ereignisse auftreten, die dazu führen können, dass Produkte nicht zeitgerecht geliefert werden – wie zum Beispiel Fabrikbrände – oder die Umwelt oder Menschenrechte gefährden, etwa Vorfälle von Kinder- oder Zwangsarbeit. Dadurch können Unternehmen rechtzeitig auf die drohenden Risiken reagieren und Probleme lösen.

Dr. Lisa Smith ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Prewave.
© Prewave
Dr. Lisa Smith ist Mitgründerin und Geschäftsführerin von Prewave.
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?

Prewave ist eine Supply-Chain-Intelligence-Plattform, die es ermöglicht, Risiken in globalen Lieferketten automatisiert zu identifizieren, zu priorisieren und zu lösen.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Wir haben zahlreiche Referenzkunden in der Automobilindustrie wie zum Beispiel VW, Porsche, BMW und Toyota, konnten aber auch erfolgreich andere Industrien erschließen, etwa die Lebensmittelindustrie mit Unternehmen wie ABInBev oder Dr. Oetker.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Derzeit kommen viele unserer Kunden aus dem DACH-Raum, wir expandieren aktuell jedoch auch in weitere europäische Länder.

Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Was wir zu Beginn unterschätzt hatten, war die Bedeutung des Produkt-Market-Fits – und wie herausfordernd es sein kann, dorthin zu gelangen. Es hat einige Jahre und zahlreiche Pilotprojekte gebraucht, bis wir zu dem Punkt gekommen sind, dass wir das richtige Produkt für den richtigen Markt zum richtigen Preis anbieten können.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Ich bin sehr stolz darauf, dass aus einer anfänglichen Idee mittlerweile ein Unternehmen mit rund 65 Prewavers wurde. Es freut mich unglaublich zu sehen, mit welchem Engagement sich das Team einbringt und wie wir gemeinsam Tag für Tag die Erfolgsgeschichte von Prewave weiterschreiben.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Durch Studie belegt: Die Supply-Chain-Plattform Prewave hat Störungs- und Nachhaltigkeitsrisiken in globalen Lieferketten massiv verringert"


Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.

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