Mit seiner Recommerce-Plattform will das Berliner Unternehmen Reverse.supply Modehändlern beim Einstieg in den Wiederverkaufsmarkt helfen. Die KI-gestützte Lösung soll es ihnen nicht nur leicht machen, gebrauchte Kundenware zu verkaufen, sondern auch Retouren, Überhänge und B-Ware nachhaltig und wirtschaftlich zu verwerten. Etailment stellt das Start-up vor.

Nicht nur Nachhaltigkeitsüberlegungen, sondern auch der wachsende Druck zu sparen macht gebrauchte Mode für viele Verbraucher attraktiv - und damit die Zweitverwertung ihrer Ware für Händler. Dennoch schreckt der logistische Aufwand viele Anbieter ab. Hier setzt Reverse.supply, 2021 in Berlin von Janis Künkler, Max Große Lutermann und Konrad Hosemann gegründet, an.

Die drei haben eine Plattform entwickelt, mit der Modehändler den Secondhand-Markt ihrer eigenen Produkte erschließen können, indem sie neben ihrer regulären Ware zusätzlich gebrauchte Kleidungsstücke anbieten. Die KI-gestützte Lösung umfasst die Software-Integration, logistische Abwicklung, Qualitätskontrolle, Bewertung und Preisbestimmung.
Die Reverse.supply-Gründer Janis Künkler, Max Große Lutermann und Konrad Hosemann (von links)
© Reverse.supply
Die Reverse.supply-Gründer Janis Künkler, Max Große Lutermann und Konrad Hosemann (von links)
Anfang Dezember wurde Reverse.supply dafür mit dem Bundespreis Ecodesign von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt in der Kategorie Service ausgezeichnet. Im Etailment-Interview stellt Mitgründer Janis Künkler das Start-up vor.

Mal ehrlich und ohne Buzzwords: Wie würden Sie Ihren Eltern das Start-up erklären?
Wir ermöglichen Modemarken gebrauchte, aber noch gute Kleidung von ihren Kunden zurückzukaufen und in einem eigenen Secondhand-Onlineshop weiterzuverkaufen. Dabei übernehmen wir von der technischen Umsetzung bis zur Logistik jeden Schritt. Nach wie vor ist die Modeindustrie für 5 bis 10% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, die vor allem bei der Produktion, der Herstellung und dem Transport der Millionen von Kleidungsstücken, die jedes Jahr gekauft werden, anfallen. Hier kommt unser Recommerce-Service ins Spiel. Durch den Einstieg in den Wiederverkaufsmarkt helfen wir Unternehmen nachhaltiger zu agieren. Denn der Kauf von Secondhand-Kleidung ist die mit Abstand am häufigsten genutzte Alternative zum Neukauf.
Wie beschreiben Sie Ihr Geschäftsmodell einem möglichen Partner in einem Tweet (280 Zeichen)?

Unsere Plattform bietet Marken und Modeunternehmen eine vollkommen integrierbare, skalierbare, Take-Back-, Resale- und End-of-life Lösung für ihre Produkte. Auf diese Weise helfen wir unseren Partnern, in einer Welt, in der es keine lineare Wirtschaft mehr gibt, relevant zu bleiben und Zugang zu einem 130 Mrd. US-Dollar großen Markt zu erhalten.

Welche Unternehmen/Kunden konnten Sie bereits überzeugen?
Wir arbeiten bereits mit großartigen Kunden aus der Outdoor- und Sportbranche zusammen, unter anderem Globetrotter und Bergzeit. Aber auch erfolgreiche nachhaltige Brands wie Armedangels und Jan ’N June zählen zu unseren Partnern.

Mit wem würden Sie gerne ins Geschäft kommen?
Es gibt viele tolle Marken, mit denen wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen könnten. Jedoch gibt es vor allem im mittleren Preissegment aktuell noch Berührungsängste mit dem Thema Secondhand. Viele Unternehmen wissen gar nicht, ob sich der Einstieg in den Secondhand-Markt für sie überhaupt lohnt. Plus, sie können den logistischen Aufwand dahinter oft nicht alleine stemmen. Diese Sorgen können wir den Unternehmen nehmen, denn mit unserem All-in-One-Recommerce-Service ermöglichen wir Modeunternehmen jeglicher Größe den Einstieg in ein nachhaltiges und profitables Geschäftsmodell.

Mehr als 10.000 Kleidungsstücke bewertet das Reverse.supply-Team monatlich und bereitet sie für den Wiederverkauf vor.
© Reverse.supply
Mehr als 10.000 Kleidungsstücke bewertet das Reverse.supply-Team monatlich und bereitet sie für den Wiederverkauf vor.
Was war die wichtigste Erkenntnis seit dem Start?
Secondhand ist Handarbeit. Jedes Kleidungsstück muss individuell bewertet und bepreist werden. Den ursprünglichen Plan, die komplette Logistik auszulagern und sich nur auf die Software zu konzentrieren, haben wir dadurch schnell verworfen. Dadurch, dass wir alle Prozesse bündeln, können wir so die höchste Qualität bei der Bewertung inklusive transparenten Kosten garantieren.

Auf welche Erfolgszahl sind Sie besonders stolz?
Das erste Mal mehr als 10.000 Artikel pro Monat zu bewerten war für unser Team ein riesiger Meilenstein.

Welche Schlagzeile würden Sie gerne in fünf Jahren über Ihr Start-up in einer Wirtschaftszeitung lesen?
"Recommerce-Marktführer Reverse.supply expandiert nach Amerika" / "Kein Kauf ohne Verkauf: Erster Händler verlangt Einsenden gebrauchter Ware gegen Neuware"

Start-ups ohne Buzzwords

Sie sind Gründer eines innovativen und spannenden Unternehmens im Umfeld von Handel und FMCG? Können auch Sie Ihr Start-up ohne Buzzwords erklären? Dann melden Sie sich bei uns jederzeit unter ulrike.sanz@dfv.de.

Alle bisher vorgestellten Start-ups finden Sie unter etailment-Startups.de.

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