Von Suppenhühnern bis zur Smart City und natürlich Nachdenkliches zur Digitalisierung: 7 Bücher, die zum Nachdenken anregen und die auf den letzten Drücker als Weihnachtsgeschenk taugen.

 Das sind keine guten Nachrichten in der besinnlichen Adventszeit: Die Deutschen kaufen weniger Bücher als vor zehn Jahren. Wie das Statistische Bundesamt berichtet, kauften im Jahr 2017 nur noch etwas mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland Bücher oder E-Books. Vor zehn Jahren waren es noch Zweidrittel der Haushalte. Grund genug, den etailment-Lesern kurz vor Weihnachten noch ein paar Lektüre-Geschenktipps mit auf den Weg zu geben, um die Statistik zu pimpen.   

Innehalten und nachdenken

Moderne Technik macht vielen Menschen Angst, bietet aber auch große Chancen. Der evangelische Kirchenpräsident Volker Jung geht der Frage nach, wie man bei all dem "Digital Mensch bleiben" kann. Bewusst nicht als Technikexperte, sondern als Theologe und Seelsorger nimmt er die vielfältigen Entwicklungen unter die Lupe, um schließlich Herausforderungen an den Einzelnen und die Gesellschaft zu skizzieren. Das kurzweilige Plädoyer für den souveränen Umgang mit neuen Technologien und für „Lebensführungskompetenz“ ist ein anregender philosophischer Wegbegleiter. 

Volker Jung: Digital Mensch bleiben. Claudius Verlag, München, 136 Seiten. 14 Euro.

Volker Jung Digital Mensch bleiben
© Claudius Verlag
Volker Jung Digital Mensch bleiben

Stecker ziehen!


Eigentlich wissen wir es ja alle: "Dieses" Social Media kostet wertvolle Lebenszeit, außer ein paar originellen Sprüchen oder Cartoons bringt es einen nicht wirklich weiter und man regt sich plötzlich über Leute auf, die man nicht kennt und die einem eigentlich auch egal sind. Der gerne als "Tech-Guru" titulierte Jaron Lanier liefert zehn nachvollziehbare Gründe, warum wir bei  Social Media den Stecker ziehen sollten. Der Mahner vor Datenmissbrauch legt nachvollziehbar dar, wie Facebook, Google & Co. uns überwachen, unser Verhalten manipulieren, Politik beeinflussen und und uns selbst zu rechthaberischen Menschen machen, mit denen wir im echten Leben nichts zu tun haben wollen. 

Der nächste Angriff kommt bestimmt

Wenn sich mit Constanze Kurz und Frank Rieger zwei Sprecher des Chaos Computer Clubs  zusammentun, um über die Gefahren aus dem Netz zu informieren, wissen sie, wovon sie sprechen. Die ausgewiesenen Sicherheitsexperten schildern sehr sachlich und fundiert, wie verwundbar die Software und Hardware ist. Das macht das Ganze so erschreckend, weil fast jeder Lebensbereich eines jeden Menschen betroffen ist, der Strom aus der Steckdose nutzt, sich Geld aus dem Automaten zieht oder mit der Bahn zur Arbeit fährt. So erfährt der Leser, wer uns bedroht und was man tun kann und muss, um unsere Daten, unser Geld und unsere Infrastruktur zu schützen.

Constanze Kurz, Frank Rieger: Cyberwar – Die Gefahr aus dem Netz. Wer uns bedroht und wie wir uns wehren können. C. Bertelsmann Verlag, München, 2018. 288 Seiten, 20 Euro. 

Kurz/Rieger
© C. Bertelsmann
Kurz/Rieger


Lebenswerte Vernetzung

Alle reden von der Smart City, aber keiner weiß so recht, wie wir ein modernes Miteinander vieler Menschen auf engem Raum erfolgreich organisieren. Zu- oder Abwanderung, Energie- und Ressourcenknappheit, Luftverschmutzung oder Überlastung der Infrastruktur sind nur einige Beispiele für zentrale Anforderungen auf dem Weg zur Moderne. Die Wissenschaftler Oliver Gassmann, Jonas Böhm und  Maximilian Palmié tragen viele Fakten wie auch konkrete Handlungsanweisungen zusammen, um Praktikern und Interessierten Ideen und Inspiration zu liefern. 

Oliver Gassmann, Jonas Böhm, Maximilian Palmié: Smart City. Innovationen für die vernetzte Stadt – Geschäftsmodelle und Management. Hanser Verlag, München, 2018. 273 Seiten, 48 Euro. 

Smart City
© Hanser
Smart City


Arbeiten, um zu leben

Man dachte fast schon, dass das Thema Work-Life-Balance abgefrühstückt ist, weil zufriedene Mitarbeiter zwar nachweislich erfolgreicher sind, aber die altertümlich denkenden Chefs oft nicht mit der modernen Personalführung mitkommen. Der Autor Axel Mengewein schaut sich aber einmal genauer an, welche Argumente sowohl aus Sicht des Arbeitnehmers als auch Arbeitgebers für Teilzeit sprechen. Für die Leser, die schon länger mit einer Reduzierung der Arbeitszeiten liebäugeln, beantwortet er zudem konkrete Fragen, beispielsweise wer wann wie in Teilzeit gehen kann, und gibt Tipps für das Gespräch mit dem Vorgesetzten. Darüber hinaus gibt er Tipps, wie Arbeitnehmer eventuellen Existenzängsten begegnen können, die mit dem Thema Teilzeit noch immer verbunden sind.

Axel Mengewein: Halbe Arbeit – ganzes Leben. Arbeite so wenig, wie du willst. Das Teilzeit-Manifest. Ariston, München, 2018. 192 Seiten, 16 Euro.

Ich wollt, ich wär kein Huhn

Sicher, die Zahl der Konsumenten, die die klassische landwirtschaftliche Tierhaltung kritisch hinterfragen, ist noch niedrig. Aber sie werden mehr, wie man auch an dem Unverständnis der immer wieder aus politischem Kalkül aufgeschobenen verpflichtenden Betäubung von Ferkeln bei der Kastration sieht. Das Buch beleuchtet die die Argumente in den Diskussionen im Spannungsfeld der großen Herausforderungen Tierwohl, Klimawandel, Umweltschutz und Ökonomie. So kann der Leser eine eigene und vor allem auf Fakten beruhende  Meinung zur Haltung von Geflügel, Rindern und Schweinen entwickeln. Das kann durchaus  dazu führen, dass sich das Konsumverhalten des Lesers ändert, aber die promovierte Tierärztin macht auch Vorschläge, wie wir zu einer gesamtgesellschaftlich akzeptablen Nutztierhaltung kommen können.

Cornelie Jäger: Die Sache mit dem Suppenhuhn. Wie landwirtschaftliche Tierhaltung endlich allen gerecht wird. Ulmer, Stuttgart, 2018. 336 Seiten, 18 Euro. 

Cornelie Jäger
© Ulmer
Cornelie Jäger


Kurzweilige Denkanstöße für jede Woche 

Mit Zitaten ist es ja immer so eine Sache: Bei Vorträgen hören sie sich super an, im Internet stimmen sie oft nicht und im wahren Leben kann man sie vielleicht mal zitieren und schlau tun, aber die Umsetzung im Alltag gestaltet sich dann schon schwieriger. "Ein Jahr mit Drucker, Buffett & Co." listet 52 Zitate auf, von denen Manager lernen können. Der Leser bekommt also für jede Woche im Jahr eine Management-Weisheit von Persönlichkeiten wie zum Beispiel Max Weber, Jeff Bezos und Henry Ford ans Herz gelegt, aber auch von Menschen wie Robert Frost und Elvis Presley. Der Wirtschaftsprüfer James McGrath erläutert
auf 2-3 Seiten, was das jeweilige Zitat bedeutet, wie man es im (Berufs-)Alltag nutzen kann und welche Fragen man sich stellen sollte. 

James McGrath: Ein Jahr mit Drucker, Buffett & Co. 52 zeitlose Management-Weisheiten für die tägliche Businesspraxis. Wiley-VCH Verlag, Weinheim, 2018. 245 Seiten, 19,99 Euro. 

James McGrath
© Wiley-VCH
James McGrath