Für Thilo Haas ist Amazon unverbesserlich gut und daher erfolgreich. Trotzdem sieht der Chef des Onlinemöbelhändlers Connox die Zukunft des Internetgiganten skeptisch - aus einem einfachen Grund. 

Thilo Haas hat anstrengende Wochen hinter sich, aber seit einer Weile ist er wieder entspannt. Denn die Suche nach einem Investor haben er und ein Geschäftspartner Kristian Lenz erfolgreich abgeschlossen. Der Hannover Beteiligungsfonds der hannoverimpuls GmbH und die BeteiligungsKapital Hannover der Sparkasse investieren 2,5 Millionen Euro in den Online-Shop für Wohndesign. "Wir haben nach Investoren gesucht, die als Minderheitsgesellschafter partnerschaftlich unsere Strategie verfolgen und menschlich zu uns passen", sagte Haas nach dem Deal.

2,5 Millionen Euro - das ist viel zusätzliche Finanzkraft für ein Unternehmen mit rund 20 Millionen Euro Umsatz. Gegründet 2005 von Haas und Lenz und als Zweimann-Betrieb in einer ehemaligen Postfiliale, heute angewachsen auf eine Firma mit über 125 Mitarbeitern und einer schicken Zentrale in Hannover.

Der Online-Möbelhandel wächst mittlerweile kontinuierlich, Connox will mitwachsen - und dabei das Premiumsegment besetzen. Connox steht für Design, "und dieses Thema hält alles zusammen", hat Thilo Haas einmal gesagt. Der Möbelhändler aus Hannover bedient den gehobenen Geschmack, den Kenner, der beraten werden möchte. Und deswegen hat Thilo Haas vor Amazon auch keine Angst. 

Herr Haas, wie war Ihre erste Begegnung mit Amazon?

Thilo Haas: Gute Frage… Da muss ich erst in mein Konto hineinschauen, was ich zuerst dort bestellt habe. Geben Sie mir bitte eine Minute. Jetzt habe ich es gefunden: Das war im Januar 2007 ein Abus-Bügelschloss für mein Fahrrad - das habe ich heute noch, und mein Fahrrad auch (lacht).

Wie hat Amazon Sie persönlich und Ihr Unternehmen verändert?
Auch keine einfache Frage. Was Amazon auf jeden Fall geprägt hat, ist die konsequente Kundenzentrierung. Durch den hohen Servicegedanken haben sie das Einkaufsverhalten und -erlebnis verändert. Das betrifft die Erwartungen der Kunden an den Onlinehandel allgemein und damit auch an uns. Privat nutze ich Amazon regelmäßig. Alles, was ich schnell brauche, bestelle ich dort. Aber ich bestelle auch gerne in anderen Online-Shops, um deren Prozesse kennenzulernen. Letztlich kaufe ich im Internet ein, weil es bequem ist. 

"Das gewisse Etwas - das kann Amazon nicht leisten."

Thilo Haas, Connox
 Wo steht Amazon in zehn Jahren?
Ich glaube, dass Amazon immer mehr in den Fokus der Wettbewerbshüter rückt, aufgesplittet werden wird und deswegen nicht mehr so agieren kann wie bisher. Denn jeder weiß ja, dass Amazon nicht nur ein Onlinehändler ist. Das Unternehmen ist Marktplatz, Systemanbieter, es bietet Streaming-Dienste an - verknüpft alles miteinander. Ich glaube, ein derart umfassendes Angebot eines Unternehmens wird es in Zukunft nicht mehr geben.
Connox-Großraumbüro: Kühles Design in Hannover
© Connox
Connox-Großraumbüro: Kühles Design in Hannover
 Wo steht Ihr Unternehmen in zehn Jahren?
Ich hoffe doch sehr, dass wir dann der europäischer Onlinemarktführer für Premiummöbel sind. Dafür arbeiten wir jeden Tag sehr hart.

Was machen Sie besser als Amazon?
Wir schaffen ein individuelleres Einkaufserlebnis. Amazon ist gut für Produkte, die man kann kennt, für die der Kunde keine besondere Beratungsqualität benötigt. Aber sobald das gewisse Etwas gefragt ist, sobald ein Kunde Emotionen sucht, dann kann das Amazon nicht leisten - wir aber schon. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass Connox neben Amazon auch in zehn Jahren noch erfolgreich bestehen wird.

 
Wenn Sie einen Tag lang Amazon-Chef sein dürften – was würden Sie anders machen?
Nichts. Amazon ist extrem erfolgreich - warum sollte ich daran etwas ändern?

Was bestellen Sie privat bei Amazon?
Zum Beispiel Abus-Bügelschlösser (lacht). Grundsätzlich bestelle ich bei Amazon alles, was ich zeitnah brauche. Für Bücher gehe ich jedoch gerne ins Geschäft, um den lokalen Buchhandel zu unterstützen. Wenn wir mal die Lebensmittel weglassen, bestelle ich 80 Prozent generell online. 

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