Während stationäre Händler alles tun, um laufende Kosten zu senken, blasen andere zum Angriff im Netz. Jetzt in die Zeit nach Corona investieren, ist die Devise von Frank Thelen. Doch für viele geht's erstmal um das Überleben in der Gegenwart.

///// Finanzen
KfW-Corona-Hilfe
Bis zum 1. April sind bei der KfW 2.432 Kreditanträge von Unternehmen eingegangen mit einem Gesamtvolumen von knapp 10 Milliarden Euro. Das Gros der Unternehmen fragt ein Kreditvolumen bis 3 Millionen Euro nach. "2.100 Anträgen mit einem Volumen von 750 Millionen Euro konnte bereits eine Zusage erteilt werden", erklärte Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe anlässlich der heutigen Pressekonferenz. Im April wird mit einer weiter stark wachsenden Nachfrage mit insgesamt bis zu 50 Millarden Euro gerechnet. Ab 6. April soll es möglich sein, nach Antrag innerhalb von maximal drei Tagen das Geld auszuzahlen.

///// Branche & Politik
Hellofresh beflügelt
Es wird mehr zu Hause gekocht in diesen Zeiten. Hellofresh profitiert davon und rechnet im ersten Quartal mit einem Umsatz von 710 Millionen Euro. Das wäre ein Plus von mehr als 60 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Aktie legte seit dem 24. Februar um 30% zu.

Bitte keine Miete mehr
Für stationäre Händler ist das derzeit einer der wichtigsten Ziele: vorübergehend keine Miete zahlen. 80% der Unternehmer haben deswegen bereits ihren jeweiligen Vermieter kontaktiert, heißt es in einer Untersuchung des EHI Retail Institutes und dem German Council of Shopping Places. Wenn man so will, ist das der gesamte deutsche Non-Food-Handel, denn die übrigen 20% betreffen die Branchen Lebensmittel und Drogerie, die weiterhin geöffnet haben. Die Umfrage zeigt, dass die Händler nicht erfolglos sind, denn 49 Prozent konnte die komplette Aussetzung der Miete erwirken, 35 Prozent die Stundung der gesamten Miete. Das EHI befragte 51 Unternehmen, die insgesamt rund 20.000 Filialen betreiben.

Ebay Up&Runinng
In Nordamerika startet Ebay heute das Programm "Up & Running". Damit soll Händlern die bislang ohne E-Commerce-Präsenz sind in Coronazeiten der Einstieg in den Online-Verkauf erleichtert werden. Neue Geschäftskunden können den eBay-Basisshop über drei Monate kostenlos nutzen. Zudem wird Ebay diesen neuen Unternehmen die Verkaufsgebühren für bis zu 500 Artikel erlassen. Für dieses Programm hat Ebay 100 Millionen Dollar zur Unterstützung kleiner Unternehmen zusagt.

Otto wächst nach Plan
Das Versandhaus Otto hat im Geschäftsjahr 2019/20 ein Umsatzplus von neun Prozent auf 3,5 Milliarden Euro erwirtschaftet. Auch bei den Hamburgern ist aktuell die Nachfrage „sehr heterogen und volatil", die jedoch „temporär für leichte Umsatzzuwächse“ gesorgt habe. Einen "generell anhaltenden Trend für die weitere Geschäftsentwicklung" will das Unternehmen nicht ableiten. Die Entwicklung vom Onlinehändler zur Plattform wird weiter forciert. Man sei in der Lage, Marken und Händler automatisiert auf otto.de anzubinden. In den kommenden Monaten will Otto rund 1000 Partner live schalten, die dann nach Anmeldung binnen zwei bis drei Tagen ihre Sortimente online auf otto.de anbieten können.

Konkurrent TikTok
YouTube hat mit TikTok einen inzwischen mächtigen Konkurrenten im Bereich Kurzvideos und UGC bekommen. Youtube will das Feld offenbar nicht allein dem Newcommer überlassen und plane nun mit einem Feature namens Shorts darauf reagieren.

Die Zukunft gehört E-Commerce
„Der stationäre Handel wird zunehmend verschwinden, E-Commerce wird Alltag ergänzt durch Flagshipstores“, so die Prognose von Frank Thelen als Keynote-Speaker anlässlich eines Videowebinars am 2. April. Aktuell beschert die Coronakrise Online-Händlern zusätzlichen Traffic.  „Der Wirtschaft in Deutschland geht es grundsätzlich gut, deshalb glaube ich, dass sie sich nach einer Phase von sechs bis neun Monaten relativ schnell erholt“, erklärt Frank Thelen. Deshalb investiert er in seinem Unternehmen Freigeist in neue Mitarbeiter und Marketingkooperationen für die Zukunft.


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