Mit zahlreichen neuen Modellen vom Mercedes-Benz Sprinter über Peugeot Partner, Citroen Berlingo und Opel Combo befeuert die Automobilindustrie den ohnehin boomenden Markt für leichte Nutzfahrzeuge. Die sollen künftig mit der Unternehmens-IT kommunizieren.

 
Es gehört fast schon zum festen Ritual: In den ersten Monaten des Jahres überschlagen sich die Hersteller leichter Nutzfahrzeuge in schöner Regelmäßigkeit mit Rekordmeldungen. Erst verkündete die Vansparte von Mercedes-Benz für 2017 mit mehr als 401.000 Einheiten und einem Verkaufsplus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein neues Allzeithoch. Prompt folgte auch von Volkswagen ein Jahresbestwert: 497.900 Caddy, Crafter und Co. seien weltweit ausgeliefert worden. 4,2 Prozent mehr als 2016 - und natürlich so viele wie noch nie in einem Jahr. Auch Ford und die französische PSA-Gruppe mit den Marken Peugeot und Citroen freuen sich im Zuge der anhaltend stabilen Wirtschaftslage und des boomenden Onlinehandels über stetig wachsende Transporterzahlen. Die Absatzerfolge der Hersteller schlagen sich auch im deutschen Nutzfahrzeugmarkt nieder: 483.417 Neuzulassungen haben die Analysespezialisten von Dataforce für 2017 ermittelt – ein Plus von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und, klar, ein neuer Bestwert seit Beginn der Dataforce-Erhebungen 2001.

Für das laufende Jahr erwarten die Analysten erneut Rekordzahlen

Die Frankfurter Forscher erwarten für das laufende Jahr gleich den nächsten Rekord, denn jetzt befeuert die Automobilindustrie den Boom endlich auch wieder mit zeitgemäßen Innovationen.

Digitalisierung und Urbanisierung stellen Unternehmen und Fuhrparkbetreiber schließlich vor neue Herausforderungen. Kurze Lieferfristen, flexible Lieferfenster und hoher Kostendruck prägen den Markt bei Kurier-, Express- und Paketdiensten. Im Onlinehandel gehört die Über-Nacht-Belieferung zum Standard, das Ausliefern der Ware noch am Tag der Bestellung, wie etwa bei Lebensmitteln, gewinnt immer mehr an Bedeutung.

Um in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld zu bestehen, muss die Flotte stärker in die Unternehmensprozesse integriert werden. Entsprechend wächst das Aufgabenfeld für intelligente Fahrzeuge. Sie wandeln sich vom reinen Transportvehikel zur Plattform für Logistikkonzepte. Gefragt sind: Flexibilität, die Einbindung in die IT-Infrastruktur sowie in die Warenwirtschaftssysteme und nicht zuletzt lautlose und lokal emissionsfreie Elektroantriebe.

Internetvernetzung ist das Thema

Keine Frage: 2018 wird ein bedeutendes Transporterjahr! Dafür sorgt schon allein die dritte Sprinter-Generation von Mercedes-Benz, die in diesen Tagen Weltpremiere feierte, ab Juni ausgeliefert wird und all die neuen Anforderungen erfüllen soll: "Mit ihm läuten wir das digitale Zeitalter in dieser Fahrzeugklasse ein", weckt Vanchef Volker Mornhinweg jedenfalls große Erwartungen. Schließlich habe der Konzern satte 2,5 Milliarden Euro in die Erneuerung des Segmentführers investiert. Die Preisliste beginnt bei 19.990 Euro (ohne Mehrwertsteuer).

Zu den wichtigsten Sprinter-Neuerungen gehört die Internetvernetzung. Die neuen webbasierten Dienste unter dem Namen "Pro conncet" bilden zusammen mit dem ebenfalls völlig neuen Multimediasystem die Basis für aktuelle Logistik- und Transportanforderungen und sollen sowohl für das Management einer Großflotte als für den Fuhrpark von Kleinunternehmen dienen.

Der Fuhrparkmanager kann sich mit allen Fahrzeugen und Fahrern seiner Flotte verbinden. Damit können online Aufträge gesteuert und Fahrzeuginformationen wie Standort, Kraftstoffvorrat oder Wartungsintervalle nahezu in Echtzeit abgefragt werden. Zum Marktstart werden acht Pakete mit zentralen flotten-, fahrzeug-, fahrer- und standortbasierten Diensten eingeführt. Dazu zählen beispielsweise Fahrzeugstatus, Fahrzeuglogistik, Wartungs- und Unfallmanagement sowie ein digitales Fahrtenbuch. Und auch eine Variante mit Elektroantrieb ist in Arbeit.

Der Konter aus Hannover kommt aber auch hier unmittelbar. In der zweiten Jahreshälfte soll der Volkswagen e-Crafter seine Probezeit bei ausgewählten Kunden erfolgreich absolviert haben und dann als rein batterieelektrisch betriebener Kastenwagen in der Klasse bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht verstärkt an den Start gehen.

Marketing- und Vertriebsvorstand Heinz Jürgen Löw erhofft sich "zusätzliche Chancen im urbanen Liefer- und Dienstleistungsverkehr." Die Niedersachsen wären damit ein Jahr früher am Markt als der für 2019 angekündigte E-Sprinter.

Premierenfieber auch in Paris: Nach gefühlt "ewig" langer Bauzeit erneuern die Schwestermarken Peugeot und Citroen bis zum Sommer ihre Stadtlieferwagen Partner und Berlingo. Das baugleiche Duo soll dem Vernehmen nach mehr Stauraum als die rund zehn Jahre lang produzierten Vorgänger bieten - und erhält noch einen Bruder.

Auf der gleichen technischen Basis läuft künftig auch der Opel Combo, den die jetzt zum PSA-Konzern gehörenden Hessen in den vergangenen Jahren bei Fiat zugekauft hatten. Ford, beflügelt durch eine 2012 gestartete Produktoffensive zuletzt Shootingstar in der Szene, wertet nach dem Transit Custom ab "Mitte des Jahres" den kleineren Connect auf. Konsequent entrümpeln die Kölner, die hierzulande 2017 ihr bestes Verkaufsergebnis seit mehr als 30 Jahren feierten, auch bei ihrem Stadtlieferwagen das Cockpit und setzen auf modernes Interieur. Zudem hält ein 1,5-Liter-Dieselmotor mit optionaler Achtgang-Automatik Einzug. Auch der nochmals kleinere Courier kommt bei den Renovierungsarbeiten alsbald noch an die Reihe.

Fiat hat E-Food im Blick

Fiat erweitert das Angebot von Komplettaufbauten um eine weitere Lösung für die Frischdienst- und Pharmabranche. Auf Basis der Modelle Ducato, Talento und Doblò Cargo stehen ab sofort ab Werk Umbauten vom hessischen Ausbaupartner Winter-Kühlfahrzeuge zur Verfügung, die für Lieferungen mit temperatursensiblem Frachtgut ausgelegt sind. Je nach Variante ist der "Pharma- plus Frischdienstumbau" für eine wählbare Temperatur zwischen null und plus 25 Grad im Laderaum ausgelegt.

Zudem haben die Italiener in Kooperation mit dem französischen Antriebsspezialisten Dangel einen Ducato 4x4 aufgelegt. Der Aufpreis der allradgetriebenen Basisversion auf das entsprechende Serienmodell mit 2,3 Liter Dieselmotor (96 kW/130 PS) beträgt mindestens 7.550 Euro (ohne Mehrwertsteuer).MEHR ZUM THEMA

© DPD
Fuhrpark & Logistik

5 Szenarien: So autonom kommen die Pakete ab 2020


 Innovationsprojekt Cayu von Opel: Mit wenigen Klicks können vorkonfigurierte Autos vor Ort oder zuhause bestellt werden – Video-Identifizierung und „eSigning“ (Online-Vertragsunterzeichnung) inklusive, weitere Beratung gibt es im Einkaufszentrum
© Opel
Fuhrpark & Logistik

Autohersteller im Web: Aus Testshops werden Dauerlösungen


Autonomer LKW von Einride
© Einride
Fuhrpark & Logistik

Logistik in der Krise: Diese Trends müssen 2018 auf die Straße