Metro-IT-Chef Timo Salzsieder über die Anforderungen an einen internationalen Konzern, die Zusammenarbeit mit Google und Dauerbrenner bei dem Thema Innovation. 


Herr Salzsieder, die Metro ist in 25 Ländern aktiv. Was ist daran besonders herausfordernd?
Diese 25 Länder haben geographisch und kulturell bedingt sehr unterschiedliche Anforderungen. Diese zentral abzubilden ist relativ schwierig.

"In Asien bezahlt ein 75 Jahre altes Mütterchen selbstverständlich mit ihrem Handy im Laden."

Wir sind permanent in dieser Balance, die Wünsche der Länder zu erfüllen und passende Services bereit zu stellen und gleichzeitig Synergieeffekte und eine gewisse Standardisierung zu haben. 
 Wo gibt es die größten Unterschiede?
Zum Teil sind es komplett andere Geschäftsmodelle. Asien ist beispielsweise B2C-lastig und das Thema Mobile ist ein ganz anderes. Da bezahlt ein 75 Jahre altes Mütterchen selbstverständlich mit ihrem Handy im Laden. In Deutschland ist das eher schwierig. Dann haben wir verschiedene Zielgruppen, in manchen Ländern sind wir stark auf HoReCa ausgerichtet, also Hotels, Restaurants und Caterer, in anderen eher auf den klassischen Einzelhändler, wie zum Beispiel den Kioskbesitzer. Wir haben also sehr unterschiedliche Nutzergruppen in den Ländern, die wir bedienen wollen. Daher sind die Anforderungen an die IT sehr komplex.
 Wie kann der Konzern von dem innovationsfreudigen China profitieren? Die Innovationen im Handelsumfeld kommen heute nicht mehr aus den USA, sondern aus Asien. Die Zeiten, in den Chinesen kopiert haben, was aus dem Westen kommt, sind vorbei. Dort sind sehr viel Innovation und Know-how vorhanden, auch wenn die rechtliche Basis im Hinblick auf Daten ganz anders ist. Themen wie die Datenschutzgrundverordnung kosten viel Kraft, auch wenn ich sie inhaltlich für richtig und wichtig halte. 

In China gibt es schon viele autonome Supermärkte, also komplette Selbstbedienung. Wie ist die Metro da in Europa aufgestellt?
Bei dem Thema müssen wir uns nicht verstecken. Zum Beispiel haben wir in Tschechien Möglichkeiten zum Self-Checkout installiert, die es so in China noch gar nicht gibt. 

 
Sie arbeiten eng mit Google zusammen. Wie kann man sich das vorstellen?
Mit Google vernetzen wir uns sehr stark, schicken Leute nach Kalifornien zu Google-Konferenzen und haben direkten Kontakt mit deren Entwicklungsabteilung. Wir nutzen inzwischen auch einen großen Teil der Google-Infrastruktur, in Form der Google Cloud, flächendeckend. Wir sind sowohl mit Industriepartnern als auch Dienstleistern im intensiven Austausch, um Innovation voranzutreiben, Methoden auszutauschen und gemeinsam Produkte zu entwickeln.
 
Wie sieht Ihre IT-Strategie für die Zukunft aus? 
Wir wollen uns weiter ausdehnen, zum Beispiel kommen in China und Rumänien weitere Standorte hinzu. Wir werden Standorte wie Berlin und Düsseldorf mit weiteren Mitarbeitern stärken. Wir investieren zudem stark in Innovationsthemen, um die Zukunft des Handels mitzugestalten, und wollen ein sehr gut ausgestatteter Omnichannel-Händler werden.

Welches ist das derzeit wichtigste Innovationsthema?
Immer noch Daten. Wir sitzen auf einem Schatz von Daten. Aufgrund unseres Prozesses, dass man sich am Eingang mit der Metrokarte identifizieren muss, wissen wir viel über unsere Kunden und wollen dies nutzen. Zum Beispiel mit personalisierter Kommunikation und bedarfsgerechter Aussteuerung des Sortiments. In dem Umfeld können wir noch sehr viel machen.

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