Am 31. März 2021 tritt die TSE-Pflicht in Kraft. Kai Jungclaus, Principal bei Diebold Nixdorf, meint, dass Unternehmen noch deutlichen Nachholbedarf haben und gibt Tipps zur Umsetzung der Verordnung.

Wo stehen Unternehmen aktuell in Sachen Technische Sicherheitseinrichtung (TSE)?

Kai Jungclaus: Bei der Umsetzung der Kassensicherungsverordnung (KassenSichV) in Deutschland ergibt sich ein uneinheitliches Bild und zwar in allen betroffenen Segmenten. Lebensmittelhandel, Mode, Gastronomie, Tankstellen, DIY – viele Entscheider haben die Projekte früh beauftragt und sind jetzt rechtssicher aufgestellt. Branchen-Insider gehen aber davon aus, dass zum 1. Januar 2021 nicht einmal die Hälfte der Kassen in Deutschland mit einer Technischen Sicherheitseinrichtung (TSE) ausgestattet war.

Wie funktioniert eine lokale TSE-Lösung in der Praxis?

Jungclaus: Vereinfacht gesagt: Die POS-Software nimmt Kontakt mit der TSE auf und erhält die notwendigen Signaturen zurück. Zusammen mit den POS-Software-Transaktionsdaten wird dann die geforderte „Steuerdaten-Datei“ erstellt (Stichwort: DSFinV-K). Lokale TSE sind schnell und sicher, da sie in die Kasse eingebaut oder als USB-Stick eingesetzt werden. Auch die „TSE Server“-Variante für eine hohe Anzahl von Kassen im Check-out oder zur Bedienung von mobilen Kassen über das WLAN benötigt keine Internet-Verbindung. Die ersten lokalen Lösungen wurden im Dezember 2019 durch das BSI zertifiziert und bieten seither Rechtssicherheit und Verfügbarkeit. Die lokalen TSE-Lösungen von Diebold Nixdorf sind unter anderem bei Ikea, McDonalds und Bünting im Einsatz.

Funktionieren Ihre TSE-Lösungen an allen Kassen und mit jeder Kassensoftware?

Jungclaus: Ja. Der integrierte Webservice erlaubt eine Integration in POS-Applikationen auf verschiedenen Plattformen. Unabhängig von der Programmiersprache der Applikation beinhaltet das Systemkonzept eine klare Trennung zwischen TSE-Service und Applikation. Wir arbeiten mit mehreren Softwareanbietern und IT-Dienstleistern als Partner zusammen. Unsere Lösung ist offen konzipiert. Neben Windows Clients sind auch Linux und andere Betriebssysteme unterstützt.

Benötigten die Installation oder die Updates einen Techniker vor Ort?

Jungclaus: Nein. Die Inbetriebnahme der TSE-USB kann nach Anleitung durch eigene Mitarbeiter vorgenommen werden. Dazu muss man kein IT-Experte sein. Oder man bestellt neue Kassen gleich mit TSE „on Board“. Möglich ist auch ein Rollout-Management über die Diebold Nixdorf Services. Für die Inbetriebnahme der „TSE-Connect-Box“ im Serverraum wird dies in der Regel gewählt. Updates können ebenfalls per Remote-Zugriff erfolgen. Ein Monitoring, wie es Diebold Nixdorf als Standard für seine Lösungen anbietet, kann zusätzliche Sicherheit ermöglichen.

Mit welchen Kosten rechnet man für eine lokale TSE-Lösung?

Jungclaus: Die TSE-Lösungen von Diebold Nixdorf haben eine zertifizierte Laufzeit von bis zu sieben Jahren. Legt man die Kosten auf 84 Monate um, liegen diese pro Kasse und Monat unter 2,50 Euro.

Kann ein Steuerpflichtiger jetzt noch rechtzeitig und rechtssicher fertig werden?

Jungclaus: Das ist eine Herausforderung, aber zu schaffen. Denn im Zusammenspiel mit jeder TSE-Lösung muss die Digitale Schnittstelle der Finanzverwaltung für Kassensysteme (DSFinV-K) realisiert werden. In vielen Projekten war das das „Bottleneck“, und weniger die technische TSE-Integration. Manchen Steuerpflichtigen wird es noch gelingen, zeitgerecht fertig zu werden. Wer weiß, dass die Umsetzung nicht fertig sein wird, dem bleibt nur eins: Um möglichen Sanktionen zu entgehen, ist die Mindest- Voraussetzung, eine TSE-Lösung bestellt zu haben und die Art der Integration im Unternehmen in der vorgeschriebenen „Verfahrensdokumentation Kasse“ prüfbar hinterlegt zu haben.