Viele reden über smarte Ideen, die dem Kunden das Einkaufen erleichtern sollen. Dabei gibt es auch allerhand kluge Konzepte, die dem Händler im Hintergrund das Leben leichter machen.

Oft werden bei dem Thema Smart Store Projekte betrachtet, die die Interaktion mit dem Kunden fokussieren. Etailment hat sich daher einmal umgeschaut, wie man operative Prozesse durch den Einsatz von Internet of Things und Künstlicher Intelligenz optimieren kann.

Smarte Bestände: Adler Modemärkte

Bestandsmanagement mit Hilfe von Kamerabildern, kluge Auswertung per Künstliche Intelligenz: Händler können die Software für das "Inventory Monitoring" auf Mitarbeiter-Smartphones installieren oder gleich einen Roboter damit ausstatten, der Regallücken identifiziert. Denn Lücken sind teuer: Einen Artikel der nicht da ist, kann der Händler nicht verkaufen und der Kunde, der vor dem leeren Regal steht ärgert sich vielleicht so sehr, dass er nie mehr wiederkommt.
Tory zählt bei Adler Modemärkte
© Metra Labs /Adler Modemärkte
Tory zählt bei Adler Modemärkte

Zum Beispiel bei Adler Modemärkte hat Tory kürzlich die Probezeit überstanden. Nach der 2015 begonnenen Pilotphase in fünf Filialen will Adler den von MetraLabs entwickelten Serviceroboter nun dauerhaft einsetzen.

"Tory hat seine Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit unter Beweis gestellt", sagt Carmine Petraglia, Chief Commercial Officer der Adler Modemärkte AG. Der Serviceroboter werde von April bis August 2019 in 40 Filialen ausgerollt. Danach sollen alle baulich geeigneten Märkte für die automatisierte Bestandsaufnahme ausgestattet werden.

Inventurroboter Tory bei Adler Modemärkte

Das Handelsunternehmen will damit seine Technologieführerschaft weiter ausbauen. Der Textilit war 2014/15 einer der ersten Händler, der Lieferketten und Filialprozesse mithilfe der Funktechnik RFID (Radiofrequenz-Identifikation) optimiert hat. 

"Eine Besonderheit bei uns ist sicherlich, dass solche innovativen Themen durch eigene Ressourcen ausgearbeitet und vorangetrieben werden", berichtet IT-Bereichsleiter Patrick Schiller.

Tory zählt nach Ladenschluss

Tory startet die Bestandsaufnahme nach Ladenschluss, indem er (oder sie?) sich selbstständig durch die Verkaufsfläche bewegt und auf seinem Weg die RFID-Tags der Waren scannt. Er erfasst so die Anzahl und die genaue Position der Produkte, erkennt die Fehlbestände und löst die Nachbestellungen aus. Mithilfe einer Navigationssoftware orientiert sich der Roboter an Regalen und Wänden und weicht Hindernissen aus.

Adler geht von einer durchschnittlichen Nutzung des Roboters von bis zu sieben Jahren aus. Die Kosten für die Einführung werde durch die deutliche Reduzierung der manuellen Tätigkeiten ausgeglichen. Beispielsweise will der Händler komplett auf die Stichtagsinventur durch einen externen Dienstleister verzichten. Den Return on Investment (ROI) will Adler bereits nach anderthalb Jahren erreichen.

Smarte Regale: Kroger

Das von dem amerikanischen Supermarktbetreiber Kroger und Microsoft gemeinsam entwickelte intelligente Regal EDGE Shelf (Enhanced Display for Grocery Environment) ist mit interaktiven Displays entlang der Regalkanten ausgestattet. Diese Displays basieren auf Rückprojektionstechnologie. Das Regal ist mit der Funktechnologie Wi-Fi, Bluetooth Low Energy (BLE) sowie Zigbee als drahtlose Kommunikationstechniken ausgerüstet. Über ein Azure Cloudportal kann Kroger Preise, Werbung, Nachrichten und Produktinformationen an den EDGE-Regalen an allen Standorten verwaltet und in Echtzeit aktualisieren.

Das Regal verfügt ebenfalls über eine Ansicht für Filialmitarbeiter, die damit beim Verkauf unterstützt werden sollen. So können sie beispielsweise mit der Pick-to-Light-Lösung mit Hilfe von blinkenden Regal-Etiketten schneller die online bestellten Waren im Regal finden und sie somit für den Versand schneller kommissionieren. Darüber hinaus helfen Videoanalysen den Mitarbeitern in den Filialen ausverkaufte Produkte in den Regalen zu identifizieren und schnellstmöglich wieder aufzufüllen.

Schneller Picken bei Kroger
© Kroger / Microsoft
Schneller Picken bei Kroger
Mit Hilfe von Azure Artificial Intelligence (AI) können die klugen Regale auch mit der Kroger App (Scan, Bag, Go) verbunden werden, um Kunden weitere Services zu bieten und per Videoanalyse personalisierte Angebote und Anzeigen auf Basis der Kundendemografie präsentieren.

Digital Shelf Edge bei Kroger

Microsoft und Kroger erhoffen mit den Erkenntnissen aus den Daten neue Einkaufserlebnisse für die Kunden und neue digitalbasierte Geschäftsmodelle für Einzelhändler anbieten zu können.

Smarte Maschinen: WMF

Das Internet-of-Things (IoT) kann tumbe Automaten zu smarten Maschinen machen. Ein Beispiel ist die digitale Plattform "CoffeeConnect / Schaerer Coffee Link" des Herstellers WMF, die mehr als 140.000 Kaffeemaschinen anbindet.
Abwarten und Kaffeemaschinen überwachen
© WMF / Schaerer
Abwarten und Kaffeemaschinen überwachen
Die Kaffeemaschine meldet kontinuierlich ihren Zustand und gibt Auskunft darüber, ob ein Bohnenbehälter leer, eine Reinigung erforderlich ist oder die Maschine bald gewartet werden muss. Mithilfe eines Dashboards, das von jedem Smart Device über den Internetbrowser erreichbar ist, sollen Betreiber von Hotels, Restaurants, Cafés, Bäckereien oder Tankstellen so alle Informationen übersichtlich im Blick haben – und mögliche Ausfälle zu Stoßzeiten wie dem Frühstück vermeiden.

Vernetzte Kaffemaschinen bei WMF

Die Dashboards sind zudem je nach Rolle individualisiert: Haustechniker sehen beispielsweise den Wartungsstatus und können eingreifen, wenn es Not tut. Verkaufsverantwortliche sehen hingegen die Auslastung, den Umsatz und welche Produkte sich am besten verkaufen. Dementsprechend können sie aus der Ferne Rabattaktionen starten, die dann auf dem Display der Kaffeemaschinen zu sehen sind.

Smarte Uhren: Steigenberger Hotel

Wem ein Smartphone zu groß oder unhandlich im Filialalltag ist, kann zu Wearables oder klugen Uhren greifen. Das Steigenberger Airport Hotel Frankfurt beispielswiese nutzt Smartwatches von Trekstor zur Optimierung seiner Serviceprozesse. Damit sollen die Servicekräfte des Hotels das Housekeeping und die Wartung der 550 Zimmer und Suiten sowie der 40 Tagungsräume auf der Basis von Echtzeitdaten effizienter planen und auf individuelle Wünsche ihrer Gäste besser eingehen können.
Smartes Housekeeping bei Steigenberger
© Microsoft
Smartes Housekeeping bei Steigenberger
Dazu nutzt Steigenberger smarte Uhren, die mit dem Betriebssystem Windows 10 IoT Core ausgestattet sind, und die mobile Hotel-Software Samfex wearable der Mellex AG.

Mitarbeiter können so ihre Informationen in Echtzeit austauschen und die Serviceprozesse besser koordinieren. Der Rezeptionist kann Informationen wie zum Beispiel den Wunsch nach Gepäckservice sofort an den "Bellboy" weiterleiten oder ein bevorzugt zu reinigendes Zimmer direkt an die Zimmerreinigung. Gleichzeitig kann der Hotelmitarbeiter eine Anfrage nach weiteren Getränken für die Minibar stellen oder durchgeben, dass ein Zimmer bezugsfertig ist.

"Wir sparen durch die direkte Übermittlung dieser Informationen in Echtzeit täglich einige Arbeitsstunden in diversen operativen Abteilungen, und können zusätzlich unseren Gästen einen effizienteren und besseren Service liefern", berichtet Michael Weil, Hotel Manager Operations im Steigenberger Airport Hotel Frankfurt.

Smartes Housekeeping bei Steigenberger

Die Smartwatch kann wahlweise über das Touch-Display, das auch mit Handschuhen bedienbar ist, oder Sprachanweisungen gesteuert werden. Über das integrierte Mikrofon können Voice-Messages verschickt und so beispielsweise Erklärungen zu Reparatur- oder Reinigungsarbeiten im Hotel kurz und präzise an den entsprechenden Mitarbeiter weitergegeben werden.

Ein Lautsprecher und ein starker Vibrationsalarm sollen dafür sorgen, dass dem Nutzer keine Benachrichtigung entgeht. Zur Dokumentation von Schäden oder Defekten steht zudem eine 5-Megapixel-Kamera zur Verfügung.

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