Immer mehr Start-ups tüfteln an Logistik-Dienstleistungen für stationäre und E-Commerce-Händler. Diese spannenden Start-ups bringen Bewegung in die letze Meile - und in die erste Meile.

Sie heißen Flexport, UShip, Uber Freight oder Freighthub und sind dabei, die Logistiklandschaft zu revolutionieren: Wurden in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge hauptsächlich in Start-ups aus dem Umfeld der Personenmobilität wie Uber, BlaBlaCar oder Flixbus investiert, steht nun die Mobilität von Gütern auf dem Plan der Investoren, so eine Analyse der Managementberatung Oliver Wyman. Allein die öffentlich bekannten Finanzierungsrunden von Logistik-Start-ups in den vergangenen zehn Jahren brachten es demnach auf fast elf Milliarden Euro. Im Schnitt wird alle fünf Tage ein neues Logistik-Start-up gegründet. 
Logistik Start-ups
© Der Handel
Logistik Start-ups
Allerdings findet die Finanzierung innovativer Transport- und Logistik-Start-ups bis dato vor allem in den USA und in Asien statt, dort werden jeweils etwa 45 Prozent der globalen Investitionen getätigt. Europa kommt gerade einmal auf fünf Prozent. „Viele Logistiker tun sich schwer, mit dem Tempo der Digitalisierung Schritt zu halten“, beobachtet Max-Alexander Borreck, Principal bei Oliver Wyman. „Start-ups hingegen sind flexibel und müssen nicht auf gewachsene Strukturen Rücksicht nehmen.“ Der Handel stellt ausgewählte junge Unternehmen vor. 

Sennder 

Das Logistik-Start-up Sennder aus Berlin verbindet über eine Softwareplattform Händler und Transportunternehmen. Das im Sommer 2015 von David Nothacker gegründete Start-up wickelt die Transporte ab und arbeitet dafür mit etwa 50 kleineren Unternehmen zusammen, unter anderem auch europaweit mit der Fernbuslinie Flixbus. Sennder holt Pakete bis zu dreimal täglich in dem Warenlager der Händler ab und fährt sie überregional und direkt in die Zielstädte. Die Pakete werden in der Regel vormittags zwischen 9 und 12 Uhr sowie abends zwischen 19 und 22 Uhr an den Endkunden zugestellt.

Cnnct

Noch ganz frisch ist das Start-up Cnnct.cc aus Reichenbach an der Fils: Ende September 2017 will das Speditionsportal starten, das ebenfalls Versender und Logistikunternehmen zusammenbringen will. „Den kleinen und mittleren Unternehmen fehlt schlicht die Zeit und geschultes Personal, um die Beauftragung eines Frachtdienstleisters selbst zu übernehmen“, erläutert Gründer Alexander Berthele. Auf der Seite der Logistikunternehmen gebe es dafür das Problem von zu vielen Leerfahrten. „Sie fahren teilweise hunderte Kilometer ohne Ladung. Genau diesen Leerraum machen wir uns zunutze,“ so Berthele. 

Pamyra

Auch das Erfurter Start-up Pamyra will leere Lastwagen abschaffen: „Wir können mit unserem Konzept viel Luft aus den Lkw lassen“, verspricht Felix Wiegand, der zusammen mit Steven Qual Pamyra entwickelt hat. Versender finden auf der Ende 2015 gegründeten Plattform eine Übersicht relevanter Unternehmer zu ihrer Transportanfrage. Sie können Preise, aber auch Leistungen miteinander vergleichen und die Speditionen sofort verbindlich beauftragen. „Die wichtigste Zielgruppe sind die gelegentlichen Versender oder solche mit sehr unregelmäßigem Aufkommen“, erläutert Wiegand. 

CoCarrier 

Die „Crowdshipping-Plattform“ CoCarrier ist eine Mitfahrzentrale für nationale und internationale Sendungen. Auf der 2016 von Anabel Ternès und Julian Maar gegründeten Onlineplattform treffen sich Reisende, die ungenutzte Stauräume in ihren Koffern oder Autos nutzen wollen sowie Versender, um die Mitnahme von Paketen und Sendungen aller Art zu vereinbaren, durchzuführen und zu bewerten. Findet sich kein passender Crowd-Kurier, bietet CoCarrier die Beförderung auf traditionellem Wege mit dem Logistikunternehmen GLS zu vergünstigten Preisen an. Ähnliche Konzepte haben die Start-ups ÜberBringer aus Berlin und Trunksta aus Düsseldorf. 

Tiramizoo 

Der Pionier der taggleichen Lieferung („Same Day Delivery“) ist das Ende 2010 in München von Michael Löhr, Volker Schneider und Philipp Walz gegründete Unternehmen Tiramizoo. Kunden können online beim lokalen Händler bestellen und die Ware per Klick über den Kurierservice nach Hause liefern lassen. An der Onlinebuchungsplattform für Stadtkuriere sind unter anderem der Automobilhersteller Daimler und der Logistiker DPD beteiligt. Händler wie Conrad, Cyberport, Media Markt und Saturn bieten den Lieferservice in gut 80 Ballungsräumen in Deutschland und Österreich an. 
Liefery sucht Fahrer
© Liefery
Liefery sucht Fahrer

Liefery 

Liefery ist ebenfalls eine digitale Plattform für die taggleiche Belieferung durch den lokalen Einzelhandel. Das 2014 gegründete Berliner Start-up wirbt mit Lieferzeiten von nur 90 Minuten oder in einem frei wählbaren Wunschzeitfenster von einer Stunde. Mit diesem Konzept konnte der von Nils Fischer, Franz-Josef Miller und Jan Onnenberg gegründete Kurierdienst auch Logistiker Hermes überzeugen, der im Frühjahr 2017 die Mehrheit der Anteile übernommen hat. Liefery stellt mittlerweile eigenen Angaben zufolge mit seinem rund 3.500 Kuriere starken Netzwerk monatlich mehr als 500.000 Sendungen zu und bedient neben diversen Einzelhändlern auch Handelsgrößen wie Amazon, Zalando, Gravis und Depot in mehr als 60 Städten in Deutschland und Österreich. 

Seven Senders 

Das 2014 gegründete Berliner Start-up Seven Senders will Lieferungen ins Ausland für Onlineshops preiswerter machen. „Ob für kleine Unternehmen mit 10 Sendungen pro Abholung oder für große mit mehr als 10000 Sendungen pro Tag: Mit unseren Logistik- und Softwarelösungen können Onlineshops ihre Kunden im europäischen Ausland bis zu 30 Prozent günstiger, doppelt so schnell und mit innovativen Zusatzleistungen beliefern“, werben die Gründer Johannes Plehn und Thomas Hagemann. Der Händler kann dabei in jedem Land den Paketdienstleister wählen, der am besten zu seinen Bedürfnissen passt. 
Grenzenloser Versand mit Parcel.one
© Parcel.one
Grenzenloser Versand mit Parcel.one

Parcel.one 

In der Logistik gibt es wie bei den Zahlungsarten große Unterschiede in den lokalen Gewohnheiten und Erwartungen der internationalen Kunden. Micha Augstein und Evgenij Bazenov haben daher im März dieses Jahres Parcel.one gegründet, einen Logistikdienstleister speziell für den grenzüberschreitenden Onlinehandel. „Händler können ihre Kosten für Sendungen ins Ausland signifikant senken“, verspricht Bazenov. „Wir finden den besten Zusteller für den jeweiligen Empfänger im Ausland und binden die Versandabwicklung in die Systeme des Händlers ein.“ Je nach Gewicht und Volumen werde das Paket zum jeweils günstigsten Tarif und / oder optimalen Leistung versendet. 

Shipcloud 

Die cloudbasierte Logistik-Software Shipcloud bietet Händlern eine einfache und einheitliche Schnittstelle zu relevanten Versanddienstleistern in Deutschland, aktuell DHL, Deutsche Post, UPS, DPD, Hermes, GLS, MyDPD Business (iloxx), TNT, FedEx, Liefery und GO! Die Händler können sowohl ihre eigenen Verträge mit den Dienstleistern verwenden als auch die von Shipcloud ausgehandelten Konditionen. Gegründet wurde der „Shipping Service Provider“ im Mai 2013 von Claus Fahlbusch und Stefan Hollmann in Hamburg. 
Fliit kümmert sich um Lebensmittel
© fliit
Fliit kümmert sich um Lebensmittel

Fliit 

Da es kein zufriedenstellendes Angebot für die Zustellung frischer und verderblicher Lebensmittel gab, gründete Flavio Alario 2016 die Plattform Fliit. Seitdem bringt das Berliner Start-up mit seinem selbst entwickelten „Provider Management System“ Lebensmittelhändler mit Lieferanten zusammen. Fliit verfügt über ein Netzwerk aus großen Logistikunternehmen und mehr als 200 lokalen Kurierpartnern in acht deutschen Städten. Die Lieferdaten werden in Echtzeit von Algorithmen ausgewertet und zeigen frühzeitig mögliche Probleme, auf die dann schnell reagiert werden kann. Bisher arbeitet Fliit mit Kunden wie Marley Spoon, Kale&Me und Kochhaus zusammen. 

Byrd 

Das 2016 von Alexander Leichter, Sebastian Mach, Petra Dobrocka und Christoph Krofitsch gegründete Start-up Byrd will Händlern die „erste Meile“, also den Prozess, bis ein unverpackter Gegenstand in den Logistikkreislauf kommt, so einfach wie möglich machen: Anmelden, Kurier anfordern und die Ware übergeben. Alles weitere erledigt das Team von Byrd. Es verpackt die Artikel professionell, ermittelt den günstigsten Versandtarif und bucht den entsprechenden Logistikpartner. Von der Logistiklösung sollen vor allem kleine bis mittelgroße E-Commerce-Unternehmen und der Einzelhandel profitieren, aktuell an den Standorten Berlin und Wien. Bisherige Kunden kommen unter anderem aus den Bereichen Mode, Interior, Elektronik und Lebensmittel. 
Hoard will die Zustellung in der Stadt verbessern
© Hoard
Hoard will die Zustellung in der Stadt verbessern

Hoard 

Hoard wurde 2014 von Anthony Forsans, Johannes Hollmann, Sebastian Obentheuer und Arne Petersen gegründet, um die Logistik in Städten zu vereinfachen und den CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Die Plattform für On-Demand-Lieferungen von Onlinebestellungen arbeitet mit lokalen Geschäften zusammen, in denen Pakete dezentral zwischengelagert werden. Der Kunde kann seine Lieferung von dort per Fahrradkurier anfordern. Mit seinem Netzwerk in mehr als 20 Städten in Europa löst Hoard seit 2015 die Logistik von Schlüsselübergaben für das Vermittlungsportal von privaten Unterkünften Airbnb. In Deutschland ist Hoard in Hamburg, Düsseldorf und Köln verfügbar. Seit diesem Sommer ist das Berliner Start-up Logistikpartner von Modehändler Zalando. 

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