Vernetzung und die immer differenziertere Verarbeitung von Daten ist Teil unseres Alltags. In der automobilen Welt stehen wir noch relativ weit am Anfang, doch die Perspektive ist klar: Das Auto der Zukunft bewegt sich durch eine voll mit ihm vernetzte Umgebung, die Insassen haben im Auto den gleichen Zugriff auf das Internet, wie mit ihrem Smartphone oder Computer. Das hat auch Vorteile für Händler.

Das Fahren in zwanzig Jahren wird mit dem von heute nicht vergleichbar sein, prognostiziert Chad Morley, Vice President, Automotive & Transportation des Elektronikkonzerns Jabil: Es werde ein umfassendes, digital vollintegriertes und individualisiertes Erlebnis sein, das unser Verständnis von Autofahren grundlegend verändern werde.

Experten wie Morley skizzieren eine Mobilitätswelt, die komplett von den digitalen Möglichkeiten geprägt ist: Hier werde Künstliche Intelligenz des Infotainment Systems den Zugriff auf einen virtuellen persönlichen Assistent erlauben, dort die Erfassung und Verarbeitung der telemetrischen Daten eine Auswertung des Fahrverhaltens, sei es, um die Versicherungsbedingungen zu optimieren oder mehr zu erfahren, wann und wo Menschen fahren.

Fahrzeuge werden smarte Endgeräte

Das Bewusstsein, dass im Internet der Dinge Fahrzeuge die smartesten Endgeräte werden könnten, hat die Automobilindustrie längst erreicht. "Viele haben Angst vor dem Niedergang der Autoindustrie, doch hier entsteht gerade ein neuer Milliardenmarkt, und der Schlüssel zu dieser Party ist Software", zitiert die Süddeutsche Zeitung im März Dieter Zetsche.
Die Aussage des seinerzeit noch amtierenden Daimler-Chefs wird indirekt von VW-Konzernchef Herbert Diess bestätigt – "Die Autos der Zukunft werden sich immer mehr über ihre Software-Fähigkeiten differenzieren." – und durch McKinsey untermauert: Software werde künftig 30% des Werts eines Fahrzeugs ausmachen (heute 10%); elektronische und elektrische Komponenten weitere 25%.  


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Mobilitätsdienstleistungen

So fahren Unternehmen in die Zukunft

Doch bis zur vollständige Konnektivität ist es noch ein weiter Weg, den die Automobilhersteller nicht alleine gestalten können: In einem intelligenten Verkehrssystem sind Verkehrsampeln so gesteuert, dass der Verkehrsfluss aller Teilnehmer optimiert und Wartezeiten verkürzt werden. In diesem System werden bestimmte Fahrspuren entsprechend der Ziele der jeweiligen Fahrzeuge zugewiesen. Mit derartigen Systemen wurden laut McKinsey in Buenos Aires bereits die Fahrzeiten von Pendlern um bis zu 20 Prozent verkürzt.

Wenn Autos miteinander reden

Um Echtzeitdaten aus der Fahrzeugelektronik mit den gerade durchquerten Räumen zu vernetzen, bedarf es schnellerer Mobilfunknetze, als wir diese momentan haben. Und auch 5G wird zu langsam sein, wenn es darum geht, Bewegungsdaten unterschiedlicher Fahrzeuge über Fahrbahnverhältnisse, Verkehrsdichte in Echtzeit miteinander in Bezug zu setzen.

Hier muss Car-to-Car (auch Car-to-X) Kommunikation geschaffen werden, in der Fahrzeuge miteinander kommunizieren. Gerade ist ein Pilotprojekt gestartet, in dem Daimler, BMW, Ford und Volvo in Zusammenarbeit mit Here Technologies, TomTom sowie den Verkehrsbehörden sechs europäischer Länder erproben, wie sich Informationen zu akuten Gefahrensituationen in Echtzeit per Car-to-X Technologie weitergeben lassen. Die Versuchsphase ist auf zwölf Monate ausgelegt.

Hier reden die Autos miteinander,
© Daimler
Hier reden die Autos miteinander,

Ein anderer Einsatzbereich ist die Optimierung der Parkplatzsuche. In einer vernetzten Welt informiert die Infrastruktur die Fahrzeuge über verfügbare Plätze. An der Umsetzung arbeitet unter anderem das Parken-Joint-Venture von BMW und Daimler, unter dessen Dach in Europa die Marken Park Now, Parkline, Parkmobile und RingGo gebündelt sind.

Optimierung der Parkplatzsuche

Die Beispiele deuteen die Veränderung an: Datendienste gehören künftig zum Kerngeschäft der Autohersteller, Software wird so wichtig wie der Antrieb. Die Connected Car Innovation Studie 2018 stellt fest, dass viele Original Equipment Manufacturer (dt. Erstaussrüster; OEM)  Vernetzungslösungen mittlerweile fest im Innovationsportfolio eingeplant haben und es nun darum gehe, die Lösungen zur technologischen Reife zu bringen.

Hierfür werden große Budgets bereit gestellt, wie Horizont im Mai berichtete: In den kommenden drei Jahren wolle die Branche etwa 60 Milliarden Euro allein in die E-Mobilität, Digitalisierung sowie vernetztes und autonomes Fahren investieren.

Das Geld ist gut angelegt, sind sich die Berater von McKinsey sicher. Sie prognostizieren, dass die durch Fahrzeuge generierten Daten alleine schon entscheidend dazu beitragen werden, neue Erlöse zu generieren, Kosten zu reduzieren und die Sicherheit zu steigern. Die hierdurch bis 2030 geschaffenen Werte werden weltweit auf 450 bis 750 Milliarden US-Dollar beziffert.

Um einen Wandel dieses Ausmaßes stemmen zu können, gehen die Hersteller gezielt Partnerschaften ein, ziehen auch Wettbewerber an einem Strang. Im Februar fusionierten BMW und Daimler ihre Mobilitätsangebote und gründeten neben dem bereits erwähnten Joint Ventures Park Now noch vier weitere gemeinsame Kooperationen (Reach Now, Charge Now, Free Now und Share Now).

Daten-Übermacht aus dem Silicon Valley trotzen

Doch natürlich sind die großen datengetriebenen Konzerne den Automobilbauern in Sachen Datengenerierung und Auswertung weit voraus. Die Übernahme der ehemaligen Nokia-Tochter HERE durch Audi, BMW und Daimler war ein Versuch, der Daten-Übermacht aus dem Silicon Valley zu trotzen.

Wo der Zugriff auf Know-how nicht direkt erfolgen kann, werden die Tools der Großen genutzt, berichtet soeben die Süddeutsche Zeitung: Microsoft, Amazon und Google haben ihre Cloud-Plattformen mit digitalen Werkzeugkästen angereichert, mit denen Entwickler neue Funktionen in wenigen Wochen realisieren könnten – künstliche Intelligenz inklusive. diese werden auch genutzt, beispielsweise von Renault-Nissan. Andererseits droht hier immer wieder die Gefahr, sich von Plattformkonzernen abhängig zu machen.

In der Welt der Daten gehört die Sicherheit zu den mit Abstand größten Herausforderungen. Je mehr  Rechner in einem Fahrzeug im Einsatz sind, je mehr Schnittstellen es gibt, um so größer ist die Angriffsfläche für Zugriffe durch Hacker. Guido Dornbusch, Vice President Product Management des Technologieunternehmens Laird, hat in einem Gastbeitrag für next-mobility.news das Potenzial von Firmware Over-the-Air (FOTA) beschworen: So könne fortlaufend und schnell mit Patches Schwachstellen ausgebessert, neue Funktionen integriert und kryptografische Verfahren modernisiert werden.

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Die essentielle kryptografische Absicherung der Luftschnittstelle könne beispielsweise durch eine Verschlüsselung mittels TLS-Protokoll erzielt werden. Allerdings, so Dornbusch, bedinge dieses Vorgehen einen ganzheitlichen Ansatz bezüglich der funktionalen Sicherheit und somit eine Abkehr von der Blackbox-Entwicklung von Steuergeräten. Andererseits könnten Fahrzeuge aufgrund neuer Funktionen, die über FOTA aufgespielt werden, im Laufe der Zeit ihren Wert behalten oder sogar an Wert gewinnen. Wer sich die  Entwicklungsgeschichte von Hard- und Software im Consumer-Bereich vor Augen führt, wird  diese Vision als sehr optimistisches, vielleicht sogar phantastisches Szenario bewerten.

Konnektivität ist ein Standardfeature

Und wie steht es um die praktischen Anwendungen in der Gegenwart?

Konnektivität ist ein Standardfeature in vielen Modellen vieler Marken. Die Bandbreite an Services unterscheidet sich jedoch beträchtlich. In der Oberklasse werden Concierge-Services angeboten, können Kino- und Konzertkarten reserviert werden, in anderen Modellen lassen sich allenfalls Smartphones via USB-Schnittstelle oder Bluetooth anbinden. 
Konnektivitätslösungen werden auch in Fahrzeugen für kleine und mittelständische Unternehmen angeboten: Beispiel Mercedes Pro:  Die neue Marke von Mercedes-Benz Vans vereint die Angebote sowie digitalen Dienste und Services von Mercedes-Benz Vans auf einer Plattform.

5G and the Future of Connected Cars



Mercedes Pro startet mit Konnektivitäts- und Flottendienstleistungen und soll schrittweise ausgebaut werden. Angeboten wird die Konnektivitäts- und Flottenlösung Mercedes PRO connect, die, so Mercedes,  Flottenmanager, Fahrer und Fahrzeug intelligent miteinander verknüpft, mit digitalisierten Aufzeichnungen das Fahrtenmanagement vereinfacht und dafür sorgt, dass Werkstattaufenthalte besser geplant, Standzeiten reduziert und so die Auslastung und Zuverlässigkeit der Flotte verbessert werden können.
Mercedes PRO connect ist zunächst für den Vito, eVito und für den Sprinter verfügbar. Das „Internet der Dinge“ kommt immer schneller in Fahrt.

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