Am gestrigen Tag hat sich wieder einiges in Bezug auf die Coronakrise bewegt. Das Kabinett hat die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes beschlossen, zu dem auch die Ausgangssperre ab 21 Uhr gehört. Auf den Handel wird sich diese auf jeden Fall nicht auswirken, denn die Zahl der Geschäfte, die dann noch geöffnet sind, ist verhältnismäßig gering und die Einkaufszahlen im Internet werden auch nicht nach oben schießen, denn für die meisten Verbraucher ändert sich praktisch nichts. Änderungen gibt es dagegen für die Unternehmen, denn sie müssen den Mitarbeitern nach einer neuen Verordnung mindestens einen Test pro Woche anbieten. Dies wird noch für reichlich Ärger sorgen, denn die Kosten müssen die Unternehmen tragen, und besonders kleine Betriebe fragen sich, ob ausreichend Tests verfügbar sind.

///// HANDEL NATIONAL

Hugo Boss baut Online-Handel aus
Hugo Boss macht im Online-Segment keine Pause, das Wachstum soll weitergehen, berichtet die Zeit. Derzeit ist der Modeproduzent und -händler in zwölf Ländern weltweit präsent. Im vergangenen Jahr wurden im virtuellen Handel 221 Millionen Euro erwirtschaftet, bis 2022 wird über das Zwischenziel von 300 Millionen in diesem Jahr dann eine Marke über 400 Millionen angestrebt. Trotz eines deutlichen Wachstums im E-Commerce 2020 lag der Anteil des Gesamtumsatzes bei rund elf Prozent, rund eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr.

Große Marken forcieren den Direktvertrieb

Auf den Handel kommt ein weiteres Problemfeld zu. Die großen Markenhersteller setzten verstärkt auf den Eigenvertrieb, dazu gehörten sowohl eigene Läden als auch eine verbesserte Präsenz im Online-Handel, schreibt Channel Partner. Diese Entwicklung erstrecke sich über fast alle Branchen und die Pandemie habe für einen weiteren Schub gesorgt. Zu den Vorreitern gehöre Adidas, hier solle der Umsatzanteil des Direktvertriebs bis 2025 bei rund 50 Prozent liegen. Miele versuche, die Kunden unter anderem in der Werbung direkt in den Online-Shop zu ziehen, Lego biete bestimmte Produkte nur außerhalb des regulären Einzelhandels an. Auf der anderen Seite gingen die Kunden auch immer stärker auf die Möglichkeit des Einkaufs direkt beim Hersteller ein.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Die Berlin Brands Group setzt die internationale Expansion fort
Die Berlin Brands Group kündigte Anfang Februar Investitionen mit dem Ziel der Marktführung im europäischen Online-Handel an. Mit den im Dezember 2020 gestarteten Investitionen mit einem Volumen von bis zu 240 Millionen Euro will sich der Spezialist im Direct-to-Consumer-Segment nach einer Meldung von Reuters nun auch Richtung USA wenden. Die Darlehen kämen von Unicredit, Deutsche Bank und Commerzbank. Die übernommenen Marken sollen dann neben den 14 Eigenmarken in die eigene Plattform integriert werden, im Fokus stünden Unternehmen, die primär über Amazon vertreiben und einen Jahresumsatz zwischen einer und 100 Millionen US-Dollar erzielen.

Just Eat Takeaway wächst weiter
Der Gegenwind, der dem Essenslieferant Just Eat Takeway immer wieder von Mitarbeitern entgegen weht, die ihm schlechte Arbeitsbedingungen vorwerfen, hat dem betriebswirtschaftlichen Ergebnis nicht geschadet. Im ersten Quartal dieses Jahres stiegen die Bestellungen um 79 Prozent auf 200 Millionen an. Nach Angaben von CEO Jitse Groen ist es für das in Amsterdam ansässige Unternehmen das vierte Quartal in Folge mit positiven Betriebszahlen. Der stärkste Markt war Großbritannien mit einem Plus bei den Bestellungen von 96 Prozent auf 63,8 Millionen. In Deutschland, hier gehört der Dienstleister Lieferando zum Konzern, stieg die Zahl der Bestellungen um 77 Prozent auf 39,2 Millionen. Beim Betriebsfeld, bei denen das Essen anderer Anbieter ausgeliefert wird, zeigt das Wachstum für alle Märkte ein Plus von 198 Prozent auf 69,4 Millionen, in Großbritannien schossen die Zahlen um 695 Prozent auf 22,9 Millionen in die Höhe. In Deutschland ging es um 124 Prozent auf im Vergleich bescheidene 3,1 Millionen nach oben.

Nächster digitaler Schritt für Taco Bell
Die US-amerikanische Restaurantkette Taco Bell eröffnet am heutigen Mittwoch die erste rein digitale Filiale des Unternehmens in den USA, berichtet CNBC. Kunden müssten ihre Tex-Mex-Mahlzeit entweder vor ihrem Besuch des Restaurants am Times Square in New York online bestellen oder an einem der im Haus zur Verfügung stehenden zehn Automaten. Das Unternehmen wolle die Mitarbeiter mit dieser Umstellung auf technische Kundendienstleistungen bei ihrer Arbeit entlasten. Auch solle so die Grundfläche des Restaurants verringert werden und die Länge möglicher Kundenschlangen verkürzt werden. Damit reihe sich das Tochterunternehmen des Konzerns Yum Brands in eine Entwicklung in der Restaurantbranche ein, denn auch Starbucks und Chipotle Mexican Grill hätten erste digitale Standorte eröffnet. Für Taco Bell ist es das zweite Haus, der Start erfolgte vergangenes Jahr im Londoner Stadtteil Wembley.

Wildberries geht in die USA
Der russische Online-Handelskonzern Wildberries geht seinen nächsten Schritt. Nach dem Start in Deutschland im Januar tauchen nun die USA als insgesamt vierzehnter Auslandsmarkt auf der Karte der internationalen Standorte auf, meldet Fashion United. Dafür seien Apps für Android und Apple sowie eine eigene Webseite geplant. Das Produktportfolio werde die Bandbreite von kleinen bis zu globalen Marken abdecken, Partner seien unterschiedliche Lieferanten. Nach Aussage des Development Directors Vyacheslav Ivashchenko sei Wildberries auch für die Zusammenarbeit mit US-Marken kleiner und mittelständischer Unternehmen offen.


///// TRENDS & TECH

Gute Klimabilanz für den E-Commerce
Die Diskussionen über die Klimabilanz des Online-Handels sind ein Dauerbrenner und meist schließen sie mit einem negativen Ergebnis für den E-Commerce. Nun erhält die Branche nach einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman und der Logistics Advisory Experts GmbH, über die Onlinehändler News berichtet, neue Argumente. So läge der CO2-Ausstoß bei im stationären Handel verkauften Artikel um den Faktor 2,3 höher als im Online-Handel. Ein wesentliches Element sei die geringere Fläche, für die Strom aufgewendet werden müsse. Ein Vorteil sei auch die Möglichkeit, den Transport nachhaltiger aufzubauen. Hier bestehe die Chance des Einsatzes elektrischer Fahrzeuge für den gleichzeitigen Transport mehrerer Güter. Wie der Kunde seine Waren nach Hause transportiere, könne der Händler nicht beeinflussen. Die Autoren der Studie betonten, dass Amazon der Auftraggeber der Studie war, aber keinen Einfluss genommen habe.

Städter sparten 2020 mehr
Nach den Ergebnissen einer neuen Studie des Ifo Instituts, der TU München und der Digitalbank N26 haben die Bewohner von Städten im vergangenen Jahr mehr Geld gespart als zuvor. So gingen die Sparquoten in der ersten und zweiten Lockdownphase jeweils um 20 Prozentpunkte in die Höhe. Für die Autoren deutet dies "auf einen massiven Rückstau an Kaufkraft in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und Spanien hin". Es seien hohe Ausgaben für langlebige und nicht lebensnotwendige Güter festzustellen, was eine geringe ökonomische Unsicherheit der Verbraucher anzeige. Daher könne der Konsum zu einem Motor für eine schnelle Erholung nach dem Ende der Pandemie werden.

Die Ladengeschäfte müssen aufgeräumt werden
Nach der langen Phase der Schließung der Ladengeschäfte reicht es nicht, sie einfach wieder aufzuschließen, beschreibt CNBC die Situation der Ketten in den USA. Nun sei es an der Zeit, die Geschäfte wieder auf Vordermann zu bringen, um die Waren ansprechend präsentieren zu können oder ansonsten Kunden zu verlieren. Oft seien in den Gängen zwischen den Regalen nur Produkte für Abholer nach ihrer Online-Bestellung bereit gestellt worden, die Mitarbeiter seien mit dem Verpacken der Bestellungen beschäftigt gewesen. Die Kunden hätten nach der langen Zeit des Online-Shoppings wenig Toleranz für unaufgeräumte Läden und unlogische Einteilungen der Produktregale, wird Neil Saunders, Geschäftsführer von Global Data Retail, zitiert. Ein wesentliches Argument für Kunden, die in die Ladengeschäfte zurückkehren wollten, sei Sauberkeit, erklärt Kelly Haws, Marketingprofessorin an der Vanderbilt University.