Ausgerechnet in Spanien, wo die Corona-Fälle derzeit wieder massiv ansteigen, eröffnet Rossmann einen neuen Markt und schafft sich damit ein erstes Standbein in Südeuropa. Wahrscheinlich ist es aber genau richtig, sich von äußeren Umständen nicht in die Knie zwingen zu lassen. Genauso wie Alibaba und Starbucks, die trotz Streitigkeiten Chinas und der USA ihre Partnerschaft gründen. Ob der Kaffee künftig von "Pepper" gebracht wird, erforschen derweil Unis in Kassel und Frankfurt. Und Jeff Bezos sagt in der kartellrechtlichen Befragung aus.

///// HANDEL NATIONAL

HDE fordert 500-Millionen-Euro-Fonds
Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert von der Bundesregierung einen Innenstadtfonds in Höhe von 500 Millionen Euro, um "die aktuelle Lage der Innenstädte zu analysieren und Maßnahmen zu ergreifen, um den Niedergang vieler Zentren aufzuhalten". HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth: "Viele Innenstädte sind in extremer Schieflage. Leerstände machen die Stadtzentren unattraktiv und lösen eine Spirale nach unten aus. Das ist für die Händler ein großes Problem." Das Geld soll auf drei Sonderfonds aufgeteilt werden: zur Aktualisierung und Standardisierung von Einzelhandelskonzepten, zur Analyse der Leerstand-Situation sowie für eine aktive Ansiedlungspolitik, die den Branchenmix in den Stadtzentren attraktiv gestalten soll.

Um den Überblick über aktuelle Leerstände zu haben und bestimmen zu könne, wo Handlungsbedarf bestehe, müsse zudem ein bundesweit einheitliches Leerstandskataster geschaffen werden.

4 Tipps für Händler nach dem Lockdown
Auch, wenn der Lockdown für die meisten deutschen Händler fast schon Geschichte ist, sind es dessen Auswirkungen nicht. Der Handel steht weiterhin vor der Herausforderung, in seinem Online-Angebot neue Zielgruppen bedienen und mit der neuen Realität im Offline-Kanal zurechtkommen zu müssen. Das Online-Portal Internetworld hat vier Tipps zusammengestellt, wie dieser Spagat gelingen kann.

Kaufland startet Kräuteranbau
Aus anderen Supermärkten, wie beispielsweise Edeka und Globus, kennen die Kunden es schon. Nun startet auch Kaufland die Eigenaufzucht und den direkten Verkauf von Kräutern. Umgesetzt wird das Projekt gemeinsam mit dem Farmingnetzwerk Infarm. Zunächst wird in der Filiale in Neckarsulm der große Anzucht-Glaskasten aufgestellt. Bis Oktober sollen weitere Standorte (unter anderem Berlin, Hamburg und Düsseldorf) sowie die Belieferung von mehr als 200 Filialen folgen. Das Infarm-Sortiment wird zu Beginn Petersilie, Basilikum, Minze und Bergkoriander umfassen. Der Anbau direkt in den Filialen spart Transporte und nach Angaben von Kaufland 95 Prozent Wasser im Vergleich zum herkömmlichen Anbau. 

///// HANDEL INTERNATIONAL

Rossmann expandiert nach Spanien
Nach Polen, Ungarn, Tschechien, Albanien, dem Kosovo und der Türkei plant Rossmann nächsten Freitag (31. Juli 2020) seinen ersten Drogeriemarkt in Spanien zu eröffnen. Die 450 Quadratmeter große Filiale in Valencia soll zehn Mitarbeiter beschäftigen, das Sortiment 12.000 Artikel umfassen. Ende September soll dann eine weitere Filiale in Valencia folgen.
Die Markt-Eröffnung war eigentlich für den April 2020 vorgesehen gewesen, wegen der Corona-bedingten landesweiten Ausgangssperre jedoch verschoben worden.

Alibaba ist Partner von Starbucks
Mögen sich Chinesen und Amerikaner streiten und Konsulate schließen: Ihre Unternehmen lassen sich davon nicht beirren. So ist die Alibaba Group nun eine Partnerschaft mit Starbucks eingegangen und hat das In-Store-Pickup-Feature der US-Kaffeekette, Starbucks Now, in einigen ihrer beliebtesten Apps implementiert. So können die Verbraucher nun unter anderem über E-Wallet Alipay, Taobao Marketplace, Amap sowie die App Koubei auf den Starbucks-Service zugreifen und damit Getränke und Speisen online vorbestellen, um sie dann in ausgewählten Starbucks-Geschäften abzuholen.
Bisher war dieser nur über die mobile App von Starbucks China verfügbar. Durch die neue Partnerschaft können nun nach Angaben von Alibaba fast eine Milliarde Nutzer Sturbucks-Produkte ordern.

Einbußen im Luxussegment
Der Luxusgüterkonzern LVMH (Louis Vuitton) hat im ersten Halbjahr laut Manager Magazin im Zuge der Corona-Pandemie starke Einbußen bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. So brach der Gewinn - weil der internationale Tourismus quasi lahmgelegt war und die Geschäfte wie die Produktion weltweit nahezu komplett über mehrere Monate geschlossen waren, im ersten Halbjahr um fast 70 Prozent auf knapp 1,7 Milliarden ein. Netto verbuchte der Konzern mit 522 Millionen Euro mehr als 80 Prozent weniger. Auch die britische Luxus-Modemarke Burberry hat es im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 stark getroffen. Die Verkäufe fielen von April bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 257 Millionen Pfund (283 Millionen Euro), teilte das Unternehmen mit. Vorstandschef Marco Gobbetti sagte, es werde Zeit brauchen, bis die Nachfrage nach Luxusgütern mit der Wiederaufnahme von Überseereisen das Vorkrisenniveau erreichen werde. Daher kündigte das Unternehmen an, weltweit rund 500 Arbeitsplätze abbauen zu wollen.

"Im Handel ist Platz für viele Gewinner"
Heute blickt die Handelswelt auf die kartellrechtlichen Anhörungen im US-Kongress. Amazon hat bereits Aussagen aus dem Eröffnungsstatement von Jeff Bezos veröffentlicht. Auszüge seiner Argumentationslinie: im Handel könnten zahlreiche Akteure nebeneinander erfolgreich sein ("Platz für viele Gewinner") und Amazon habe mit der Öffnung für unabhängige Händler Vorteile für diese, für die Kunden und das eigene Unternehmen geschaffen.

///// TRENDS & TECH

Unis Kassel und Frankfurt testen Pepper
Große Kulleraugen und niedlicher Körperbau: Der Roboter "Pepper" des Unternehmens Softbank Robotics - wir haben gestern schon an dieser Stelle von ihm berichtet - ist ein Hingucker. Nachdem er schon als maschineller und doch sympathischer Ansprechpartner in Altenheimen oder als Auskunft-Geber an Flughäfen getestet wurde, soll er nun auch beim Einkauf helfen oder Pakete liefern. Wie das in der Praxis aussehen könnte, testen Forscher derzeit in der Universität Kassel und an der Frankfurt University of Applied Sciences. In Sachen Logistik sind Mischungen aus Pepper-Service, öffentlichen Verkehrsmitteln und Lastenräder-Lieferungen im Gespräch. Im Einzelhandel könnte Pepper alle Produkte auf seinem Brust-Tablet anzeigen und so als ergänzender Verkaufsberater dienen. Oder, wenn der Kunde über das Tablet Waren aussucht, losrollen, um diese im Geschäft einzusammeln.

Viele Cyberangriffe auf Online-Händler
Netscout, Anbieter von Netzwerk-Produkten und -Management-Lösungen, hat festgestellt, dass Deutschlands Online-Händler seit Beginn der Corona-Pandemie stark von Cyber-Angriffen betroffen waren. So wurden laut Netscout zwischen April und Juni 2020 insgesamt 5.570 Cyberattacken gezählt, 74 Prozent mehr als im Vergleich zum gleichen Quartal im Jahr 2019. Verzeichnet wurden laut Netscout insbesondere Distributed Denial-of Service-(DDoS)-Angriffe. Diese zielten darauf ab, Netzwerke mit Datenverkehr zu überfluten, um Leistung und Verfügbarkeit zu beeinträchtigen. Nach Angaben von Martin Klapdor, Senior Solutions Architect bei Netscout, sei es „mit der beschleunigten Verlagerung von stationärem Handel zu E-Commerce aufgrund der Covid-19-Pandemie noch unerlässlicher, dass Einzelhändler ihre Cybersicherheitskompetenzen regelmäßig überarbeiten.“ Schutzmaßnahmen, die vor einigen Jahren eingeführt wurden, seien für einen modernen Angriff nicht mehr ausreichend.

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