Sie war die große Überraschung im Konjunkturpaket der Bundesregierung. Doch jetzt zeigt sich, dass die Mehrwertsteuersenkung nicht überall den erhofften Aufschwung bringen wird. Derweil wagt Metro wieder einen Ausblick und arbeitet AppelrathCüpper an seiner Zukunft. Und was wäre ein Morning Briefing ohne Amazon? Hier kommen diesmal die News aus Schweden und dem UK. Apropos UK – die Hoffnung auf ein Freihandelsabkommen schwindet. Planungssicherheit hat gerade keine Konjunktur.

///// HANDEL NATIONAL

Grosshandelskonzern Metro berichtet von positiven Umsatzentwicklungen in den letzten Wochen
Der Großhandelskonzern Metro spüre nach heftigen Umsatzeinbrüchen durch die Coronakrise Boden unter den Füßen und traue sich wieder eine Prognose zu, schreibt die WirtschaftsWoche. Der Konzern werde im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) annähernd das Niveau des Vorjahres erreichen, habe das Unternehmen mitgeteilt. Die Düsseldorfer erwarteten nun für das Geschäftsjahr einen Rückgang des Umsatzes zwischen 3,5 und fünf Prozent.

Mehrwertsteuersenkung: Im Modehandel verpufft, in der Möbelindustrie wirkungsvoll, im Lebensmittelhandel überflüssig
Die WirtschaftsWoche hat sich in den Branchen umgehört: Im SSV des Modehandels übersteigen die Rabatte jene 3% der reduzierten Mehrwertsteuer bei weitem, in der Versorgung für den täglichen Bedarf kann die Senkung keine Impulse setzen, lediglich bei größeren Investitionen wie beispielsweise im Möbelhandel könnte die Aussicht auf ein paar hundert Euro Einsparungen Kaufentscheidungen begünstigen. Studien der Marktforscher von der GfK bestätigen den Trend der Konsumenten, geplante größere Anschaffungen vorzuziehen. Der Haken: Am 1. Januar werden die Preise wieder steigen und etwaige Anreize sind dann perdu.

Perspektive für AppelrathCüpper: Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hat begonnen
AppelrathCüpper hat die nächste Stufe in seinem im April begonnenen Insolvenzverfahren erreicht, berichtet FashionUnited. Am 1. August habe das Amtsgericht Köln planmäßig das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung des Modehändlers eröffnet. Mit der Eigenverwaltung wolle sich AppelrathCüpper restrukturieren, mit dem Ziel das Unternehmen fortzuführen. Die unternehmerische Verantwortung bleibe bei den bisherigen Geschäftsführern.

Manipulationssichere Kassensysteme: Bitkom fordert Verlängerung der Nichtbeanstandungsregelung
Im Streit um die Umsetzung des Kassengesetzes fordert der Digitalverband Bitkom eine bundeseinheitliche Verlängerung der sogenannten Nichtbeanstandungsregelung bis zum 31. März 2021. Andernfalls müssten Tausende Kassensysteme kurzfristig umgerüstet werden, um sie manipulationssicher zu machen. Gerade im Einzelhandel und in der Gastronomie brauche man derzeit jedoch alle Kraft, um die Corona-Krise zu bewältigen.
Das Kassengesetz, das bereits 2016 verabschiedet wurde, sieht vor, dass seit Anfang diesen Jahres alle Kassen in Deutschland mit einer sogenannten technischen Sicherungseinrichtung (TSE) vor Manipulationen geschützt werden müssen.
Bitkom führt aus, dass viele Einzelhändler und Unternehmen möglichst bald Cloud-Lösungen einführen wollten, mit denen ebenfalls Manipulationssicherheit erreicht werde, weshalb dann auf eine Hardware-Umrüstung jeder einzelnen Kasse verzichtet werden könne. Die Einführung der entsprechenden Cloud-Lösungen sei bislang jedoch daran gescheitert, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) das finale Schutzprofil noch nicht veröffentlicht habe
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///// HANDEL INTERNATIONAL

Amazon hat jetzt offiziell 16% von Deliveroo im Vereinigten Königreich: Behörden beenden 15monatige Prüfung
Die britische Wettbewerbsaufsichtsbehörde (Competition and Markets Authority, CMA) hat bestätigt, dass sie keine Bedenken gegen den Erwerb eines 16%igen Anteils am Lieferdienst Deliveroo durch Amazon hat. Wie TechCrunch berichtet, hatte die CMA die geplante Beteiligung rund 15 Monate lang untersucht. Lange stand die Frage im Raum, ob Deliveroo tatsächlich nur mit der Amazon-Beteiligung überleben würde; eine Annahme, die zu Beginn der Pandemie von Deliveroo propagiert wurde. Im Juni hatte sich der Wind gedreht, gleichwohl signalisierte die CMA ihr vorläufiges OK, das jetzt offiziell bestätigt wurde. Die CMA behält Amazon jeoch im Blick: Sollte Amazon ein größeres Maß an Kontrolle über Deliveroo erwerben – zum Beispiel durch den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen – könnte dies eine weitere Untersuchung der CMA auslösen.

Apps im Lebensmittelhandel haben große Fortschritte gemacht – Erfahrungen von Cheetah, Choice, Farmstead und Instacart
Im Zuge des Lockdowns wurden im US-Lebensmittelhandel Apps millionenfach heruntergeladen, große Namen wie Instacart, Shipt und Walmart verzeichneten Wachstumsraten von über 100 %. Doch mit der gestiegenen Nachfrage gingen auch gestiegene Anforderungen einher: Kunden wollen Funktionen, die das Benutzererlebnis bereichern und den Lebensmitteleinkauf schneller und nahtloser machen, die Nachfrage nach einem einfachen, angenehmen Erlebnis war noch nie so groß wie heute. RetailDive hat am Beispiel der Services von Cheetah, Farmstead, Instacart und Choice nachgezeichnet, wie die Unternehmen auf Kundenwünsche reagiert haben und welche neuen Features in den letzten Monaten im Zuge der Updates aufgenommen wurden. Eine zentrale Erkenntnis dürfte stationäre Händler schockieren: Apps für den Lebensmitteleinkauf bilden für viele Kunden das gesamte Einkaufserlebnis ab.

Chancen auf ein Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien schwinden
Michel Barnier, der im Namen der EU die Brexit-Verhandlungen führt, hält es laut Handelsblatt für "unwahrscheinlich", dass sich EU und Vereinigtes Königreich (UK) bis Anfang Oktober auf ein Freihandelsabkommen einigen. Auch andere Brüsseler Brexit-Experten verlieren demnach langsam die Hoffnung, dass der zweite Teil der Brexit-Saga doch noch gut ausgeht. Im UK wird die Lage offenbar ähnlich eingeschätzt: So berichtet Business Insider, Premier Boris Johnson dränge Pharmaunternehmen, Medikamente für sechs Wochen zu lagern, um sich darauf vorzubereiten, die EU ohne ein Handelsabkommen zu verlassen. Keine guten Aussichten für den Handel mit dem UK ab 2021.

Amazon bereitet Einführung eines kompletten Einzelhandelsangebots in Schweden vor
Amazon hat sich als Anbieter internationaler "all inclusive"-Marktplätze etabliert. Mit nur einem Konto konnten Händler bislang auf sechs Marktplätzen Kunden in ganz Europa erreichen und ihre Angebote und Waren europaweit verwalten. Zu Amazon.co.uk, Amazon.fr, Amazon.de, Amazon.it und Amazon.es war erst im März Amazon.nl gekommen. Wie dpa berichtet, bereite die Plattform jetzt die Einführung eines kompletten Einzelhandelsangebot in Schweden vor und werde in diesem Zuge die Webseite Amazon.se in Gang bringen.

Kenne Deine Kommunikationstypen: Chinesen lieben Videochats, Mexikaner Messaging-Dienste, Japaner Chat-Bots
Auch im digitalen Zeitalter bleibt der alte Spruch "Wenn Du in Rom bist, mach's wie die Römer" weiter gültig. Unternehmen, die international Konsumenten ansprechen, müssen viele unterschiedliche Kommunikationskanäle bedienen. Vonage, Anbieter von Cloud-Kommunikationslösungen, hat im Frühjahr 2020 5.000 Verbraucher in 14 Ländern befragt, welche Kanäle sie bevorzugen, um mit Unternehmen zu kommunizieren. Die Unterschiede sind frapierend. Nur bei der Frage, was Konsumenten in der Kommunikation frustriert, herrscht international Konsenz: Frustquelle Nummer 1 sei demnach für zwei Drittel der Verbraucher weltweit, dass sie ihr Anliegen immer wieder gegenüber verschiedenen Mitarbeitern eines Unternehmens wiederholen müssen. Fast die Hälfte der Befragten beklagt zudem, dass Unternehmen ihnen nicht die Kommunikationskanäle zur Verfügung stellen, die ihren Bedürfnissen entsprechen.

///// TRENDS & TECH

Instagram gibt nun auch deutschen Nutzern individuelle Kaufempfehlungen
Instagram wird immer mehr zur Einkaufs-Plattform. Die Facebook-Tochter, die ihren US-Nutzern seit Frühjahr 2019 mit der sogenannten Checkout-Funktion bereits In-App-Käufe ermöglicht, baut die Shopping-Gelegenheiten für ihre Community weiter aus. Jüngstes Beispiel ist Instagram Shop: Das Feature, das die Plattform Mitte Juli zunächst testweise in den USA gelauncht hatte, ist nun auch in Deutschland verfügbar. 

Favorit der Leser
Viele Händler stehen vor einem Scheideweg: Die Corona-Krise hat den Druck erhöht, die Digitalisierung des Geschäfts auszuweiten. Die digitale Disruption ist Folge der nomativen Kraft des Faktischen – Konsumenten wählen verstärkt diesen Weg. Christian Saxenhammer skizziert in seinem Gastbeitrag für etailment, welche Maßnahmen geeignet sind, im Ecommerce zum Erfolg zu führen. Neben Zukäufen könnten dies nicht zuletzt auch Kooperationen mit bereits erfolgreich im Markt agierenden Unternehmen sein.