Der Einzelhandel kann durchatmen, die Stimmung verbessert sich, unabhängig von der Pandemieentwicklung. Klingt gut, doch der Handel muss in alle Richtungen aktiv bleiben, denn die Kunden wenden sich immer öfter direkt an den Hersteller, die Gefahr, dass wieder Umsatz vorbei läuft, sollte im Auge behalten werden. Dabei kann der Handel auch an anderen Punkten ansetzen, Potenzial gibt es für den Verkauf auf den sozialen Medien. Hier sehen auch Finanzinvestoren eine Chance, schon fließt Geld an Charles für die Entwicklung der Plattform für den Verkauf über Chat-Apps. Inaktiv sind aber auch die Online-Riesen wie Amazon oder Ebay nicht. Einer startet in Österreich eine Rubrik für kleine Unternehmen, bei Ebay steht der Start von Videopräsentationen vor der Tür.

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Charles erhält Kapitalspritze
Der Conversational-Commerce-Entwickler Charles erhält im Rahmen einer neuen Finanzierungsrunde eine Kapitalspritze in Höhe von 6,4 Millionen Euro. Zu den Investoren in das 2019 gegründete Unternehmen gehören Accel und HV Capital. Die Charles-Gründer Artjem Weissbeck und Andreas Tussing betreiben eine Benutzeroberfläche, die den Verkauf über Chatpogramme wie WhatsApp ermöglicht. Diese würden dann mit Shop- und CRM-Systemen wie beispielsweise Shopify, SAP oder HubSpot verbunden, heißt es von Unternehmensseite, die größten Einsatzfelder seien Beratung, Buchen und Bestellen direkt im Chat. Ziel ist es laut Weissbeck, Chat und Kauf miteinander zu verbinden sowie den Händlern die Möglichkeit einer "echten Personalisierung für ihre Kunden" anzubieten. Nun gehe es um die Entwicklung weiterer Funktionalitäten und die Oberfläche für weitere Chat-Apps verfügbar zu machen.

Der Einzelhandel erholt sich
Für den Einzelhandel in Deutschland geht es wieder aufwärts. Nach den Ergebnissen des HDE-Konsumbarometers bewegte sich der Index nach dem Plus im Februar auch im März nach oben. Der Verband sieht eine "Entkopplung der Verbraucherstimmung vom Infektionsgeschehen" und eine "zunehmende Anschaffungsneigung der Verbraucher". Da die Coronamaßnahmen die Einkaufsmöglichkeiten noch einschränkten, würde die Umsetzung der positiven Konsumlaune aber noch blockiert. Die finanziellen Mittel seien vorhanden, doch sei mit einem kräftigen Wachstum erst spät im zweiten oder dann im dritten Quartal zu rechnen. Einen positiven Einfluss auf die Stimmung hätten auch die verbesserten Konjunkturerwartungen der Unternehmen.

E-Autos bei Tchibo buchbar
Tchibo erweitert sein Online-Warenkaufhaus um eine weiteres Produkt und steigt in die Autovermietung ein. Die Fahrzeuge stehen nur im Abo für einen längeren Zeitraum zur Wahl, Autos können nicht nur für einen kurzen Zeitraum reserviert werden. Im Rahmen einer Kooperation mit Like2drive sind nun nach Angaben von Tchibo zwei E-Automodelle online buchbar. Die Vermietung erfolgt innerhalb eines Auto-Abos. Die Kunden haben die Wahl aus Fahrzeugen des Tesla Model 3 und des Fiat 500E Icon, die Abos haben eine Laufzeit von zwölf bis 24 Monaten. Buchbar ist auch ein Rundum-Sorglos-Paket, die Abholung ist an sechs Standorten in Deutschland möglich. Für Fragen zu den Fahrzeugen sind die Mitarbeiter des Partners Like2drive verantwortlich.


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Neue Rubrik für Amazon-Marktplatz in Österreich
In Österreich erhalten die auf dem Amazon-Marktplatz vertretenen Händler die neue Rubrik "Kleine Unternehmen" als Präsenzmöglichkeit, berichtet Onlinehändler News. Damit sollen kleine und mittlere Unternehmen eine erhöhte Aufmerksamkeit erreichen können. Kunden erhalten eine direkte Suchfunktion für kleine Unternehmen, auswählbar sind Anbieter in Deutschland und Österreich, weitere Kriterien sind Regionen und Produkte. Der Online-Konzern wolle damit die Möglichkeit für den Einkauf bei regionalen Händlern bieten. Nach Angaben von Amazon hätten österreichische Unternehmen im vergangenen Jahr 85 Prozent ihres Umsatzes durch Verkäufe ins Ausland erzielt.

Tesco startet Mahlzeitenverkauf online
Die britische Supermarktkette Tesco startet eine erste Probephase für den Verkauf von Mahlzeitenpaketen. Zur Wahl stehen den Kunden drei Pakete aus der Kategorie Finest Range, meldet Internet Retailing. Nach Berechnungen des Partners Coley Porter Bell habe der Markt für Lieferdienste inzwischen ein Volumen von rund 700 Millionen Britische Pfund erreicht, vor der Pandemie habe es zwischen 350 und 400 Millionen gelegen. Mit den Boxen wolle man den Kunden zu Hause das Gefühl eines Essens im Restaurant bieten, erklärt Ben Sherburn, Leiter der Marke Tesco Finest. Neben der Möglichkeit der Lieferung könnten die Kunden in einigen Geschäften auch mit Click & Collect bestellen.



///// TRENDS & TECH

Kunden kaufen gerne direkt beim Hersteller
Der Direktkauf beim Hersteller erfreut sich bei den Verbrauchern einer großen Beliebtheit. Dies ist das Ergebnis der ersten Ausgabe des Consumer Barometers 2021 von IFH Köln und KPMG. Für rund die Hälfte sei die exklusive Verfügbarkeit des Produkts beim Hersteller das ausschlaggebende Argument. Eine große Bedeutung habe auch die Sicherheit, dass es sich um ein Originalprodukt handele. Bei Fragen der Bequemlichkeit wie kurze Wege oder das One-Stop-Shopping seien dagegen die Händler die Gewinner. Stephan Fetsch, Head of Consumer Markets bei KPMG erwartet eine Intensivierung der direkten Kommunikation zwischen Kunden und Herstellern. Die am stärksten direkt nachgefragten Produkte stammten aus den Branchen Textilien und Schuhe (38 Prozent) sowie Lebensmittel, die von 27 Prozent der Befragten ohne Zwischenhändler eingekauft werden, heißt es weiter in der Studie. Der populärste Einkaufskanal sei der Online-Shop, im Hinblick auf die jüngeren Kundengruppen seien aber die sozialen Medien ein wichtiger Verkaufsweg. Für das Barometer wurden 500 Konsumenten internetrepräsentativ befragt.

Ebay plant Produkt-Präsentationen per Video
Nun sollen die Händler ihre Produkte bei Ebay nicht mehr nur mit normalen Fotos präsentieren können, bald kommen auch bewegte Bilder ins Spiel. In diesem Jahr plant Ebay nach einem Bericht von Tamebay die Freischaltung einer Anwendung für Videos, die entsprechende Technik sei bereits in Betrieb genommen worden. Zum Start seien die Videos nur über die App für die mobilen Endgeräte verfügbar, doch sie sollen in die Bildergalerie der Produkte integriert werden, um einen schnellen Zugriff zu ermöglichen. Im Laufe des Jahres soll die Anwendung auf weitere Händler ausgedehnt werden, dazu komme eine Erweiterung auf zusätzliche Geräte. Ein genaues Startdatum stehe nicht fest..

Die Haustürzustellung bleibt
Der Online-Handel wächst und wächst, die Logistik für eine reibungslose Zulieferung der Produkte hinkt in einigen Fällen hinterher. Bei T3N informiert Ingo Bauer, bei der Unternehmensberatung PWC für den Bereich Transport & Logistik verantwortlich, über die daraus entstehenden Gefahren und sich ergebenden Chancen für den Transportsektor. Bauer sieht die Paketdienstleister gefordert, eine Alternative für die Haustürzustellung und die Abholung an Paketstationen sei nicht absehbar. Daher sei die Zustellung der Pakete beim Kunden zu Hause auch kein Auslaufmodell, hier gebe es keine Gefahr der Überforderung der Kapazität wie an einer Packstation. Die Zusteller seien hier mit weiteren Leistungen besonders gefordert, Dienste wie Trackingangebote gehörten heute zum Standard. Doch die Effizienz auf der letzten Meile solle gesteigert werden, unter anderem könne dafür Künstliche Intelligenz eingesetzt werden. Wichtig sei aber auch der Kundenkontakt, denn der Kunde habe die Wahl des Zustellers, hier sollten die digitalen Anwendungen verbessert werden. Bauer sieht dort großes Potenzial.