Der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen hatte gestern einen Tag des Auf und Ab. Erst entschied das Oberverwaltungsgericht Münster zu seinen Gunsten, dann folgte die Reaktion aus Düsseldorf mit einer angepassten Schutzverordnung. Die ersten Reaktionen der Geschäfte waren nach kurzer Zeit hinfällig, sie müssen weiter abwarten. Zalando will den Online-Kunden das Abwarten verkürzen, die Modehandelskette hat eine neue Kampagne inklusive Video gestartet. In Großbritannien konnten sich die Lenker der Baumarktkette Kingfisher gleich zweimal freuen. Zufriedenheit herrscht wegen der auch durch den Online-Handel angeschobenen guten Zahlen des vergangenen Jahres und dann auch über die Entscheidung der britischen Regierung, die Einführung einer Online-Steuer erst einmal auf die lange Bank zu schieben. Die erfolgreichen Zahlen könnten sie auch in Deutschland herausfordern, denn die guten Werte gehören für den Online-Handel mittlerweile fast zum Tagesgeschäft, nun zeigt der Bundesverband E-Commerce die Position der Branche in der deutschen Wirtschaft auf.

///// HANDEL NATIONAL
DHL will Nachhaltigkeit steigern
Der Paketdienst der Deutschen Post, DHL, hat sich neue Nachhaltigkeitsziele für die nächsten Jahre gesetzt. Mit einem Investitionsvolumen von sieben Milliarden Euro geht es primär um die Umstellung der Fahrzeugflotte auf E-Fahrzeuge sowie den Umbau der Gebäude hin zur Klimaneutralität, berichten unterschiedliche Medien. Zeitrahmen für die Realisierung der Ziele sei 2030. Der Anteil der Elektrofahrzeuge solle dann 60 Prozent betragen, nach aktuellem Stand seien dies dann rund 80.000 Fahrzeuge. Im Luftverkehr liege der Zielwert für die einzusetzenden nachhaltigen Kraftstoffe bei mindestens 30 Prozent. Der jährliche CO2-Ausstoß solle so bis 2030 von rund 33 Millionen Tonnen auf 29 Millionen Tonnen sinken.

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Digital gerüstet für den Neustart im Einzelhandel
Ein erster Schritt zurück zur Normalität: Mit Click & Meet ist Einkaufen zu vereinbarten Terminen wieder möglich. Dabei unterstützt die Telekom mit der Online-Reservierung von MagentaBusiness POS. So lassen sich kinderleicht Shopping-Termine buchen – auch ohne eigene Website. Die Lösung ist kostenlos verfügbar und schnell einsatzbereit. Mehr

Hin und her für Einzelhandel in NRW nach Gerichtsurteil
Die Freude im Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen hatte eine kurze Halbwertzeit. Am Montagvormittag hatte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster diverse Corona-Beschränkungen wie Kundenbegrenzung pro Quadratmeter oder das Erfordernis der Terminbuchung aufgehoben. Nach dem Urteil des Gerichts verstießen die Beschränkungen in ihrer Ausgestaltung gegen den verfassungsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz. In den Fällen, in denen Gründe für eine weitere Differenzierung der Bestimmungen für die unterschiedlichen Branchen fehlten, überschreite das Land seinen Spielraum. Damit waren vorherige Terminabsprachen nicht mehr erforderlich. Die ersten Geschäfte reagierten innerhalb kurzer Zeit und öffneten. Doch nur wenige Stunden nach dem Urteil kam die Reaktion aus dem Gesundheitsministerium in Düsseldorf und eine Anpassung und Verschärfung der Corona-Schutzverordnung. Die Online-Schiene mit Click & Meet muss weiter befahren werden. Die Vorgaben gelten nun auch für Schreibwarengeschäfte, Buchhandlungen und Gartenmärkte.

Zalando startet eine Frühlingskampagne mit Helden
Unter der Überschrift "Here to stay" hat Zalando die neue Frühjahrskampagne gestartet. Im Mittelpunkt will der Online-Modehändler Menschen stellen, die ihre Überzeugungen ohne Einschränkungen vertreten. Dabei geht es um "Grundwerte wie Diversität, Inklusion und Frauenförderung", wie es von Unternehmensseite heißt. Die in Fotos portraitierten Paare präsentieren ihre gemeinsamen Werte, mit "Here to stay" soll verdeutlicht werden, dass sich diese Werte dauerhaft fortentwickeln. Weiterer Bestandteil der Kampagne ist ein Film mit dem Schauspieler Luc Bruyere über Helden der Gesellschaft.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Amazon gewinnt Verkaufspartner im Rekordtempo
Amazon legt wieder neue Rekordzahlen bei der Anbindung neuer Verkaufspartner vor. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung von Finbold. In diesem Jahr schlössen sich rund 3.700 neue Partner pro Tag an das Netzwerk des Internetriesen an, die Gesamtzahl liege für dieses Jahr bei 295.000. Die Analysten gehen davon aus, dass sich bis Jahresende rund 1,4 Millionen Unternehmen anschließen werden. Den größten Anteil der neuen Anbieter stellten die USA mit rund 26 Prozent, dann folge Indien mit 10,1 Prozent, der Wert für Deutschland liege bei 6,6 Prozent. Die große Reichweite und Popularität der Plattform von Amazon führe zu dem großen Zuwachs, noch weiter verstärkt durch Corona, denn die Unternehmen benötigten Plattformen mit einem hohen Bekanntheitsgrad für ihren Start im E-Commerce, heißt es von Finbold. Sie warnen aber auch davor, dass der Anschluss an Amazon keine Garantie für steigende Verkaufszahlen sei. Strategische Überlegungen, wie mit Amazon in der Zukunft umgegangen werden soll, seien unerlässlich.

Kingfisher fährt zweigleisig
Die Kingfisher Group will den Weg mit einem Vertrieb über die festen Ladengeschäfte auf der einen Seite und dem Online-Handel auf der anderen Seite nach einem erfolgreichen Jahr 2020 fortsetzen. Nach Auffassung der Unternehmensleitung der Baumarktkette hat der stationäre Vertrieb immer noch eine wichtige Bedeutung für den E-Commerce, berichtet Internetrailing. Der Umsatz des elektronischen Handels habe im vergangenen Jahr um 158 Prozent zugelegt und mache mittlerweile 18 Prozent des Konzernumsatzes aus, ein Anstieg um zehn Prozentpunkte. Dabei seien auch die Zahlen für Click & Collect um 226 Prozent nach oben gesprungen, sie machten nun 78 Prozent des Online-Handels aus. Insgesamt hätten die Kunden rund 92 Prozent aller Bestellungen in den Geschäften abgeholt, dazu gehörten auch Produkte, die nach Hause geliefert werden sollten. Die Tochter B&Q haben die Lieferdienste nun auch um Lieferungen am Bestelltag ausgeweitet. Durch das Wachstum des Online-Geschäfts werde hier nun über neue Konzepte für die stationären Läden nachgedacht, dazu gehörten auch Verkleinerungen der Verkaufsflächen.

Großbritannien lässt Entscheidung über Online-Steuer offen
Die britische Regierung hat noch keine Entscheidung über die Einführung einer Online-Steuer gefällt und will sie nun verschieben. Anfang Februar hatte es in Großbritannien erste Meldungen über die Einführung einer solchen Steuer in Höhe von zwei Prozent gegeben. Damit wollte die Regierung die Bedingungen für den stationären und den virtuellen Verkauf angleichen. Nach einem Bericht von Fashion United will die Regierung mit einer Entscheidung bis Herbst warten. Grund dafür sei, dass abgewartet werden solle, ob die USA Entwürfe der OECD für eine Reform der weltweiten Steuerbestimmungen im Digitalbereich unterstützen werde.


///// TRENDS & TECH

E-Commerce als Wachstumsmotor
Nach einer neuen Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel e.V. (Bevh), die vom Institut Copenhagen Economics durchgeführt wurde, nimmt die Bedeutung des Online-Handels für die deutsche Wirtschaft immer weiter zu. Der Anteil des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liege mit rund 100 Milliarden Euro bei 2,9 Prozent, die Zahl der Beschäftigten betrage 1,256 Millionen. Der Verband zieht hier einen Vergleich zur Autoindustrie, dort arbeiteten 1,283 Millionen Menschen, der Anteil am BIP komme auf einen Wert von 4,9 Prozent. Auf 100 neue Arbeitsplätze entstünden im Umfeld 66 weitere neue Stellen, heißt es weiter in der Studie. Der Verband sieht eine immer engere Ergänzung von On- und Offline-Handel, eine klare Trennung werde immer seltener. Der E-Commerce biete besonders kleinen und mittelständischen Unternehmen gute Chancen, bei ihnen läge der Umsatzanteil rund zehn Prozentpunkte über dem Mittelwert.

H&M startet App für Bekleidungsberatung
Im Januar hatte H&M die Entwicklung einer virtuellen Umkleidekabine angekündigt, in Großbritannien hat die Modehandelskette jetzt eine App für die Bekleidungsberatung gestartet. Fashion United berichtet, dass sich Männer mit dem digitalen Hilfsmittel bei der Auswahl ihrer Kleidung beraten lassen könnten. Im Vorfeld werde ein Profil der Kunden mit Angaben unter anderem zu Körper- und Kleidergröße erstellt, dann erfolgten im Anschluss Tipps für die passende Kleidung. Über Chat könne auch mit persönlichen Stylisten kommuniziert werden. Wann die App in anderen Ländern eingeführt werde, sei noch offen.

Seminar für alle Fragen des Zahlungsverkehrs
Am 25. März widmet sich ein ganztägiges Online-Seminar von Ibi Research den Fragen des Zahlungsverkehrs von A bis Z. Zu den Themen gehören die Grundlagen und Inhalte der Payment Services Directive 2 sowie die Auswirkungen von Echtzeitzahlungen / Instant Payments. Darüber hinaus stehen die Themen der ISO 20022-Migration, Aktivitäten im Ausland und programmierbares Geld auf der Tagesordnung. Das Institut an der Universität Regensburg stellt Teilnahme- oder Fortbildungsbestätigungen aus.