Im deutschen Lebensmittelhandel kommt auf dem digitalen Markt einiges in Bewegung. Die beiden Discountriesen Aldi Nord und Aldi Süd werfen gleich ihre gesammelte Marktkraft und -macht in den Ring und schließen sich für ihre Online-Offensive zusammen. Die Deutsche Bahn wagt ebenfalls einen Schritt in den digitalen Lebensmittelmarkt und eröffnet an ihrem "Zukunftsbahnhof" das erste online betriebene Geschäft. Amazon ist auf juristischer Seite voll beschäftigt. In München gab es eine Niederlage gegen Foodwatch in Produktfragen, in New York läuft nun ein Verfahren wegen Arbeitnehmerschutz. Der Einsatz sozialer Medien wird immer populärer. In den USA erhält die Livestream-Verkaufsplattform Talkshoplive eine Finanzspritze, hierzulande können sich Händler in einem Leitfaden Tipps für den richtigen Einsatz holen.

///// HANDEL NATIONAL
Aldi arbeitet online zusammen
Nach einer langen Zurückhaltung und Beobachtung des Marktes wagen Aldi Nord und Aldi Süd nun den Schritt in den Online-Handel mit Lebensmitteln. Mit einer gemeinsamen operativen Gesellschaft wollen die beiden Unternehmen ihr Online-Geschäft bündeln und konzentrieren, berichtet die Lebensmittelzeitung. Damit planten die beiden Discounter eine Verbreiterung ihres virtuellen Handels in einem einheitlichen Online-Shop, wozu auch ein Einstieg in den Lebensmittelhandel gehöre. Die aus dem stationären Handel bekannte regionale Aufteilung werde aufgehoben, heißt es weiter. An dem Joint Venture Aldi E-Commerce Verwaltungs GmbH seien beide Unternehmen mit 50% beteiligt, der Sitz ist in Düsseldorf. Die technische Grundlage liefere Aldi Süd, hier seien bereits zahlreiche Lebensmittel mit Preis- und Produktangaben eingestellt.

Digitale Lebensmittel für die Zugfahrt
Die Deutsche Bahn hat den Bahnhof in Renningen zum Zukunftsbahnhof auserkoren. Am 23. Februar folgt nach Angaben des Unternehmens der nächste Schritt in die Zukunft, denn in Baden-Württemberg öffnet der erste digitale Lebensmittelmarkt in einem Bahnhof. Die Kunden können dort rund um die Uhr per App oder an einem Touchscreen des Automaten im Bahnhof einkaufen, die rund 800 Waren aus dem Lebensmittel- und Drogeriesortiment werden mit Hilfe einer Robotik ausgesucht und in der Ausgabe bereit gestellt. Möglich ist außerhalb der Öffnungszeiten auch der Kauf der Backwaren aus dem daneben liegenden Backshop. Die Bezahlung erfolgt mit der Bankkarte oder per App. Partner der Deutschen Bahn sind Edeka Südwest und das Stuttgarter Start-up Smark.

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Logistiklösungen für saisonale Schwankungen im Handel

Mit dem wachsenden Onlinehandel steigen gleichzeitig die logistischen Herausforderungen für Lagerhäuser: überdurchschnittlich hohe Bestellungen, steigende Retouren und der Druck, die Produktivität auch mit geringem Personaleinsatz konstant zu halten. Mit Technologien wie Voice und AMR lassen sich Kommissioniervorgänge und Retourenprozesse erheblich beschleunigen und die Produktivität deutlich steigern.

Corona treibt die Outdoor-Zahlen in die Höhe
Trotz oder gerade wegen des Lockdowns zog es die Familien in den ersten Wochen des Jahres in den Schnee, auch bei geschlossenen Skipisten. Die Bilder aus den Mittelgebirgen an den ersten Wochenenden belegten dies eindrücklich. Eine Folge war ein kräftiger Anstieg der Nachfrage nach Outdoor-Produkten, wie das Preisvergleichsportal Billiger.de nach einer Auswertung der Zahlen der ersten sechs Wochen dieses Jahres berichtet. Am beliebtesten für die deutschen Mittelgebirge waren Schlitten, im Durchschnitt gingen die Suchanfragen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1.890% in die Höhe, heißt es von Seiten von Billiger.de. Eine hohe Nachfrage war auch für Laufschuhe zu verzeichnen, hier ging es um fast 100% nach oben.

Amazon muss Herkunft von Obst und Gemüse angeben
Foodwatch hat vor Gericht einen nicht unbedeutenden Sieg gegen Amazon errungen. Das Oberlandesgericht München hat entschieden, dass der Online-Gigant das Herkunftsland von frischem Obst und Gemüse angeben muss, die über Amazon Fresh angeboten werden. Das Gericht wies die Berufung Amazons gegen das Urteil des Landgerichts zurück, so dass sich die Verbraucherschützer auch in der zweiten Instanz gegen Amazon durchgesetzt haben. Die Richter berufen sich auf die EU-Verordnung, nach der Verbrauchern das Land angegeben werden müsse, in dem das Obst und Gemüse geerntet wurde. Amazon habe auf Packungen bis zu 13 Ursprungsländer angegeben, argumentierte Foodwatch nach Testkäufen. Nach einer Aussage einer Anwältin von Amazon vor Gericht sei das Geschäftsmodell bereits angepasst worden.


///// HANDEL INTERNATIONAL


Zwilling zieht's ins Netz
Zwilling will nach einem erfolgreichen Jahr noch stärker im Netz Fuß fassen und das Multichannel-Konzept weiter ausbauen. Nach Angaben des Herstellers von Küchengeräten ging der Umsatz im vergangenen Jahr um 16% auf rund 740 Millionen Euro nach oben, 40% davon wurden im Online-Handel erreicht. Besonders zufrieden zeigen sich die Verantwortlichen mit dem Multichannel-Programm "All Zwilling", das eine Verknüpfung der digitalen Angebote mit dem konventionellen Fachhandel und der firmeneigenen Logistik anbietet. In den USA habe die Kooperation mit dem Online-Vertrieb diverser Fachhandelsketten eine große Rolle gespielt, teilt das zur Werhahn-Gruppe gehörende Unternehmen mit. Die während der Coronakrise erzielten positiven Ergebnisse sollen so auch in der Zukunft fortgesetzt werden.

New York klagt gegen Amazon
Nach Medienberichten hat der US-Bundesstaat New York Klage gegen Amazon eingereicht. Die Generalstaatsanwältin wirft dem Unternehmen vor, seine Mitarbeiter an zwei Standorten nicht ausreichend gegen Corona geschützt zu haben. Dazu gehörten eine unzureichende Möglichkeit der Nachverfolgung der Kontakte, fehlende Hygieneprotokolle. Die Mitarbeiter hätten mit nicht ausreichendem Abstand arbeiten müssen und die Arbeitsstätten seien nach positiven Coronafällen nicht geschlossen worden. Amazon hatte seinerseits den Staat vergangene Woche wegen zu hoher Anforderungen verklagt und mitgeteilt, dass das Unternehmen Maßnahmen ergriffen hätte, die über dem Standard lägen.

Investitionsschub für Talkshoplive
Die Livestream-Einkaufsplattform Talkshoplive hat einige neue Investoren gefunden, die das Start-up mit drei Millionen US-Dollar unterstützen, berichtet Retaildive. Die Finanzspritze soll in die Verstärkung des Produktmanagements und den Ausbau der Technik fließen, mit dem Ziel, mehr Nachfrage auf Vertriebs- und Kundenseite zu entwickeln und sich weltweit besser aufzustellen. Momentan arbeiten rund 3.000 mittelständische Anbieter mit der Plattform, um ihre Produkte innerhalb von Livestream-Programmen zu verkaufen. Zum Umfang gehören Liveprogramme und die erforderlichen logistischen und finanztechnischen Schritte.


///// TRENDS & TECH

Leitfaden für den Einsatz von Social Media
Viele Mittelständler stehen bei dem Einsatz von sozialen Medien für ihr Unternehmen immer wieder vor unerwarteten Problemen, denn immer öfter suchen die Kunden ihre Produkte über diese Medien und wollen dort die Einkäufe auch abschließen. Nun will ihnen das IFH Köln mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel mit einem neuen Leitfaden Tipps für die erfolgreiche Nutzung von Facebook, Twitter, Instagram und Co. geben. Die Händler müssten die für sie, ihr Produktportfolio und ihre Zielgruppe passende Plattform auswählen. Grundlage sei es, so die Berater, die Medien als digitale Schaufenster zu nutzen und damit Kaufanreize zu schaffen. Wichtig sei es, die rechtlichen Fragen zu klären und sich Rechtssicherheit zu verschaffen sowie eine strategische und inhaltliche Ausrichtung zu erstellen. Einfache Werbung sei nicht ausreichend, maßgeblich sei ein deutlich erkennbarer inhaltlicher Mehrwert. Die Aufmerksamkeit müsse gezielt auf das Unternehmen gezogen werde, lautet ein weiterer Tipp.

Warum Walz am Printkatalog festhält
Otto und Ikea haben ihre Kataloge eingestampft. Für das Versandhaus Walz ist das keine Option, trotz stark steigender Onlineanteile. In einem Gastbeitrag sagt Geschäftsführer Peter-Timo Schäfer, warum Multichannel dem Pure-Player-Modell überlegen ist und wie die unterschiedlichen Vertriebskanäle von Walz bei Pricing, Sortiment und Anstoßketten ineinandergreifen.