So groß die Erleichterung bei Mitarbeitenden und Kommunen sein wird, dass Galeria Karstadt Kaufhof nach sechs Monaten das Schutzschirmverfahren verlässt und wieder autonom handeln kann – den Preis für den Fortbestand des Unternehmens haben nicht zuletzt die Gläubiger gezahlt. Den Konzern fit für das 21. Jahrhundert zu machen, wird eine Herkulesaufgabe sein. Damit GKK überhaupt ein digitaler Player werden kann, muss sich das Unternehmen radikal wandeln.

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Galeria Karstadt Kaufhof beendet Insolvenzverfahren, doch die Probleme sind unverändert groß
Das Amtsgericht Essen hat das Insolvenzverfahren für Galeria Karstadt Kaufhof aufgehoben. Die Gläubiger verzichten auf Forderungen in Milliardenhöhe. Gleichzeitig hat der Konzern eine weitere Filiale vor der Schließung bewahrt. Fast 130 Kaufhäuser bleiben erhalten. Doch Experten wie Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein beurteilen die Zukunftsperspektiven des Handelsriesen skeptisch: GKK macht bislang nicht einmal fünf Prozent seiner Umsätze im Internet. Der Nachholbedarf auf diesem wichtigen Wachstumsmarkt ist also groß.

Esprit war tief in den roten Zahlen, ist jetzt aber nahezu schuldenfrei
Der Bekleidungsanbieter Esprit Holdings Ltd. hat das Geschäftsjahr 2019/20 wie erwartet mit einem hohen Verlust abgeschlossen. In Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens, sanken die Erlöse im Einzel- und Großhandelsgeschäft um 26,1 Prozent auf insgesamt 3,27 Milliarden Hongkong-Dollar (361 Mio. Euro) berichtet Fashion United. Der E-Commerce-Umsatz schrumpfte hierzulande um 15,7 Prozent auf 1,88 Milliarden Hongkong-Dollar (207 Mio Euo). Aufgrund der Umsatzeinbußen infolge der Corona-Krise hatte der Konzern im Frühjahr Schutzschirmverfahren für seine deutschen Tochtergesellschaften beantragt. Wie die TextilWirtschaft schreibt, sei der Konzern zum 30. Juni 2020 nahezu schuldenfrei und verfüge über eine Netto-Cash-Position von umgerechnet rund 264 Mio. Euro.

Umsatzzahlen: Nach wie vor große Unterschiede zwischen Handelsbranchen
Die gestern vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Umsatzzahlen für den August 2020 machen nach Einschätzung des Handelsverband Deutschland (HDE) erneut deutlich, dass die Lage in den einzelnen Branchen des Einzelhandels nach wie vor extrem unterschiedlich ist. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stieg der Umsatz im August insgesamt real um 3,7% und nominal um 5,2%, obwohl der August 2019 einen Verkaufstag mehr hatte. Dabei bleibt das Branchenbild weitgehend unverändert. „Die Schere zwischen den einzelnen Segmenten geht auch im August weit auseinander. Immer noch mitten in der Krise stecken der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhe und Lederwaren sowie beispielsweise die Kauf- und Warenhäuser“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23 Prozent und nominal 24,4 Prozent erzielte der Internet- und Versandhandel.

Wie Douglas Big Data für das Online Marketing nutzt
Datengestützte Entscheidungen sind ein Muss, um Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit voranzutreiben: Jonas Rashedi, Head of Data Intelligence und Technology von Douglas, gab auf den "Data Driven Commerce Days" Einblicke, wie Douglas Online Marketing für eine bessere Kundenansprache und -beziehung nutzt. Wie InternetWorld berichtet, werte Douglas nicht nur soziodemographische Daten aus, sondern auch Daten zu Interessen oder letzten Einkäufen. Dadurch würde das Unternehmen nie unrelevante Kampagnen für Zielgruppen ausspielen. Die Douglas-Kundenkarten, den Beauty Cards, von denen 40 Millionen registriert sind, bilde eine valide Datenbasis, diese werde durch einen Data Layer auf der Website ergänzt.

Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber zu Gast im OMR Podcast
Seit über 20 Jahren ist Ralf Kleber schon bei Amazon angestellt, fast 20 davon als Country Manager Deutschland. Damit ist er nicht nur weltweit der dienstälteste Landeschef bei einem der wertvollsten Konzerne überhaupt, sondern auch so eng am Siegeszug der Plattform-Ökonomie dran, wie wohl nur ganz wenige hierzulande. Im aktuellen OMR Podcast blickt Kleber auf sein erstes Treffen mit Jeff Bezos zurück, reagiert auf Kritik am Handelsriesen und ordnet die Meilensteine seiner Karriere ein.

///// HANDEL INTERNATIONAL

Im ersten Halbjahr Zuwachs um 45%: Boohoo Group hebt Gewinnprognose an
Der Online-Modekonzern Boohoo ist im ersten Halbjahr um 45% gewachsen. Der Vorsteuergewinn verbesserte sich sogar um 51%, berichtet die TextilWirtschaft. In der Folge gehen die Engländer jetzt davon aus, dass der Umsatz im Gesamtjahr deutlich stärker steigt als bislang erwartet. Die Prognose für die Marge wurde hingegen nur leicht angehoben. Über allem schwebt aber immer noch der Skandal um die schlechten Arbeitsbedingungen bei Lieferanten.

///// TRENDS & TECH

In der Schweiz können chinesische Touristen jetzt bei Margot mit Alipay bezahlen
In Deutschland bieten über 1.000 Verkaufsstellen unter anderem bei den Drogerieketten dm und Rossmann sowie der WMF-Gruppe und Filialen der Galeria Karstadt Kaufhof ihren Kunden an, Zahlungen mit Alipay auf dem Handy vorzunehmen. In der Schweiz hat jetzt das Grosshandelsunternehmen Ch. Margot & Cie. SA, eine Gesellschaft der Groupe Margot, als nach eigenen Angaben erster Franchisegeber für Schweizer Kioske sowie Verkaufspunkte aller Art Alipay als Zahlart für chinesische Touristen eingeführt. Als technischer Dienstleister setzt Epay, Teil von Euronet Worldwide Inc., die Alipay Implementierung um und erweitert damit die Zusammenarbeit mit Margot um Paymentlösungen.

Ebay führt Klarna Sofortüberweisung in Deutschland ein
Ebay bietet auf seinem deutschen Online-Marktplatz ab sofort Sofortüberweisungen an, die mit dem Zahlungsdienstleister Klarna abgewickelt werden. Es ermöglicht Ebay-Kunden schnelle Überweisungen, Verkäuferinnen und Verkäufer wiederum profitierten von einem schnellen Versand und einem vereinfachten Abgleich der Zahlungen und Bestellungen. Käufe, die mit Klarna Sofortüberweisung bezahlt werden, sind durch den Ebay-Käuferschutz abgedeckt. 

Google Shopping-Tab: Ab Mitte Oktober erscheinen bevorzugt kostenlose Einträge
Einzelhändler können ihre Produkte in Europa, Afrika und im Nahen Osten kostenlos auf Googles Shopping-Tab präsentieren. Konkret werde ab Mitte Oktober in den Suchergebnissen auf dem Shopping-Tab weltweit vorzugsweise kostenlose Einträge aufgeführt, schreibt InternetWorld. So sollen Einzelhändler mehr potenzielle Kunden erreichen können. Dabei spiele es keine Rolle, ob sie auch auf Google werben oder nicht. Kaufinteressenten, so heißt es, würden so mehr Produkte von mehr Händlern sehen – genau zu Beginn des Weihnachts- und Jahresendgeschäfts. 

Amazon lässt in Tübingen an Software für Lieferroboter Scout feilen
Die Scout genannten Lieferroboter von Amazon haben die Größe einer Kühlbox und rollen im Schritttempo Gehwege entlang. In vier US-Bundesstaaten liefern sie bereits Pakete an Kunden aus. Damit das besser klappt, soll in Tübingen an der Software gefeilt werden. "Amazon investiert in ein neues Team, das an autonomen Zustelltechnologien in Deutschland forscht. Das Team wird sich auf Amazon Scout, den vollelektrischen, autonomen Zustellservice von Amazon, konzentrieren", gab eine Unternehmenssprecherin am Mittwoch in Tübingen bekannt. Das Tübinger Team soll an Wahrnehmungssystemen tüfteln

DPD-App gewinnt Award als Lieferdienst-Innovation des Jahres
Der britische Paketzusteller DPD wurde bei den Transforming Retail Awards 2020 mit der Auszeichnung "Delivery Innovation of the Year" geehrt. DPD gewann die von Retail Insider vergebene Auszeichnung für die App Your DPD. Die App, die bereits über 8 Mio. Mal heruntergeladen wurde, gibt Empfängern von Paketlieferungen die Kontrolle wie, wo und wann sie ein Paket erhalten. Mit Einsatz der App hat DPD eigenen Angaben nach die Anzahl der Pakete, die gleich beim ersten Mal zugestellt werden, deutlich erhöhen können.

US-Umfrage: 40 Prozent der Konsumenten sind von E-Commerce-Seiten verwirrt
Vier von zehn US-Konsumenten haben Schwierigkeiten mit der Bedienung von E-Commerce-Seiten. Viele können sich auf den Websites nicht orientieren und sind vor allem bei Einkäufen auf Mobiltelefonen verwirrt, wie eine Umfrage von goMoxie zeigt. Den Analysten zufolge gefährdet ein suboptimales Seiten-Design die Umsätze vieler Unternehmen: Bei Schwierigkeiten verlassen 62 Prozent die Seite. Die Hälfte kauft in so einem Fall sogar lieber bei der Konkurrenz. 

In der Corona-Pandemie finden die Bundesbürger Gefallen am digitalen Bezahlen
Mehr als jeder Zweite (54%) hat allein im August beim Einkaufen vor Ort mindestens einmal kontaktlos mit der Giro- oder Kreditkarte bezahlt und die Karte nur kurz vor das Lesegerät gehalten. Rund jeder Vierte (26%) tut das sogar regelmäßig mehrmals pro Woche. Aber auch die kontaktlose Bezahlung mit dem Smartphone oder der Smartwatch, wie sie unter anderem Dienste wie Apple Pay oder Google Pay ermöglichen, sind beliebt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von 1.003 Personen in Deutschland ab 16 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.