Das ist herb für die Branche: Seit Monaten schien es so gut wie nur gute Nachrichten für den Online-Handel zu geben. Und nun beendet mit rakuten.de eine der großen Plattformen des E-Commerce ihr Marktplatzgeschäft in Deutschland schon Mitte Oktober. Für Händler ist die Botschaft klar: Wer das Risiko der Abhängigkeit von einer einzigen Plattform reduzieren will, muss auf vielen Kanälen präsent sein.

///// HANDEL NATIONAL

Rakuten macht Marktplatz dicht
Nach mehr als zehn Jahren auf dem deutschen Markt schließt die japanische E-Commerce-Plattform Rakuten die Präsenz ihres digitalen Marktplatzes in Deutschland. Ab dem 15. Oktober werden bereits keine neuen Bestellungen mehr angenommen. Das teilte rakuten.de gestern seinen Händlern mit, wie Internetworld berichtet hat. Auf der Website selbst war gestern Nachmittag noch nichts vom bevorstehenden Ende des Deutschlandgeschäfts in heutiger Form zu lesen. Als entscheidender Grund wird die Schwierigkeit zitiert, für die Plattform eine "relevante Marktpräsenz" zu erreichen. Statt des bisherigen Marktplatzes soll es künftig wie in anderen europäischen Ländern den Shopping-Club "Club R" geben.

Auch Globus scannt mobil
Statt mit dem Handscanner können saarländische Globus-Kunden ihre Einkäufe jetzt mit dem eigenen Smartphone erfassen. Das ist die logische Fortführung des Angebots "Scan&Go", bei dem die Barcodes der Waren direkt beim Entnehmen aus dem Regal erfasst werden – bezahlt wird an einer entsprechenden Kassenstationen am Ausgang. Das Self-Scanning setzt sich langsam in den deutschen Supermärkten durch. Penny bietet seit Sommer 2020 ebenfalls "Scan&Go" mit dem eigenen Smartphone über eine App an. Auch Globus will nun wohl die Chancen nutzen, dass Verbraucher die notwendigen Endgeräte selbst mitbringen, statt auf Handscanner des Supermarktes zurückgreifen. In Corona-Zeiten ist die Bereitschaft dafür aus Hygienegründen vermutlich besonders ausgeprägt. Das mobile Self-Scanning in der App "Mein Globus" soll daher auch in der nächsten Zeit in weiteren Märkten eingeführt werden. Daniel Richter, Leiter Multichannel bei Globus, zeigt sich zuversichtlich: "Der Trend zum Self-Scanning erfreut sich bei unseren Kunden weiterhin steigender Beliebtheit, weshalb wir die Funktion um eine mobile Version in unserer Mein Globus-App ergänzt haben", erläutert er. Globus betreibt in Deutschland 47 Supermärkte und beschäftigt rund 19.000 Mitarbeiter.

Penny verkauft vegan
Am kommenden Montag startet Penny mit dem neuen Angebot "Food for Future". Es ist nach Angaben des Discounters die erste warengruppenübergreifende vegane Eigenmarke im deutschen Handel. Los geht es mit den Fleischersatzprodukten "veganes Hack" und "vegane Burger Patties" auf Basis von Erbsenproteinen. Im Oktober sollen tiefgekühlte "Pea Burger" und "Rice Nuggets" folgen. Neben diesen Artikeln, die Penny dauerhaft in das Programm aufnehmen will, soll es auch Aktionsprodukte geben.

Agil dank Daten
Spätestens seit Corona steht fest: Händler müssen agil werden, um auf plötzliche Veränderungen am Markt reagieren und solide Entscheidungen treffen zu können. Welche Rolle Daten dabei spielen, beleuchtet unser Gastautor Andrew Lawson - und zeigt am Beispiel des Marktplatzbetreibers Etsy, dass die Transformation auch in kleinen Schritten, die schnellen Mehrwert liefern, funktioniert. 

///// HANDEL INTERNATIONAL

Gespür fürs Turnschuhgeschäft
Nike setzt auf die vorausschauende Analyse von Marktdaten, um den Bestand seines neuen Lagers in Los Angeles besser vorplanen zu können. Emma Cosgrove berichtet auf Retaildive, dass der Sportartikelhersteller dabei Lösungen von Celect einsetzen will, einem von Nike übernommenen Tech-Unternehmen. Mit der Stärkung der bedarfsgesteuerten Lagerhaltung möchte Nike auf das gewachsene digitale Endkundengeschäft reagieren. Der Anteil von Waren, die binnen einem oder zwei Tagen direkt an den Verbraucher geliefert werden können, soll künftig so hoch wie möglich sein – ohne die Lagerhaltung übermäßig aufzublähen. Nike-Finanzchef Matt Friend wird in dem Bericht mit der Aussage zitiert, dass die Auslieferung an den Endkunden künftig eine wichtige Rolle spielen werde. Unter anderem durch Robotik und Automatisierung in den Lagern habe man schon heute die Zeit für die Abwicklung einer Bestellung gegenüber bisherigen Werten auf fast die Hälfte reduziert.

Weihnachtsgeschäft mit Saisonkräften
Der US-Handel setzt auf ein starkes Weihnachtsgeschäft und sucht entsprechend viele Saisonarbeiter. Allein Target will nach einem Bericht von CNBC rund 130.000 Mitarbeiter für die Zeit vor den Feiertagen einstellen. Allerdings haben sich die Profile der Tätigkeiten verändert. So werden 2020 stärker die Abholungen nach einer Onlinebestellung zusammengestellter Einkäufe ("curbside-pickup" oder "in-store-pickup") im Fokus stehen. Das entspricht der Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr: Die Nachfrage nach der Abholung von Onlinebestellungen hat sich bei Target während der Corona-Zeit vervierfacht. Auch von Waltmart berichtet Retaildive, dass das Unternehmen für sein Weihnachtsgeschäft neue Mitarbeiter sucht. Unter anderem sollen zusätzliche rund 20.000 Saisonkräfte in der Abwicklung von Online-Bestellungen eingesetzt werden.

///// TRENDS & TECH

E-Schrott Deutschland
Auf die Pflicht auch von Online-Händlern zur Rücknahme von Elektroschrott weist der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) hin. Dabei nimmt der Verband Bezug auf die Studie "Wie tickt E-Schrott-Deutschland?" im Auftrag des Elektro-Altgeräte Registers. 77 Prozent der Befragten glaubten demnach fälschlicherweise, dass ein Online-Händler nicht verpflichtet sei, nicht mehr genutzte Kleingeräte zurückzunehmen. Die Forderung des BVSE: Der Online-Handel solle seine Pflicht bei der Altgeräterücknahme dem Verbraucher besser kommunizieren.

Neues von Amazon
Bei der gestrigen Präsentation eigener Elektroprodukte hat Online-Händler Amazon einmal mehr seine Rolle auch als Hersteller von Unterhaltungselektronik und Produkten für das Smart Home unterstrichen. Unter anderem wurden der Luna Cloud-Gaming-Dienst vorgestellt, sowie Neuheiten bei Echo, Fire TV und Produkten der Marke Ring. CNET geht davon aus, dass dieser Geschäftsbereich von Amazon 2020 besonders wichtig sein wird. Schließlich verbringen in der aktuellen Situation viele Menschen ihre Zeit zu Hause.

Favorit der Leser
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