Food Delivery ist ein großes Thema, wie die Postmates-Übernahme gerade gezeigt hat. Der Lockdown hat Nachfrage und Angebot befeuert. Viele neue Anbieter werben mit dem Thema Schnelligkeit. Inwiefern die Aussicht, meine vergessenen Milch zum Frühstück tatsächlich in 15 Minuten bekommen zu können, die Walmarts und Rewes dieser Welt ausstechen wird – ich habe da meine Zweifel. Aber Lieferdienste sind in der Tat – eine spannendes Thema!

///// HANDEL NATIONAL

Insgesamt geht es aufwärts, doch ein Fünftel der Unternehmen beschreibt Situation als existenzbedrohend
Ein gutes Fünftel der deutschen Unternehmen sieht sein Überleben durch die Coronakrise gefährdet. Das ergibt sich aus der neuesten Umfrage des ifo Instituts. 21 Prozent der Firmen antworteten im Juni, die Beeinträchtigungen durch Corona seien existenzbedrohend. Das betrifft vor allem die Dienstleister, von denen sich 27 Prozent als gefährdet einstuften. Im Handel waren es 18 Prozent, in der Industrie 17 und auf dem Bau nur 2 Prozent. Im Handel sind es vor allem die Einzelhändler mit 21 Prozent. Der Großhandel ist mit 15 Prozent weniger betroffen. „In den kommenden Monaten könnte sich eine Insolvenzwelle anbahnen“, sagt ifo-Forscher Stefan Sauer. Die komplette ifo-Konjunkturprognose gibt es hier

Lockdown setzte digitale Impulse, aber das Misstrauen gegen E-Commmerce ist weiter groß und der Weg noch lang
Die Zahl der Online-Konsumenten wächst und mit ihr die Kauffrequenz, Verbraucher kaufen vermehrt alltägliche Produkte online und machen dies auch immer öfter mit mobilen Geräten – das sind für Martin Gross-Albenhausen, Geschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland, die wichtigsten aktuellen Trends im E-Commerce – und die gute Nachricht. Die schlechte ist, dass vielerorts noch Misstrauen gegenüber E-Commerce herrscht und zwei Drittel aller deutschen Einzelhändler keinen eigenen Onlineshop haben. Viel greifen imerhin auf Amazon und eBay zurück, um online zu verkaufen; in Zukunft werde sich dies auch auf Facebook und Instagram ausweiten. Wenn sich dies im Zuge des Corona-Lockdowns nachhaltig verändert hat, hätte die Pandemie immerhin einen positiven Effekt gehabt – der aber teuer bezahlt ist. 

Bei Hygienemaßnahmen und Gesundheitsschutz sehen Konsumenten die stationären Händler in der Pflicht
Marktguru.de hat 3000 Nutzer seiner Plattform zum Konsumverhalten während der Corona-Krise befragt. Die Antworten sind zwar nicht repräsentativ, werfen aber ein Schlaglicht auf die Einstellung von Konsumenten: Wie das E-Commerce Magazin berichtet, sieht eine Mehrheit der befragten Verbraucher (58,7 %) die Einzelhändler in der Pflicht, Schutzmittel wie Masken und Handschuhe für den Einkauf bereit zu stellen. Nur 33,1 % wären bereit, für diesen Service zu bezahlen, 66,9 % würden dies als kostenloses Angebot erwarten. Viel bringen dürfte dieser kostenlosen Service dem Händler nicht: Nur 32,8 % der Umfrageteilnehmer würde sich hierdurch zu einem Händlerwechsel verleiten lassen.

///// HANDEL INTERNATIONAL

Es muss nicht immer Amazon sein –
Walmarts Prime-artiger Service soll im Juli starten
Seit Walmart im Februar die Einführung eines abonnementbasierten Dienstes namens Walmart+ bekanntgab, wurde über den Launch-Termin spekuliert. Jetzt hat CNBC unter Berufung auf einen Bericht von Vox Recode als Startmonat Juli genannt. Demnach werde das Mitgliedsprogramm 98 Dollar pro Jahr kosten und die Lieferung von Lebensmitteln am selben Tag, Kraftstoffrabatte an Walmart-Tankstellen und andere Vergünstigungen umfassen. Obwohl Walmart die Spekulationen um den Amazon-Prime-Angriff nicht kommentierte, stieg die Walmart-Aktie um 7%.

Lieferdienste I: Auch DoorDash setzt wie GoPuff, Delivery Hero, Getir und Gorillas auf eigene Lager
Der Dienst DoorDash, der soeben 400 Mio. Investorengeld eingesammelt hat, setzt auch auf eigene Lager, wie Exciting Commerce berichtet. Dieses Konzept verfolgen unter anderem Dienste wie Deliverey Hero, GoPuff, Gorillas und Getir, die jeweils auch die Schnelligkeit der Lieferung herausstellen. Da DoorDash seine Shoptechnologie für Expresslieferungen auch Dritten anbietet, wird der Wettbewerb wohl demnächst noch ein paar (lokale) Lieferdienste mehr umfassen.

Lieferdienste 2: Supermercato24 heißt jetzt Everli und nimmt europäische Expansion ins Visier
Supermercato24 wurde 2014 in Italien gegründet. Das Konzept sieht eine Verbindung von Online und stationärem Handel vor: Die Kunden wählen ihren bevorzugten Supermarkt aus und erledigen ihre Einkäufe online, der Warenkorb wird von einem Servicemitarbeiter im Laden zusammengestellt und direkt zum Kunden geliefert. Shops gibt es in Italien vor allem in Metropolen wie Rom, Mailand, Turin und Bologna. Nach der kürzlichen Übernahme der polnischen Szopi-Plattform und der anschließenden Einführung ihres Dienstes in 12 polnischen Städten will Supermercato24 die Marke in Europa weiter entwickeln – und hat sich darum in Everli umbenannt. Google spielt da noch nicht richtig mit: Bei der Suche bietet einem die Suchmaschine vor allem die Everly Brothers an.

///// TRENDS & TECH

Was die Modebranche so alles digital neu macht – von virtuellen Showrooms bis zu personalisierten 3D-Avataren
In der Digitalisierung ist mächtig Zug drin, vor allem in der Mode- und Bekleidungsbranche. Fashion United hat einen lesenswerten Überblick zusammengestellt. Dieser reicht von virtuellen Showrooms des französischen Luxuslabels Balmain und der Internationalen Modemesse Kopenhagen (CIFF) über den Einsatz von künstlicher Intelligenz und Augmented Reality (Yoox) bis zur Möglichkeit, über Videoanrufe sich von Mitarbeitern durch einen Gucci-Store in Florence führen zu lassen. Und wem die Übersetzung zu holprig ist, der findet hier den englischen Originaltext.

Favorit der Leser
„Zwanzigjährige kaufen doch sowieso alle nur online“ mögen viele denken, doch gerade die junge Generation legt viel Wert auf soziale Verantwortung, Nachhaltigkeit und kauft daher gerne lokal vor Ort. Die junge Käufergeneration kommt wieder in die Geschäfte: 80 Prozent der Gen Z gehen laut des „Generation Z Reports“ von Criteo gerne im stationären Handel einkaufen, sofern es ihre Zeit zulässt. "Was sich die Gen Z vom Handel wünscht" hat Andreas Wienold, General Manager DACH bei Twilio, zusammengetragen – einer der meist geklickten Beiträge im Juni.

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