Der Onlinehandel boomt. Mehr Bestellungen bedeuten aber auch mehr Pakete, mehr Lieferfahrzeuge, mehr CO2-Emissionen. Gleichzeitig verlangen Konsumenten von Unternehmen ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Anna Alex, Gründerin von Planetly, hilft Onlinehändlern ihre CO2-Emissionen zu berechnen, zu reduzieren und auszugleichen. In einem Gastbeitrag nennt sie sieben Schritte, die Unternehmen gehen können, um klimafreundlicher zu werden.

Eine gemeinsame Studie des Beratungsunternehmens McKinsey und des World Economic Forums belegt, dass der Anteil an Gütern des täglichen Bedarfs, die im Netz geordert werden, weltweit jährlich um rund 10% steigt. Ein wachsender E-Commerce-Markt bedeutet aber auch mehr Logistik, mehr Pakete, mehr Lieferfahrzeuge – mehr CO2-Emissionen. ​​

Die Zunahme an Letzte-Meile-Diensten führt laut McKinsey in den weltweit 100 größten Städten bis 2030 zu 36% mehr Lieferfahrzeugen auf den Straßen. Die CO2-Emissionen könnten infolgedessen um rund 25 Millionen Tonnen steigen.
Vom Versand über die Retourenpolitik bis zur Reduzierung des Stromverbrauchs: Händler verfügen über viele Hebel, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.
© IMAGO / Panthermedia
Vom Versand über die Retourenpolitik bis zur Reduzierung des Stromverbrauchs: Händler verfügen über viele Hebel, um ihren CO2-Fußabdruck zu verringern.

Auf der anderen Seite befinden wir uns in einer Zeit, in der die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf allen Agenden ganz weit oben stehen – nicht zuletzt, weil sich auch das Bewusstsein der Verbraucher geändert hat. So planen nach einer aktuellen Umfrage 81% der Kunden, in den nächsten fünf Jahren mehr umweltverträgliche Produkte zu kaufen.

Der Wunsch nach nachhaltigem E-Commerce steigt. 62% der Verbraucher wünschen sich bereits jetzt, dass Unternehmen öffentlich unter anderem zu ökologischen Themen Stellung beziehen. Wie aber schaffen Unternehmen dieser boomenden Branche den Schritt in die Nachhaltigkeit? Was sind sinnvolle Maßnahmen? 

Schritt 1: Identifizierung der größten Emissionstreiber

Zunächst sollte sich jedes Unternehmen klarmachen, dass die größten Emissionstreiber identifiziert werden müssen. Denn es lässt sich generell nur das managen, was man auch messen und belegen kann. Wichtig hierbei ist eine professionelle Erhebung der Daten holistisch über das gesamte Unternehmen und alle Prozesse. Also beispielsweise auch die Logistik. Diese müssen aufbereitet werden und sollten auch transparent an die Mitarbeiter gespielt werden.

Schritt 2: Nutzung klimafreundlicher Versandlösungen

Gerade auf der letzten Meile kommt es zu einer erheblichen Belastung für das Klima. Unternehmen sollten daher ihre Versandmöglichkeiten dringend überdenken. Nicht alle Zusteller liefern bereits klimaneutral. Interessant wäre daher die Überlegung, auf elektro- oder wasserstoffbetriebene Autos oder Zustellroboter umzusteigen.

Immer mehr Pakete, immer mehr Rücksendungen: Zu wissen, was mit den Retouren passiert, wird für Händler im Zuge ihrer "Obhutspflicht" immer wichtiger.
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Nachhaltigkeit

Checkliste: Was Händler beim Thema Retouren beachten müssen

Schritt 3: Verpackungsmaterial reduzieren

Verpackungen machen bis zu 30% des CO2-Fußabdrucks im E-Commerce aus. Im Jahr 2017 fielen in Deutschland 18,72 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. Den gilt es zu vermeiden. Daher ist es ratsam, auf nachhaltige Verpackungslösungen umzusteigen. Wichtig ist es, Materialien mit hoher Recyclingfähigkeit zu nutzen, weniger Plastik zu verwenden und insgesamt die Komplexität von Materialien zu reduzieren sowie auf Mehrwegverpackungslösungen zu setzen.

Schritt 4: Energieeffizienz steigern

Der Stromverbrauch in Büros und Lagerhallen ist einer der ersten Faktoren, die man recht simpel effizienter gestalten kann. Die Umstellung auf Ökostrom ist ein guter Anfang. Aber auch die Nutzung von Lampen mit Bewegungsmeldern darf nicht unterschätzt werden. Mit Bewegungsmeldern ausgestattete Lampen sind eben auch nur dann an, wenn es nötig ist.
Verpackungen machen bis zu 30% des CO2-Fußabdrucks im E-Commerce aus. Händler sollten deshalb auf recyclingfähige Verpackungsmaterialien setzen.
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Verpackungen machen bis zu 30% des CO2-Fußabdrucks im E-Commerce aus. Händler sollten deshalb auf recyclingfähige Verpackungsmaterialien setzen.

Schritt 5: Retouren minimieren

Studien zeigen, dass 30% der Verbraucher bewusst mehr bestellen und unerwünschte Artikel zurückgeben, wenn kostenlose Rücksendungen angeboten werden. Eine Möglichkeit, Retouren zu minimieren, wäre die Kunden bereits beim Bestellprozess auf eine klimafreundliche Bestellung hinzuweisen und zu raten, nicht bewusst mehr zu bestellen. So könnten etwa Versandhäuser ihre Größentabellen professioneller, nutzerfreundlicher und prominenter gestalten und das Produkt ausführlicher beschreiben.

Werden Artikel etwa wegen schlechter Qualität vermehrt zurückgeschickt, lohnt es sich, diese Artikel zumindest vorübergehend aus dem Sortiment zu nehmen, bis die Sache geklärt ist. Dies verhindert weitere Bestellungen und weitere Retouren.

Schritt 6: Produkten eine zweite Chance geben

Immer mehr Anbieter haben es sich zur Aufgabe gemacht, Produkte aufzubereiten und ihnen so ein zweites Leben zu schenken. Nicht immer muss es ein neues Produkt sein, ein neuartiges tut auch oft auch und lässt sich kaum von tatsächlich neuen Produkten unterscheiden. Es ist daher sinnvoll, seine Produktpalette um neuartige Produkte zu ergänzen.

Ebenso sollten E-Commerce-Anbieter als Teil der Kreislaufwirtschaft zurückgeschickte Produkte reparieren statt sie auszutauschen. Einer Umfrage nach halten es 83% der Konsumenten für wichtig, dass Unternehmen Produkte entwickeln, die wiederverwendet und recycelt werden können, und 50% der Konsumenten sind sogar bereit, mehr Geld dafür zu bezahlen.

Schritt 7: Kompensation von Emissionen

Wer seine Emissionen nicht restlos vermeiden kann, der sollte diese kompensieren. Es gibt jede Menge zertifizierte Klimaprojekte, die finanziell unterstützt werden können. Kompensation sollte aber immer der letzte Schritt und die CO2-Reduzierung das angestrebte Ziel sein.

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